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Soldaten des Glücks. Erster Band

Richard Harding Davis: Soldaten des Glücks. Erster Band - Kapitel 6
Quellenangabe
authorRichard Harding Davis
titleSoldaten des Glücks. Erster Band
publisherVerlag von J. Engelhorn
year1900
illustratorDana Gibson
translatorF. Mangold
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170331
projectid257d4e65
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Fünftes Kapitel.

Dem Besuche in der Stadt folgten an den nächsten drei Tagen ähnliche Ausflüge. An einem Abend fuhr man wieder nach der Plaza, und an den beiden andern segelte man auf Kings Jacht durch den Hafen und an der Küste entlang. Bei einer dieser Mondscheinfahrten waren der Präsident und Madame Alvarez Kings Gäste, und wurden mit der ihnen zukommenden Anzahl von Kanonenschüssen begrüßt, auch spielte die einheimische Musikbande auf dem Vorderdeck. Clay fühlte, daß für den Augenblick King die Hauptperson sei, und hielt sich vollständig im Hintergrunde. Dabei mußte er an seinen eigenen kleinen Raddampfer denken, den er ihr zu Ehren hatte neu malen und vergolden lassen, und ein bitteres Lächeln spielte um seine Lippen.

Während er mit dem Rücken an die Regeling gelehnt dasaß und mit den Augen eines Mannes, der vor dem Mast gedient hat, in das Netzwerk von Rahen und Tauen hinaufschaute, näherte sich Mc Williams auf den Fußspitzen und setzte sich vorsichtig auf einen Korbstuhl.

»Thürmatten scheint's auf diesem Boot nicht zu geben,« sagte Mc Williams. »In jeder andern Hinsicht ist die Ausstattung sehr vollständig: die neuesten Monatsschriften, emaillierte Badewannen und chinesische Diener, die immer einen Cocktail irgendwo verborgen haben. Aber am oberen Ende einer jeden dieser Treppen, die über die Seite hängen, sollte eine Matte liegen, sonst macht man das Deck schmutzig. Sind Sie schon einmal unten im Maschinenraum gewesen? Nun, wenn nicht, dann rate ich Ihnen, lieber nicht hinzugehen,« fügte er feierlich hinzu. »Es würde Ihnen zu schlimm zu Mute werden. Ich habe den Admiral gefragt, ob ich unsere Halbblut-Maschinenführer einmal herschicken dürfe, um den Leuten zu zeigen, wie ein sauberer Maschinenraum aussehen sollte. Eben habe ich mit dem Obermaschinisten gesprochen. Sein Name ist Mc Kenzie, und als ich ihm sagte, ich sei auch ein Schotte, entgegnete er, es sei ihm ein großes Vergnügen, einen Herrn kennen zu lernen, der mit Maschinen so genau Bescheid wisse. Er meinte wahrscheinlich, ich sei einer von Mr. Kings Gästen, und deshalb sagte ich ihm nicht, daß ich selbst mein Brot damit verdiene, manchmal einen Hebel zu ziehen. Ich habe ihm aber eine Zigarre gegeben, worauf er ›danke schön‹ sagte und seine Hand an die Mütze legte.«

Mc Williams kicherte bei der Erinnerung und schlug behaglich die Beine übereinander. »Und noch dazu eine von Kings Zigarren,« fuhr er fort. »Echte Havanna: er läßt sie in der Kajüte offen umherliegen. Haben Sie schon eine versucht? Ted Langham und ich haben zusammen etwa ein Kistchen eingesteckt.«

Clay gab keine Antwort. Mc Williams aber setzte sich noch bequemer auf dem großen Korbstuhle zurecht und paffte mit befriedigtem Stolze den Rauch seiner Zigarre in die Luft.

»Es wirkt entsittlichend, meinen Sie nicht?« sagte er endlich.

»Was?« fragte Clay zerstreut.

»O, daß man wieder mit Weißen verkehrt, wie wir es jetzt thun. Man verliert den Geschmack für Reis und Tortillas Tortillas sind kleine, runde Pfannkuchen von Maismehl., nicht wahr? Aber wenn sie alle wieder fort sind und Ted auch, wenn die Jacht verschwunden ist, und wir laufen wieder zweimal in der Woche um die Plaza herum, so wird das sehr wenig vergnüglich sein. Nein, es wird uns schlecht gefallen. Jetzt kommt der große Jux unseres Lebens, aber hinterher werden wir es spüren.«

»Dafür kann man schon einen Riesenkater mit in den Kauf nehmen,« entgegnete Clay achselzuckend und entfernte sich, um Miß Langham aufzusuchen. –

Der zum Besuche des Bergwerks bestimmte Tag brach hell und klar an. Mc Williams hatte seinen einzigen Personenwagen mit Teppichen und Kissen ausgestattet, und von dem leinenen Verdeck, das in dem vom fahrenden Zuge erregten Winde flatterte und sich aufblähte, wehten bunte Flaggen. Dieser Aussichtswagen, wie ihn Mc Williams nannte, war vor der Lokomotive angebracht und wurde langsam auf dem schmalen Geleise durch Wälder von Manacapalmen, Sümpfe und Dickichte und manchmal über die Kalkfelsen der Küste geschoben, wo die Wellen bis zum Schornstein der Maschine aufspritzten und die Reisenden mit einem Schauer von weißem Schaum besprengten. Tausende von Landkrebsen in ihren roten, schwarzen und gelben Panzern krabbelten mit einem Geräusch, das dem Rasseln von Knochen glich, über die Schienen und wurden zu Hunderten von den Rädern des Juggernaut zermalmt; große Eidechsen flohen bei Annäherung des Zuges von den sonnigen Felsen, und ein Rehbock sprang dicht vor dem Schienenräumer übers Geleis. Mc Williams führte Hope auf die Lokomotive und zeigte ihr, wie man die Geschwindigkeit der Maschine vergrößern und verringern kann, bis sie ein bedenkliches Verlangen verriet, den Hebel auf Volldampf zu stellen und den Zug aus den Schienen in den Ozean zu befördern.

Clay saß mit Miß Langham im hinteren Teile des Wagens und erzählte ihr und ihrem Vater von den Schwierigkeiten, die der junge Mc Williams zu überwinden gehabt hatte, und Miß Langham machte es das größte Vergnügen, als sie bemerkte, daß ihr Vater mit gespanntem Interesse auf alles lauschte, was Clay ihm sagte. Sie kannte ihren Vater und war vertraut mit der Art, wie er mit andern Männern verkehrte, so daß sie in seinem Benehmen Clay gegenüber eine ungewöhnliche Auszeichnung für diesen erblickte. Das gefiel ihr außerordentlich, denn es rechtfertigte ihr eigenes Interesse für ihn, und da sie den jungen Ingenieur als ihre Entdeckung betrachtete, war sie erfreut, daß andere ihre gute Meinung über ihn teilten.

Der Besuch der Familie Langham war ein großes Ereignis in der Geschichte der Bergwerke. Kirkland, der Steiger, und Chapman, der die Dynamitsprengungen leitete, der Konsul Weimer, und der eingeborene Arzt, der die Fieberkranken und die bei Unfällen Verletzten behandelte, waren alle am Bahnhofe versammelt und erwarteten die Besucher in den weißesten aller weißen Leinenanzüge mit einer Koppel von Ponies, die die Gesellschaft auf ihrer Besichtigungsreise tragen sollten. Die Lehm- und Zinkhütten des Dorfes standen auf weißen Pfahlrosten über der kahlen, von der Sonne ausgedörrten Erde, und die Gassen waren so sauber, als Clays hundert Polizisten sie nur hatten machen können. Abgesehen von den Familien der eingeborenen Arbeiter und den herrenlosen Hunden, den Gassenkehrern der Kolonie, die knurrend und bellend vor den Ponies hersprangen, war das Dorf wie ausgestorben.

Jäh hinter dem Zinkdorfe aufsteigend, erhob sich der erste der fünf Berge, an dessen freier Vorderseite große Terrassen abgegraben waren, worauf Menschen umherkletterten, wie Fliegen an einer Wand. Manche standen in Gruppen vor einer Oeffnung oder arbeiteten paarweise, indem einer mit einem schweren Hammer auf einen Stahlbohrer schlug, den sein Genosse in seinen bloßen Händen drehte. Wieder andere standen bei den keuchenden Dampfbohrern, die mit ihren kurzen, heftigen Stößen den Berg erschütterten und die Männer in Dampfwolken hüllten. Wichtigthuende kleine Hilfslokomotiven, die lange Reihen von Erzkarren zogen, schwankten und schaukelten auf dem unebenen Boden und stießen schrille Warnungspfiffe aus, wenn sie um eine Ecke fuhren. Auf einzelnen Bergvorsprüngen zeichneten sich Leute am Himmel ab, die rote Flaggen schwangen und dann am Bergabhang hinabeilten, um sich in Sicherheit zu bringen, ehe die Erde unter der Erschütterung der Sprengschüsse erbebte und Garben von Steinen und Staub in die ruhige, heiße Luft emporschleuderte. Es war ein Bild rastloser Thätigkeit, das für den Uneingeweihten unverständlich war, denn anscheinend ohne Plan und Leitung, machte es den Eindruck, als ob es sich über einen unbegrenzten Raum ausdehne und als ob die Leute jeder auf eigene Faust arbeiteten, wie die Lumpensammler auf einem Kehrichthaufen.

Allein nur King, der durch den unaufhörlichen Lärm und die Hitze etwas verstimmt war, und ihr begeisterter Bruder hielten sich an Miß Langhams Seite, während Clay vorausritt und ihr Dasein vergessen zu haben schien. Sie sah, wie er nach den Oeffnungen in den Bergen und nach den Erzhalden wies oder wie er sich auf Cowboyweise, ohne aus dem Sattel zu springen, nach einem Stück Erz bückte und damit auf seinen Sattelknopf schlug, ehe er es den andern reichte. Und dann stand er wieder minutenlang mit über den Arm gehängten Zügeln und im Gürtel steckenden Daumen bis über den Rand seiner Stulpstiefel im lockeren Abraum und hörte auf das, was seine Untergebenen sagten, wobei er oft rasch von ihnen auf Mr. Langham blickte, um zu sehen, ob dieser die Kunstausdrücke ihrer Rede verstehe. Alle die Männer, die die Ankunft der Damen mit so augenscheinlicher Freude und so großer Blödigkeit begrüßt hatten, schienen jetzt deren Gegenwart ebenso vergessen zu haben, als Clay selbst.

Miß Langham drängte ihr Pferd in die Gruppe, die neben Hope stand, welche sich mit ihrem Pony von Anfang an dicht bei Clay gehalten hatte, aber Alice verstand nichts von dem, was sie hörte, und niemand schien es für nötig zu halten, ihr Erklärungen zu geben. Endlich gelang es ihr, Clays Blick zu erhaschen, und sie lächelte ihm freundlich zu, aber nachdem er sie lange Zeit angestarrt hatte, während Kirkland mit seinen Auseinandersetzungen fortfuhr, hörte sie ihn sagen: »Ja, so ist es: beim Schürfbetriebe über Tage ist nichts anderes zu machen,« und nun wurde ihr klar, daß er sich ihrer Anwesenheit nicht einmal bewußt geworden war. Allein wenige Augenblicke später bemerkte sie, wie er zu Hope aufsah, seine Arme über der Brust verschränkte und den Kopf schüttelte. »Sehen Sie, das war das Einzige, was wir machen konnten,« hörte sie ihn sagen, als ob er sein Verfahren rechtfertigen wolle und Hope zu den Leuten gehöre, die überzeugt werden müßten. »Hätten wir die Oeffnung auf die Grundstrecke gelegt, so wären wir Gefahr gelaufen, die ganze Geschichte einstürzen zu sehen. Deshalb mußten wir von oben anfangen, und dazu habe ich das Paternosterwerk kommen lassen. Wie sich herausgestellt hat, haben wir Geld dabei gespart.«

»Das habe ich Vater gleich gesagt, als Ted darüber schrieb,« antwortete Hope mit einem leichten Nicken, »aber am Mount Washington haben Sie das doch nicht gethan.«

»O, das war ganz etwas anderes,« fiel Kirkland eifrig ein. »Mount Washington hat viel festeres Gestein. Dort kann man überall Stollen treiben, ohne daß sie einfallen, aber hier ist alles Geschiebe und Gekrätz, und das ist der schlechteste Boden für Bergwerke.«

Hope nickte wieder und ließ ihr Pony der Gruppe folgen, allein ihre Schwester und King gaben es auf. King sah Alice einen Augenblick an und lächelte.

»Hope ist ganz bei der Sache,« meinte er. »Wo hat sie denn das alles aufgeschnappt?«

»O, sie und Vater haben in seinem Arbeitszimmer stets alles zusammen besprochen, als Ted anfing, von hier aus zu schreiben,« antwortete Miß Langham mit einem Schatten von Verdruß in ihrem Tone. »Gibt's denn nirgends ein Plätzchen, wo man etwas vor der Hitze geschützt ist?«

Konsul Weimer hatte diese Worte gehört und führte die beiden nun nach Kirklands Bungalow zurück, der wie ein Adlerhorst an einer vorspringenden Klippe hing. Von seiner Veranda aus konnte man das Thal und den größten Teil des Bergwerks übersehen, bis zur Karaibischen See, die in der Hitze funkelte.

»Amerikaner habe ich nur sehr wenige hier gesehen, Weimer,« sagte King. »Ich dachte, Clay hätte eine ganze Masse eingeführt.«

»Zusammen etwa dreihundert, wilde Irländer und Neger,« entgegnete der Konsul, »aber wir gebrauchen hauptsächlich die eingeborenen Soldaten. Sie vertragen das Klima besser, und außerdem,« fügte er leise hinzu, »dienen sie im Falle von Unruhen als Rückhalt. Sie sind Anhänger Mendozas, und Clay versucht, sie ihm abwendig zu machen.«

»Was wollen Sie damit sagen?« fragte King.

Weimer schaute sich um und wartete, bis Kirklands Diener eine Platte mit Flaschen und Gläsern auf den in ihrer Nähe stehenden Tisch gestellt und sich entfernt hatte.

»Es geht die Rede,« hob er sodann wieder an, »daß sich Alvarez vor den Frühlingswahlen zum Diktator ausrufen will. Das werden Sie wohl gehört haben, nicht wahr?«

King schüttelte den Kopf.

»O, bitte, erzählen Sie uns!« rief Miß Langham. »Ich möchte meine Finger gern ein bißchen in Verschwörungen und Komplotte stecken.«

»Na, die sind hier etwas ziemlich Alltägliches,« fuhr der Konsul fort, »aber diese sollte Sie besonders interessieren, Miß Langham, weil eine Dame an der Spitze steht. Madame Alvarez war, wie Sie wissen, vor ihrer Verheiratung Gräfin Manuelata Hernandez, und gehört einer der ältesten Familien Spaniens an. Alvarez hat sie in Madrid geheiratet, als er dort Gesandter war, und als er hierher zurückkehrte, um bei der Präsidentenwahl als Bewerber aufzutreten, kam sie mit ihm. Sie ist ungeheuer ehrgeizig, und wie man sagt, will sie die Republik wieder zur Monarchie und ihren Gatten zum König oder vielleicht sich selbst zur Königin machen. Das ist natürlich Unsinn, aber sie soll es darauf abgesehen haben, Olancho wieder von Spanien abhängig zu machen, wie es das früher war, und deshalb ist sie so unbeliebt.«

»Wirklich?« unterbrach ihn Miß Langham. »Daß sie unbeliebt ist, wußte ich nicht.«

»Aber sehr! Ihre Anhänger werden Royalisten genannt, und noch vor einer Woche haben die Liberalen in der ganzen Stadt Schmähanschläge angeheftet und das Volk aufgerufen, sie aus dem Lande zu jagen.«

»Was für Feiglinge! Eine Frau anzugreifen!« rief Miß Langham aus.

»Hm, ich weiß doch nicht; sie hat angefangen, das dürfen Sie nicht vergessen,« erwiderte der Konsul.

»Wer ist denn der Führer der ihr feindlichen Partei?« fragte King.

»General Mendoza. Er ist der Höchstkommandierende, und der größte Teil des Heeres steht auf seiner Seite, aber der andere Bewerber, der alte General Rojas, ist beim Volke am beliebtesten und der Beste von den dreien. Jetzt ist er Vizepräsident, und wenn dem Volke eine ehrliche Gelegenheit gegeben würde, für den Mann zu stimmen, den es wirklich haben will, so wäre er ohne allen Zweifel der nächste Präsident. Die große Masse des Volkes hat die ewigen Revolutionen satt. Es hat deren genug gehabt, wird aber binnen kurzem doch wohl noch eine durchmachen müssen, und wenn diese für Alvarez ungünstig verläuft, so wird, fürchte ich, Mr. Langham große Schwierigkeiten haben, seine Bergwerke zu behaupten. Mendoza hat schon gedroht, die ganze Geschichte wegzunehmen und ein Regierungsmonopol daraus zu machen.«

»Und wenn der andere, General Rojas, zur Macht gelangt, wird der die Bergwerke auch wegnehmen?«

»Nein, so unwahrscheinlich es auch klingt, der ist ehrlich,« entgegnete der Konsul lachend, »aber er wird nicht zur Macht gelangen. Alvarez wird sich zum Diktator aufwerfen, oder Mendoza wird die Präsidentenwürde an sich reißen. Deshalb behandelt Clay die Soldaten so gut; er glaubt, er könne sie gegen Mendoza nötig haben. Gar nicht unmöglich, daß Sie Ihr Salutgeschütz noch gegen die Stadt gebrauchen müssen, Commodore,« fügte er lächelnd hinzu, »oder, was noch wahrscheinlicher ist, Sie werden Ihre Jacht nötig haben, um Miß Langham und den Rest der Familie aus dem Lande zu schaffen.«

King lächelte, und Alice sah Weimer mit schmeichelhaftem Interesse an.

»Ich habe unter Deck eine Schnellfeuerkanone,« sagte King, »die ich im Malayischen Meere einmal gegen eine Dschunke voll Schwarzflaggen nötig hatte, und dieses Geschütz werde ich heraufbringen lassen, denke ich. Außerdem würden etwa dreißig von der Bemannung meiner Jacht ein Jahr umsonst dienen, wenn ich sie an Land gehen und sich an einer Rauferei beteiligen ließe. Wann meinen Sie denn, daß diese ...«

Ein schwerer Schritt und das Klirren von Sporen auf dem nackten Estrich des Bungalow ließ die Verschwörer auffahren. Sie wandten sich um und blickten schuldbewußt die Berggipfel an, als Clay eilig auf die Veranda trat.

»Es wurde mir gesagt, daß ich Sie hier finden würde,« sagte er zu Miß Langham. »Ich bedaure, daß die Sache Sie ermüdet hat. Ich hätte freilich nicht vergessen dürfen ... es ist eine anstrengende Fahrt, wenn man nicht daran gewöhnt ist,« fügte er reuig hinzu, »aber ich freue mich, daß Weimer Sie in seine Obhut genommen hat.«

»Ja, es war etwas heiß und geräuschvoll,« antwortete Miß Langham sanft lächelnd, indem sie mit dem Ausdruck geduldigen Leidens die Hand an die Stirn preßte. »Ich habe etwas Kopfweh bekommen, aber es war höchst interessant,« fügte sie hinzu, »und man darf Ihnen zu Ihrem Werke Glück wünschen.«

Clay sah sie zweifelhaft und mit besorgter Miene an und wandte dann seine Blicke dem geschäftigen Bilde unter ihnen zu. Daß sie so wenig Interesse gezeigt hatte, verletzte ihn, und doch fühlte er mit Entrüstung gegen sich selbst, daß das ungerecht war. Wie durfte er erwarten, daß eine Frau Interesse für diese geräuschvolle und schweißtreibende Thätigkeit fühlen könne? Aber noch während er sich diese Vorwürfe machte, fielen seine Augen auf eine zierliche Gestalt, die aufrecht und anmutig auf ihrem Pony saß und deren weißes Kleid rote Flecken vom Erz des Bergwerkes und grüne von den Blättern, die sie gestreift hatte, zeigte. Von einer aus einem halben Dutzend junger Männer bestehenden Leibwache umgeben, die sich an sie drängten, ihr von den Schwierigkeiten der Arbeit erzählten und nach einem Zeichen des Beifalls von ihr haschten, kam sie langsam den Pfad herauf.

Clays Augen blieben an diesem Bilde haften, und er lächelte über dessen Bedeutung. Alice bemerkte den Blick und schaute hinab, um zu sehen, was ihn so anziehe, und dann kehrten ihre Augen wieder zu ihm zurück. Noch immer betrachtete er die nahende Gruppe mit großer Aufmerksamkeit und lächelte vor sich hin. Miß Langham stockte der Atem, und sie erhob rasch den Kopf und die Schultern wie ein Reh, das Fußtritte im Walde hört. Als Hope bald darauf auf die Veranda trat, wandte sich Alice rasch nach ihr um und sah sie fest an, als ob sie eine Fremde sei, wie man jemand anschaut, den man zum erstenmal erblickt.

»Hope, sieh nur mal dein Kleid an,« sagte sie.

Hopes Gesicht glühte von der ungewohnten Anstrengung, ihre Augen strahlten, und ihr Haar war unter dem Schirm ihres Korkhelmes hervorgeglitten. »Ach, ich bin so müde – und so hungrig,« wandte sie sich lachend an Clay. »Etwas so Wunderbares zu sehen,« fuhr sie fort, indem sie an ihrem schweren Reithandschuh zerrte, »ist herrlich – und nun gar, es ausgeführt zu haben,« fügte sie hinzu. Dabei zog sie den Handschuh aus und hielt Clay ihre feuchte Hand hin, worin die Zügel tiefe Furchen zurückgelassen hatten.

»Ich danke Ihnen,« sagte sie einfach.

Mit rasch aufwallender Erkenntlichkeit ergriff der Leiter des Bergwerks ihre Hand, und als er dem jungen Mädchen nun in die Augen sah, nahm er etwas darin wahr, das ihn betroffen machte, so daß er schnell an ihr vorbei auf die Gruppe gestiefelter Männer sah, die hinter ihm an der Thür standen: ihr Vater und Ted, Mc Williams und Kirkland und alle die anderen, die seine Helfer gewesen waren. Sie alle lächelten über das Bild, das sich ihnen darbot und dessen Bedeutung sie sich wohl bewußt waren. Ihm allein schien das junge Mädchen die ganze Ehre für das Vollbrachte zuzuerkennen, und wenn sie ihn darum vielleicht auch beneideten, so mißgönnten sie sie ihm doch nicht.

»Warum konnte das nicht die andere sein?« dachte Clay. »Danke Ihnen,« antwortete er jedoch laut; »Sie haben mich reich belohnt.«

Miß Langham sah ungeduldig ins Thal hinab, das ihr nun noch heißer, geräuschvoller und schmutziger vorkam.

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