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Spreemann & Co

Alice Berend: Spreemann & Co - Kapitel 23
Quellenangabe
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typefiction
authorAlice Berend
titleSpreemann & Co
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1955
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correctorreuters@abc.de
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4

Selbst wer's Gras sät, hört es nicht wachsen.

Wie aus buntem Traum erschreckt, fanden sich Klaus und Lieschen wenige Wochen später allein gegenüber am leeren Eßtisch. Überall standen Stühle. Kreuz und quer, wie wenn Kinder Krieg gespielt hätten. Auf dem langen Tisch der guten Stube umstanden Gläser mit Weinresten, zwischen Krümel und Aschenstaub, den hohen, geplünderten Baumkuchen.

Dämmerung durchdunkelte das Zimmer. Wie damals, als die Fenster hier dauernd verhängt waren, weil sich Lieschen um die Wette mit den Neugeborenen gesundschlafen sollte. Diese gute Stube, wo sich Hansens Plan gemäß das Seidenlager bald bauschen würde.

»Man sollte anzünden«, sagte Spreemann durch den Dämmer.

»Jawohl«, antwortete Lieschen. Aber sie rührte sich nicht.

Mancher Held verschwindet hinter seinem Werk. Eine Mutter tut es immer.

Nur Lieschens Füße wußten, was sie heute gelaufen waren. In den feinen Goldkäferschuhen aus Slovitzkas Fabrik.

Gewiß, das Essen war vom Stadtkoch gewesen, das Eis vom Konditor. Beim Tafeldecken hatte der Lohndiener geholfen.

Spreemann meinte, daß Lieschen gar nichts zu tun gehabt. Was verstand ein Mann vom Leben?

Und in solchen Tagen haben wohl nicht nur Hände und Füße zu tun! Auch das Herz hat zu schaffen.

Zwei Bräute waren eben zur Tür hinausgegangen. Zwei liebliche Mädchen. Aber sie waren immer nur zu Besuch hier gewesen. Die Jungen dagegen ...

Das waren also nun wirklich Männer, die man überall für voll ansah ...

Spreemann wußte nicht, ob die Gläser geklirrt hatten, oder ob der Ton aus Lieschens Hals gekommen war.

Er hatte auch ein unangenehmes Gefühl in der Kehle.

Darum sagte er ärgerlich:

»Jungen gehen eigene Wege. Das hätten wir schon merken können, als sie zu laufen begannen.«

Lieschen fand es trotzdem nicht nötig, daß Hans schon wieder fortgereist war.

Spreemann meinte, daß man dies Ilka wohl in Dresden so eingeredet hätte. Hochzeitsreise nach Italien. Das war die neue Modekrankheit.

»Ob sie da wirklich die Apfelsinen von den Bäumen pflücken können?« fragte Lieschen nach einer Weile.

»Sie behaupten es wenigstens«, erwiderte Spreemann und gähnte.

»Ich glaube, daß es da hauptsächlich Flöhe gibt«, sagte Lieschen. »Die Kreisrätin erzählte, in dem berühmten Venedig gäbe es nur Gondeln und Flöhe.«

Spreemann gähnte und sagte, daß man vielleicht gar nicht erst Licht zu machen brauche und gleich ins Bett gehn könne.

Lieschen überhörte es, denn sie überdachte den vergangenen Tag.

»Der Rheinlachs war doch vorzüglich«, fing sie wieder an. »Ich habe zwar vergessen, davon zu essen. Aber er sah so aus.«

Nun mußte sie auch gähnen.

»Die Füße sind mir schwer wie Blei«, sagte sie.

»Du hattest doch gar nichts zu tun heute«, sagte Spreemann. »Ich dagegen – das Beaufsichtigen der Weinflaschen, das Anbieten der guten Zigarren.«

Er stand auf.

»Übrigens, beinahe hätte ich etwas Wichtiges vergessen – geh nur inzwischen zur Ruhe.«

Mit wichtigen Schritten verließ er das Zimmer.

Er ging an den Geldschrank. Er war unzufrieden mit sich. Diese Tage beständiger Erregung brachten ihn aus aller Ordnung. Es war höchste Zeit, die Reservekasse für Enkelkinder zu erneuern. Sorgfältig verteilte er vier blanke Taler in vier kleine Schachteln.

Das war immerhin ein Anfang.

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