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Stilicho

Felix Dahn: Stilicho - Kapitel 43
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleStilicho
correctorreuters@abc.de
secondcorrectort-stur@altmuehlnet.de
senderwww.gaga.net
projectid6d4e1fd4
created20070410
modified20141208
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VIII.

Ja, nun ward es Ernst. Rascher als der rings Bedrohte ahnte, sollten sich seine Geschicke erfüllen. Noch während er bei den nun schnell aufgesuchten Frauen in jenem Turme weilte. Und er tat nichts, den Gang des Schicksals aufzuhalten, ihm zu entweichen. Die Seinen beschworen ihn, zu fliehen, solang es noch Zeit, solang noch nicht alle Tore der Festung von den Feinden besetzt waren, sich draußen zu verbergen, etwa die nächsten seiner alten Söldner zu erreichen. Er schwieg.

»Stilicho flieht nicht,« nickte der Markomanne. »Er hat's nie gelernt!« – »Und lernt's nicht mehr,« schloß dieser. – »Auch ist es schon zu spät,« rief der Sohn. »Carinus ist schon herein: man kennt seine Kohorten an den schwarzen Helmbüschen. Sieh, sie besetzen dort das Tor von Comaclum.« – »Das letzte, das frei war,« sprach Adalger tief ernst. – »Aber die See,« forschte Serena, »die Hafenstadt Classis, die Flotte?« – »Befehligt Carus, des Carinus Bruder,« erklärte jener. – »Da! Auf dem Forum des Hercules treffen die Einziehenden des Carinus und die Geschwader Heraclians zusammen,« zeigte der Sohn. – »Auf, komm, Eucherius,« rief Adalger. »Ich lasse mich nicht greifen und hinrichten. Ich sammle mein Häuflein Germanen hier im Turm und hinaus und drauf!« – »Halt, kein Blut als meines,« gebot Stilicho. Da trat Heraclian draußen dicht an den Turm und rief hinauf zu dem Rundbogenfenster, an dem der Gesuchte und die Seinen sichtbar waren: »Ergib dich, Magister militum. Sonst müssen wir den Turm stürmen.« – »Kommt nur!« schrie der Markomanne und zog das Schwert. – »Nein: ich komme. Kein Blut als meines,« wiederholte Stilicho. – »Auch deines wird nicht fließen,« versicherte Heraclian. »Sieh, gestern kam dies Schreiben an mich aus Pavia: der Imperator erklärt darin deine Begnadigung zur Verbannung aus dem Reich.«

Freudige Hoffnung lebte auf in den Frauen: »O geh, geh, Vater, und erhalte uns dein Leben,« bat Thermantia.

Schweigend schritt er die vielgewundene Steintreppe hinab, dicht gefolgt von Sohn und Freund. Unten auf der Straße vor Heraclian angelangt, löste er das Schwert – das gefürchtete, – samt der breiten Scheide aus dem Wehrgurt und reichte es ihm, der es hastig ergriff. Sofort trat aus der zweiten Reihe der Kohorte Carinus mit bloßem Schwert: »Ich aber bringe einen jüngeren Befehl des Imperators: Verräter, Rebell, du mußt sterben.« – Und er stieß dem Wehrlosen das Schwert in die Kehle; im selben Augenblick erstach Heraclian den Sohn. Aber Adalger wehrte sich grimmig wie der gestellte Eber: »Zu Hilfe,« schrie er, »zu mir, meine Germanen. Rächt den Helden.« Das Häuflein brach aus dem Tore des Turms: wild klirrten eine Weile die Waffen gegeneinander: aber nicht lang: bald war es totenstill vor dem Tore. Und in blutig rotem Scheine sank die Sonne in die Lagunen von Ravenna.

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