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Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 17
Quellenangabe
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typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Nick Carters Ende

Der englische Schriftsteller Nick Carter hat Selbstmord verübt: er ist sechzig Jahre alt geworden und hat während seines Lebens 1076 Schundromane geschrieben.

Es waren das jene Kriminalgeschichten, die hauptsächlich von erdrosselten Bankdirektoren handelten und die sich vor zwanzig Jahren, namentlich bei der reiferen Jugend, einer so außerordentlichen Beliebtheit erfreut haben. Diese Werke sind in alle Kultursprachen der Welt übersetzt worden, und sie haben nicht unerheblich zur Förderung des Heldengeistes beigetragen, der den Krieg vorbereitet und möglich gemacht hat.

Wenn es heute Straßenraubversicherungsgesellschaften gibt und wenn diese Unternehmen die günstigsten Dividenden verteilen, Herrn Nick Carter verdanken wir das, und niemand anderem.

 

Mit seinen 1076 Schundromanen kann Nick Carter als einer der fruchtbarsten Autoren der Weltliteratur angesehen werden, er steht etwa neben Lope de Vega, von dem tausend Dramen bekannt sind. Nur mit dem Unterschied, daß Schundromane viel schwerer zu schreiben sind als Dramen und auch daß die Leistung Nick Carters die Lope de Vegas also bei weitem übertrifft.

Wer ein Drama schreiben will, der braucht sich ja seinen Stoff nicht erst zu erfinden, er entnimmt ihn der Geschichte oder stiehlt ihn von einem anderen, wie zum Beispiel Shakespeare alle seine Stoffe gestohlen hat. Der Verfasser von Kriminalgeschichten muß sich alles selbst erfinden und immer etwas Neues, denn sein Publikum ist anspruchsvoll.

Es ist außerordentlich anstrengend, 1076 Schundromane zu schreiben.

 

Aber glücklich scheint es nicht zu machen, wie sich aus dem traurigen Ende Nick Carters erkennen läßt.

Und berühmt macht es auch nicht, denn er hieß gar nicht Nick Carter, sondern hatte einen anderen Namen, den niemand kennt.

Und sehr anständig ist es auch nicht.

Wenn es aber weder Glück bringt noch Ruhm verschafft, noch anständig ist ... warum schreibt man dann eigentlich Schundromane?

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