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Sündenfälle. Feuilletons

Victor Auburtin: Sündenfälle. Feuilletons - Kapitel 131
Quellenangabe
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typenarrative
authorVictor Auburtin
titleSündenfälle. Feuilletons
publisherRütten und Loening
editorHeinz Knobloch
year1970
isbn3-7466-6061-0-1
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Der Schritt ist das Ziel

Von Maderno bis San Felice bildet der Gardasee jene große Bucht von Salò, die heut so still und einsam daliegt, weil es Sonntagmorgen ist.

Das Wasser ist blau und scheint so leicht und dünn wie die Luft, und die Ölwälder senken sich ihm schweigend zu. Durch diese Ölwälder aber geht man gelassen mit reinem Herzen hin und bleibt stehen und wieder stehen in der Stille. Denn jeder Schritt ist reich an Schönheit und ist das Ziel, und jeder Baum zu schade, daß man daran vorübergeht. Jeder Schritt das Ziel.

Da biegt das Automobil der feinen Leute in die Seestraße ein und beginnt nun gleich, die ganze Bucht herumzueilen. Es schreit und tutet schon von weitem, damit man ihm aus dem Wege gehe, und macht einen großen Staub, der langsam in die Berge steigt. Und ehe ich noch recht aufgeschaut habe von dem Madrigal Torquato Tassos, das ich gerade lese, ist das Automobil der feinen Leute schon in einem Hui verschwunden.

Aber der Zufall will, daß ich mittags bei der Table d'hôte neben eine der feinen Automobildamen gesetzt werde.

»Was ist denn so Schönes an diesem Automobilfahren?« fragte ich sie.

»Aber ich bitte Sie«, sagte sie freudig, »denken Sie doch, daß wir nur zehn Minuten gebraucht haben, um die ganze Bucht zu umfahren! Wie lange brauchen Sie denn, wenn Sie zu Fuß und mit Ihrem Spazierstock um die Bucht kriechen?«

Nur zögernd antwortete ich: »Ich wünschte, ich brauchte meine Lebenszeit dazu, um dieses sonntägliche Ufer entlangzugehen.«

Sie sagte: »Wie bitte?« und ersuchte mich, ihr die Salatschüssel herüberzureichen.

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