Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Victor Auburtin >

Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 75
Quellenangabe
pfad/aubertin/feuillet/feuillet.xml
typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110428
projectidc12e89c6
Schließen

Navigation:

Die Stimme des Herrn

Auf dem Polizeikongreß in Wien ist darüber beraten worden, welches die internationale Polizeisprache sein solle. Also in welcher Sprache die Polizeipräsidien verkehren können, wenn von London über Paris einer gesucht wird; ob Englisch oder Französisch oder so.

Selbstverständlich kam das Esperanto gar nicht in Frage. Die Polizisten sind viel zu kluge Leute, als daß das Esperanto für sie in Frage kommen könnte, dessen einziger Vorzug ist, daß es von jedem neu gelernt werden müßte. Während, wenn man zum Beispiel Englisch als allgemeine Sprache wählt, wenigstens die Engländer nichts Neues zu lernen brauchten.

(Das Esperanto erinnert mich immer an die Geschichte von den beiden Freunden, die eine Zusammenkunft verabredeten. Der eine sagte: Ich bin die ganze Woche besetzt und kann nur am Dienstag. Der andere sagte: Ich bin auch die ganze Woche besetzt und kann nur am Freitag. Daraufhin wählten sie den Mittwoch, weil es da allen beiden nicht paßte.)

Nein; der Polizeikongreß hat vorgeschlagen, das Latein als internationale Verkehrssprache zu empfehlen, weil das eine Sprache sei, von der schließlich jeder irgend etwas verstehen muß. Gerade in der letzten Zeit hat die Sprache Virgils im öffentlichen Leben ja geradezu um sich gegriffen. Man denke an Devisenspekulation, Multiplikator, Valutaschieber, alles klassische Worte, die uns jetzt in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Auch ist das Latein klar und präzise und eignet sich vorzüglich für die Erledigung behördlicher Angelegenheiten. In der Grammatik, aus der ich gelernt habe, stand gleich zu Anfang ein Satz, der mir in seiner Schönheit unvergeßlich geblieben ist: Imperator omnes cives caedi iussit. Auf deutsch: Der General befahl, daß alle Bürger zusammengehauen werden sollten.

Beachte, um wieviel kürzer die lateinische Fassung ist, so daß also im öffentlichen Verkehr eine wesentliche Zeitersparnis erzielt werden würde.

 << Kapitel 74  Kapitel 76 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.