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Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 134
Quellenangabe
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typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Was ist der Mensch?

Ich lasse mir bei einem neuen Schneider einen Anzug machen, und es ist die erste Anprobe. Der neue Schneider ist einer von den eifrigen Schneidern, er will alles genau so machen, wie es meinen Wünschen entspricht.

»Pflegen der Herr Doktor Klappen an den Jackettaschen zu tragen?« fragt er mich.

»Ja, entschuldigen Sie«, antworte ich lachend, »darauf habe ich noch nicht geachtet. Sehen Sie doch, bitte, einmal in dem alten Anzug nach, ob der Klappen hat.«

Aber eigentlich ist gar nichts darüber zu lachen; ich trage diesen Anzug ein Jahr, und es ist eher bedenklich, daß ich in diesem Jahr noch nicht bemerkt habe, ob an den Taschen Klappen sind oder nicht.

Jetzt mißt der Schneider an der neuen Weste herum. »Pflegen der Herr Doktor die Uhr in der linken oder in der rechten Westentasche zu tragen?« fragt er.

Ich antworte nicht, und der Angstschweiß bricht mir aus.

Ich besitze eine Uhr seit meiner ersten Kommunion, das sind jetzt vierzig Jahre, und es ist meine Gewohnheit, alle zehn Minuten nach der Uhr zu sehen.

Und nun rechnen wir einmal. Vierzig Jahre sind ungefähr 14 400 Tage, das macht 172 000 Stunden, wenn wir die Nachtzeit abziehen und den Tag mit zwölf Stunden setzen. In jeder Stunde habe ich sechsmal nach der Uhr gesehen, das sind 1 032 000 Male. Eine Million und zweiunddreißigtausend Mal habe ich meine Uhr aus der Westentasche geholt und weiß immer noch nicht, ob ich sie aus der linken oder der rechten Westentasche geholt habe.

»Bitte«, sage ich zu dem Schneider, »sehen Sie doch einmal in der alten Weste nach, wo die Uhr steckt.«

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