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Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 156
Quellenangabe
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typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Medizinisches Kolleg

In Rußland verbieten die Ärzte den Patienten das Telefonieren, weil es den Nerven schädlich ist und die Arterienverkalkung beschleunigt.

In Rußland scheint es vernünftige Ärzte zu geben, die eingesehen haben, daß dem Menschen das Unangenehme schadet und das Angenehme förderlich ist.

Wenn ich zu meinem Arzt gehe, so besieht er mich erst eine Weile und sagt dann: »Sie sind ganz gesund, aber Sie sollten sich für die Zukunft doch etwas vorsehen. Also trinken Sie keinen Kognak und kein Bier. Namentlich das gute Bier ist zu vermeiden, schlechtes, dünnes Bier können Sie hin und wieder einmal versuchen. Sie trinken wohl gern Bordeaux? Ja? Also dann dürfen Sie keinen Bordeaux mehr trinken. Wenn Sie sich Anregung verschaffen wollen, so trinken Sie kalten, ungezuckerten Tee oder lauwarme, ungezuckerte Limonade.

Keine Rebhühner, keinen Spargel, keine Krebse, keine Austern, keinen Hasenbraten, keinen Pflaumenkuchen, keine Schlagsahne. Und selbstverständlich niemals Kaffee trinken, und das Rauchen ist auf das strikteste zu vermeiden. Dann, lieber Freund, werden Sie hundert Jahre alt.«

Ja, aber ich will gar keine hundert Jahre alt werden, keine fünf Tage will ich ohne meinen Kaffee nachmittags und die Zigarre aushalten. Das Embryo im Spiritus, das hält es ohne Kaffee und Zigarre aus und wird dabei hundert Jahre alt. Aber wer möchte mit ihm tauschen! Und wie sieht es aus!

 

Und ich suche einen Arzt, der mir sagt: Sie dürfen nicht Ihre Steuern bezahlen, das schlägt auf die Leber. Vermeiden Sie den Weißkohl und die Haferschleimsuppen; und trinken Sie kein Wasser, denn das Wasser würde Sie langweilig machen.

Und dann natürlich vor allem: Arbeiten Sie nicht so viel, schreiben Sie nicht immer für die Zeitung; das stört Ihre Verdauung, und schließlich kommt ja doch nichts Gescheites dabei heraus.

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