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Stilicho

Felix Dahn: Stilicho - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleStilicho
correctorreuters@abc.de
secondcorrectort-stur@altmuehlnet.de
senderwww.gaga.net
projectid6d4e1fd4
created20070410
modified20141208
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V.

Er ahnte nicht, wie wichtig sie werden sollte – für beide Reiche: und für ihn.

Schon längere Zeit weilte an dem Hof Ataulf, der »apollinische« Vetter Alarichs, als dessen Gesandter: er sollte ein Waffenbündnis herbeiführen zwischen dem Westreich und denjenigen westgotischen Gauen, die sich – locker genug – an jenen baltischen Adeling geschlossen hatten. Denn ein König der Westgoten fehlte seit fast einem Menschenalter, seit das Volk vor den Hunnen über die Donau geflüchtet war. Alarich war nur der freie und ohne Verpflichtung zu dauernder Verbindung gekorene Führer heimatlos gewordener Scharen, die seit jener Flucht im Ostreich eine neue Heimat zu finden vergeblich suchten. Das Unsichere in der Stellung des Goten mußte den besonnenen, nur auf das Wohl des Reichs bedachten Staatsmann zaudern lassen, unter den zahlreichen germanischen Führern, die sich um ein solches Bündnis bewarben, gerade dem Jugendfreund, – so herzlich er ihn liebte, – den Vorzug zu geben; zumal er den ungemessenen Wagemut des Mannes kannte, dessen Sippe nicht umsonst seit grauer Vorzeit den Namen der »Balten«, das heißt der Kühnen, führte. Er fürchtete, sein heldensinniger Freund werde, wenn der Sorge vor dem Westreich enthoben, gar bald die Waffen gegen das Ostreich wenden, dessen reichste Provinzen, dessen üppige Hauptstadt von den gotischen Sitzen in Thrakien leicht zu erreichen waren: Stilicho aber vergaß keinen Augenblick sein Versprechen, das ganze Römerreich – also auch dessen östlichen Teil – vor jeder Gefahr zu schirmen. So hatte er geraume Zeit den ungestüm drängenden Ataulf hingehalten: er erklärte offen, er müsse, bevor er sich entscheide, den Bericht seiner nach Byzanz entsendeten Boten vernehmen, auch der von Kaiser Arcadius angekündeten Gesandten, die mit jenen zugleich unterwegs waren und durch Eilreiter ihr Eintreffen in Mailand – von Ravenna her – für den folgenden Tag angezeigt hatten. Es verlautete, auch neue Gesandte Alarichs hätten sich diesem Zug angeschlossen. Deshalb war Ataulf den Kommenden auf der alten Römerstraße, – der ämilischen – entgegengeritten. Aber wie erstaunte er, als er den Führer der gotischen Gesandtschaft erblickte: Alarich selbst! »Vetter,« rief er freudig, sein Weißroß spornend, »du, du selbst in Italien!«

»Ja, ich bin mein eigner Gesandter,« lachte jener und strich die blonden Locken zurück, die wallend unter dem Adlerhelm hervordrängten.

»Ich dachte, du habest einstweilen schon losgeschlagen da drüben.«

»Wird wohl bald klirren! Wirst zufrieden sein. Erst aber muß ich diesen unsern Freund – den unbegreiflich Eigensinnigen! – gewonnen haben.«

»Wird dir schwer werden. Seit Wochen quäle ich mich mit ihm. Er hält dich für zu schwach.«

»So? Nun, da kann ich ihn jetzt beruhigen! Aber schweige: da haben uns die neugierigen byzantinischen Leisetreter eingeholt. Vorwärts, Vetter. Lassen wir die Rößlein springen. Folgt mir, meine Goten! Großem Geschick reitet ihr entgegen.« Und sausend sprengte der kleine Zug in die östliche Vorstadt von Mailand,

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