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Streiflichter

Karl Ewald: Streiflichter - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
authorKarl Ewald
titleStreiflichter
publisherPhilipp Reclam jun.
year
firstpub
editorHermann Kiy
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080812
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Einleitung

Karl Ewald wurde am 15. Oktober 1856 in Bredelykke (Schleswig) als Sohn des Romanschriftstellers H. F. Ewald geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er auf der Kopenhagener Universität Philosophie und Naturkunde, war ein Jahr Hauslehrer und begann dann, sich auf der landwirtschaftlichen Hochschule mit Forstwissenschaft zu beschäftigen. Krankheit zwang ihn, sein Studium abzubrechen, und nach seiner Genesung war er als Lehrer und Leiter einer Knabenschule tätig. Von 1883 an lebte er als freier Schriftsteller und Journalist, nachdem er schon im Jahre vorher durch das erste Heft seiner naturgeschichtlichen Märchen die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gelenkt hatte. In rascher Folge schuf er dann seine zahlreichen Tier– und Pflanzengeschichten, (vgl. Nr. 4699 der Universal-Bibl.), ferner Novellen, moderne und historische Romane, Lustspiele und satirische Skizzen. Er starb am 23. Februar 1908.

Neben jenen Tier- und Pflanzenmärchen, in denen sich uns das geheime Leben und Weben der Natur und mancher tragikomische Kampf offenbart, und in denen der Dichter uns mit der Natur lachen lehrt, sind als Ewalds Hauptwerke zu nennen: die beiden modernen Erziehungsbücher »Mein kleiner Junge« und »Mein großes Mädel« (deutsch bei A. Langen) sowie die geschichtliche Erzählung »Der Kinderkreuzzug«. Ferner stehen mit an erster Stelle die »Skizzen«, von denen das vorliegende Bändchen zum erstenmal eine Auswahl der besten darbietet. Diese knappen Prosastücke sind in ihrer schlichten Form und Sprache etwas ganz Eigenartiges in der skandinavischen Literatur. Stehen sie dichterisch auch nicht alle auf gleicher Höhe, so ist ihnen allen doch gemeinsam das unmittelbare Lebensgefühl und der klare, feste Blick des warmherzigen Poeten. Sie erheben nicht den Anspruch, neben die Prosagedichte eines Turgenjeff gestellt zu werden. Geboren aus der Unrast des Tages, wollen sie zum Teil nichts sein als weckende, mahnende Streiflichter, und doch haftet ihnen nichts an von dem Gepräge eines gangbaren Feuilletonismus. Es sind die Gaben eines echten Dichtergeistes.

Am wertvollsten sind die sozialen Skizzen, in denen Ewald ohne alle Pose, in frohgemuter Unabhängigkeit gegen Vorurteil und Lüge in jeglicher Gestalt zu Felde zieht. Der Dichter kämpft hier mit den Waffen launiger Ironie, frischen Humors und, wo es not tut, scharfen Hohnes. Den Armen und Entrechteten gilt seine Liebe, und immer wieder kommt sein unbeirrbarer Glaube an die soziale Evolution zum Durchbruch. Der Brief an den Mörder vergleicht den in Ordnung und Wohlleben aufwachsenden Sprößling der »besseren« Kreise mit dem von klein auf körperlich und seelisch darbenden Proletarier. In einer zu Herzen gehenden künstlerischen Form zeigt der Dichter, mit wie ungleichen Waffen der Daseinskampf ausgefochten wird. Andere Skizzen behandeln Fragen der allgemeinen Kultur. Es folgen kleine Geschichten und Parabeln, unscheinbare und doch inhaltsreiche Erlebnisse, Genrebildchen voll Licht und Farbe, Bleistiftzeichnungen, satirische Plaudereien. Daran schließen sich die Skizzen, die der Welt der Kinder und der Erziehung gewidmet sind. Gerade in der Seele des Kindes weiß Ewald zu lesen wie wenige. Arbeiten wie »Kinder«, »Andacht«, »Blut«, »Ein Geschäftsmann« sind Kabinettstücke in ihrer Art.

Dieses Bändchen gibt gewissermaßen einen Extrakt des Ewaldschen Schaffens und damit einen Eindruck von dem ganzen Karl Ewald, dem aufrechten Menschen und dem vielseitigen, feinempfindenden Künstler.

Steglitz, im August 1913.

Hermann Riy.

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