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Studenten-Beichten

Otto Julius Bierbaum: Studenten-Beichten - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorOtto Julius Bierbaum
titleStudenten-Beichten
publisherSchuster & Loeffler
volume1
printrunSechste Auflage
year1902
firstpub1893
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060219
modified20180502
projectid7b3e5ad2
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Die erste Mensur

Parodistischer Versuch im Tone des »Papa Hamlet«

Pinginginglinggg . . . .

»Uff, hu, äh, gleich, aoooh!«

»Deiwel noch 'nein, machste gleich uff, Leibfuchs?«

Zwei Beine stöbern nach zwei Filzschuhen auf einer schwarzen Decke aus Pudelfell. Ein Korpsband baumelt vom Nachttisch: rot-weiß-rot.

»Deiwel noch 'nein, kommste bald?«

»Ä – chft, ft, gleich, meine Pantoffel, ooo – chft!«

Ein Pantoffel schiebt sich an die Thüre. Riegelschnappen.

»Na, Donnerwetter, endlich!«

»'N morgen, Leibbursch!«

»Deiwel noch mal, mach fix. Ich gloobe der Kerl hat vergessen . . . !«

Äh . . . ?«

»Nee, nu schlag aber eener lang hin! Biste noch voll?«

»Nee, bloß ekligen Jammer.«

»Na, Donnerwetter, Du sollst doch heite losgehn.«

»Herrgottsteufel, ja, Himmelherrgott, nee, warte, gleich, Deiwel noch mal, Herr . . .«

Prrst, prrst, schbstschst, pscht.

»Donnerwetter, spritze nich so.«

»Aah, aah!«

»Nee, nich so gute Hosen. Haste keene alten?«

»Die da?«

»Na, die sin' eklig schäbig. Mal 'rin. Fix!«

»So!«

»Na, nu's Bierseil um, und e Stück Fuchsenband in die linke Hosentasche.«

»Äh?«

»Das hilft gegen Kneifen. Fertig?«

»Gloobe.«

»So komm'!«

»Aber Kaffee?«

»Mumpitz. Aber haste Roschern e altes Hemde geschickt?«

»Gestern.«

»Na 'rin, steig ein. Fort, Kutscher.«

Rum pum rackakakaka rum pum rum raka . . . »Also stramm Hochquart an« . . . pum rakakak pum . . . »feste off'm Krux« . . . rakakak . . . »Donnerwetter so 'n Rumpeln« . . . ratterattatteratteratterakakak . . . »steile Terz« . . . rumpelumpumpumpumpum . . .

»Hakenquart, so, bloß Handgelenk . . .« tatteratattatta . . . »Gottverdammich, hört das Gerumple nich bald . . .« rottottotto . . . »immer anschlagen, nich auslassen. Gott sei Dank, endlich die Chaussee.«

Rechts grün, links gelb, oben blau. Langsam im Sande.

»Leibfuchs, schläfste?«

»Nee.«

»Na so mach de Oogen off. Wir sin' gleich da.«

»Brrr!«

»Hup! Na fix 'n bißchen.«

»Du, ich möchte aber endlich 'was in 'n Leib.«

»Da, Portwein mit Ei. Bodega. Kraft in den Biceps.«

Stimmen von allen Seiten. Cigarrendunst legt sich über die Holztische und verschlingt die immer heraustönenden Worte: Quart, Terz, Durchzieher.

»Roscher! Anbandagieren.«

Der Korpsdiener schleppt die Bandagen herbei.

»So, Herr Turm, nu, bitte, das Schakettchen runter und de Weste und's Hemde ooch.«

»Brr, kalt, ah«

»So, das Mensurhemde. Warten Se nur, ich mache alles.«

»Leibbursch!«

»Na?«

»Komm doch her.«

»Was denn?«

»Paß 'n bißl auf.«

»Woroff denn?«

»Na, so.«

»So, nu den Bauchschurz. Halten Se hinten den Riemen feste, Herr Turm.«

»Gott, o, enge. Man kann sich kaum bewegen.«

»De sollst Dich ooch nich bewegen. Stille stehn sollste.«

»Fui Deiwel, stinkt die Halsbinde. Äh, mir wird schlecht.«

»Deiwel noch emol, laß das gefälligst blei'm.«

»Was is denn das?«

»Blut Deiner Korpsahnen. Ä ganz besonders feierlicher Saft.«

»Gott, Sie wickeln mir ja den ganzen Arm zusammen. Ich kann ihn ja nicht mehr biegen.«

»Sollste ooch nich. Steif halten sollst'n.«

»Deiwel, is das ungemiedlich.«

»Schnell, Roscher, drüben sind se schon fertig.«

»Donnerwetter, Du, hat der Baumeister aber Arme!«

»Na, Deine sin ooch nich von Pappe. Man druff! . . . So, nu de Paukbrille.«

»Au!«

»Immer feste, Roscher.«

»Nee, aber nu is genug. Ich sehe gar nischt, gar nischt. Und mei Arm und mei Hals. So kann man doch nicht . . .«

»Stille biste. So, komm'. Schleppfuchs! Deiwel noch mal, wo rennste denn immer rum. So. Na los, off 'n Krux!«

Breitbeinig, Schritt für Schritt, fest den Riemen zwischen die Beine ziehend, steif den Hals in der dicken Lederbinde, wagerecht hinaus den rechten Arm mit dem Paukhandschuh, die Haare durcheinander, langsam vorwärts. Schleppfuchs stützt graziös den Arm. Der Testant untersucht die Klinge.

»So, auf den Krux. Hier bleibste feste. Roscher, de Sekundiermütze und den Speer für mich. So. Stehste?«

»Ja.«

»Kognak da, Roscher?«

»Eine ganze Flasche.«

»Also. Äh.«

Swswswswswswsw.

»Gut, der Speer!«

»Herr Unparteiischer!«

Swswsws . . . Stille.

»Wir bitten um Silentium für eine Partie auf Schläger, 15 Minuten, mit Binden und Bandagen.«

»Silentium für eine Mensur auf Schläger, 15 Minuten, mit Binden und Bandagen.«

»Herr Unparteiischer, wir bitten um Silentium für den Ehrengang.«

»Silentium für den Ehrengang.«

»Bindet die Klingen! Sind gebunden – los! Halt!«

»Herr Unparteiischer, wir bitten um Silentium für den ersten Gang.«

»Silentium für den ersten Gang.«

»Bindet die Klingen! Sind gebunden! Los!«

Ffft! fft! fft! ffft!

»Halt!«

»Herr Unparteiischer. Stehen sich die Paukanten nahe genug?«

»Ja!«

»Bindet die Klingen! Sind gebunden! Los!«

Ffft, fft, fft!

»Halt!«

»Herr Unparteiischer! Ich bitte drüben auf Quartseite nachzusehen!«

»Ich finde nichts.«

»Herr Unparteiischer! Wir bitten um Pause.«

»Silentium! Pause für L . . . ia.«

»Leibfuchs, das is 'ne ekelhafte Stopselei. Ich habe Dir doch gesagt: Hochquart, Durchzieher, Terz, Hakenquart. Wenn Du nu im nächsten Gang nich triffst, drehn wir Dich 'rum.«

»'n Kognak!«

»Roscher, den Kognak!«

»Aaah, brr, aah!«

«So.«

»Silentium für den Fortgang der Mensur.«

»Bindet die Klingen! Sind gebunden! Los.«

Ffft fft, fft, depp, depp, fft, dep, dopp!

»Halt!«

»Du, was roocht denn da drüben?«

»Silentium! Ein blutiger auf Seiten von L . . . ia.«

»Bindet die Klingen! Sind gebunden! Los!«

Depp, depp, depp, dopp, dopp!

»Halt!«

»Herr Unparteiischer, wir bitten drüben auf Quartseite nachzusehen!«

»Deiwel Du, was ist denn das, mir läuft's ja ganz heiß über die Augen?«

»'N lappigen Kretzer oben.«

»Herr Gott, und wie der roocht drüben.«

»Hakenquart. So noch 'n paar, dann is recht.«

»Herr Unparteiischer, wir erklären die Abfuhr.«

»Silentium, Abfuhr auf seiten L . . . ia nach 4½ Minuten mit zwei Blutigen. Mensur ex.«

»Aaah, aah.«

»'Na, berühmt war's nich, Leibfuchs. Gestopselt haste wie'n schwindsüchtiger Finke.«

»Gott sei Dank, daß ich die Halsbinde . . .«

»Flinte! Na, wie is es denn drüben?«

»Nischt besondes, aber Ohr is lädiert.«

»So, nu' hier den Kretzer zu!«

»O, o, o, o, o, o, . . . Deiwel . . . au doch!«

»Na, mer sin ja schon fertig. Bloß drei Nadeln. Nu de Gombresse.«

»Donnerwetter, Leibfuchs, jetzt siehste nach was aus! Und nach Jodoform stinkste, als wenn ich Dich abgestochen hätte. Nu kannste ooch Kaffee trinken.«

»Aah! Schlp–hu, schlp–hu. Ah.«

* * *

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