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Spreemann & Co

Alice Berend: Spreemann & Co - Kapitel 13
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typefiction
authorAlice Berend
titleSpreemann & Co
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1955
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7

Jede Tat zeugt neue Taten. Es gibt keinen Stillstand.

Die Weitsichtigkeit von Hans wirkte weiter. Sein Blick blieb in die Ferne gerichtet. Lief bis über die Grenzen des Vaterlandes.

Sein Vater sollte nicht umsonst gespart haben. Er hatte eine Verwendung gefunden für jene Reservekasse, die seinem Dienstjahr bestimmt gewesen. Auch dieses Kapital sollte Zinsen tragen. Er wollte an die Quelle aller Geschäftstüchtigkeit reisen. Er wollte nach London. Um dem Leben und Handel der Welt einmal auf die Finger zu sehen.

Als Spreemann zum erstenmal davon hörte, nahm er die Brille ab, die er seit Wochen trug und die ihn noch drückte.

Denn im Gegensatz zu Hans war er ein wenig kurzsichtig geworden.

Sorgfältig putzte er die neuen Augengläser mit seinem großen Taschentuch aus türkischer Seide. Aber er folgte dabei der schnellen Rede seines Sohnes aufs genaueste.

Hans ließ ihm nicht viel Zeit zur Zwischenrede. Die Worte überstürzten sich.

Aber als Spreemann die Weite des Reiseziels erfuhr, unterbrach er doch den geschickten Redner.

»Nach England?« fragte er. Er hielt mit Putzen inne und sagte, wenn er sich nicht irre, liege da sogar ein Stück Meer dazwischen.

Hans machte eine abweisende Handbewegung und sagte, daß diese paar Salztropfen nicht der Rede wert wären. Wenn man erst reise, sei es gleichgültig, ob der Weg einige Meilen mehr oder weniger betrage. Da dürfe man nicht so ängstlich messen. Die Hauptsache sei, daß man auf den richtigen Punkt in der Welt käme. Und so begann er London zu preisen, die Königin des Handels, die Hauptstadt der Welt. Mit ihr verglichen sei Berlin ein Dorf.

Spreemann hatte die Brille wieder aufgesetzt. Aber er schaute über die Gläser hinweg.

Daß man Berlin ein Dorf nannte, nahm er nicht schweigend hin.

Er sagte, wer seine Vaterstadt nicht achte, beschmutze sich selbst. Und sein eigen Tuch soll man nicht mit fremden Ellen messen.

Hans meinte, man müsse mit allen Ellen messen können. Und je mehr Berliner das einsehen, um so rascher würde Berlin eine Großstadt sein. Und nicht nur so tun, als ob es eine wäre.

Spreemann schüttelte den Kopf. Er erinnerte Hans an die neuen Pferdebahnen, sagte ihm, daß man doppelt soviel Droschken hätte als vor kurzem. Daß man Gas brannte statt Funzellampen, daß sogar Wasser aus der Wand in die Töpfe liefe, und suchte und fand noch die verschiedensten Vorzüge ihrer Vaterstadt.

Hans lachte zu allem und sagte dann versöhnlich, daß sie sich darum nicht streiten wollten, denn der Vater sollte ja nicht Berlin auf Reisen schicken, sondern nur einen einzigen Berliner.

Spreemann hatte immer genug Verstand gehabt, um sich vor Tatsachen zu beugen. Er sah ein, daß dieser Plan seines Sohnes schon eine halbe Tat war, die er im Innern sogar billigen mußte. Denn er war überzeugt davon, daß der rasche Junge denen da draußen manches Neue abgucken würde. Das Geld dazu war ja da. Auch darin hatte der Junge recht. Und noch eins kam dazu. Man schob die große Umwälzung noch ein wenig hinaus. Er hatte sich das in früheren Jahren alles ruhiger und behaglicher vorgestellt. Wie eben alles leichter erscheint, solange es noch nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Mochte der Junge seinen Willen haben.

Hans quittierte des Vaters Einwilligung mit einer herzlichen Umarmung. Fest drückte er den kleineren Vater an sich.

Spreemann aber dachte in dieser festen Umklammerung, wie merkwürdig es war, daß dieser große Kerl damals so viel Mühe hatte, die ersten kleinen Zähnchen zu kriegen.

Und dabei fiel ihm Lieschen ein.

»Aber was wird Mama dazu sagen?« fragte er, als ihn Hans wieder freigab.

Hans räusperte sich.

»Du teilst es ihr wohl bald mit«, sagte er dann.

Spreemann schüttelte energisch den Kopf.

»Das ist deine Sache, mein Junge. Deine Idee, dein Plan, deine Freude.«

Hans jedoch wollte dem Vater nicht zuvorkommen. Was ihm dieser aber durchaus gestatten wollte.

Diesen hochgemuten Wettstreit unterbrach Madame Lieschen in eigener Person. Ganz ahnungslos.

Als sie noch auf der Schwelle war, sagte Hans, daß der Vater ihr etwas zu erzählen habe. Und rasch und bescheiden war er aus dem Zimmer gegangen.

Spreemann rief, daß das ein Irrtum sei und ihr Hans eine hübsche Neuigkeit zu berichten hätte. Aber als er hinaus wollte, um den Jungen einzuholen, trat sein Nachbar Slovitzka in die Türöffnung. Er kam zum Sonntagskaffee.

Als er von der erregt gewordenen Madame Lieschen hörte, daß hier eine wichtige Mitteilung bevorstände, kam er noch rascher herein und sagte, wie gut, daß kein Fremder hier sei, da könnten sich die Herrschaften ganz ungeniert aussprechen.

Und er setzte sich erwartungsvoll vor den Napfkuchen.

Spreemann begann zu sprechen.

Was er geahnt hatte, traf ein. Bei dem Wort London brach Lieschen in Tränen aus. Sie hatte nicht vergeblich die Schularbeiten der Jungen Jahre hindurch überwacht. Sie wußte auch um das Stück Meer. Sie aber nannte die paar Salztropfen, die Hans als nicht der Rede wert erklärt hatte: den schauerlichen Ozean. Und eine Flut von Salztropfen entströmte ihren Augen. Sollte sie, die schon auf der stillen, heimatlichen Spree den einzigen Vater verloren, etwa keinen Abscheu vor dem fremden, tiefen Meer haben?

Es war begreiflich. Aber auch das Begreifliche kann uns erschrecken.

Spreemann sah sich bestürzt im Zimmer um. Bis jetzt hatte er die ganze Angelegenheit nur von der geschäftlichen Seite betrachtet. Es wurde ihm schwül und übel, als Lieschen jetzt alle die Gefahren aufzählte, die Hans bedrohten.

Zuerst würde er auf der Eisenbahn mit einem Güterzug zusammenstoßen. Und nachdem er auf dem rasenden Weltenozean Schiffbruch erlitten, würde er in dieser fremden, großen und furchtbaren Stadt, wo immer eine Epidemie herrschte, krank liegen, ohne irgend jemanden zu haben, der ihn pflegen konnte. Zu all diesem kam hinzu, daß in London stets ein so dichter Nebel wogte, daß man nicht eine Handbreit vor Augen sehen konnte. Es also klar wie der Tag war, daß sich der Junge schon sofort nach seiner Ankunft in das berühmte Verbrecherviertel verirren würde, woraus kein Fremder lebendig zurückkehrt.

Spreemann tupfte sich mit dem Buntseidenen die Stirn. Alles das war gräßlich anzuhören. Es ging einem durch Mark und Bein. Außerdem erinnerte ihn Lieschens langgezogenes Schluchzen an Tante Karolines Beerdigung.

Zum Glück war Herr Slovitzka da.

Er unterbrach Lieschen endlich. Er sagte, daß Madame Spreemann zu schwarz sehe. Er gebe zu, daß auch nur eins von den aufgezählten Unglücken ausreichen würde, um jemandem das Reisen zu verleiden. Aber er müsse doch dem jungen Burschen recht geben. Bewegung muß sein. Die Weltkugel selber gebe uns dazu ein Beispiel.

Madame Lieschen sagte, daß diese Weltenkugel sie ganz und gar nichts angehe und daß Herr Slovitzka das Gespräch nicht auf Nebensächlichkeiten ablenken solle. Hier handle es sich um Hans.

Sie riß das Taschentuch von den Augen, sah Spreemann mitten ins Gesicht und sagte, daß Spreemann, dessen Ruhm als Geschäftsmann sie gewiß nicht schmälern wolle, weich wie geschmolzene Butter würde, sobald die Jungen mit einer Bitte kämen. Wenn sie das Kreuz von der Petrikirche haben wollten, würde er versuchen hinaufzuklettern.

Aber nun begann auch Spreemann sein geängstigtes Herz zu erleichtern.

»Ich«, rief er, »ich?«

Und er schrie Lieschen zu, daß sie nicht nur wie geschmolzene Butter, sondern wie flüssiger Honig werde, sobald einer der Jungen ein Anliegen habe. Sie war es gewesen, die ihnen Bartbürsten an den Weihnachtsbaum gehängt, als noch kein Schnurrbärtchen um die Milchmäuler sproß. Sie säumte und stickte ihnen Schnupftücher aus holländischem Leinen, als ob sie sich vor dem Könige selber schneuzen sollten. Selbst aber schien sie keine Nase mehr zu haben, wenn am Abend, sobald die Herren Söhne im Schlafzimmer verschwunden waren, ein Zigarettenqualm durch die Wohnung zöge, wie wenn eine Papierfabrik in Brand stehe. Und genauso, wie sie das Riechen vergessen konnte, war sie auch auf einmal taub auf beiden Ohren, wenn die Bürschchen viel später nach Haus kamen, als man ihnen erlaubt hatte. Es war merkwürdig, wie fest sie dann immer geschlafen hatte.

Er mußte eine kurze Pause machen, um nach einer neuen Untat Mutter Lieschens zu suchen.

Aber die praktische Hausfrau nutzte den Augenblick. Sie sagte, daß Spreemann sich selbst in den Spiegel sehen sollte. Wer hatte den Jungen, kaum daß der Wunsch nur aufgeflogen war, die ersten Spazierstöcke geschenkt? Mit silbernen, echt silbernen Krücken, während sein eigener nur einen Mopskopf aus Nickel habe. Wer gab ihnen an jedem Sonn- und Feiertag Urlaub nach Belieben? Während man selbst die schönsten Sonnenstunden hinter dem Ladentisch stand und sich niemals Ruhe gönnte? Wer steckte ihnen bei jedem Spaziergang noch heimlich Extragroschen zu, als ob sie zu Hause Hunger leiden müßten? Warum schalt man auf das Rauchen, wenn man zum Geburtstag die reizendsten Zigarettenetuis verschenkte? Und wer hatte ihnen die Taschenuhren gekauft, als sie noch in den Windeln lagen? Wer?

Spreemann hatte inzwischen vergeblich versucht, wieder zu Worte zu kommen.

Herr Slovitzka drehte schon lange an seinem schwarzgewichsten Schnurrbart. Zuerst hatte ihm diese eheliche Differenz Spaß gemacht. Aber auf die Dauer war das kein Sonntagsvergnügen. Und als er jetzt das Wort Windel fallen hörte, sagte er sich mit Schreck, daß dieser Kampf noch lange dauern könne. Denn, die Jungen waren bald zwanzig Jahre aus diesen Windeln heraus.

Seine Unruhe war nicht unberechtigt. Klaus und Lieschen hätten sich noch viele Stunden hindurch vorwerfen können, was alles sie an Liebe diesen Zwillingen erwiesen hatten. Denn es war ihnen nicht anders gegangen als andern Eltern.

Auch das Normale kann manchmal sonderbar erscheinen.

Aber gerade als Spreemann behaupten wollte, daß Lieschen überhaupt nur noch die Lieblingsgerichte der Jungen koche, stürmten die Streitobjekte selber dazwischen.

Ilka, die ihnen voraussprang, wollte wissen, ob es wahr sei, was ihr Hans eben erzählt habe. Oder ob er geflunkert. Was ihr wahrscheinlicher schien.

»Nun, also verbiete es ihm«, sagte Spreemann zu Lieschen. »Wiederhole ihm, was du soeben aufgezählt hast.«

Hans hatte sich schnell auf die Armlehne von Lieschens Sessel geschwungen. Er schmiegte sich an die Mutter und sagte:

»Willst du mir wirklich meinen sehnlichsten Wunsch verbieten, mein Mütterchen? Das glaub ich nicht.«

»Ist es dir denn wirklich ernst mit dieser fürchterlichen Reise, mein Junge?« fragte Lieschen zaghaft.

Und wenige Minuten später besprach man schon, wie der neue Koffer beschaffen sein müßte. Aus den Tassen dampfte endlich der angenehme Duft des Kaffees.

Ilka besah sich Hans heute ohne alle Umwege.

Genauso würde er also in seiner Tasse rühren und Kaffee trinken in London an der Themse. Alle um ihn herum würden englisch sprechen. Kleine Kinder, alte Männer, Frauen, Schutzleute, Kutscher. Überhaupt alles.

Sie warf einen kurzen Seitenblick auf Christian. Er lächelte sie an. Denn in den letzten Tagen hatten sie sich besser vertragen. Die Rose, die sie in der Hand hielt, war von ihm. Der Reiseplan seines Bruders gefiel ihm und stimmte ihn froh. Er gönnte Hans jede Freude. Aber diese weite Reise ganz insbesondere.

Ilka hatte sich schon zu Hans zurückgewandt. Es war ganz nett, daß Christian Soldat werden sollte. Aber es gab in Berlin gewiß viel mehr Männer, die Soldaten waren, als solche, die quer über den Globus nach London fuhren ...

Als man den Tisch verließ, blieb Christians Rose zwischen den Kaffeetassen und Kuchenkrümeln zurück.

Man wollte einen Spaziergang nach dem Goldfischteich machen. Es hatte in der Zeitung gestanden, daß dort eine Nachtigall niste, die in der Dämmerstunde lieblich singe. Man wollte sie hören. Nicht allein, weil man Gesang liebte, sondern weil man recht haben wollte. Denn in Herrn Slovitzkas neumodischem Blatt – er war leider kein Leser der ehrlichen, alten Privilegierten – hatte man geschrieben, daß die Nachtigall eine Zeitungsente sei. Diesem zoologischen Zwiespalt wollte man auf den Grund gehen.

Unter den grünen Bäumen des immer sauberer gewordenen Tiergartens spazierte in dem milden Abendschein des Sommertages alles, was Sonntagskleider hatte. Mancher Stoff kam Herrn Spreemann bekannt vor, und oft mußte man grüßen.

Am Goldfischteich aber war ein dichtes Gedränge. Die Zeitungsleser waren deutlich in zwei Parteien getrennt. Die einen horchten mit auf die Schulter geneigtem Kopf nach den Baumwipfeln. Die andern stocherten gefühlsroh mit ihren Sapzierstöcken im Buschwerk herum.

Gesang hörte man nicht.

Es sah ganz so aus, wie wenn die Neumodischen wieder recht bekommen sollten.

Möglich, daß der kleine Vogel irgendwo im Gezweig saß und schadenfroh auf die vielen Köpfe blickte. Vielleicht tat er sogar noch mehr, als nur harmlos auf alle herabzustarren? Vielleicht war es ihm auch noch nicht dunkel genug? Berühmte Sänger haben ihre Launen. Jedenfalls schien dieser kleine Piepmatz den unprivilegierten Berlinern zu einem Sieg verhelfen zu wollen. Daß sie ihn dafür eine Ente nannten, bezeugte nur den bekannten Undank der Welt.

Aber wenn sich verschiedene Parteien auch über alles zu streiten vermögen, eins war hier sicher: man hörte nichts von Vogelsang. Nur die Spatzen zeterten, hocherfreut über den vielen Besuch. Und die gelbroten Goldfische standen stumm und sonntagsfett im trüben Wasser.

Da man sich nun einmal für ein Konzert bereitgehalten, ging man nach dem Türkischen Zelt zur Militärmusik.

Man saß um einen Tisch, der so dicht neben der großen Pauke stand, daß keine Unterhaltung möglich war. Aber man entbehrte nichts.

Spreemann hatte die Nachtigallensache schon vergessen. Er rauchte eine dicke Zigarre. Zum erstenmal war seine Pfeife zu Haus geblieben. Er fühlte sich im Strom der neuen Zeit. Der eine Sohn beinahe Soldat. Waffenbruder mit diesen dort, die allen Leuten hier das Sonntagsvergnügen bliesen. Der andere bereit, eine Weltreise anzutreten.

In einer langen, glatten Kette von Ringen blies Spreemann den Rauch zwischen die Köpfe seiner Mitbürger.

Lieschen hoffte, daß sich diese gräßliche Reise noch zerschlagen würde, und überlegte zugleich, was alles dazu angeschafft werden sollte. Denn Hans sollte nichts entbehren müssen.

Sie sah zu ihm hinüber. Er schien glücklicherweise gar nicht an seinen Plan zu denken. Beide Jungen bombardierten Ilka mit Silberkügelchen aus Schokoladenpapier.

Herr Slovitzka rauchte auch. Aber er sah zu Boden. Er prüfte das zusammengeströmte Schuhwerk. Im letzten Schein der Abendsonne. Am Sonntag könnte man beinahe glauben, daß es nur neue Stiefel auf der Welt gäbe. Aber es bleibt nicht alles neu, was glänzt.

Er lächelte und pfiff den flotten Dessauermarsch mit, den sie da oben trommelten:

»So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage ...«

Und als die Musik mit einem kräftigen Paukenschlag endete, nahm er einen großen Schluck Bier und sagte, daß man den Sonntag nicht entbehren möchte.

»Ja«, sagte Madame Lieschen rasch zu Hans. »Solchen Berliner Sonntag wirst du nicht in dem fremden Land da finden.«

Und sie fragte vorsichtig, ob ihm nicht Leipzig genügen könnte. Wo die großen Messen wären, das man Klein-Paris nenne und das doch nicht durch ein unheimliches Meer vom Vaterland getrennt sei.

Aber Hans pries London. Ilka hörte gespannt zu. Die Schilderung wurde sehr feurig. Die Größe der Riesenstadt wuchs von Minute zu Minute.

Spreemann unterbrach schließlich diese ungeheure Ausdehnung, indem er bemerkte, daß man auch dort nichts andres tun würde als kaufen oder verkaufen. Handel sei Handel. Auch Slovitzka meinte das.

Aber da setzte die Musik wieder ein, und das große London verschwand im Bauch der Berliner Pauke. –

Es war spät geworden, und so nahm man eine Droschke.

»Geteilte Freude ist halber Preis«, sagte Herr Slovitzka, als er nach den Herrschaften Spreemann mit Ilka einstieg.

Die Zwillinge gingen zu Fuß.

Der Abend war warm und schwül. Die Dunkelheit verwischte die Umrisse der Bäume wie die der wenigen Spaziergänger, die ihnen meist paarweise entgegenkamen. Alles schmolz ineinander.

Hans sagte, daß seine geplante Reise großen Eindruck auf Ilka gemacht habe.

Christian antwortete nichts. Wahrscheinlich hatte er wieder einmal nicht zugehört.

So gingen sie schweigend weiter. Mit schnellen, gleichmäßigen Schritten. Sie waren gewohnt, zusammen zu gehen. Ihre Füße hielten genauen Takt.

Und auch genauen Takt ihre Gedanken.

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