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Michail Petrovic Arcybasev: Ssanin - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorM. Artzibaschew
titleSsanin
publisherGeorg Müller
printrunDreizehnte Auflage
year1909
firstpub1908
translatorAndré Villard und S. Bugow
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070718
projectidaffaca67
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VIII

Jurii Swaroschitsch beschäftigte sich seit langem mit Malerei; er liebte sie und opferte ihr seine ganze freie Zeit. Einmal hatte er davon geträumt, Kunstmaler zu werden. Zuerst hinderte ihn Geldmangel an der Ausführung seiner Pläne, später kam die Parteitätigkeit dazwischen, schließlich griff er nur hin und wieder einmal zu Pinsel und Palette.

Da ihm jede Schulung fehlte, brachte ihm seine Kunst nur Unzufriedenheit und Enttäuschung. Jedesmal, wenn die Arbeit plötzlich nicht mehr weiter gehen wollte, erregte sich Jurii furchtbar und litt tagelang unter dem Bewußtsein seiner künstlerischen Unzulänglichkeit. Gelang ihm aber wirklich einmal ein Werk, so geriet er in träumerisches Nachdenken; dann fraß der Gedanke an ihm, daß sein ganzes Arbeiten zwecklos sei und ihm doch kein Glück bringen könne.

Von Karssawina war Jurii entzückt.

Er liebte solche hochgewachsenen und vollen Frauen mit den reinen Stimmen und etwas sentimentalen Augen. Aber alles, was er von Karssawinas Reinheit und seelischer Feinheit empfand, war nur durch ihre Schönheit, ihr zärtliches Wesen in ihm hervorgerufen worden. Aus irgend einem Grunde jedoch wollte er sich das selbst nicht eingestehen und suchte sich mit aller Mühe zu überzeugen, daß ihm nicht die Schultern, die Brust und die Augen dieses Mädchens gefielen, sondern ihre Jungfräulichkeit und Unberührtheit. Zwar hätte er nicht leugnen können, daß ihn gerade diese jungfräuliche Unberührtheit in Erregung versetzte; trotzdem schienen ihm seine Gedanken in dieser Gestalt edler und besser. Doch schon vom ersten Abend an entstand in ihm ganz langsam die unklare Gier, welche er von früher her kannte, die ihm aber bis jetzt noch nicht zum Bewußtsein gekommen war, Karssawina ihrer Reinheit zu berauben. Es waren Gedanken, wie sie stets in ihm auftauchten, wenn er auffallend schönen Mädchen begegnete.

Diesmal aber schlugen sie einen besonderen, eigenartigen Weg ein. Je mehr er sich mit Karssawina beschäftigte und ihr blühendes Leben vor Augen sah, um so dringender wurde er von dem Wunsche gepackt, das Symbol dieses Lebens zu malen.

Kaum war die Idee in ihm aufgetaucht, als er sich auch schon voll Begeisterung auf sie stürzte, ganz berauscht von ihr und fest überzeugt, sie dieses Mal bis zu Ende durchführen zu können.

Er spannte sich eine große Leinwand auf und machte sich mit fieberhafter Eile, als befürchtete er, sich zu verspäten, an das Bild. Sowie er die ersten Pinselstriche hingeklatscht hatte und auf der Leinwand strahlende, saftige Flecken erschienen, bebte er am ganzen Körper vor Begeisterung und Kraft; sein zukünftiges Werk stand in allen Einzelheiten leicht und interessant vor seinen Augen.

Je weiter die Arbeit vorschritt, um so stärkere technische Schwierigkeiten, die ihm unüberwindlich erschienen, ergaben sich. Was ihm die Phantasie hell und kraftvoll vorgespiegelt hatte, wurde auf der Leinwand schwach und flach. Auch die Einzelheiten, die ihn zuerst so stark anzogen, lockten ihn jetzt nicht mehr; sie verwirrten ihn nur und blendeten ihn.

Jurii hielt sich nicht länger bei den Details auf und begann statt ihrer die Striche breit und nachlässig anzulegen. Allmählich trat ein oberflächlich hingeworfenes, graues Frauenzimmer hervor, ohne jede Originalität; alles matt und schwerfällig. Jurii trat ein paar Schritte zurück, eine Zeitlang starrte er abwesend auf die bunte Fläche. Dann sah er plötzlich ein, daß sein Bild nichts Persönliches ausdrückte, sondern einfach die Kartons von Much nachahmte; selbst seine Idee war nur banal gewesen.

Ihm wurde matt und traurig zumute.

Hätte er nicht geglaubt, daß Weinen beschämend sei, so wären ihm jetzt die Tränen gekommen. Am liebsten würde er den Kopf in die Hände vergraben haben, schluchzend und über irgend etwas klagend, nur nicht über seine eigene Kraftlosigkeit. Doch so saß er nur finster vor seinem Bilde und dachte, daß sich das Leben selbst langweilig und schwächlich abrolle und nichts mehr enthalte, was ihn anregen könne. Und plötzlich überfiel ihn geradezu mit Entsetzen der Gedanke, daß er vielleicht dazu verurteilt sei, noch viele Jahre in diesem Neste zuzubringen.

– – – Dann besser der Tod, dachte Jurii und ein Kälteschauer überlief ihn. Und unter der Anspannung, in der sich sein Hirn befand, setzte sich dieser Gedanke sofort in den Wunsch um, den Tod zu malen.

Jurii griff zum Messer und begann mit einer Gehässigkeit, die ihn selbst empörte, sein »Leben« abzuschaben. Gleichzeitig aber ärgerte es ihn, daß dieses Bild, an welchem er mit solcher Begeisterung gemalt hatte, jetzt nur mit Mühe von der Leinwand verschwinden wollte.

Die Farben lösten sich nur wie unwillig, das Messer schmierte, sprang ab und machte jedesmal zu Juriis größter Wut einige Risse in den Grund. Dann stellte es sich heraus, daß die neuen Kohlenstriche nicht auf der öligen Unterlage sitzen wollten, und dies verursachte ihm wiederum geradezu körperliche Schmerzen.

Er griff zum Pinsel und begann sofort Braun aufzusetzen, verlor aber gleich wieder alle Energie und malte langsam, nachlässig, unter schwerem und trübem Nachsinnen weiter.

Das Bild, das er jetzt im Kopfe hatte, verlor nicht, sondern gewann geradezu durch die Oberflächlichkeit der Pinselführung und den matten, schleppenden Ton der Farben. Dazu war die ursprüngliche Idee des Todes wie von selbst geschwunden, das Motiv wurde unter Juriis Pinsel zu einer Darstellung des Greisentums. Er malte es in der Gestalt einer abgerackerten, knochigen, alten Frau, die auf einem ausgetretenen Wege, einen Sarg auf dem Rücken, in grauer, trauriger Dämmerung dahinschleicht.

Man rief Jurii zum Mittagessen, aber er ließ sich nicht aufhalten, sondern malte ununterbrochen weiter. Später kam auch Nowikow und begann ein Gespräch mit ihm, doch er hörte ebensowenig hin, blieb stetig bei seiner Arbeit und gab ihm keine Antwort. Nowikow ließ sich aufseufzend auf dem Divan nieder; er war es ganz zufrieden, schweigen und denken zu können. Zu Jurii war er nur gekommen, weil er es nicht ertragen konnte, allein zu Hause zu sein.

Die Ablehnung Lydas quälte ihn sehr; aber er war sich selbst nicht klar, ob er sich ihrer mehr schämte oder an ihr seelisch verkümmerte. Die Klatschereien über Lyda und Sarudin waren ihm noch nicht zu Ohren gekommen, trotzdem sie schon überall in der Stadt aufstiegen. Daher war er auf niemanden eifersüchtig, sondern litt nur unter der Zerstörung seines Traumes, der ihm eine Zeitlang nahe und glänzend erschienen war, so daß er sich bereits voll seinem Glück hingegeben hatte.

Obgleich er, während er auf Juriis Bild starrte, darüber nachsann, wie jetzt auch sein Leben verderben und alt werden mußte, kam ihm nicht einen Augenblick lang der Gedanke, daß er sterben könne. Er begriff nur, daß es nunmehr, seitdem er sein persönliches Leben aufgegeben hatte, seine Pflicht sei, für andere Menschen zu leben. So war ihm bereits unklar der Gedanke aufgetaucht, hier alles stehen und liegen zu lassen und nach Petersburg zu fahren, wo er wieder die Beziehungen zur Partei anknüpfen konnte. Von dort bis zum Tode war es nicht weit

Schon das Bewußtsein, daß ihm diese Idee, die ihm erhaben und schön dünkte, ganz allein gehöre, gab ihm Trost. Sein eigenes Bild umrahmte sich vor seinen Augen mit einer lichten, schwermütigen Glorie, und durch den unwillkürlichen leisen Vorwurf gegen Lyda, der sich darin zeigte, wurde er so tief gerührt, daß ihn fast ein trockenes Weinen ergriff.

Allmählich wurde ihm das Nachdenken langweilig. Jurii malte ununterbrochen fort und schenkte ihm keine Aufmerksamkeit. Nowikow erhob sich mit seiner angeborenen Bequemlichkeit und trat auf ihn zu.

Vorläufig fehlte dem Bilde noch jede tiefere Ausführung, aber gerade deswegen machten seine grellen Andeutungen auf Nowikow einen tiefen Eindruck. Ihm schien das Bild wunderbar. Er öffnete ein wenig den Mund und blickte mit naiver, unverhohlener Begeisterung auf Jurii.

»Nun was?« fragte Jurii zur Seite blickend.

Nowikow sagte einfach und begeistert: »Sehr ... gut!«

In diesem Augenblick fühlte sich Jurii ganz als Genie, das mit Verachtung auf sein Werk herabblickt. Er seufzte gefühlvoll auf, warf den Pinsel, hin, so daß die Sofaecke bespritzt wurde und trat zur Seite, ohne das Bild nur mit einem Blick zu streifen.

»Eh, Bruder,« sagte er. Beinahe hätte er sich und Nowikow in diesem Augenblick die trübe Erkenntnis eingestanden, die einen Moment von der Freude am Erfolge durchbrochen worden war, daß er doch nicht imstande sei, die Skizze ernsthaft auszuführen. Statt dessen aber meinte er nur wegwerfend:

»Das nützt doch alles nichts.«

Nowikow wollte das für eine Pose Juriis halten, aber in dieser Minute gab ihm sein eigener, enttäuschungsvoller Gram einen Stich durch das Herz und er dachte: Wahr. Sehr wahr. Doch wenige Sekunden später erwiderte er ganz ohne Ueberlegung:

»Was meinst du, es nützt nicht?«

Jurii konnte diese Frage nicht gleich beantworten und schwieg; auch Nowikow blickte nur noch einmal flüchtig auf das Bild und legte sich dann auf den Divan.

»Weißt du, Bruder,« begann er, »sogar deinen Artikel im »Süden« habe ich gelesen. Er ist ganz gut.«

»Hol ihn der Teufel,« rief Jurii mit einer Erbitterung, die ihm völlig unverständlich war; er erinnerte sich plötzlich der Worte Semionows. Dann fuhr er fort: »Was erreicht man mit dem allem? ... Man wird weiter rauben, hinrichten und Gewalttätigkeiten begehen. Mit Artikeln ist da gar nichts zu machen; es tut mir leid, daß ich ihn überhaupt geschrieben habe. Was ist nun schon? ... Einige Idioten werden ihn lesen. Welchen Zweck hat das? ... Und schließlich, was geht es mich an. Weswegen soll ich mit dem Kopf die Wände einrennen?«

Vor den Augen Juriis zogen die ersten Jahre seiner Parteitätigkeit vorüber. Die geheimen Zusammenkünfte, die Propaganda, die Gefahr und die Mißerfolge, der heiße Enthusiasmus und die völlige Apathie gerade jener Schichten, für die er kämpfen wollte. Er ging im Zimmer auf und ab und machte eine wegwerfende Handbewegung.

Nowikow brauste plötzlich auf.

»Von dem Standpunkt aus lohnte es sich überhaupt nicht, irgend was zu tun.« Und sich Ssanins erinnernd, fügte er hinzu: »Egoisten seid ihr alle! Weiter nichts.«

»Ja, es verlohnt sich in Wirklichkeit nicht, etwas zu tun,« setzte Jurii zu sprechen ein; er befand sich plötzlich, unter dem Einfluß der gleichen Erinnerung und der matten Dämmerung, die schon ganz sachte alles im Zimmer zum Erblassen brachte, in einer glühenden, aufrichtigen Stimmung. Während er fortfuhr, schien er sich immer mehr zu erregen:

»Wollen wir wirklich über die Menschheit sprechen, so sage, was bedeuten denn alle unsere Bemühungen. Diese Konstitutionen, diese Revolutionen, – und wir können uns doch noch nicht einmal annähernd die Perspektive vorstellen, die die Menschheit in der Zukunft entlang laufen wird. Vielleicht, vielleicht liegen gerade in der Freiheit, von der wir träumen, die ersten Keime der Zersetzung? Vielleicht, nachdem der Mensch sein Ideal erreicht haben wird, geht es wieder mit ihm rückwärts, und schließlich läuft er von neuem auf allen Vieren ... Und dann wird die ganze Geschichte von vorne anfangen. Oder denkt man auch nur an sich selber. Sage doch,« – schrie er plötzlich schmerzlich auf, – »was kann ich im allerbesten Fall erreichen? . . Natürlich, ich kann mit meinen Talenten und Taten, wenn alles gut geht, Ruhm einsammeln. Ich kann mich an der Ehrerbietung von allerlei Volk besaufen ... Sehr schön, von solchen, die noch niedriger stehen, als ich, also gerade die, welche ich noch nicht einmal achten kann. Deren Anerkennung mir in der Wirklichkeit nicht einen Pfifferling wert sein sollte. Und so ... leben, leben bis zum Ende! ... Weiter nichts! Und war ich noch so bedeutend, – am Ende wird mir der Lorbeerkranz an den kahlen Schädel wachsen, daß es mir nur Ekel hervorruft.«

»So? ... Vor dir selbst? ...« fragte Nowikow mit gemachtem Spott, völlig unklar, warum er eigentlich fragte und woher ihm die Lust zum Spotten kam.

Aber Jurii achtete garnicht darauf. Er fuhr, voll Trauer in seinen Worten, fort, zu reden, ohne zu merken, mit welcher Befriedigung er ihnen lauschte; sie schienen ihm prachtvoll und eindringlich und riefen in ihm ein eigensinniges, erhebendes Gefühl hervor.

»Und schlimmstenfalls bleibe ich ein unbekanntes Genie, ein lächerlicher Schwärmer, wert als Objekt für Witzblätter zu dienen, ein Mensch ohne Sinn und Verstand. Keinem zu Nutzen ...«

Nowikow fiel ihm ins Wort. Er wünschte sich seine eigenen Gedanken wegreden zu können, wenn er auch fühlte, wie zwecklos dieses Gerede war.

»Aha! – – – Niemandem nützlich, sagst du! Du merkst also selbst, das heißt, du gestehst ...«

»Welch ein komischer Kerl du bist,« unterbrach ihn seinerseits Jurii. »Meinst du wirklich, daß ich mir nicht ganz klar bin, wofür man leben und was man glauben könnte? ... Vielleicht würde ich mich mit Freuden kreuzigen lassen, wenn ich nur wüßte, daß mein Tod die Welt retten wird. Aber so, was ich auch tun mag, an der Endsumme, die einmal die Geschichte ziehen muß, ändere ich verdammt wenig. Ach, garnichts, und der ganzen Nutzen, den ich bringen kann, – – – Ihr redet ja immer vom Nutzen, – – – das ist ja alles so gering, so nichtig, – – – und wenn ich überhaupt nicht wäre, die Welt hätte keinen Jota Nachteil davon. Aber es gehört sich nun einmal so, und ich muß für diesen Wert, geringer als ein Jota, leben und leiden und qualvoll auf meinen Tod warten. – – – Als anständiger Mensch, – – – «

Es fiel Jurii garnicht auf, daß er allmählich auf ein anderes Thema übergegangen war und zuletzt nicht mehr auf Nowikows Worte antwortete, sondern zu sich selbst sprach, zu seinen eigenen, sonderbaren und unbestimmten Empfindungen. In diesem Augenblick erinnerte er sich wieder Semionows Reden über den Tod und ein kaltes, widerwärtiges Grauen lief ihm den Rücken herunter.

»Weißt du, diese Unvermeidlichkeit quält mich,« sagte er still und vertrauensvoll, indem er mechanisch durch das dunkel gewordene Fenster schaute. »Ich weiß, daß alles ganz natürlich ist, daß es dagegen gar kein Ankämpfen gibt, – – aber doch, es ist entsetzlich und abscheulich.«

Nowikow verstand, daß in diesen Worten etwas Richtiges liegen mochte; er wurde noch trübseliger. Dennoch zwang er sich, ruhig und nüchtern zu erwidern: »Der Tod ist eine nützliche, physiologische Erscheinung.«

– – Welch ein Narr ist das, dachte wütend Jurii; aufgeregt gab er ihm zur Antwort:

»Ach mein Gott, was geht es mich im Grunde an, ob unser Tod jemandem Nutzen bringt oder nicht. Alles Unsinn!«

»Und deine Kreuzigung? ...«

»Das ist eine ganz andere Sache,« antwortete er unentschlossen und mit einemmal ernüchtert.

»Du widersprichst dir selbst,« bemerkte Nowikow; er fühlte seine Ueberlegenheit, war aber doch großmütig genug, Jurii in diesem Augenblick nicht anzusehen.

Jurii fing diesen Ton auf. Er war empört und erhitzte sich aufs äußerste über Nowikows Ruhe. Wild fuhr er sich mit seinen Händen durch die widerspenstigen, schwarzen Haare, und schrie wütend:

»Ich widerspreche mir überhaupt nicht. Das ist ganz klar. Es ist ein großer Unterschied, ob ich selbst nach meinem eigenen Wunsche sterbe..«

»Ganz egal ist es, mein Lieber.« Nowikow fuhr in seinem überlegenen Ton fort, ohne aufzublicken. »Was euch kränkt, – – – ihr wollt eben alle Feuerwerk und Applaus haben. Egoismus, mein Lieber, das ist alles.«

»Und wenn schon, das ändert an der Sache nichts.«

Das Gespräch verwickelte sich. Jurii merkte, daß etwas nicht in Ordnung war, er konnte aber nicht mehr den Faden herausfinden, der ihm noch eine Minute vorher, so straff gespannt wie eine Saite schien. Aergerlich rannte er im Zimmer auf und ab und dachte wie immer in solchen Fällen, um sich selbst zu beruhigen: Es kann einfach nichts Vernünftiges herauskommen, wenn die Stimmung nicht klappt. Mal spricht man so klar, daß einem alles wie selbstverständlich vor den Augen liegt, und ein anderes Mal wieder ist es einem, als ob die Zunge im Munde festgebunden wäre. Alles platzt dann so ungeschickt und grob heraus, ja, das kommt schon vor.

Sie schwiegen beide eine Weile. Jurii lief immer noch im Zimmer umher, dann blieb er kurze Zeit vor dem Fenster stehen. Er starrte hinaus. Plötzlich wendete er sich um und griff zur Mütze.

»Gehen wir etwas spazieren,« sagte er hastig.

»Gut, gehen wir!« Nowikow willigte mit der geheimen Hoffnung ein, daß ihnen der Zufall vielleicht Lyda Ssanina in den Weg führen werde.

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