Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Victor Auburtin >

Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 57
Quellenangabe
pfad/aubertin/feuillet/feuillet.xml
typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110428
projectidc12e89c6
Schließen

Navigation:

Pasewalk

Ich komme jedes Jahr mindestens einmal mit der Eisenbahn durch Pasewalk gefahren und habe fünf Minuten Aufenthalt in dieser Stadt, die über einen so wohlklingenden Namen und über so große Erinnerungen verfügt.

Die Erinnerungen Pasewalks sind zwiefacher Art: die Schinkenbrötchen und die Kürassiere.

Die Schinkenbrötchen des Pasewalker Bahnhofs waren vor dem Krieg berühmt in der ganzen Welt; auf keinem Bahnhof der Erde hat es jemals solche Schinkenbrötchen gegeben wie in dem Bahnhofsrestaurant Pasewalk.

Was aber die Pasewalker Kürassiere anbetrifft, so konnte man sie oft bei der Durchfahrt in dem Bahnhof stehen sehen. Sie trugen hohe Stiefel, und ihre Augen sagten: Euch werden wir es schon zeigen.

Und nun sind sie beide dahin und sind alte Geschichte geworden wie Babylon und der König Hammurabi: und ich kann gar nicht sagen, wie leid es mir um diese Schinkenbrötchen tut.

An dem Tisch, auf dem früher die Brötchen lagen, wird jetzt Kaffee verschenkt, und ich trete melancholisch heran und bestelle mir eine Portion. Und melancholisch reicht mir das Fräulein die Tasse.

Wie? Sollte auch diese junge Dame der großen Zeit nachsinnen? Gewiß, das tut sie sicherlich. Aber sie ist nicht so schüchtern wie ich, sie denkt nicht an die Schinkenbrötchen, sondern sie träumt von den großen Stiefeln. Denn diese jungen Mädchen haben noch Poesie.

Aber um Pasewalk herum, durch ganz Pommerland, ist jetzt die Heuernte im Gange. Unser Zug kommt an einem einsamen Heuhaufen vorüber, in dem ein Jüngling und eine Jungfrau zärtlich umschlungen liegen. Offenbar haben wir die beiden in etwas gestört, denn sie blicken uns mißbilligend an; auch scheinen sie ungeduldig, weil der Zug so lang ist und gar kein Ende nehmen will.

Ich segne euch, liebe Kinder. Mögen die Herrscher vergehen mit ihren Janitscharen, wenn nur die Heuernte immer fruchtbar gerät.

 << Kapitel 56  Kapitel 58 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.