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Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 28
Quellenangabe
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typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Die wahre Geschichte

Es sind in den letzten Jahren so viel Memoiren und Tagebücher veröffentlicht worden, daß allmählich die Geschichte, wie sie wirklich war, bekannt wird. Was wir bis jetzt in der Geschichte gelesen haben, das war ja immer nur das Geschreibe von nationalliberalen Professoren.

Der Arzt, der den sterbenden Goethe behandelt hat, schreibt: Als ich bei ihm eintrat, waren seine Gesichtszüge in gräßlicher Todesangst verzerrt. Die schönen Worte, die man ihm später angedichtet hat, die habe ich nicht gehört.

Ein Mann, der Heinrich Heine als Student in Göttingen kennenlernte, schreibt: Heine trägt immer eine Brille und einen langen Rock, der ihm bis zu den Füßen reicht; ich muß den kleinen Kerl liebhaben, trotz seiner abschreckenden Häßlichkeit und Aufdringlichkeit.

Fürst Eulenburg in seinen Memoiren schreibt: Bismarck steckte beim Essen das Messer in den Mund.

Das liest man gerne, nicht wahr? Und sicher ist es auch so gewesen.

Goethe bestand nämlich nicht aus Marmor; er war auch kein Germanist; noch sprach er immer in Zitaten. Vielmehr unterhielt er sich gern über Weiber und regte sich an den Schuhen der Christiane auf. Darum hatte er Angst, als es ans Sterben ging. Sein ganzes Werk wäre ja nur Literatur gewesen, wenn er keine Angst vor dem Tode gehabt hätte.

Die Lorelei hat nur von einem jungen Mann mit Brille geschrieben werden können; deshalb wird es uns so weich ums Herz, sooft wir sie singen.

Und rückt Bismarck uns nicht näher, wenn wir hören, daß er wenigstens bei Tisch sich so benommen hat wie wir alle?

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