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Stilicho

Felix Dahn: Stilicho - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleStilicho
correctorreuters@abc.de
secondcorrectort-stur@altmuehlnet.de
senderwww.gaga.net
projectid6d4e1fd4
created20070410
modified20141208
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III.

Gar früh am andern Tag ward der Feldherr in das Zelt der Basilissa gerufen: er fand sie reisefertig. Bei seinem Eintreten sprang sie auf, schritt ihm rasch entgegen, faßte des Überraschten beide Hände: »Mein Traum von heute Nacht hat sich – zur ersten Hälfte – schon erfüllt: die zweite steht noch aus: wird sie sich, – wirst du sie erfüllen?« – »Ich verstehe nicht, Herrin.« – »Du hast seit gestern Abend keinen Boten aus Byzanz gesprochen?« – »Ich habe keinen gesehen.« – »Aber ich! Rufinus, meine Feinde, – übrigens auch deine Todfeinde ...« – »Ich weiß.« – »Haben mein Fernsein rasch benutzt bei ... bei dem Unaussprechlichen! Hei, er kann des Gänglers nicht einen Tag entbehren: ich war fern – so ließ er sich von jenen leiten – zu plötzlichem Umschlag! Meine Freunde, meine Verteidiger am Hof, in der Stadt, im Heer, – meist Germanen, zumal Franken, – sind verhaftet oder verbannt. Ein par sind hierher entflohen, mich zu warnen: kehre ich zurück, wird der Palast mein Kerker. Wohlan, ich will zurückkehren: aber der Palast soll andrer Leute Kerker werden. Auf, Stilicho, du erster Mann, den ich erlebt: führe du mich zurück an der Spitze deines Heeres: Byzanz liegt dir zu Füßen, – wehrlos. Du allein warst seine Wehre. In den Bosporus mit Rufinus! In ein Kloster mit dem Schwächling Arcadius: – das ist sein richtiger Platz. Dein Platz aber ist der Kaiserthron und ... –« hier stockte sie: eine Blutwelle schoß in die alabasterweißen Wangen – »der Platz an Hildgunds Seite, wenn du sie nicht verschmähst: du hast sie schön genannt.«

Sie trat hastig noch einen Schritt auf ihn zu und hielt ihm die Rechte entgegen, – das Antlitz emporgerichtet, nahe dem seinen. Bestürzt trat er zurück: »Imperatrix ...« – »Hildgund heiß ich – für dich.« Und die grauen Augen funkelten seltsam. – »Die Überraschung, der gerechte Zorn haben dich verwirrt. So hast du vergessen ... unsere Eide. Wir beide haben dem Sohn des Theodosius geschworen: ich Untertanentreue, du Ehetreue, gleichwie ich Serena, dem einzigen Weib, das ich liebe.«

Hoch bäumte sie auf, dann schnellte sie zurück: »Ah, ah, das mir! Verschmäht von ihm, von dem einzigen, der ... Geduld, du sollst dieser Stunde gedenken.« Und sie schoß an ihm vorbei aus dem Zelt ins Freie, wie eine sehr schöne, aber sehr zornige Schlange. –

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