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Skizzen aus dem Londoner Alltagsleben

Charles Dickens: Skizzen aus dem Londoner Alltagsleben - Kapitel 46
Quellenangabe
typenarrative
authorCharles Dickens
titleSkizzen aus dem Londoner Alltagsleben
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
year1862
translatorCarl Kolb
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20141117
modified20161027
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Erzählungen

Erstes Kapitel

Das Kosthaus.

 

1.

Frau Tibbs war unstreitig das rührigste, beweglichste und wirthschaftlichste Persönchen, welches je den Lond'ner Rauch einathmete und ihr Haus entschieden das netteste in ganz Great-Coram-Street. Die Hausflur und die Thüre mit ihren Treppen, der messing'ne Handgriff, die Thürplatte, der Klopfer und die Laterne wurden alle so zierlich und so glänzend erhalten, als unermüdliches Aufwaschen, Reiben, Fegen, Kehren und Putzen sie nur immer machen konnten.

Es war nur zu verwundern, daß die messing'ne Thürplatte mit der interessanten Inschrift »Frau Tibbs« von dem beständigen Reiben noch nie Feuer gefangen hatte, so unaufhörlich wurde sie polirt. In dem Speisezimmer sah man Fensterblenden, die alle möglichen Speisevorräthe vorstellten; blaue und goldene Vorhänge und Rouleaux zierten die Fenster des Conversationszimmers, denn Frau Tibbs war in ihres Herzens Stolze gewohnt zu sagen, »Alles muß flott sein.« Die Glockenlampe in der Hausflur sah so glänzend aus, wie eine Seifenblase; in allen Tischen konnte man sich wie in einem Spiegel sehen und die Stühle waren geschliffener, als Mancher, der sich darauf setzte. Die Schränke waren gewichst und sogar das Treppengeländer so glänzend, daß einem die Augen weh thaten.

Frau Tibbs war einigermaßen klein davon gekommen und Herr Tibbs ebenfalls gar nicht groß. Er besaß überdieß sehr kurze Beine, wofür ihn aber auch die Natur mit einem desto längeren Gesichte begabt hatte. Seiner Gattin gegenüber war er das, was die 0 in 90 ist: – er konnte blos etwas bedeuten in Verbindung mit ihr, – ohne sie war er gar nichts. Frau Tibbs plauderte unaufhörlich; Herr Tibbs sprach selten, und wenn er je irgendwo ein Wort einfließen ließ, so war es gewiß gerade da, wo er nichts hätte sagen sollen. Frau Tibbs war eine abgesagte Feindin langer Geschichten; Herr Tibbs aber wußte eine, deren Ende selbst seine besten Freunde nie gehört hatten. Sie begann immer: »Ich erinnere mich, als ich noch unter den Freiwilligen diente, es war im Jahre achtzehnhundert und sechs,« – da er aber sehr langsam und leise sprach, seine bessere Hälfte dagegen sehr schnell und laut, so kam er selten über den Anfang hinaus. Er war daher der trübseligste Geschichtenerzähler, der wahre ewige Jude von Joe Millerism.

Herr Tibbs genoß eine kleine Pension, – etwa 43 Pfd. 15 Shl. 10 Pnc. jährlich. Sein Vater, seine Mutter und fünf diesem Stamme entsprossene Zweige bezogen dieselbe Revenue von dem dankbaren Vaterlande; für welche besondere Dienste dieß aber geschah, ist nicht ausdrücklich bekannt. Da jedoch besagte Pension nicht vollkommen für zwei Leute zu allen nothwendigen Luxusartikeln des Lebens hinreichte, so kam die kleine, rührige Frau Tibbs auf den Gedanken, daß sie von einem ihr zugefallenen Vermächtnisse von 700 Pfunden wohl keinen bessern Gebrauch machen könnte, als wenn sie ein anständiges Haus irgendwo in der von ihr besonders dazu tauglich erfundenen Gegend des sich zwischen dem brittischen Museum und einer sehr entlegenen Vorstadt, genannt Somerstown, hinziehenden Stadttheils miethen und es für die Aufnahme von Kostgängern einrichten würde. Great-Coram-Street war der Platz, den sie endlich dazu wählte.

Das Haus ward demgemäß meublirt, zwei weibliche Dienstboten und ein Bursche angenommen und eine Ankündigung in den Morgenblättern erlassen, wodurch das Publikum erfuhr, daß »Sechs Personen eine mit allen Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten verbundene Aufnahme bei einer anständigen musikalischen Privatfamilie finden könnten, die nur zehn Minuten weit von allenthalben wohne.« Anfragen ohne Zahl mit allen Sorten von Anfangsbuchstaben liefen ein: es schien eine plötzliche Wuth unter allen Buchstaben eingerissen zu sein, Kost und Logis zu suchen; eine höchst voluminöse Correspondenz entstand zwischen Frau Tibbs und den Aufnahmslustigen und das tiefste Geheimniß wurde dabei beobachtet. A. war mit diesem nicht einverstanden, E. mit jenem nicht; I. konnte nicht glauben, daß man das Versprochene um den angegebenen Preis leisten könnte; I. O. U. meinte, sie würden sich nicht verständigen können, und G. R. wollte in keinem französischen Bette schlafen. Das Ergebniß war demungeachtet, daß drei Herren unter Bedingungen, die »allen Theilen angenehm« waren, die Kostgänger von Frau Tibbs wurden. Eine zweite Ankündigung hatte den Erfolg, daß sich eine Dame mit zwei Töchtern geneigt zeigte, ihre Familie zu vergrößern; nicht ihre eigene, sondern die der Frau Tibbs.

»Eine herrliche Frau, diese Frau Maplesone!« sagte Frau Tibbs, als sie und ihr Gemahl nach dem Frühstücke am Kamine bei einander saßen, und die Herren ihrem Berufe nachgegangen waren. »Eine herrliche Frau, in der That!« wiederholte die kleine Frau Tibbs mehr im Selbstgespräche, als in der Absicht, mit ihrem Manne zu reden, denn es fiel ihr nie ein, ihn um seine Meinung zu fragen. »Und die beiden Töchter sind ebenfalls höchst liebenswürdig. Wir müssen uns nach Fischen umsehen: sie kommen heute das erste Mal zum Mittagessen.«

Herr Tibbs stellte den Feuerhaken mit der Feuerschaufel in einem rechten Winkel zusammen und versuchte Etwas zu sagen; es fiel ihm aber alsbald ein, daß er nichts zu sagen wüßte. »Die jungen Damen,« fuhr Frau Tibbs fort, »sind so gefällig und wollen ihr eigenes Fortepiano freiwillig mitbringen.«

Herrn Tibbs fiel hiebei seine freiwillige Geschichte ein, aber er wagte es nicht, sie auf's Tapet zu bringen. Ein anderer herrlicher Gedanke fuhr ihm übrigens durch den Kopf; »'s wäre gar nicht unmöglich,« sagte er; – »Aber sei doch so gut und lehne deinen Kopf nicht gegen die Tapete,« unterbrach ihn Frau Tibbs, – »und stell' deine Füße nicht auf das Kamingitter, was noch häßlicher ist.«

Tibbs that den Kopf von der Tapete und die Füße von dem Gitter weg, dann fuhr er fort: »'s wäre gar nicht unmöglich, daß eine der jungen Damen Herrn Simpson in ihrem Netze finge, und du weißt ja, eine Heirath« –

»Eine Was?« kreischte Frau Tibbs.

Tibbs wiederholte demüthig seine vorige Vermuthung.

»Ich bitte mir aus, daß du über solche Sachen das Maul hältst,« sagte Frau Tibbs. »Eine Heirath, welche mich um meine Kostgänger brächte, das käme mir geschlichen; – ja, warum nicht gar!«

Tibbs dachte bei sich, daß so Etwas doch gar leicht kommen könnte; da er aber nicht gewohnt war, mit seiner Frau zu streiten, so machte er dem Zweigespräche ein Ende, indem er nur noch bemerkte, es wäre Zeit, »an's Geschäft zu gehen.« Er ging nämlich jeden Tag um zehn Uhr Morgens in die City, und kam um fünf Uhr Nachmittags mit einem außerordentlich schmutzigen Gesicht nach Hause, wobei er einen höchst schimmeligen Geruch verbreitete. Kein Mensch wußte, was eigentlich sein Geschäft war, oder wo er hinging; aber Frau Tibbs pflegte mit höchst wichtiger Miene zu sagen, daß er in der City beschäftigt wäre.

Die Miß Maplesones und ihre vortreffliche Mutter kamen des Nachmittags in einer Miethkutsche an und brachten eine erstaunliche Menge Gepäck mit Koffer, Hut- und Muff-Schachteln, Sonnen- und Regen-Schirme, Guitarren, Kästen und Packete in allen möglichen Gestalten, in Fließpapier eingewickelt und mit Stecknadeln zugeheftet, füllten die Hausflur an. Dann erfolgte ein solches Auf- und Abrennen mit dem Gepäcke, ein Hin- und Herspringen mit warmem Wasser, damit sich die Damen waschen könnten; die Zimmer sollten geheizt, die Brenneisen, um die Haarlocken zu machen, sollten ausgeglüht werden, und dieß Alles veranlaßte ein Laufen, einen Lärm und eine Verwirrung, wie es in Great-Coram-Street seit Menschengedenken nicht erlebt worden war. Die kleine Frau Tibbs war ganz in ihrem Elemente; sie flog hin und her, wie eine Windsbraut, hatte unaufhörlich Etwas zu befehlen, gab Handtücher und Seife her und alle dergleichen et ceteras, gleich einer Oberpflegerin in einem Hospitale. Das Haus kehrte erst dann wieder völlig in den gewohnten Zustand von Ruhe zurück, als sich die Damen wohlverwahrt in ihre Schlafzimmer einschlossen, um sich dem wichtigen Geschäfte des Ankleidens zu widmen.

»Sind die Besen hübsch?« fragte Herr Simpson den andern der Kostgänger, Herrn Septimus Hicks, als sie sich vor dem Mittagessen in dem Conversationszimmer damit unterhielten, daß sie, auf den Sopha hingelümmelt, ihre Schuhe betrachteten.

»Weiß nicht,« erwiederte Herr Septimus Hicks, ein schlanker, blasser Mann mit einer Brille und einer schwarzen Binde, die er statt eines Halstuches um seinen Hals geschlungen hatte, – eine höchst interessante Person, ein poetischer Beflissener der Arzneikunde und dabei ein sehr talentvoller junger Mann. Eine seiner Liebhabereien war, jede Unterhaltung mit allen möglichen Stellen aus Byron's »Don Juan« zu schmälzen, ohne sich darum zu kümmern, ob sie paßten oder nicht, worin er es wirklich zu einer staunenswürdigen Unabhängigkeit gebracht hatte. Der Andere, Herr Simpson, gehörte zu jenen jungen Männern, welche in der Gesellschaft diejenige Stelle ausfüllen, wie die Statisten auf der Bühne, blos mit dem Unterschiede, daß er hiezu noch unendlich weniger Beruf hatte, als der allermittelmäßigste Künstler zu dem seinigen. Sein Kopf war so leer, wie die große Glocke auf der St. Paulskirche und seine Zunge ungefähr eben so lang, wie deren Schwengel. Er kleidete sich stets nach dem Muster der Karrikaturen in dem monatlichen Mode-Journal, und schrieb Charakter mit einem K.

»Beim Heimkommen sah ich eine teufelmäßige Menge von Packeten in der Hausflur,« bemerkte Simpson sarkastisch.

»Materialien für die Toilette, ohne Zweifel,« erwiederte der Don Juan Leser.

»– Viel Linnen, Spitzen, manches Paar
Von Strümpfen, Bürsten, Kämmen und Pantoffeln gar;
Und andere Schönheitsmittel aller Art,
Um Damen auszustatten hübsch und zart.«

»Ist das von Milton?« fragte Simpson.

»Nein – von Byron,« entgegnete Herr Hicks, mit einem Blicke der tiefsten Verachtung. Er war seines Autors vollkommen gewiß, denn er hatte nie einen andern gelesen.

»Horch!« sagte der weise Spitalgänger, »die Besen kommen;« und alsbald fingen die Beiden ein sehr lautes Gespräch mit einander an.

»Frau Maplesone und Miß Maplesones Herr Hicks. – Herr Hicks – Frau Maplesone und Miß Maplesones,« sagte Frau Tibbs. Dabei hatte sie ein so erhitztes Antlitz, daß sie aussah wie eine Wachspuppe im Sonnenscheine, denn sie hatte die Oberaufsicht in dem im untern Stocke befindlichen Küchendepartement geführt. »Herr Simpson – ich bitte um Entschuldigung – Herr Simpson – Frau Maplesone und Miß Maplesones,« – und so vice versa. Die Herren begannen augenblicklich mit vieler Höflichkeit um die Damen herumzuschwenzeln, und sahen gerade so aus, als ob sie wünschten, ihre Arme möchten Beine sein, so wenig wußten sie, was mit jenen anzufangen. Die Damen lächelten, knixten, glitten zart auf ihre Stühle nieder und bückten sich nach ihren auf den Boden gefallenen Taschentüchern. Die Herren lehnten sich jeder an eine Vorhangrosette. Frau Tibbs führte auf bewundernswürdige Weise eine höchst bezeichnende Pantomime mit einer Magd auf, welche heraufgekommen war, um sich wegen der Fischsauce zu erkundigen; dann sahen die jungen Damen einander wieder an und Jedermann sonst schien irgend etwas Anziehendes in dem Kamingitter zu finden.

»Liebe Julia,« sagte Frau Maplesone zu ihrer jüngsten Tochter, eben laut genug, um von der übrigen Gesellschaft gehört zu werden, – »Julia.«

»Mamma!«

»Halte dich doch gerade.«

Dieß wurde augenscheinlich in der Absicht gesagt, um die allgemeine Aufmerksamkeit auf Miß Julia's Gestalt zu lenken, welche in der That höchst untadelhaft war. Jederman sah auch sogleich auf sie, dann entstand eine abermalige Pause.

»Wir hatten heute den ungeschliffensten Miethkutscher, den man sich vorstellen kann,« sagte Frau Maplesone zu Frau Tibbs in vertraulichem Tone.

»Was Sie sagen, meine Wertheste!« erwiederte die Hauswirthin, mit dem Anscheine großer Theilnahme; weiter konnte sie aber nicht sagen, denn die Magd erschien abermals an der Thüre und ließ wieder gegen ihre »Misses« eifrig den Telegraphen spielen.

»Ich halte die Miethkutscher im Allgemeinen für sehr ungeschliffen,« sagte endlich Herr Hicks in möglichst einschmeichelndem Tone.

»Zuverlässig sind sie es,« erwiederte Frau Maplesone, als ob ihr dieser Gedanke nie vorher gekommen wäre.

»Und die Cabrioletkutscher sind es noch mehr,« fiel Herr Simpson ein. Diese Bemerkung fand aber weniger Theilnahme, denn auch nicht eine Person bewies, weder durch Worte noch durch Zeichen, daß ihr auch nur das Geringste von den Sitten und Gebräuchen der Cabrioletkutscher bekannt wäre.

»Robinson, was will sie denn schon wieder?« sagte Frau Tibbs zu ihrer Magd, die, um ihrer Gebieterin ihre Anwesenheit bemerklich zu machen, verschiedene H'ms und P'st im Laufe der letzten fünf Minuten von der Thüre her hatte vernehmen lassen.

»Wenn Sie die Güte haben wollten, Ma'am, der Herr wünscht seine weißen Dings,« platzte die Magd auf einmal heraus.

Nun konnte sich Keines mehr halten: die beiden jungen Männer kehrten sich um, als wollten sie zum Fenster hinaussehen und sich todt lachen, die Damen hielten die Taschentücher vor den Mund, und die kleine Frau Tibbs schnurrte aus dem Zimmer, um Tibbs frisches Linnen zu geben – und mit der Magd zu zanken.

Kurz nachher erschien Herr Calton, der dritte Kostgänger, und trug nicht wenig dazu bei, die Unterhaltung zu beleben. Herr Calton war ein überständiger Stutzer, – ein alter Knabe. Er pflegte von sich selbst zu sagen, daß seine Züge – obgleich nicht regelmäßig – doch sehr ausdrucksvoll wären. Dieß waren sie in der That auch, denn es war völlig unmöglich, ihm in's Gesicht zu sehen, ohne mit aller Gewalt an einen pausbackigen Thürklopfer – halb Löwe, halb Affe – erinnert zu werden, und diese Vergleichung konnte man eben so sehr auf seinen ganzen Charakter als auf seine Unterhaltung anwenden. Er war stehen geblieben, während Alles um ihn her fortgeschritten war. Nie begann er eine Conversation, brachte nie einen neuen Gedanken auf's Tapet; wenn aber irgend ein abgedroschener Gemeinplatz zur Sprache kam, oder, um den Vergleich weiter zu verfolgen, wenn irgend Jemand ihn in Bewegung setzte, so hämmerte er unaufhaltsam darauf los. Zuweilen hatte er aber auch Launen und dann konnte man füglich von ihm sagen, er sei umwickelt, weil er dann bei weitem nicht so viel Lärm machte, als zu andern Zeiten, wo es – sobald er nur einmal in seinem Salm drinnen war – rat-tat-tat-tat-tat ging, immer dieselbe Geschichte und immer wieder von vorn. Er war nie verheirathet, aber stets noch auf dem Anstande nach einer reichen Frau. Er besaß eine lebenslängliche Rente von etwa 300 Pfund jährlich – war außerordentlich eitel und kein geringer Egoist. Er stand in dem Rufe, eine wahre Blume von Galanterie zu sein und jeden Tag ging er rings um den Park und durch die Regent-Street. Diese respektable Person hatte sich in den Kopf gesetzt, sich Frau Maplesone über die Maßen angenehm zu machen; übrigens dehnte sich das Bestreben, so liebenswürdig als möglich zu erscheinen, auf die ganze Gesellschaft aus, denn Frau Tibbs hatte den bewundernswürdigen Einfall gehabt, den Herrn durch etliche kleine Andeutungen zu verstehen zu geben, daß sie einige Ursache hätte, zu vermuthen, daß die Damen reich, gegen diese aber einige Winke fallen zu lassen, daß alle drei Herren zu haben und nicht zu verachten wären.

Eine kleine Mystification, dachte sie, könnte nichts schaden und würde blos dazu dienen, ihr Haus zu füllen, ohne zu einem andern Resultate zu führen.

Frau Maplesone, eine unternehmende Wittwe von etwa fünfzig Jahren, sah noch recht gut aus und war ziemlich schlau und berechnend. Sie war liebreich für ihre Töchter besorgt; zum Beweis dafür pflegte sie zu sagen, daß sie nicht entgegen wäre, sich wieder zu verheirathen, wenn es ihren lieben Mädchen Nutzen bringen würde – sonst könne sie keinen Beweggrund dazu haben. Die »lieben Mädchen« selbst waren ihrerseits auch nicht gefühllos gegen die Vortheile »einer guten Versorgung«. Eine von ihnen war fünfundzwanzig, die Andere drei Jahre jünger. Sie waren seit vier Saisons in verschiedenen Bädern gewesen, hatten an allen Lesezirkeln Theil genommen, auf dem Balkon und auf der Promenade Bücher gelesen, bei Wohlthätigkeitsvereinen die Verkäuferinnen gemacht, in Assembleen getanzt, sentimentale Gespräche geführt – kurz, sie hatten Alles gethan, was betriebsame Mädchen thun können – aber Alles war bisher ohne Erfolg geblieben.

»Wie sich Herr Simpson so gut zu kleiden weiß!« flüsterte Mathilde Maplesone ihrer Schwester Julia zu.

»Herrlich!« erwiederte die Jüngste. – Das erwähnte prächtige Individuum trug einen maroonfarbigen Frack mit einem Sammtkragen und Aufschlägen von demselben Material – in Schnitt und Façon ähnlich dem des ausgezeichneten Unbekannten, der sich herabläßt, den »Luftikus« in der Pantomime bei »Richardson's« zu spielen.

»Und was für ein Bart!« flüsterte Miß Julia.

»Prächtig!« entgegnete ihre Schwester; »und welches Haar!« – Sein Haar glich einer Perücke, und zeichnete sich durch jene bezaubernde Wellenform aus, durch welche sich die glänzenden Locken derjenigen Meisterstücke der Haarkräuslerkunst bemerklich machen, die man an den Wachsfiguren in Bartellot's Fenster, Regent-Street, sehen kann; sein Bart lief unter dem Kinne zusammen, und wenn nicht inzwischen die Kunst gelehrt hätte, es durch unsichtbare Patentfedern zu bewirken, so könnte man zu dem Glauben versucht werden, es wären ein paar Stränge, um das Haar damit festzuhalten.

»Es ist angerichtet, Ma'am,« meldete der Bursche, der sich jetzt zum ersten Male in einem schwarzen, gewendeten Rocke seines Herrn präsentirte.

»O Herr Calton, wollen Sie die Güte haben, Frau Maplesone zu führen? – Ich danke Ihnen.«

Herr Simpson bot Miß Julia seinen Arm; Herr Septimus Hicks führte die liebliche Matilda, und der Zug setzte sich sofort nach dem Speisezimmer in Bewegung.

Hier wurde Herr Tibbs vorgestellt, knixte und baumelte vor den drei Damen auf und ab, gleich einer Figur auf einer Schwarzwälderuhr, als ob er eine gewaltige Feder in dem Rückgrat stecken hätte; dann ließ er sich rasch auf seinen Stuhl am Ende der Tafel nieder, innerlich vergnügt, sich hinter einer Suppenterrine verbergen zu können, die er eben noch zu übersehen im Stande war, und damit hatte seine Anstrengung ein Ende.

Den Gästen wurden ihre Plätze angewiesen, je eine Dame und ein Gentleman wechselsweise, wie bei den Lagen von Brod und Fleisch in einer Sandwichbutterschnitte; hierauf befahl Frau Tibbs James die Deckel abzunehmen, und Salmen, Hummersauce, Gänsekleinsuppe und die gewöhnlichen Beilagen wurden aufgedeckt: Kartoffeln gleich Versteinerungen, Stücke gerösteten Brodes in Größe und Gestalt von weißen Würfeln.

»Suppe für Frau Maplesone, mein Lieber,« sagte die eifrige Frau Tibbs. Sie nannte ihren Mann in Gesellschaften stets »mein Lieber«.

Tibbs, der eben damit beschäftigt war, sein Brod vorläufig zu essen und zu überlegen, wie lange es wohl noch anstehen möchte, bis der Fisch an ihn käme, schöpfte die Suppe in großer Eile heraus und machte eine kleine Insel auf das Tischtuch, stellte aber hastig sein Glas darauf, damit es seine Frau nicht sehen sollte.

»Miß Julia, darf ich Ihnen etwas Fisch anbieten?«

»Wenn ich bitten darf, ganz wenig – o! genug, dank' Ihnen;« sie hatte etwa ein Stückchen in der Größe einer Welschnuß auf dem Teller.

»Julia ist eine gar zu schlechte Esserin,« sagte Frau Maplesone zu Herrn Calton.

Der Thürklopfer that nur einen einfachen Schlag, verschlang den Fisch mit seinen Augen, und hatte kaum Zeit, auszurufen: »Ach!«

»Mein Lieber,« sagte Frau Tibbs zu ihrem Manne, als Jedermann vorgelegt war, »und was willst denn du haben?«

Die Frage war von einem Blicke begleitet, der ihm hinreichend zu verstehen gab, daß er nichts vom Fische sagen durfte, denn es war nichts mehr davon übrig. Tibbs glaubte, der finstere Blick gelte der Insel auf dem Tischtuche, und erwiederte daher dreist: »Was? – ein, ein Bischen Fisch, denke ich!«

»Sagtest du Fisch, mein Lieber?« (ein zweiter finsterer Blick.)

»Ja, Liebe,« erwiederte der Bösewicht, welchem der nagendste Hunger auf dem Gesichte zu lesen war.

Frau Tibbs traten fast die Thränen in die Augen, als sie ihrem »Schuft von Mann,« wie sie ihn in ihrem Innern betitelte, den letzten eßbaren Bissen Fisch, der noch auf der Platte lag, vorlegte.

»James, bring' dieß deinem Herrn und nimm ihm sein Messer ab.«

Dieß war eine wohlberechnete Rache, denn ohne Messer konnte Tibbs keinen Fisch essen. Er machte aber nichts desto weniger Versuche, dem Salmen, den er rund auf seinem Teller herumtrieb, mit der Gabel und einer Brodrinde kleine Stückchen abzujagen. Zuweilen erwischte er auch ein Bischen, aber unter siebenzehn Angriffen war kaum Einer von günstigem Erfolge begleitet.

»Nimm die Teller weg, James,« sagte Frau Tibbs, eben als Tibbs den vierten Mund voll hinuntergeschluckt hatte – und wie der Blitz verschwanden die Teller.

»Ich möchte noch ein wenig Brod, James,« sagte der arme Herr vom Hause, hungriger als je.

»Du kannst dich jetzt nicht mit dem Herrn abgeben, James,« bemerkte Frau Tibbs, »du mußt nach dem Essen sehen.«

Dieß ward in einem Tone vorgebracht, in welchem die Damen ihren Bedienten Verweise in Gesellschaften zu geben gewohnt sind, das heißt, in einem leisen, was aber, gleich dem Souffliren im Theater, wegen des besonderen Nachdruckes, von allen Anwesenden deutlich genug gehört werden kann.

Es entstand eine Pause, ehe wieder ein neuer Gang auf die Tafel kam – eine Art Parenthese, in der Herr Simpson, Herr Calton und Herr Hicks beziehungsweise eine Bouteille Sauterne, Bucellas und Xeres bringen ließen und Jedermann einschenkten, nur dem armen Herrn Tibbs nicht; an den dachte kein Mensch.

Zwischen dem Fische und einem höchst ansprechenden Lendenstücke trat eine längere Pause ein. Dieß war eine günstige Gelegenheit für Herrn Hicks, eine besonders hieher passende Strophe anzuführen; er konnte nicht widerstehen und declamirte:

»Nicht Rinder gibt's im ochsenlosen Land;
Das Ziege, Bock und Schaf bevölkern müssen,
Und hat das Glück ein Fest ihm zugewandt,
Wird Barbarei die Hammelskeule spießen.«

»Sehr unfein,« dachte die kleine Frau Tibbs, »so zu reden.«

»Ah!« sagte Herr Calton, sein Glas füllend; »Tom Moore ist mein Dichter.«

»Und der meinige,« bemerkte Frau Maplesone.

»Auch der meine,« sagte Miß Julia.

»Der meinige ebenfalls,« fügte Herr Simpson hinzu.

»Man sehe nur seine Werke an,« bemerkte der Klopfer.

»O, gewiß,« sagte Simpson mit Zuversicht.

»Den Don Juan muß man lesen,« erwiederte Herr Septimus Hicks.

»Julia's Brief,« ergänzte Miß Matilda.

»Gibt es etwas Vortrefflicheres, als seine Feueranbeter?« fragte Miß Julia.

»Das ist gewiß,« erwiederte Simpson.

»Oder das Paradies und die Peri,« sagte der alte Stutzer.

»Ja, oder das Paradies und die Prärie,« wiederholte der belesene Simpson, welcher sich durch diese Bemerkung ein gewaltiges Ansehen zu verschaffen glaubte.

»Das ist Alles schön und gut,« erwiederte Herr Septimus Hicks, welcher, wie wir vorhin angedeutet haben, nie etwas Anderes als Don Juan gelesen hatte; »wo können Sie etwas Schöneres finden, als die Beschreibung der Belagerung im Anfange des siebenten Gesanges?«

»Sie sprechen da von einer Belagerung,« fiel Herr Tibbs, den Mund voll Brod, ein – »als ich bei den Freiwilligen diente, anno achtzehnhundert und sechs, war Sir Charles Rampart unser kommandirender Offizier; und eines Tages, als wir auf dem Platze, wo jetzt die Universität steht, exerzirten, sagte er: ›Tibbs‹, hat er gesagt, – und rief mich aus dem Gliede: ›Tibbs –!‹«

»Sag' deinem Herrn, James,« unterbrach ihn Frau Tibbs in schrecklich bestimmten Tone, »sag' deinem Herrn, wenn er das Geflügel absolut nicht vorlegen wolle, so solle er es mir schicken.« Der geschlagene Volontär machte sich augenblicklich an's Werk, und zerlegte das Geflügel fast eben so geschwind, als seine Dame an der Hammelskeule arbeitete. Ob er je nachher die Geschichte zu Ende brachte, wird nicht gesagt; wenn er es aber gethan, so hat es Niemand gehört.

Nachdem das Eis nun gebrochen und die neuen Miethsleute mehr heimisch geworden waren, fühlte sich Jedes behaglicher und wieder in seinem Elemente. Bei Tibbs selbst war dieß zuverlässig so, denn er legte sich alsbald nach dem Mittagsessen schlafen. Herr Hicks und die Dame sprachen mit großer Beredsamkeit über Dichtkunst, Theater und Lord Chesterfield's Briefe, und Herr Calton schlug Alles, was irgend Jemand sagte, beharrlich mit doppeltem Klopfen breit. Frau Tibbs gab jeder Bemerkung Frau Maplesone's ihre vollkommenste Zustimmung, und da Herr Simpson fortwährend mit beistimmendem Lächeln zuhörte und nur in Zwischenräumen von je ungefähr vier Minuten ein »Ja« oder ein »Gewiß« hervorbrachte, so glaubte man allgemein, daß er Alles bestens verstehe, was gesprochen wurde. Die Herren suchten die Damen, kurz nachdem diese das Speisezimmer verlassen hatten, wieder im Conversationszimmer auf. Frau Maplesone und Herr Calton spielten Cribbage, und das »junge Volk« amüsirte sich mit Musik und Plaudern. Die Miß Maplesones sangen die bezauberndsten Duetts und begleiteten sich selbst auf Guitarren mit himmelblauen Bändern. Herr Simpson zog eine bunte Weste an und sagte, er sei ganz weg; Herr Hicks war in dem siebenten Himmel der Dichtkunst, oder in dem siebenten Gesang von Don Juan, was bei ihm dasselbe war. Frau Tibbs war von den neuen Ankömmlingen ganz entzückt, und Herr Tibbs brachte den Abend auf die gewöhnliche Weise zu – er legte sich schlafen, wachte auf und schlief wieder und wachte zur Nachtessenszeit wieder auf.

* * *

Wir wollen uns die Freiheit der Novellenschreiber nicht anmaßen und »Jahre dahinrollen lassen«; aber die Freiheit wollen wir uns nehmen, den Leser zu bitten, daß er annehme, es seien seit dem eben beschriebenen Mittagsessen sechs Monate abgelaufen, und Frau Tibbs' Kostgänger hätten während dieser Periode miteinander gesungen und getanzt, seien zusammen in's Theater und an öffentliche Plätze gegangen, wie dieß Damen und Herren, die beisammenwohnen, oft thun; und ferner wollen wir den Leser bitten, sich vorzustellen, daß nach Ablauf der genannten Periode Herr Septimus Hicks früh Morgens in seinem Schlafzimmer (einer kleinen Mansarde) ein Billet von Herrn Calton empfing, welcher ihn bat, ihm einen Besuch zu schenken, sobald es ihm convenirte, und zwar in seinem (Calton's) Ankleidezimmer, im zweiten Stocke hinten hinaus.

»Sagt Herrn Calton, ich werde sogleich kommen,« bedeutete Herr Septimus dem Jungen.

»Halt' noch einen Augenblick – ist Herr Calton unwohl?« fragte der etwas erstaunte Spitalgänger, während er seinen, einem Bettüberzug ähnlich sehenden Schlafrock anzog.

»Nein; nicht daß ich wüßte, Sir,« erwiederte der Junge. »Aber, erlauben Sie, Sir, er sieht vielleicht gesünder aus, als er es wirklich ist.«

»Ach, das ist kein Beweis für sein Unwohlsein,« erwiederte Hicks, ohne dabei etwas zu denken. »Gut, ich werde sogleich hinabkommen.« Der Junge rannte mit seiner Botschaft die Treppe hinunter, und fast mit dieser traf auch der erstaunte Hicks selbst ein.

»Tap, tap.« »Herein.« – Die Thüre öffnet sich und man sieht Herrn Calton auf einem bequemen Stuhle sitzen, mehr als je einem Thürklopfer ähnlich. Unterschiedliches Händeschütteln. Herrn Septimus Hicks wird ein Stuhl angeboten. Kurze Pause. Herr Hicks hustet, Herr Calton nimmt eine Priese. Es war eine jener Zusammenkünfte, bei der kein Theil weiß, was er sagen soll.

Herr Septimus Hicks brach zuerst das Stillschweigen.

»Ich erhielt ein Billet,« – sagte er mit sehr tremulirender Stimme, gleich einem Hanswurste, der den Schnupfen hat.

»Ja,« erwiederte der Andere, »so ist's.«

»Allerdings.«

»Ja wohl.«

Obgleich nun diese Unterhaltung schon an sich selbst höchst befriedigend sein mußte, so fühlten die beiden Herren doch, daß sie noch etwas Interessanteres zu sagen hätten, und thaten daher, was Viele in ähnlicher Lage gethan haben würden – sie sahen mit sehr entschlossener Miene auf den Tisch. Die Conversation war übrigens einmal eröffnet, und Herr Calton hatte sich vorgenommen, sie mit einem regelmäßigen Doppelschlag fortzusetzen. Er war gewohnt, stets in sehr hochtrabenden Ausdrücken zu sprechen.

»Hicks,« sagte er, »ich habe in Folge gewisser, diesem Haus bevorstehender Arrangements, die mit einer Heirath in Verbindung stehen, nach Ihnen gesendet.«

»Mit einer Heirath?« keuchte Hicks mit einem Gesicht, gegen welches das von Hamlet, wenn er seines Vaters Geist erblickt, ruhig und gelassen ist.

»Mit einer Heirath!« bestätigte der Klopfer. »Ich habe Sie bitten lassen, um Ihnen zu zeigen, wie großes Vertrauen ich in Sie setze.«

»Und Sie wollen mich verrathen?« fragte Hicks eifrig, der in seiner Ueberraschung sogar vergaß, ein Citat zu machen.

»Ich Sie verrathen! Wollen Sie etwa mich verrathen?«

»Nimmermehr; Niemand soll bei meinen Lebzeiten erfahren, daß Sie Theil daran genommen,« erwiederte der exaltirte Hicks mit so entflammtem Aussehen, daß seine Haare zu Berge standen, als ob er auf dem Stuhle einer in vollem Gange befindlichen Elektrisir-Maschine säße.

»Die Leute müssen es doch früher oder später erfahren – innerhalb eines Jahres etwa, denke ich,« sagte Herr Calton mit einer großen Selbstgefälligkeit – »natürlich haben wir dann Familie, wissen Sie!«

»Wir! – das kann doch sicherlich Ihr Ernst nicht sein?«

»Den Teufel auch – warum nicht?«

»Nein! wie kann denn das sein?« sagte Hicks ganz verwirrt.

Calton war zu sehr in die Betrachtung seines bevorstehenden Glückes versunken, als daß er das Mißverständniß, welches zwischen ihm und Hicks obwaltete, gewahr worden wäre, und, in seinen Stuhl zurückgelegt, seufzte der alte Stutzer mit schmachtender Stimme: »O Matilda!« und bewegte dabei seine rechte Hand ein wenig nach der linken Seite, in der Nähe seines vierten Westenknopfes (von unten auf gezählt). – Dieß sollte pathetisch sein – »O Matilda!«

»Was für eine Matilda?« fragte Hicks und sprang auf.

»Matilda Maplesone,« antwortete Calton und sprang ebenfalls auf.

»Die heirathe ich morgen am Tage,« sagte Hicks wüthend.

»Das ist nicht wahr,« erwiederte sein Gefährte, »ich heirathe sie!«

»Sie heirathen sie?«

»Ich heirathe sie!«

»Sie heirathen Matilda Maplesone

»Ich heirathe Matilda Maplesone

»Miß Maplesone heirathen Sie

»Miß Maplesone? Nein. Mistreß Maplesone.«

»Gütiger Himmel!« sagte Hicks und sank in seinen Stuhl zurück. »Sie heirathen also die Mutter, und ich die Tochter

»Ein höchst außerordentliches Zusammentreffen!« erwiederte Herr Calton, »und gewissermaßen auch ungelegen; denn es waltet der Umstand ob, daß nach Matilda's Wunsch ihr Entschluß vor ihren Töchtern geheim gehalten werden soll, bis die Trauung vorüber ist, da sie ihre Verlobung Niemand angezeigt hat. Ich mag mich ebenfalls in dem jetzigen Augenblicke keinem meiner Bekannten anvertrauen, und in Folge dessen habe ich Sie zu mir bitten lassen, um von Ihnen zu hören, ob Sie nicht die Güte haben wollten, die Stelle des Vaters zu vertreten.«

»Mit dem größten Vergnügen würde ich das gethan haben, das versichere ich Sie,« sagte Hicks bedauernd, »aber Sie sehen wohl ein, daß ich selbst den Bräutigam abgeben muß. Das Eine ist zwar häufig die Folge des Andern, aber es ist doch nicht gewöhnlich, beide Rollen zugleich zu spielen. Da ist ja aber Simpson – ich glaube, nicht zweifeln zu dürfen, daß er Ihnen den Gefallen thun wird.«

»Ich möchte ihn nicht gerne darum ansprechen,« erwiederte Calton, »er ist so ein Esel.«

Herr Septimus Hicks sah bald an die Decke hinauf, bald auf den Boden herab; endlich kam ihm ein Gedanke – »Tibbs, der Hausherr, kann ja die Vaterstelle vertreten!« und dann citirte er, als besonders auf Tibbs und das Paar anwendbar:

»Welch' finstere Blicke verfolgen das Paar?
– des Vaters? O Himmel! Sie sind es fürwahr!«

»Ich habe auch schon daran gedacht,« sagte Herr Calton, »aber sehen Sie, Matilda ist – ich weiß nicht, warum – sehr daran gelegen, daß Herr Tibbs nichts davon erfahre, bis Alles vorüber ist. Es ist daher nach Allem, was Sie nun wissen, eine sehr kitzlige Sache.«

»Er ist der gutmüthigste Kerl von der Welt, bringen Sie es ihm nur gehörig bei,« entgegnete Herr Septimus Hicks. »Sie dürfen ihm nur sagen, daß, wenn er bei seiner Frau reinen Mund halte, diese nichts davon erfahren würde, dann thut er es ohne Bedenken. Meine Heirath muß sowohl der Mutter, namentlich aber meinem Vater ein Geheimniß bleiben; daher darf durchaus nichts davon verlauten.«

In diesem Augenblicke hörte man an der Hausthüre ein leises doppeltes Klopfen, das eigentlich mehr einem einfachen Schlage glich. Es war Tibbs; es konnte kein Anderer sein, denn Niemand außer ihm gab sich die Mühe, fünf Minuten lang seine Schuhe abzukratzen. Er war ausgegangen gewesen, um die Bäckersrechnung zu bezahlen.

»Herr Tibbs,« rief ihm Herr Calton sehr freundlich aus dem Fenster zu.

»Was befehlen Sie, Sir?« erwiederte der Geschäftsmann mit beschmutztem Antlitze.

»Wollen Sie wohl die Gefälligkeit haben, sich einen Augenblick zu mir herauf zu bemühen?«

»Mit größtem Vergnügen, Sir,« antwortete Tibbs, sehr erfreut, daß man Notiz von ihm nahm, und kam herauf. Die Zimmerthüre wurde nun sorgfältig verschlossen, und nachdem Tibbs, wie es alle ängstliche Menschen zu machen pflegen, seinen Hut auf den Boden gestellt und einen Stuhl genommen hatte, blickte er eben so verwundert um sich, als ob er plötzlich vor das Inquisitionsgericht gebracht worden wäre.

»Ein sehr verdrießlicher Umstand, Herr Tipps,« begann Calton in einer Weise, die nichts Gutes ahnen ließ, »versetzt mich in die unangenehme Nothwendigkeit, Sie um Ihren Rath zu bitten. Zugleich muß ich Sie aber ersuchen, Ihrer Frau keine Silbe davon mitzutheilen.«

Tibbs sagte es bereitwillig zu und wunderte sich im Stillen, was in aller Welt Jener wohl angestellt haben werde: er dachte sich wenigstens, daß er eine von den guten Weinflaschen zerbrochen haben müsse.

Herr Calton fuhr fort: »Ich befinde mich in einer höchst widerwärtigen Lage, Herr Tibbs.«

Tibbs sah Herrn Septimus Hicks an, als ob er glaubte, die unmittelbare Nähe seines Mitkostgängers habe das Widerwärtige seiner Lage veranlaßt; da er jedoch nicht genau wußte, was er sagen sollte, so beschränkte er sich blos auf die Eine Sylbe »So?«

»Vor Allem,« fuhr der Thürklopfer weiter fort, »möchte ich Sie dringend bitten, daß Sie sich aller lauten Ausdrücke des Erstaunens enthalten, welche etwa zu den Ohren der Dienstboten dringen könnten, wenn ich Ihnen sagen werde, – beherrschen Sie ja Ihre Gefühle, daß zwei Ihrer Hausgenossen beabsichtigen, sich morgen früh zu verheirathen.« – Und damit rückte er mit seinem Stuhle mehrere Schritte weit zurück, um besser zu sehen, welchen Effekt seine unerwartete Eröffnung machen würde.

Wenn Tibbs aus dem Zimmer gestürzt, die Treppe hinabgetaumelt und auf der Hausflur in Ohnmacht gefallen wäre, – wenn er sich augenblicklich im Paroxismus des Schreckens aus dem Fenster gestürzt hätte, – so würde sein Betragen Herrn Calton viel weniger unerklärlich vorgekommen sein, als nun, wo Tibbs seine Hände in die Taschen seiner Unaussprechlichen steckte und schmunzelnd blos sagte: »Aha!«

»Und das überrascht Sie nicht, Herr Tibbs?« fragte Herr Calton.

»Ganz und gar nicht, Sir,« erwiederte Tibbs; »es ist ja sehr natürlich, Sir, wenn ein paar junge Leute zusammenkommen, – da wissen Sie ja. –«

»Allerdings, allerdings,« unterbrach ihn Calton und sah dabei unbeschreiblich selbstzufrieden aus.

»Sie sind also nicht der Meinung, daß es so etwas Außergewöhnliches sei?« fragte Herr Septimus Hicks, der Tibbs mit stummem Erstaunen angestarrt hatte.

»Nein, Sir, ich war kein Haar anders in seinem Alter,« erwiederte Tibbs schmunzelnd.

»Wie verteufelt gut muß ich mich conservirt haben!« dachte der erfreute alte Stutzer, der wohl wußte, daß er wenigstens zehn Jahre älter war, als Tibbs.

»Nun gut, also auf den eigentlichen Punkt zu kommen,« fuhr er fort, »so habe ich Sie zu fragen, ob Sie etwas dagegen hätten, wenn ich Sie bäte, bei dieser Veranlassung die Stelle des Vaters zu vertreten?«

»Ganz und gar nicht,« erwiederte Tibbs immer noch, ohne auch nur einen Funken von Erstaunen zu zeigen.

»Also kann ich mich darauf verlassen?«

»Gewiß,« entgegnete Tibbs, und sah eben so ruhig aus, als ein Krug Porter ohne Pfropf.

Herr Calton ergriff den kleinen Pantoffelhelden bei der Hand und gelobte ihm von Stund' an ewige Freundschaft. Hicks, der sich vor Verwunderung und Erstaunen kaum zu fassen wußte, that dasselbe.

»Nun gestehen Sie aber,« sagte Herr Calton zu Tibbs, als dieser seinen Hut aufhob, »ob Sie nicht ein wenig erstaunt waren.«

»Das glaub' ich« erwiederte der Schlaukopf und hielt die eine Hand in die Höhe, »ja, wie ich zuerst davon hörte.«

»Das begreife, wer mag,« sagte Septimus Hicks.

»Und sonderbar, gerade mich zu bitten, wissen Sie,« sagte Tibbs.

»'s ist ganz zum Erstaunen,« sagte der überjährige Liebhaber; und alle Drei lachten.

»Es soll mich Wunder nehmen,« meinte Tipps, machte die Thüre, welche er schon geöffnet hatte, wieder zu und ließ seinem bisher unterdrückten Lachen den Lauf, »was sein Vater nur dazu sagen wird.«

Herr Septimus Hicks sah Herrn Calton an.

»Allerdings, aber das Beste ist nur,« sagte der Letztere und lachte nun seiner Seits, »daß ich keinen Vater mehr habe – ha! ha! ha!«

»Sie haben keinen Vater, das ist richtig, aber er hat einen,« erwiederte Tibbs.

»Wer hat einen?« fragte Herr Septimus Hicks fast rasend.

»I nun, Er

»Wer ist denn der Er? Wissen Sie denn mein Geheimniß? Meinen Sie mich?«

»Sie? Ach bewahre! Sie wissen ja schon, wen ich meine,« erwiederte Tibbs mit einem pfiffigen Winke.

»Aber um's Himmelswillen, wen meinen Sie denn?« fragte Herr Calton, der, gleich Hicks, über die sonderbare Verwirrung fast außer sich war.

»Nun, wen anders, als Herrn Simpson, das versteht sich ja,« entgegnete Tibbs; »wen Anders könnte ich denn sonst meinen?«

»Jetzt geht mir ein Licht auf!« sagte der Citatenmann; »Simpson heirathet Morgen früh Julia Mapleson!«

»Ei freilich,« erwiederte Tibbs und war nun ganz zufrieden, »das ist ja so klar, wie irgend Etwas.«

Es würde Hogarth's Pinsel erfordern, – unsere Feder ist zu schwach dazu, – um den Ausdruck hinreichend zu schildern, der sich bei dieser unerwarteten Nachricht auf Herrn Calton's und Herrn Hicks' Mienen darstellte. Eben so wenig können wir sagen, – unsere Leserinnen werden es sich leichter vorstellen können, – welche Künste die drei Damen wohl angewendet haben mögen, um ihre Liebhaber so vollständig zu umgarnen. Was sie aber auch gethan haben mögen, so viel bleibt richtig, daß ihre Operationen den günstigsten Erfolg hatten. Die Mutter wußte recht gut von der beabsichtigten Heirath ihrer beiden Töchter, eben so wenig war den beiden jungen Damen die Verlobung ihrer verehrten Mutter unbekannt. Sie waren übrigens der Meinung, daß es ein weit besseres Ansehen hätte, wenn jede sich stellte, als ob Keine von der Verlobung der Andern etwas wüßte; und deßhalb war es auch Aller Wunsch, daß die Trauungen sämmtlich an demselben Tage Statt haben sollten, damit das Geheimniß nicht vorher offenbar werden und die Entdeckung Einer der sämmtlichen Heirathen nachtheilig auf die andere einwirken möchte. Daher die Mystifikation Herrn Calton's und Herrn Hicks' und die frühere Beschlagnahme des tölpelhaften Tibbs.

Am folgenden Morgen wurde Herr Septimus Hicks mit Miß Mathilde Maplesone getraut. Herr Simpson trat ebenfalls in eine »heilige Abianz« mit Miß Julia, wobei Tibbs Vaterstelle vertrat, – es war das erste Mal, daß er in dieser Rolle auftrat. – Herr Calton dagegen war nicht so eifrig, wie die beiden jungen Männer, vielmehr sehr ärgerlich über die doppelte Entdeckung; und da er einige Schwierigkeit fand, eine Person aufzutreiben, welche die gewünschte Vaterstelle vertreten hätte, so fiel ihm auf Ein Mal ein, daß er dieser Ungelegenheit wohl am besten dadurch ausweichen könnte, wenn er die Dame gar nicht zur Frau nähme. Die Dame aber »nahm«, wie ihr Anwalt in der Rechtssache Maplesone contra Calton, Bruch eines Eheversprechens betreffend sagte, »die Verlassene mit gebrochenem Herzen zu den strengen Gesetzen ihres Vaterlandes ihre Zuflucht.« Es wurde ihr eine Entschädigung von 1000 Pfd. zugesprochen, welche der unglückliche Thürklopfer bezahlen mußte.

Nachdem Herr Septimus Hicks so viel nach den Spitälern spaziert war, setzte er sich am Ende in den Kopf, ganz und gar fort zu spazieren. Seine schwer beleidigte Verlassene wohnt nun mit ihrer Mutter in Boulogne. Herr Simpson hatte das Unglück, seine Frau sechs Wochen nach der Hochzeit zu verlieren; (sie lief nämlich während seines temporären Aufenthalts in der Fleet-Prison, wohin er wegen seines Unvermögens, ihre kleinen Putzrechnungen zu bezahlen, hatte wandern müssen, mit einem Offizier davon); von seinem Vater, der bald nachher starb, enterbt, mußte er sich noch glücklich schätzen, eine bleibende Anstellung bei einem fashionabeln Haarkräusler zu finden, denn das Haarkräuseln war die Wissenschaft, welcher er beständig seine Hauptaufmerksamkeit zugewendet hatte. In dieser Stellung mußte er nothwendig viele Veranlassungen finden, sich mit den Gewohnheiten und Sitten des ausgezeichnetsten Theiles der Noblesse des Königreiches bekannt zu machen. Diesem glücklichen Umstande haben wir das Entstehen jener brillanten Geisteserzeugnisse, seiner fashionabeln Novellen, zu verdanken, die, so lange sich ein guter, durch Uebertreibung, Unverständlichkeit und träumerisches Geschmier unbesudelter Geschmack erhalten wird, nicht verfehlen können, den denkenden Theil des Publikums zu belehren und zu unterhalten.

Wir haben nur noch hinzuzufügen, daß dieses »Uebermaaß von Verwirrungen« die arme Frau Tibbs um alle ihre Kostgänger brachte, mit Ausnahme des Einzigen, welchen sie unstreitig am allerliebsten entbehrt hätte, ihres Mannes. Dieser beklagenswerthe Kleine kam an dem Vermählungstage mit einem tüchtigen Haarbeutel nach Hause, und in der Aufregung, in welche ihn der Wein und die Verzweiflung setzten, hatte er die Tollkühnheit, sogar dem Zorne seines Weibes zu trotzen.

Seit dieser verhängnißvollen Stunde muß er beständig sein Essen in der Küche verzehren, auf welches Appartement sein Witz in Zukunft wohl beschränkt bleiben wird; denn Frau Tibbs hat dorthin auch einen Bettkasten zu seiner ausschließlichen Bequemlichkeit bringen lassen. Es ist leicht möglich, daß es ihm dort noch gelingen wird, seine Freiwilligengeschichte zu beendigen.

Die Ankündigung des Kosthauses erschien nun abermals in den Morgenblättern. Den Erfolg derselben müssen wir uns aber auf einen andern Abschnitt vorbehalten.

 

2.

»Ja, ja,« sagte die kleine Frau Tibbs zu sich selbst, als sie eines Morgens in dem Vorderzimmer ihrer Wohnung in Coram-Street saß und den Treppenteppich des ersten Stockes flickte; – »ja, ja, die Sache hat sich doch nicht so übel gemacht, und wenn ich nur eine günstige Antwort auf das Avertissement bekomme, so werden wir bald wieder ein volles Haus haben.«

Frau Tibbs vollendete nun ihr Geschäft, indem sie das Gitterwerk des Teppiches, so weit es nöthig war, stopfte und ängstlich auf den Zwei-Pence-Briefträger lauschte, der seinen Gang die Straße hinab durch sein Klopfen bezeichnete und je für einen Pence ein Mal klopfte. Im Hause war es so stille als möglich; man hörte blos Einen leisen Ton, – es war der unglückliche Tibbs, welcher die Stiefeln der Herren in der Küche hinten putzte und sich selbst durch einen summenden Laut akkompagnirte, der ein erbärmlicher Spott auf ein fröhliches Lied war.

Als der Briefträger an dem Hause war, hielt er an, – Frau Tibbs hielt gleichfalls inne, – er klopft, – kommt herauf, – ein Brief, – nimmt sein Geld, – Adieu. –

»T. I. an I. T. ein schönes Kumpelment und ich habe daß
Awerdisema gelesen Und sie wird Sich eine Oehre draus
Machen um 12 Uhr Morgen in der früh zu ihne
kommen

»T. I. bittet I. T. nähmen sie Die kürze Dieser
Nachricht nicht in ibel Aber Ich hoffe es wird Ihne nicht
Ungelögen sein

»Ich verbleibe

»ihre getrüe

»Mittwoch Abend«

Die kleine Frau Tibbs durchlas das Dokument zwei, drei Mal, und je öfter sie es las, desto weniger konnte sie daraus kommen; die Vermischung der ersten und dritten Person machte sie ganz verwirrt; das »ich« für das »T. I.«, und dann von dem »I. T.« zu dem »Ihnen«. – Das Schreiben sah aus, wie ein verwirrter Strang Zwirn. Das Billet war sinnreich zu einem vollkommenen Vierecke zusammen gefaltet und die Aufschrift in den Winkel rechter Hand hineingeflickt, als ob sie sich vor sich selbst schäme. Die Rückseite des Briefes war äußerst gefällig, mit einem großen rothen Wappen geziert, – welches mit Hinzurechnung verschiedener Dintenflecke auf ein Haar aussah, als ob ein schwarzer Käfer darauf todt getreten worden wäre. Eins war übrigens der verwirrten Frau Tibbs vollkommen klar: um zwölf Uhr wollte Jemand zu ihr kommen. Das Besuchszimmer wurde demnach zum dritten Male an diesem Morgen ausgekehrt; drei bis vier Stühle wurden von ihren Stellen hinweggenommen und eine entsprechende Anzahl von Büchern sorgfältig aufgeschlagen, um dem Empfang ihres Besuches jeden Schein von Formalität zu nehmen. Hierauf wurde der vorerwähnte Teppich wieder an seinen Ort gelegt und Frau Tibbs machte sich an ihre Toilette.

Die Glocke auf der neuen Saint-Pancras-Kirche schlug Zwölf und die aus dem Findelhause folgte in lobenswerther Bescheidenheit zehn Minuten später nach. Auf St. Irgendwo schlug es ein Viertel und mit dem Schlage bezeichnet eine einzelne Dame ihre Ankunft durch ein doppeltes Klopfen. Ihr Oberrock hatte die Farbe einer Zwetschgen-Pastete von innen; ihr Hut deßgleichen, welchen ein ganzer Wald künstlicher Blumen und ein weißer Schleier zierte; in der Hand trug sie einen grünen Sonnenschirm mit Spinnengewebfranzen.

Die Besucherin (sie war dick und hatte ein rothes Gesicht) wurde in das Besuchszimmer geführt, Frau Tibbs stellte sich selbst vor und die Unterhandlungen begannen.

»Ich sprach in Folge eines Advertissements vor,« sagte die Fremde mit einer Stimme, welche vollkommen der eines Menschen glich, welcher vierzehn Tage lang ohne Unterlaß die Papagenoflöte geblasen hat.

»Schön!« sagte Frau Tibbs, ihre Hände sachte reibend und der Sprecherin fest in's Gesicht blickend – zwei Dinge, welche sie in einem solchen Falle nie unterließ.

»Auf das Geld kommt es mir durchaus nicht an,« sagte die Dame, »allein ich muß ganz ruhig, still und ungestört sein können.«

Frau Tibbs ließ sich diesen äußerst natürlichen Wunsch als eine Sache, die sich von selbst versteht, gerne gefallen.

»Ich habe beständig ärztlichen Beistand nöthig,« fuhr die Zwetschgenfarbene fort; »ich bin seit einiger Zeit grausam elend und verlassen – seit dem Tode des seligen Herrn Bloß habe ich in der That wenig Ruhe.«

Frau Tibbs sah die Hinterlassene des Herrn Bloß an, und dachte bei sich, der Selige möchte wohl bei Lebzeiten auch wenig Ruhe gehabt haben. Natürlich durfte sie dieß nicht laut sagen und gab sich daher den Anschein großer Theilnahme.

»Ich werde Ihnen wohl ziemlich viele Mühe verursachen,« sagte Frau Bloß; »aber ich bin auch bereit, dafür zu bezahlen. Ich habe so viele Drangsale durchmachen müssen, daß Pflege höchst nothwendig ist. Ich nehme jeden Morgen um halb acht Uhr im Bett ein Stückchen Schöpsenbraten ein, und um zehn Uhr ein zweites.«

Frau Tibbs drückte in schuldigem Respekte ihr großes Mitleiden über einen so geschwächten Gesundheitszustand aus, und die Schöpsenverschlingerin fuhr fort, die verschiedenen Präliminarien mit wundersamer Geläufigkeit vorzutragen.

Ohne Anstand sagte die Dame, nachdem die Bedingungen festgesetzt waren, »ich werde aber doch im zweiten Stocke vorn heraus mein Schlafzimmer haben?«

»Zu Befehl, Madame.«

»Sie haben doch auch Platz für mein Dienstmädchen, die kleine Agnes?«

»O, gewiß!«

»Auch kann ich wohl einen Keller im Hause für meinen Flaschenporter haben?«

»Mit dem größten Vergnügen; – James wird ihn für Sie bis Sonnabend bereit halten.«

»Und ich werde die Gesellschaft am Sonntag Morgen zum ersten Male beim Frühstück sehen,« sagte Frau Bloß. »Ich werde deßwegen aufstehen.«

»Ganz charmant,« erwiederte Frau Tibbs in ihrem unterwürfigsten Tone; denn sie hatte die befriedigendsten Nachweisungen erhalten und es war keine Frage, daß die Neuankommende Geld im Vollauf hatte. »Es ist doch ein merkwürdiges Zusammentreffen,« fuhr Frau Tibbs mit einem vermeintlich höchst bezaubernden Lächeln fort, »daß wir gegenwärtig auch einen Herrn im Hause haben, dessen Gesundheitszustand eben so delikater Natur ist – ein Herr Gobler. – Er bewohnt das Hinterzimmer.«

»Das nächste Zimmer an mir?« fragte Frau Bloß.

»Das nächste Zimmer an Ihnen,« wiederholte die Hauswirthin.

»In der That ein merkwürdiges Zusammentreffen!« rief die Wittwe aus.

»Er steht nur selten auf,« sagte Frau Tibbs flüsternd.

»Was Sie sagen!« rief Frau Bloß, eben so leise.

»Wenn er aber einmal auf ist,« fuhr Frau Tibbs fort, »so können wir ihn nicht mehr bereden, wieder zu Bette zu gehen.«

»Warum nicht gar!« sagte die erstaunte Frau Bloß und rückte ihren Stuhl näher zu Frau Tibbs. »Was fehlt ihm denn?«

»Was ihm fehlt? Ja das ist ein höchst sonderbarer Umstand,« erwiederte Frau Tibbs mit höchst wichtiger Miene, »er hat keinen Magen.«

»Was nicht?« forschte Frau Bloß ganz starr vor Erstaunen.

»Keinen Magen,« wiederholte Frau Tibbs, mit dem Kopfe nickend.

»Gott steh' uns bei! Was ist das!« keuchte Frau Bloß; sie nahm es im buchstäblichen Sinne und konnte nicht begreifen, wie sich ein Herr ohne Magen noch in die Kost gehen könne.

»Wenn ich sage, er hat keinen Magen,« commentirte die geschwätzige kleine Frau Tibbs, »so verstehe ich darunter, daß seine Verdauung so geschwächt und sein Innwendiges so derangirt ist, daß sein Magen ihn nicht das Geringste nützt, ja sogar ihn eigentlich mehr hindert.«

»So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört,« rief Frau Bloß aus. »Er wäre also noch schlimmer daran, als ich?«

»O, gewiß!« versetzte Frau Tibbs; »zuverlässig.«

Sie konnte dieß wohl sagen, denn der Zwetschgenkuchen-Oberrock bewies zur Genüge, daß Frau Bloß auf keinen Fall über das zu klagen hatte, was Herrn Gobler fehlte.

»Sie haben mich außerordentlich neugierig gemacht,« sagte Frau Bloß, als sie sich zum Fortgehen anschickte. »Ich kann es kaum erwarten bis ich ihn sehe!«

»Gewöhnlich kommt er ein Mal in der Woche herab,« erwiderte Frau Tibbs, »und am Sonntag werden Sie ihn wohl sehen.«

Mit dieser tröstlichen Versicherung mußte sich Frau Bloß begnügen. Sie watschelte sofort langsam die Treppen hinab und setzte der sie begleitenden Frau Tibbs noch alle ihre Schmerzen des Breiten auseinander, welche dann auch pflichtschuldigst nicht ermangelte, auf jeder Stufe einen theilnehmenden Seufzer hören zu lassen. James (der ziemlich schmierig aussah, denn er war eben mit Messerputzen beschäftigt) lief die Küchentreppe herauf, um die Hausthüre zu öffnen; die Damen verabschiedeten sich gegenseitig, und Frau Bloß schob sich langsam auf der schattigen Seite der Straße weiter.

Wir werden wohl kaum zu sagen brauchen, daß die Dame, welche wir so eben zur Hausthüre begleitet haben (und der die beiden Mägde noch aus dem zweiten Stocke nachblickten) eben so gemein als unwissend und eingebildet war. Ihr Seliger war ein höchst vortrefflicher Korkschneider gewesen und hatte sich ein anständiges Vermögen gesammelt. Außer seinem Neffen hatte er keine Verwandte, und außer seiner Köchin keine Freundin gehabt.

Der Erstere hatte einst die Unverschämtheit, ihn an einem schönen Morgen um ein Darlehen von fünfzehn Pfunden anzugehen, und zur Strafe dafür heirathete er den andern Tag die Letztere, machte unmittelbar darauf sein Testament, worin er seinen gerechten Unwillen gegen den Neffen aussprach (der sich und seine beiden Schwestern mit jährlichen hundert Pfund durchbringen mußte) und vermachte sein ganzes Vermögen seiner Frau. Nach dem Frühstücke hatte er sich unwohl gefühlt und nach dem Mittagessen war er todt. In einer der Stadtkirchen hängt eine Tafel, welche einer Kamineinfassung sehr ähnlich sieht, auf der seine Tugenden fortleben und sein Verlust beklagt wird. Er ließ nie eine Rechnung unbezahlt und gab nie einen Halbpenny umsonst aus.

Die hinterlassene und einzige Erbin dieses edelgesinnten Mannes war eine seltsame Mischung von Verschlagenheit und Dummheit, von Freigebigkeit und Gemeinheit. So wie sie erzogen war, kannte sie keine angenehmere Lebensweise, als die in einem Kosthause, und da sie nichts zu arbeiten und für nichts zu sorgen hatte, so mußte sie sich natürlich einbilden, sie sei sehr krank. – Diese Narrheiten wurden durch ihren Hausarzt, Dr. Wosky, und ihr Dienstmädchen Agnes sehr eifrig genährt, welche beide wahrscheinlich die trefflichsten Gründe hatten, all' ihre noch so ungereimten Einbildungen zu unterstützen.

Seit der in unserem letzten Kapitel abgehandelten Katastrophe hatte Frau Tibbs eine besondere Scheu vor jungen weiblichen Kostgängerinnen bekommen. Gegenwärtig gab es keine anderen, als lauter Herren der Schöpfung im Hause und sie benützte die Gelegenheit ihres Zusammentreffens am Mittagstische, ihnen die erwartete Ankunft der Frau Bloß zu verkünden. Die Herren vernahmen diese Mittheilung mit frischer Gleichgültigkeit und Frau Tibbs gab sich die erdenklichste Mühe, Alles für die Aufnahme der Kranken vorzubereiten. Der zweite Vorderstock wurde gefegt, gewaschen und aufgerieben, bis die Nässe durch die Decke des unteren Zimmers schlug. Saubere weiße Bettdecken, Vorhänge und Servietten, Wasserflaschen, so klar wie Krystall, blaue Krüge und Mahagonymöbeln mußten die Wohnung noch glänzender und comfortabler machen. Die Wärmpfanne war in beständiger Thätigkeit und das Feuer im Zimmer brannte den ganzen Tag über. Nach und nach kamen auch die Geräthschaften der Frau Bloß.

Zuerst langte ein großer Korb mit Porterflaschen und ein Regenschirm an; dann ein halbes Dutzend Koffer; hierauf ein Paar Ueberschuhe und eine Bandschachtel; sodann ein Lehnstuhl mit einem Luftkissen, verschiedene verdächtig aussehende Packete; und zuletzt – »Ende gut, Alles gut,« – Frau Bloß und Agnes, die letztere in einem kirschfarbigen Merinokleide, durchbrochenen Strümpfen und Schuhen mit Kreuzbändern, ganz einer verkleideten Columbine ähnlich.

Die Einsetzung des Herzogs von Wellington als Kanzler der Universität Oxford, war nichts im Vergleiche mit dem Lärm und der Unruhe, den der Einzug der Frau Bloß in ihrem neuen Quartiere verursachte. Es war allerdings kein Doctor der Rechtsgelehrtheit zugegen, um eine classische Rede zu halten; dagegen waren aber verschiedene alte Weiber da, welche diese Feierlichkeit durch eben so viele und gleichverständliche Reden verherrlichten. Die Schöpsenverschlingerin war durch die Uebersiedelung so angegriffen, daß sie das Zimmer vor dem nächsten Morgen nicht mehr verlassen wollte; demnach wurde ihr ein Hammelsbraten, ein Stück Pöckelfleisch, zwei Gran Calomel-Pillen, eine Maaßflasche Doppelbier und andere Arzneimittel zur Stärkung ihres siechen Körpers hinauf gebracht.

»Aber, was werden Sie wohl dazu sagen, Ma'am?« sagte die von Natur höchst wißbegierige Agnes zu ihrer Herrin, nachdem sie ungefähr drei Stunden im Hause waren; »was werden Sie wohl dazu sagen, Ma'am? Die Hausfrau hat einen Mann!«

»Einen Mann?« entgegnete Frau Bloß, eine Pille und einen Schluck Doppelbier zu sich nehmend. – »Einen Mann! nicht möglich!«

»Ja, ganz gewiß, Ma'am,« erwiederte die Columbine; »und ihr Mann, Ma'am, wohnt – er – er – er – wohnt in der Küche, Ma'am.«

»In der Küche!«

»Ja, Ma'am: und die Hausmagd sagt, er – er – er– er kommt nie in's Zimmer, außer Sonntags; und Frau Tibbs läßt ihn die Stiefeln der Kostherren putzen; er muß sogar die Fenster zuweilen säubern; auch hat er einmal Morgens, wie er gerade die Fenster in dem Vorderzimmer reinigte, einem gegenüberwohnenden Herrn, der sonst hier gewohnt, über die Straße zugerufen: – Ah! Herr Calton, wie befinden Sie sich, Sir?« Hier lachte die Magd, bis Frau Bloß ebenfalls in lautes Lachen ausbrach.

»Das ist ja unerhört!« sagte Frau Bloß.

»Ja, und denken Sie nur, Ma'am, die Mägde geben ihm zuweilen Branntwein und Wasser; und dann fängt er an zu weinen und sagt, daß er seine Frau und die Kostgänger nicht leiden könne, und will sie kitzeln.«

»Was, die Kostgänger kitzeln!« rief Frau Bloß ganz erschrocken aus.

»Nein, Ma'am, nicht die Kostgänger, die Mägde.«

»Ah, so?« sagte Frau Bloß ganz beruhigt.

»Er hat mich auch küssen wollen, eben vorhin, als ich die Küchentreppe heraufkam,« referirte Agnes entrüstet weiter; »ich gab ihm's aber – so ein elender Tropf!«

Die Sache war nur zu wahr. Das ewige verächtliche Abschnautzen, die fortwährende Erniedrigung und Hintansetzung, die Zumuthung, den Tag über in der Küche und die Nacht in dem Bettkasten zuzubringen, hatten das Bischen Verstand des unglücklichen Volontairs vollends zu Grunde gerichtet. Er hatte keinen Menschen, dem er sein Leid klagen konnte, als die Mägde, und sie mußten natürlich seine einzigen Vertrauten und Trösterinnen sein. Es ist übrigens eben so richtig als wahr, daß jene kleine Schwäche, die er sich höchst wahrscheinlich während seiner militärischen Laufbahn angeeignet haben mochte, sich noch vermehrte, je schlechter es ihm ging. Er war förmlich eine Art von Don Juan in Hausknechtsgestalt in den unteren Regionen.

Am kommenden Morgen um zehn Uhr – es war Sonntag – wurde das Frühstück in dem vordern Zimmer eingenommen. Neun Uhr war sonst die gewöhnliche Zeit, aber Sonntags wurde immer eine Stunde später gefrühstückt. Tibbs warf sich in seinen Sonntagsstaat, einen schwarzen Rock, sehr kurze, eng anliegende, schwarze Beinkleider, sehr große weiße Strümpfe und Halsbinde, nebst Blücherstiefeln – und begab sich in das vorbesagte Zimmer.

Es war noch Niemand anwesend, und in Ermangelung eines bessern Zeitvertreibes löffelte er einstweilen einen Milchtopf aus.

Nun hörte man ein paar Pantoffeln die Treppe herab klappern. Tibbs flog auf einen Stuhl und ein ernst aussehender Mann, von etwa fünfzig Jahren, mit wenigen Haaren auf dem Kopfe und ein Sonntagsblatt in der Hand, trat in das Zimmer.

»Guten Morgen, Herr Evenson,« sagte Tibbs sehr demüthig, mit einem Complimente, das ein Mittelding zwischen Kopfnicken und Verbeugung war.

»Wie geht's Ihnen, Herr Tibbs?« erwiederte der Herr mit den Pantoffeln, sich niederlassend, und begann ohne ein weiteres Wort seine Zeitung zu lesen.

»Wissen Sie nicht, ob Herr Wisbottle heute hier ist, Sir?« fragte Tibbs, um nur etwas zu sagen.

»Ich denke wohl,« erwiederte der ernste Herr. »Er pfiff neben mir heute früh um fünf Uhr schon alle möglichen Melodien aus der diebischen Elster.«

»Er ist ein großer Freund vom Pfeifen,« sage Tibbs mit einem kleinen Lächeln.

»Ja – aber ich nicht,« war die lakonische Antwort.

Herr John Evenson war im Besitze eines ganz hübschen, unabhängigen Einkommens, welches er hauptsächlich aus verschiedenen Häusern bezog, die er in den Vorstädten besaß. Er war sehr mürrisch und unzufrieden, mit Leib und Seele Radikaler und pflegte allen möglichen öffentlichen Versammlungen beizuwohnen, nur um an jedem Vorschlage etwas tadeln zu können.

Herr Wisbottle dagegen war ein Hochtory. Er war Schreiber bei dem Holz- und Forstamte, was er als eine sehr aristokratische Anstellung betrachtete, konnte sämmtliche Pairs an den Fingern herzählen und wußte auswendig, wo alle angestellten Personen wohnten. Er hatte eine vortreffliche Reihe Zähne und einen vortrefflichen Schneider. Herr Evenson sah auf alle diese Eigenschaften mit der tiefsten Verachtung herab, und die Folge davon war, daß die Beiden in beständiger Zwietracht mit einander lebten, was nicht wenig zur Belästigung der übrigen Kostgänger beitrug. Neben seiner Liebhaberei für das Pfeifen hatte Herr Wisbottle auch noch eine große Meinung von seiner Singkunst. Außer diesen Beiden und dem Herrn im Hinterzimmer wohnten noch zwei Kostgänger im Hause – Herr Alfred Tomkins und Herr Frederick O'Bleary. Herr Tomkins war Commis in einer Weinhandlung – ein Kenner von Gemälden und hatte ein wundervolles Auge für das Malerische. Herr O'Bleary, ein kürzlich erst herübergebrachter, noch ungezähmter Irländer, war nach England gekommen, um Apotheker, Schreiber in einer Regierungskanzlei, Schauspieler, Zeitungscorrespondent oder irgend etwas zu werden, das ihn in die Höhe bringen sollte – es war ihm Alles recht. – Er stand mit zwei unbedeutenden Mitgliedern des Parlaments auf vertraulichem Fuße und versorgte das ganze Haus mit frankirten Briefcouverten. Er war vollkommen überzeugt, daß seine ausgezeichneten Verdienste ihn schnell empor bringen müßten, trug Inexpressibles von gestreiftem schottischem Zeug und war gewohnt, allen Damen auf der Straße unter die Hüte zu sehen. Seine Manieren und sein ganzes Aussehen erinnerten unwillkürlich an Orson.Ein durch den raschen Wechsel der verschiedensten Leidenschaften sich auszeichnender Charakter in der Pantomime gleichen Namens. A. d. Ü.

»Da kommt Herr Wisbottle,« sagte Herr Tibbs; und dieser trat in blauen Pantoffeln und einem Shawlschlafrocke, »Di piacher« pfeifend, herein.

»Guten Morgen, Sir,« sagte Tibbs abermals. Es war ungefähr das Einzige, was er zu Jemand sagte.

»Wie geht's Ihnen, Tibbs?« erwiederte der Liebenswürdige herablassend, trat zum Fenster und pfiff lauter als zuvor.

»Eine prächtige Melodie das!« sagte Evenson brummend, ohne seine Augen von der Zeitung zu verwenden.

»Gefällt sie Ihnen?« erwiederte Wisbottle, höchst geschmeichelt.

»Glauben Sie nicht, daß sie noch besser klänge, wenn Sie noch ein wenig lauter pfiffen?« fragte er bissig.

»Nein, ich glaube doch nicht,« entgegnete Wisbottle, der den Stich nicht gemerkt hatte.

»Ich will Ihnen Etwas sagen, Wisbottle,« eiferte nun Evenson, dem es schon seit einigen Stunden innerlich gekocht hatte – »das nächstemal, wenn Sie sich wieder geneigt fühlen sollten, um fünf Uhr Morgens »die diebische Elster« zu pfeifen, muß ich Sie ersuchen, es, den Kopf vor dem Fenster draußen, zu thun; sonst werde ich den Triangel lernen spielen – und beim –«

Der Eintritt der Frau Tibbs, die ihre Schlüssel in einem Körbchen trug, unterbrach die Drohung und schnitt alle weiteren Erklärungen ab.

Frau Tibbs entschuldigte ihr spätes Erscheinen und klingelte; James brachte die Theemaschine und bekam Befehl, geröstetes Brod und Schinken zu holen. Tibbs setzte sich an das untere Ende des Tisches und begann Brunnenkresse, gleich einem Nebukadnezar, zu verschlingen. Herr O'Bleary und Herr Alfred Tomkins erschienen nun ebenfalls; man wünschte sich gegenseitig guten Morgen und es ging an den Thee.

»Gott im Himmel!« rief Tomkins aus, der aus dem Fenster gesehen hatte. – »Hieher – Wisbottle – bitte, kommen Sie doch her; schnell.«

Herr Wisbottle sprang vom Tische auf und Jedermann sah erstaunt in die Höhe.

»Sehen Sie,« sagte der Kenner und brachte Wisbottlen in die rechte Stellung – »ein wenig mehr dorthin; so – sehen Sie nun, wie herrlich die Beleuchtung auf die linke Seite der zerbrochenen Schornsteinspitze von Nr. 48 fällt.«

»In der That, ich sehe es,« erwiederte Wisbottle im Tone der Bewunderung.

»In meinem ganzen Leben habe ich Nichts so prächtig gegen den klaren Himmel abstechen sehen,« rief Alfred aus.

John Evenson ausgenommen – theilten Alle diese Gefühle, denn Herr Tomkins hatte einen ausgezeichneten Sinn dafür, Schönheiten da herauszufinden, wo sie sonst kein Mensch zu entdecken im Stande war – er verdiente auch wirklich diese Anerkennung.

»Ich habe häufig eine Schornsteinspitze im College Green zu Dublin beobachtet, die noch bessern Effekt machte,« sagte der patriotische O'Bleary, der nie zugab, daß Irland in irgend Etwas zurückstand.

Die Versicherung wurde mit dem offenbarsten Unglauben aufgenommen, denn Tomkins erklärte, daß keine andere Schornsteinspitze in den vereinigten Königreichen, sie möge zerbrochen oder nicht zerbrochen sein, sich je so schön ausnehmen könnte, als die auf Nr. 48.

Plötzlich wurde die Zimmerthüre abermals geöffnet und Agnes führte Frau Bloß herein, die einen geraniumfarbenen Mousselinüberrock trug und ein Ungeheuer von einer goldenen Uhr an einer eben so unermeßlichen goldenen Kette umhängen hatte, nebst einer glänzenden Auswahl von Ringen mit Steinen, so groß wie Pflastersteine.

Alles lief nach einem Stuhle und eine regelmäßige Vorstellung fand statt. Herr John Evenson beschränkte sich auf ein leichtes Kopfnicken; Herr Frederick O'Bleary, Herr Alfred Tomkins und Herr Wisbottle verbeugten sich gleich den Mandarinen in einem Spezereiladen, und Tibbs rieb seine Hände und ging herum, wie die Katze um den heißen Brei. Man will bemerkt haben, daß er ein Auge schloß und das andere gleich einem Uhrwerk gehen ließ: dieß hat man für ein Blinzeln gehalten, welches Agnes gegolten haben soll. Wir müssen dieß aber als eine Verläumdung zurückweisen und können es unmöglich zugeben.

Herr Tibbs erkundigte sich in gedämpftem Tone nach dem Befinden der Frau Bloß, was Frau Bloß mit vollkommener Hintansetzung der Vorschriften Lindley Murray's auf höchst befriedigende Weise beantwortete; worauf eine Pause entstand, während welcher alles Eßbare mit schauerlicher Behendigkeit verschwand.

»Sie werden sich neulich in Gesellschaft der Damen, die bei dem Drawing-Room waren, gewiß recht gut unterhalten haben, Herr O'Bleary?« fragte Frau Tibbs, um eine Unterhaltung in Gang zu bringen.

»Gewiß,« erwiederte Orson etwas unverständlich, denn er hatte ein Stück gerösteten Brodes im Munde.

»Sicher haben Sie noch nichts Aehnliches gesehen?« ergänzte Wisbottle.

»Nein – ausgenommen die Levers des Lord-Lieutenants,« erwiederte O'Bleary.

»Sind sie ganz wie unsere Drawing-Rooms?«

»O, unendlich glänzender!«

»Warum nicht gar; das glaube ich nicht,« sagte der aristokratische Wisbottle. »Die verwittwete Marquisin von Publiccash war auf's Prächtigste gekleidet und ebenso der Baron von Schlappenbachenhausen.«

»Wann ist er vorgestellt worden?« fragte Evenson.

»Gleich bei seiner Ankunft in England.«

»Das dachte ich mir,« brummte der Radikale; »man hört nie, daß sich solche Bursche bei ihrer Abreise präsentiren lassen. Sie wissen besser, was sie zu thun haben.«

»Wenn ihnen nicht Jemand für eine Unterkunft sorgt,« fiel Frau Bloß schüchtern ein.

»Gewiß,« sagte Wisbottle, diesem Punkte ausweichend, »es ist ein glänzender Anblick.«

»Und ist es Ihnen noch nie gekommen,« forschte der Radikale, der nicht ruhen konnte; »ist es Ihnen nie gekommen, daß Sie für solche stattliche Zierden der Gesellschaften bezahlen müssen?«

»Allerdings ist es mir gekommen,« erwiederte Wisbottle, der in dieser Antwort nichts Verfängliches fand; »es ist mir gekommen und ich zahle gerne für sie.«

»Meinetwegen, es ist mir auch schon gekommen,« versetzte Herr Evenson, »und ich zahle nicht gerne für sie. Warum sollte ich es auch? – Ich sage – warum sollte ich es auch?« fuhr der Politiker fort, legte die Zeitung hin und klopfte mit den Knöcheln auf den Tisch. »Es gibt zwei große Prinzipien – Begehren –«

»Ich bitte um eine Tasse Thee, Liebe,« unterbrach ihn Tibbs.

»Und Bewilligen.«

»Darf ich Sie belästigen, diese Tasse Herrn Tibbs zu reichen,« sagte Frau Tibbs, das Argument unterbrechend, welches sie unwissentlich erläutert hatte.

Der Faden in des Redners Vortrag war abgerissen. Er trank seinen Thee und griff wieder nach der Zeitung.

»Wenn es so hübsches Wetter bleibt,« sagte Herr Alfred Tomkins, sich an die Gesellschaft im Allgemeinen wendend, »so werde ich heute zu Lande nach Richmond fahren und mit dem Dampfschiffe zurückkehren. Auf der Themse gibt es herrliche Effekte von Licht und Schatten; der Kontrast zwischen dem blauen Himmel und dem gelben Wasser ist häufig ausnehmend schön.«

Herr Wisbottle summte, »das Schiff streicht durch die Wellen!«

»Wir haben herrliche Dampfschiffe in Irland,« sagte O'Bleary.

»Allerdings,« sagte Frau Bloß, vergnügt, daß ein Gegenstand zur Sprache kam, an welchem sie Theil nehmen konnte.

»Die Vorsorge, die der Reisende dort antrifft, ist ausgezeichnet,« fuhr O'Bleary fort.

»Ausgezeichnet, das muß man sagen,« erwiederte Frau Bloß. »Als mein Mann seliger noch lebte, war er häufig genöthigt, Geschäfte halber nach Irland zu reisen; ich begleitete ihn dann, und die Art, wie Damen und Herren da mit Geflügel versorgt werden, ist unglaublich.«

Tibbs, der auf das Gespräch gehorcht hatte, sah ganz erstaunt auf und fühlte einen starken Drang, eine weitere Frage zu stellen, aber ein verweisender Wink seiner Frau wies ihn in seine Schranken zurück.

Herr Wisbottle lachte und sagte, Tomkins hätte einen Witz gemacht, und Tomkins lachte ebenfalls und betheuerte, er hätte keinen gemacht.

Die übrige Zeit ging vorüber, wie dies bei Frühstücken gewöhnlich der Fall ist. Die Unterhaltung stockte und die Leute spielten mit ihren Theelöffeln. Die Herren sahen aus dem Fenster, gingen im Zimmer auf und ab, und so wie sie der Thür nahe kamen, verschwand einer nach dem andern. Tibbs ging auf seiner Frau Geheiß in das Hinterzimmer, um des Gewürzhändlers Wochenrechnung zu revidiren, und am Ende waren Frau Tibbs und Frau Bloß allein.

»Ach, lieber Gott!« sagte die letztere, »ich fühle mich schrecklich schwach; 's ist wirklich sonderbar.« – Dieß war es auch in der That, denn sie hatte diesen Morgen schon vier Pfund solide Nahrung zu sich genommen. – »Was wollte ich nur sagen, ich habe ja den alten Herrn, wie heißt er doch, nicht gesehen.«

»Herrn Gobler?« fragte Frau Tibbs.

»Richtig, ja.«

»O,« sagte Frau Tibbs, »das ist eine höchst mysteriöse Person. Man schickt ihm sein Essen hinauf; zuweilen verläßt er sein Zimmer vier Wochen nach einander gar nicht.«

»Ich habe noch nichts von ihm gesehen, noch gehört,« wiederholte Frau Bloß.

»Ich glaube, Sie versichern zu können, daß Sie ihn heute Abend hören werden,« erwiederte Frau Tibbs; »gemeiniglich stöhnt er Sonntag Abends viel.«

»In meinem ganzen Leben habe ich noch für keine Person ein solches Interesse gefühlt,« bemerkte Frau Bloß.

Ein bescheidenes doppeltes Klopfen unterbrach ihre Unterhaltung; Doctor Wosky wurde gemeldet und sofort eingeführt.

Er war ein kleiner Mann, mit rothem Gesichte, natürlich schwarz gekleidet und trug eine gesteifte, weiße Halsbinde. Er hatte eine sehr gute Praxis und viel Geld, welches er dadurch anzuhäufen wußte, daß er mit unermüdlicher Geduld den thörichsten Träumen aller Damen, zu welchen er gerufen wurde, Gehör schenkte.

Frau Tibbs erbot sich, fortzugehen, ward aber gebeten, nur zu bleiben.

»Nun, meine liebe Ma'am, wie befinden wir uns?« fragte Wosky mit liebreichem Tone.

»Sehr schlimm, Doctor, sehr schlimm,« erwiederte Frau Bloß ganz schwach.

»Ah! wir müssen uns in Acht nehmen; – in der That, ja, ja,« sagte der dienstfertige Wosky, den Puls der todtkranken Patientin fühlend. »Wie stets um den Appetit?«

Frau Bloß schüttelte den Kopf.

»Unsere Freundin bedarf großer Sorgfalt,« sagte Wosky, sich an Frau Tibbs wendend, welche natürlich beistimmte.

»Ich hoffe übrigens, daß wir,« fuhr der Doctor fort, »mit Gottes Hülfe im Stande sein werden, sie wieder vollkommen herzustellen.«

Frau Tibbs dachte bei sich, wie die Patientin wohl nach der Herstellung erst aussehen möge.

»Wir müssen Reizmittel gebrauchen,« sagte der schlaue Wosky – »nahrhafte Speisen vollauf und vor Allem müssen wir unsere Nerven schonen, ruhig bleiben und jede Aufregung vermeiden. Wir müssen nehmen, was wir können,« schloß der Doctor, als er sein Honorar einschob, »und der Sache ihren Lauf lassen.«

»Ein lieber Mann!« rief Frau Bloß aus, als der Doctor fort war.

»Ach, ein herrlicher Mann – ein ganzer Damen-Mann;« entgegnete Frau Tibbs; und Doctor Wosky rasselte davon, um noch mehr zärtliche Damen zum Besten zu halten und noch mehr Taxen in seine Tasche zu stecken.

Da wir auf einem früheren Blatte schon Gelegenheit hatten, ein Mittagsessen bei Frau Tibbs zu beschreiben, und bei gewöhnlichen Gelegenheiten ein Mahl dem andern gleicht, so wollen wir unsere Leser mit einer abermaligen genauen Beschreibung der häuslichen Einrichtung dieser Anstalt nicht ermüden, sondern lieber gleich zu wirklichen Ereignissen übergehen und blos noch vorausschicken, daß der geheimnißvolle Miethsmann des Hinterzimmers ein verdrossener, eingebildeter Hypochonder war, der stets klagte, ohne daß ihm je etwas fehlte. Da sein Charakter in vielen Hinsichten dem von Frau Bloß völlig ähnlich war, so entstand zwischen den Beiden bald eine sehr warme Freundschaft. Er war groß, mager und bleich, bildete sich immer ein, mit der einen oder andern Krankheit geplagt zu sein, und sein Gesicht bot stets einen verschraubten, verzwickten Ausdruck dar, so daß er etwa aussah wie ein Mensch, der seine Füße gegen seinen Willen in einen Kübel voll ungewöhnlich heißes Wasser gebracht hat.

Ungefähr zwei oder drei Monate nach Frau Bloß's erstem Auftreten in Coram-Street bemerkte man an John Evenson, daß er jeden Tag sarkastischer und übellauniger wurde, und sich ein noch wichtigeres Ansehen gab, als bisher, woraus man deutlich schließen konnte, daß er sich einbildete, etwas entdeckt zu haben, und nur auf eine besondere Gelegenheit paßte, es an Mann zu bringen. Er brauchte nicht lange zu warten.

Eines Abends waren sämmtliche Kostgänger im Conversationszimmer versammelt und vertrieben sich auf gewöhnliche Art ihre Zeit. Herr Gobler und Frau Bloß saßen an einem kleinen Spieltisch nahe am mittleren Fenster und spielten Cribbage; Herr Wisbottle schaukelte sich auf einem Drehstuhle vor dem Fortepiano und beschrieb Halbzirkel, blätterte in einem Notenhefte und summte höchst melodisch; Alfred Tomkins saß mit aufgestützten Ellbogen an dem runden Tische und entwarf die Skizze eines Kopfes von noch ansehnlicherer Größe als sein eigener; O'Bleary las im Horaz und gab sich das Ansehen, als ob er ihn verstände; John Evenson hatte seinen Stuhl hart an Frau Tibbs' Arbeitstisch hingezogen und sprach mit ihr sehr eifrig aber leise.

»Ich kann Sie versichern, Frau Tibbs,« sagte der Radikale und tippte mit dem Zeigefinger auf den Mousselin, an dem sie arbeitete, »ich kann sie versichern, Frau Tibbs, daß nur das besondere Interesse, welches ich an Ihrer Wohlfahrt nehme, mich dazu veranlaßt, Ihnen diese Mittheilung zu machen. Nochmal, ich befürchte, daß Wisbottle darauf ausgeht, von jenem jungen Mädchen, der Agnes, Gunstbezeugungen zu erlangen, und daß er mit ihr Zusammenkünfte in der Speisekammer des ersten Stocks hält. Von meinem Schlafzimmer aus hörte ich in vergangener Nacht deutlich ein Geflüster; ich öffnete leise die Thüre und schlich mich ganz sachte an die Treppe; da sah ich den Herrn Tibbs, der auch gestört worden sein mußte – bei Gott, Frau Tibbs, Sie entfärben sich ja ganz!«

»Nein, nein – 's hat nichts zu bedeuten,« erwiederte Frau Tibbs hastig, »'s kommt blos von der Zimmerhitze.«

»Ein Flush!« jauchzte Frau Bloß am Spieltische; »der gilt für Vier.«

»Wenn ich wüßte, daß es Herr Wisbottle wäre,« sagte Frau Tibbs nach einer Pause, »so sollte er mir das Haus augenblicklich verlassen.«

»Spielen Sie aus!« sagte Frau Bloß wieder.

»Und wenn ich wüßte,« fuhr die Hauswirthin mit grimmigen Blicken fort, »wenn ich wüßte, daß ihm Herr Tibbs dazu geholfen hätte –«

»Gestochen den König!« sagte Gobler.

»O,« sagte Evenson möglichst süß, – es machte ihm stets Vergnügen, Unheil zu stiften – »ich hoffe nicht, daß Herr Tibbs irgend dabei betheiligt sein wird; er ist mir stets sehr harmlos vorgekommen.«

»Ich habe ihn im Allgemeinen ebenfalls so gefunden,« schluchzte die arme kleine Frau Tibbs, daß es Töne gab, wie bei einer Gießkanne, welche ausgeleert wird.

»S't! S't! Ich bitte Sie – Frau Tibbs – bedenken Sie – man kann uns beobachten – ich bitte, fassen Sie sich!« Denn Evenson befürchtete, sein ganzer Plan könnte vereitelt werden. »Wir wollen uns alle Mühe geben, der Sache auf den Grund zu kommen, und es soll mich freuen, Ihnen darin Beistand leisten zu können.«

Frau Tibbs dankte ihm mit gedämpfter Stimme.

»Wenn Sie glauben, daß heute Nacht Alles zu Bette ist,« sagte Evenson sehr feierlich, »und Sie wollen gerade vor meinem Schlafzimmer am Treppenfenster ohne Licht mit mir zusammentreffen, so glaube ich, können wir uns überzeugen, wer die Personen wirklich sind, und Sie mögen dann ihre Maßregeln darnach nehmen.«

Frau Tibbs war leicht zu überreden. Sie ging ohne Bedenken in den Vorschlag ein, denn ihre Neugierde, hauptsächlich aber ihre Eifersucht waren rege gemacht. Sie nahm ihre Arbeit wieder zur Hand und John Evenson ging, die Hände in den Taschen, im Zimmer auf und ab, als ob gar nichts vorgefallen wäre. Das Cribbage-Spiel war vorüber, und es kam wieder eine allgemeine Unterhaltung in Gang.

»Aber, Herr O'Bleary,« sagte der Brummkreisel und fuhr auf seinem Stuhl herum, der ganzen Gesellschaft in's Gesicht sehend, »was dachten Sie gestern Abend vom Vauxhall?«

»O, es ist dort sehr schön,« erwiederte Orson, der über Alles, was er gesehen hatte, außerordentlich vergnügt war.

»Sah man wohl schon etwas Aehnliches, wie die Ausstellung des Kapitäns Roß – wie?«

»Nein,« erwiederte der Patriot, doch mit seinem gewöhnlichen Vorbehalt – »ausgenommen, in Dublin.«

»Ich sah den Grafen von Canky und den Kapitän Fitzthompson in dem Garten,« sagte Wisbottle; »sie schienen sehr vergnügt.«

»Dann mag es erst recht schön gewesen sein,« spottete Evenson.

»Ich glaube, die weißen Bären sind besonders hübsch,« meinte Frau Bloß; »in ihrem zottigen weißen Pelz sehen sie gerade aus, wie Eisbären – sind Sie nicht auch der Meinung, Herr Evenson?«

»Ich glaube vielmehr, sie sehen Omnibus-Condukteuren auf allen Vieren ähnlich,« erwiederte der Mißvergnügte.

»Im Ganzen würde mir der Abend ziemlich gut bekommen sein,« ächzte Gobler, »wenn ich mich nicht so verzweifelt erkältet hätte, was mein Leiden schrecklich steigerte; ich mußte mehrere Sturzbäder nehmen, ehe ich das Zimmer wieder verlassen konnte.«

»Kapital-Dinge, diese Sturzbäder!« rief Wisbottle aus.

»Ausgezeichnet!« sagte Tomkins.

»Herrlich!« stimmte O'Bleary bei; er hatte ein Mal eines bei einem Klempner außen stehen sehen.

»Abscheuliche Maschine!« entgegnete Evenson, der sein Mißfallen fast auf alle Gegenstände der Schöpfung ausdehnte, mochten sie Maskulina, Feminina oder Neutra sein.

»Abscheulich, Herr Evenson!« sagte Gobler im Tone der höchsten Entrüstung – »Abscheulich! Denken Sie an ihren Nutzen; wie manches Menschenleben haben sie nicht schon durch Beförderung des Schweißes gerettet!«

»Beförderung des Schweißes, allerdings,« brummte John Evenson und hemmte seine Schritte – »ich war auch einmal so ein Esel und ließ mich bereden, mir eines in mein Schlafzimmer bringen zu lassen. Wahrlich, da kam ich in einen Schweiß, der mich allerdings ganz richtig kurirte: der bloße Anblick brachte mich in eine so vollständige Transpiration, daß sie noch sechs Monate nachher fortdauerte.«

Ein allgemeines Kichern folgte auf diese Bemerkung; doch bevor es sich noch gelegt hatte, trug James das Abendessen auf, welches in den Ueberbleibseln eines Lammschlegels, der beim Mittagessen seinen Debüt gemacht hatte, in Brod, Käse, einem kleinen winzigen Bischen Butter in einem Walde von Petersilie, einer eingemachten Nuß und dem Drittel einer andern u.s.w. bestand. Der Junge entfernte sich wieder, und kehrte mit einer weiteren Ladung zurück, bestehend in Gläsern und Krügen mit heißem und kaltem Wasser. Die Herren holten ihre Rumflaschen, das Hausmädchen stellte verschiedene Messingleuchter zum Schlafengehen unter den Spieltisch, und die Dienerschaft zog sich für diesen Abend zurück.

Man stellte Stühle rings um den Tisch und die Unterhaltung nahm ihren gewöhnlichen Gang. John Evenson, der nie zu Nacht speiste, hatte sich auf den Sopha hingelümmelt und unterhielt sich damit, Jedermann zu widersprechen.

O'Bleary aß so viel, als er nur immer hinunter bringen konnte, worüber Frau Tibbs billigermaßen nicht wenig erbost war; Herr Gobler und Frau Bloß sprachen sehr angelegentlich über Pillen und andere unschuldige Gegenstände, und Tomkins und Wisbottle verwickelten sich in einem gelehrten Streit: daß heißt, sie schrieen einander sehr laut und heftig an, und jeder schmeichelte sich, den andern geschlagen zu haben, während doch eigentlich keiner mehr, als eine höchst unbestimmte Idee von dem hatte, was er sprach. So vergingen ein paar Stunden, und Kostgänger und Messingleuchter suchten paarweise ihre Schlafzimmer auf. John Evenson zog seine Stiefel aus, verschloß seine Thüre und nahm sich vor, aufzupassen, bis sich Herr Gobler ebenfalls zurückgezogen haben würde; – dieser blieb nämlich jedes Mal noch eine Stunde länger, nachdem sich schon Jedermann entfernt hatte, im Conversationszimmer, um Medizin einzunehmen und zu ächzen.

Great-Coram-Street war in die tiefste Ruhe versunken: es war nahe an zwei Uhr. Hin und wieder rumpelte noch eine Miethkutsche langsam vorüber und zuweilen polierte auch ein verspäteter Sachwaltersschreiber auf dem Heimwege nach Somerstown mit seinen eisenbeschlagenen Absätzen auf dem Deckel eines Kohlenbehälters, und machte dabei einen Lärm, wie ein Bratenwender. Man hörte nun ein leises, eintöniges, plätscherndes Rauschen, das nicht wenig zur Vermehrung der romantischen Nachtscene beitrug. Es entstand durch »Wasser einlassen« in Nro. 11.

»Er muß nun wohl schlafen,« sagte John Evenson zu sich selbst, der mit beispielloser Geduld fast noch eine Stunde gewartet, nachdem Herr Gobler das Conversationszimmer schon verlassen hatte. Er lauschte noch einige Augenblicke; als er sich überzeugt hatte, daß das Haus vollkommen ruhig war, löschte er sein Licht aus und öffnete leise seine Thüre. Die Treppe war so finster, daß man unmöglich etwas sehen konnte.

»S-s-s-t!« wisperte der Schadenfroh und machte ein Geräusch, welches dem Schnurren eines Spinnrades glich.

»S-t!« flüsterte Jemand.

»Sind Sie es, Frau Tibbs?«

»Ja, Sir.«

»Wo sind Sie denn?«

»Hier,« und Frau Tibbs Nebengestalt tauchte an dem Treppenfenster empor, gleich dem Geiste der Königin Anna in der Zeltscene von Richard.

»Hierher, Frau Tibbs,« zischelte der vergnügte Stänker: »reichen Sie mir Ihre Hand, – so. Wer es nun auch sei, es sind Leute in der Speisekammer; ich habe von meinem Fenster aus hinabgesehen und konnte genau unterscheiden, wie ihnen das Licht ausging, so daß sie sich nun im Finstern befinden. Haben Sie Schuhe an, oder nicht?«

»Nein,« erwiederte die kleine Frau Tibbs, die kaum vor Zittern zu sprechen vermochte.

»Das ist gut, ich habe meine Stiefeln ebenfalls ausgezogen; wir können uns nun ganz bequem nahe an die Speisekammerthüre schleichen und über das Geländer sehen,« fuhr Evenson fort. Die Beiden schleichen sofort die Treppen hinab, die bei jedem Tritte gleich einer Patent-Wäschemangel an einem Sonnabend Nachmittag krachte.

»'s ist Wisbottle und noch Jemand, ich will darauf schwören,« flüsterte der Radikale, nachdem sie einige Augenblicke gelauscht, eifrig seiner Gefährtin zu.

»S-t! – bitte, lassen Sie uns horchen, was sie sagen,« rief Frau Tibbs, deren Neugierde nun über alle andere Rücksichten den Sieg davon getragen hatte.

»Ja! wenn ich Ihnen glauben dürfte,« sagte eine kokettirende Weiberstimme, »ich wollte es wohl auf mich nehmen; meine Missiß ist dazu zu bringen.«

»Was sagt sie?« fragte Herr Evenson, der keine so günstige Stellung hatte, als seine Gefährtin.

»Sie sagt, sie wolle ihre Missiß umbringen,« erwiederte Frau Tibbs. »Die Elende! Sie haben sich zu einem Morde verschworen.«

»Ich weiß, Sie brauchen Geld,« fuhr die Stimme fort, die Agnes anzugehören schien, »und wenn Sie mir die versprochenen fünfhundert Pfund versichern wollen, so hafte ich Ihnen dafür, sie soll bald genug Feuer fangen.«

»Was ist das?« fragte Evenson wieder. Er konnte gerade genug verstehen, um zu wünschen, daß er mehr hörte.

»Ich glaube, sie sagte, sie wolle Feuer einlegen,« erwiederte die erschrockene Frau Tibbs. »Gott sei Dank, ich bin in der Phönix-Assekuranz.«

»Im Augenblicke, wo ich Ihrer Missiß sicher bin, meine Liebe,« sagte eine männliche Stimme im breiten irischen Dialekte, »dürfen Sie sicher auf das Geld zählen.«

»Gott steh' mir bei, 's ist Herr O'Bleary!« rief Frau Tibbs dazwischen.

»Der Schurke!« sagte der erboste Evenson.

»Das Erste, was geschehen muß,« fuhr der Hibernier fort, »ist, Herrn Gobler aus dem Wege zu räumen.«

»Das versteht sich!« erwiederte Agnes schrecklich kaltblütig.

»Was ist das?« fragte Evenson wieder leise in gespanntester Neugierde.

»Er sagt, das Erste, was geschehen müsse, wäre, Herrn Gobler aus dem Wege zu räumen.« erwiederte Frau Tibbs vollkommen außer sich über die schrecklichen Anschläge der Mordbrenner.

»Und was Frau Tibbs betrifft,« fuhr O'Bleary fort – Frau Tibbs schauderte.

»S-t!« rief Agnes im Tone der höchsten Bestürzung aus, als Frau Tibbs eben nahe daran war, in Ohnmacht zu fallen.

»S-t! S-t!« flüsterte Evenson im nämlichen Augenblicke.

»Es kommt Jemand die Treppe herauf,« zischelte Agnes O'Bleary zu.

»Es kommt Jemand die Treppe herunter,« sagte Evenson leise zu Frau Tibbs.

»Gehen Sie in das Wohnzimmer, Sir,« sagte Agnes zu ihrem Genossen. »Sie können dahin kommen, ehe Jemand die Küchentreppe oben ist.«

»In's Gesellschaftszimmer, Frau Tibbs, schnell!« flüsterte der bestürzte Evenson seiner nicht minder bestürzten Begleiterin zu; beide flüchteten sich hinein, und hörten dann deutlich, daß zwei Personen die Treppe hinab und eine dritte herauf kam.

»Wer mag wohl das sein?« sagte Frau Tibbs. »Es ist mir Alles, wie ein Traum. Ich möchte mich in dieser Situation nicht um die Welt finden lassen.«

»Ich ebensowenig,« entgegnete Evenson, der nie ertragen konnte, daß sich Jemand auf seine Kosten lustig macht. »S-t! da sind sie an der Thüre.«

»Welch ein Jux,« flüsterte einer der Ankömmlinge. Es war Wisbottle.

»Glorios!« erwiederte sein Begleiter in gleich leisem Tone. – »Dieß war Alfred Tomkins. Wer hätte das gedacht!«

»Ich sagte es Ihnen ja,« flüsterte Wisbottle ernstlich. »So wahr Gott lebt, er hat ihr während der letzten zwei Monat die außerordentlichste Aufmerksamkeit geschenkt. Heute Abend, als sie am Klaviere saß, habe ich sie genau beobachtet.«

»So? Haben Sie es bemerkt? Ich nahm es nicht in Acht,« erwiederte Tomkins.

»Wenn Sie dieß nicht bemerkt haben!« fuhr Wisbottle fort. »Gott stärke Sie; ich habe es wohl gesehen, wie er ihr zuflüsterte und wie sie weinte; ich wollte darauf schwören, daß ich ihn etwas sagen hörte von heute Nacht, wenn wir alle zu Bette wären.«

»Sie sprechen von uns!« rief Frau Tibbs in Todesangst aus, als sie diesen schrecklichen Verdacht aussprechen hörte, und ihr das Gefühl ihrer Lage sonnenklar und riesengroß vor die Augen trat.

»Ich höre es – ich höre es leider,« erwiederte Evenson, in dem niederschlagenden Bewußtsein, daß hier keine Möglichkeit des Entrinnens war.

»Was ist zu thun? Wir können nicht Beide hier bleiben,« seufzte Frau Tibbs halb von Sinnen.

»Ich will den Kamin hinaufsteigen,« erwiederte Evenson und hatte es auch ernstlich im Sinne.

»Das können Sie nicht,« sagte Frau Tibbs in Verzweiflung; »das können Sie nicht, es ist ein Registerofen.«

»Stille!« flüsterte John Evenson.

»Stille – Stille!« flüsterte Jemand auf der Treppe.

»Was für ein verd–tes Gezische ist denn das in Einem fort?« sagte Alfred Tomkins, der nun auch ganz verwirrt zu werden anfing.

»Da sind sie!« rief der kluge Wisbottle, als sich in der Speisekammer ein Geräusch hören ließ.

»Horch!« flüsterten beide junge Männer.

»Horch!« wiederholte Frau Tibbs und Evenson.

»Lassen Sie mich gehen, Sir,« sagte eine weibliche Stimme in der Speisekammer.

»O, Hagnes!« rief eine andere Stimme, die offenbar Tibbs angehörte, denn Niemand außer ihm hatte eine ähnliche. »O, Hagnes – liebliches Geschöpf.«

»Lassen Sie mich in Ruhe, Sir.« (Bumps)

»Hag –«

»Lassen Sie mich in Ruhe, Sir – schämen Sie sich in Ihr Herz! Denken Sie an Ihre Frau, Frau Tibbs. Lassen Sie mich in Ruhe, Sir.«

»Meine Frau!« rief der mannhafte Tibbs, augenscheinlich unter dem Einflüsse des Grogs und einer übel angebrachten Zärtlichkeit; »ich hasse sie! O, Hagnes! Als ich bei den Freiwilligen stand, Anno achtzehnhundert und –«

»Jetzt schreie ich aber nächstens. Wollen Sie mich in Ruhe lassen, Sir, oder nicht – ich frage ob Sie wollen?« (Abermals Bumps – Handgemenge.)

»Was ist das?« rief Tibbs plötzlich auffahrend.

»Was ist das?« wiederholte Agnes und stellte ihre Vertheidigung ein.

»Was, das!«

»Ach Gott, da haben Sie nun was Schönes angerichtet, Sir,« jammerte die erschrockene Agnes, als man an Frau Tibbs Schlafzimmerthüre ein Klopfen hörte, das den Lärm von zwölf Holzhackern übertönt haben würde.

»Frau Tibbs, Frau Tibbs!« rief Frau Bloß aus.

»Frau Tibbs, ich bitte Sie, stehen Sie auf.«

(Hier wurde das Holzhacken mit zehnfacher Heftigkeit wiederholt.)

»Ach Gott – ach Gott!« rief die unglückliche Lebensgefährtin des geschlagenen Tibbs aus. »Sie klopft an meiner Thür. Wir müssen entdeckt werden. Was werden sie von mir denken?«

»Frau Tibbs, Frau Tibbs!« schrie die Holzhackerin abermals.

»Was gibt's?« rief nun auch Gobler, und stürzte aus seinem Hinterzimmer hervor, wie der Drache bei Astley – nur daß er nicht Feuer spie.

»O, Herr Gobler!« schrie Frau Bloß und war nahe daran Krämpfe zu bekommen, »entweder brennt es, oder sind Diebe im Hause. Ich habe die schrecklichsten Töne gehört.«

»Den Teufel haben Sie!« platzte Gobler heraus, und stürzte wieder in nicht minder glücklicher Nachahmung des vorerwähnten Drachen in seine Höhle zurück, aus der er alsbald wieder mit einem Lichte hervorkam.

»Wie, was ist das? Wisbottle! Tomkins! O'Bleary! Agnes! Was zum Henker, alle auf – und angekleidet!«

»Das ist ja erstaunlich,« sagte Frau Bloß, welche die Treppen herabgelaufen war und Herrn Goblers Arm ergriffen hatte.

»Rufe Jemand sogleich Frau Tibbs,« sagte Gobler, und ging nach dem Vorderzimmer. »Wie! Frau Tibbs und Herr Evenson!!«

»Frau Tibbs und Herr Evenson!« wiederholten alle Umstehenden, als man das unglückliche Paar entdeckte. Frau Tibbs saß in einem Lehnstuhle am Kamine und Herr Evenson stand neben ihr.

Wir müssen es der Einbildungskraft des Lesers überlassen, sich die Scene, welche nun entstand, selbst auszumalen. Wir könnten wohl erzählen, wie Frau Tibbs alsbald in Ohnmacht fiel, und wie es der vereinten Anstrengungen Herrn Wisbottles und Herrn Alfred Tomkins bedurfte, um sie auf ihrem Stuhle zu erhalten; wie Herr Evenson den Vorfall auseinandersetzte und seine Auseinandersetzungen augenscheinlich bezweifelt wurden; – wie Agnes den Beschuldigungen der Frau Tibbs widersprach und darzuthun suchte, sie habe mit Herr O'Bleary blos darüber unterhandelt, daß sie bei ihrer Mistreß zu seinen Gunsten sprechen wolle, und wie Herr Gobler die Hoffnungen Herrn O'Bleary's schmählich durch die Versicherung niederschlug, daß er (Gobler) bereits seine Anträge gemacht und diese von Frau Bloß angenommen worden seien; wie Agnes ihrer Dienste entbunden wurde; wie Herr O'Bleary sich des längeren Bleibens in dem Hause der Frau Tibbs selbst entband, ohne sich an die gewöhnlichen Formen des Bezahlens zu binden; und wie dieser junge Gentleman im Schmerze seiner vereitelten Träume nun über England und die Engländer loszieht und versichert, daß weder Tugend, noch zarte Gefühle zu treffen wären, ausgenommen in Irland.

Wir wiederholen, daß wir dieß Alles recht wohl erzählen könnten, aber wir ziehen es vor, uns in der Entsagung zu üben und es der eigenen Einbildungskraft unserer Leser zu überlassen.

Die Dame, welche wir bisher als Frau Bloß aufgeführt haben, existirt nicht mehr. Es gibt nun blos noch eine Frau Gobler; Frau Bloß hat uns für immer verlassen. An einem abgeschlossenen Zufluchtsorte in Newington-Butts, weit – weit von dem lärmenden Kampfgetümmel des großen Kosthauses, Welt genannt, weilen nun der beneidenswerthe Gobler und seine liebenswürdige Gattin in stiller Zurückgezogenheit – glücklich in ihren Klagen, in ihrem Tische und ihrer Medicin, und wandeln gesegnet und gepriesen von sämmtlichen Lieferanten aller zur Leibesnahrung und Nothdurft gehörigen Stoffe auf drei Meilen im Umkreise in süßer Eintracht durch das Leben.

Gerne wollten wir hier der Skizze ein Ende machen, aber wir haben zuvor noch eine schmerzliche Pflicht zu erfüllen. Herr und Frau Tibbs haben sich mit gegenseitiger Einwilligung getrennt; Frau Tibbs erhält die eine Hälfte von jenen 43 Pfd. 15 Shl. 10 Pence, welche das jährliche Einkommen ihres Mannes ausmachten, Herr Tibbs behält die Andere. Er bringt den Abend seiner Tage in Zurückgezogenheit zu, und verzehrt auch dieses kleine aber ehrsame Einkommen jedes Jahr getreulich. Er residirt unter den Ureinwohnern von Walworth, und wir haben es aus guter Quelle, daß man das Ende der Freiwilligengeschichte in einer kleinen Taverne, nicht weit vom respectablen Stadttheile, gehört hat.

Die beklagenswerthe Frau Tibbs hat sich entschlossen, ihre ganze Hauseinrichtung im Wege der öffentlichen Versteigerung wegzugeben und einen Ort zu verlassen, an welchem sie so viel zu leiden hatte. Herr Robins ist beauftragt, den Verkauf zu leiten, und der gelehrte Herr, welcher mit seiner Anstalt in Verbindung steht, widmet gegenwärtig seine außerordentlichen Fähigkeiten der Aufgabe, die vorläufige Ankündigung aufzusetzen. Nebst einer Menge sonstigen brillanten Stoffes überhaupt wird es 78 Worte mit großen Anfangsbuchstaben und sechs Original-Zitate mit Anführungszeichen enthalten.


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