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Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 6
Quellenangabe
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typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectidc12e89c6
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Das Sonett

Ich hatte das alte italienische Sonett zu Ende gelesen. Schaudernd schloß ich die Augen und lehnte mich im Stuhle zurück.

Dann gab ich das Buch dem Professor zurück und sagte: »Das ist das keuschste und heiligste, was ich je las. Es ist wie der Gesang eines ganz jungen Engels vor Gottes Thron; eines jungen Engels, der zum ersten Male die goldenen Saiten der großen Harfe greifen darf. Zögernd und doch voll Zuversicht. Welch Minnesänger hat dieses Lied auf die reinste Frau geschrieben?«

Der Professor antwortete mir: »Dieses Gedicht wurde von dem Hofpoeten der Gonzaga geschrieben, als er wegen Wuchers im Gefängnis saß. Er schrieb es auf die venerische Mätresse seines Fürsten und hoffte dafür die Freiheit zu bekommen. Die Freiheit erhielt er nun zwar nicht, aber man schickte ihm als Dank einen kalten Kapaunenbraten ins Gefängnis. Und auch damit war er immerhin zufrieden.«

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