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Studenten-Beichten

Otto Julius Bierbaum: Studenten-Beichten - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorOtto Julius Bierbaum
titleStudenten-Beichten
publisherSchuster & Loeffler
volume1
printrunSechste Auflage
year1902
firstpub1893
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060219
modified20180502
projectid7b3e5ad2
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7.

Aus is! Aus is! Ach, Du mein Lieber, – »ja das Exmatrikulieren ist ein böses Ding, ja, ja!« Nicht vonwegen der Examina, – die sind vorüber, und ich bin nun glücklich Referendarius mit 1,50 Pfg. Federgeld vierteljährlich. Aber das viele Schöne, Freie, von dem man Abschied nehmen muß.

Jeanette . . .! Mein lieber Marcel, es war ein derber Ruck, wie zwischen uns Zweien das blutrote Liebesband zerriß. Dummer Ausdruck das. Aber mir ist 's so. –

Sie hatte es lange vorher gemerkt, als der Tag kam. Nie sprach sie davon, aber ihre Zärtlichkeiten thaten weh. Wir hatten uns auch versprochen, nicht darüber zu reden. Aber der Zufall störte uns. Eigentlich war er komisch, dieser Zufall.

Eines Abends sitzen wir beieinander, und Jeanette war ausgelassen wie ein Sperling; wir dachten wirklich gar nicht an diese verfluchte nächste Notwendigkeit. Da »klopp klopp klopp«. »Herein!« Und es erscheint Herr Xaver Wambsgans, mein Schneidermeister, mit dem Examenfrack. Wie ein heiliges Kleinod trug er den verdammten schwarzen Leibrock und konnte sichs natürlich nicht verkneifen, Segenswünsche zu deklamieren, denn er ist stolz darauf, daß er die Bestimmung dieser Art Garderobe kennt. Kaum er 'raus, da purzeln ihr auch schon die Salzwasserkugeln über die Backen. »Aber Mauserl! Geh' laß das Heulen!« Aber sie legte ihren Kopf an meine Brust und schluchzt und schluchzt, und es will garnicht mehr aufhören, das Rinnen und Gießen. Ich stellte ihr vor, daß ich ja durchfallen könnte und das der Frack kein Beweis sei und alles Mögliche noch.

»Naa, naa, mach koa' Sprüch. I geh'.«

Und sie lief mir heulend davon.

Seit sie den Frack gesehen, war's aus. Keine Gemütlichkeit mehr. Immer lauerten Thränen. Wir waren ganz fidel machmal, – da streift ihr Blick den Kleiderschrank, wo das schwarze Aas hing, und: futsch ihre Heiterkeit: Schluchzen und Weinen.

Dann wieder, kurz vor dem Termin, Umschlag, Ruhe und denke Dir, womit sie mich am Tage vor dem Examen überraschte. Sie erschien mit einem Packet.

»Ja was hast Du denn da?«

»I hab Dir Dei scheens Hemmad biegelt, dös mit Bleameln vorn, . . . für Dei Examen.«

Mensch! Mensch! Da hätt' ich fast geheult . . . Das gute, gute, liebe Kind!

Welch eine Kanaille an Undankbarkeit müßte ich sein, könnte ich sie je vergessen. – Wie rührend war ihr Abschied. Fast kein Wort, aber in jedem Blick, in jedem Druck und Anschmiegen so viel stille, große Liebe. Dieser Ganzheit und Wahrheit gegenüber kam ich mir schlecht, lügenhaft, gemein vor.

Und doch wieder dieser starke Wirklichkeitssinn, dieser kräftige Thatsachenmut.

Sie zeigte ihn mir offenbar geflissentlich, die Liebe, Gute, damit mir ihr Schmerz nicht Trauer machen sollte.

»Pfüati God!«

Wie schön, dieses Abschiedswort. Auch ich sagte so, und unsre Augen tranken sich noch einmal. Oh diese großen, braunen Waschmadlaugen! Ich weiß, jeder Gedanke an sie wird mich beglücken. Sammetweiche Fraulichkeit und kindliches Blicklauschen und der lebendige Flackerschalk Übermut. –

Jeanette! Du Meine! Meine!

Ich kann Dir nicht sagen, wie mein Sehnen sich zu ihr hebt und mein Dank, Dank! Dank!

Ich bekomme übrigens keine Briefe von ihr und schreibe ihr keine. Nur, wenn wir heiraten, wollen wir's uns melden. So ward's beschlossen »unter unsrer Linde«.

Dein Colline.

 

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