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Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 142
Quellenangabe
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typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Geschäfte

Am gestrigen Sonntag habe ich aus meiner Bibliothek zwei Bände alter Briefe hervorgeholt und in einem Bande nach dem andern geblättert. Es waren die Briefe der Frau von Sevigné ungefähr 1670) und die Briefe des Konsuls M. T. Cicero (ungefähr 60 vor Christus).

 

Die Frau von Sevigné schreibt beispielsweise folgendes: »Immer noch schleppe ich mich mit allen diesen Sorgen und Geschäften herum. Ich habe gestern über Ihre Angelegenheit mit dem Herrn v. Pompone gesprochen und dann mit dem Abbé de Grignan und Herrn de la Garde zu Mittag gegessen. Alle sind der Meinung, daß Sie diese Reise unbedingt antreten müssen, und zwar so bald als möglich. Ach, wenn man doch nur einen Tag ruhig für sich haben könnte. Jetzt ist das Neueste, daß nicht Herr de Chaulnes den Vorsitz der Stände haben wird, sondern Herr de Lavardin, der gestern hier ankam und Montag wieder abreist; es scheint also, daß irgendeine Verhandlung bevorsteht. Herr Chapelain hat einen Schlaganfall gehabt und liegt im Sterben. Die Noailles kann nicht mehr an den Hof gehen, weil sie schwanger ist. Man studiert jetzt eine neue Oper ein, die noch schöner als ›Venise‹ sein wird.«

 

M. T. Cicero schreibt seinerseits: »Ich habe Dir nicht früher antworten können, weil ich eine Unzahl der widerwärtigsten Sachen auf dem Halse habe. Die neunzigtausend Sestertien sind in der Staatskasse niedergelegt; um sie freizubekommen, ist ein Senatsbeschluß nötig, dazu müßte ich mich aber dieser Angelegenheit mindestens dreißig Tage widmen, und wo soll ich die Zeit hernehmen! Die Krankheit Tullias hält mich in Rom zurück, und selbst wenn das vorüber sein wird, kann ich noch nicht fort, weil ich mit den Prokuratoren über die Auszahlung der ersten Pensionsrate zu verhandeln habe.«

So trieb man es sechzig Jahre vor Christus, so trieb man es unter Ludwig XIV; so treiben wir es heute.

 

Inzwischen flammt da draußen der Oktober, Tag um Tag, und wird bald unwiederbringlich vorüber sein. Weiße, halb unsichtbare Fäden fliegen und schimmern und wandern über das Land; und in den Gärten steht die Stille, für die wir keine Zeit haben.

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