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Singinens Geschichten

Paula Dehmel: Singinens Geschichten - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
booktitleSinginens Geschichten
authorPaula Dehmel
year1921
publisherE. A. Seemanns Verlag
addressLeipzig
titleSinginens Geschichten
created20040620
sendergerd.bouillon
firstpub1921
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Von den tanzenden Sternen

Denkt doch: ich habe mit Sternen getanzt! mit gelben, grünen, roten und blauen Sternen! Es waren lauter Damen, und sie hatten sich blos so angezogen; aber man konnte sehn, daß sie Sterne waren.

Sie hatten Schimmerkleidchen an und goldene Schuhe, und trugen auf ihren Köpfen kleine Zittersternchen; das sah hübsch aus. Muttis Kleid war lang und blau und mit hundert silbernen Sternen bestickt.

Mutti hatte mich aus dem Bett geholt, damit ich alles sehn sollte, und ich durfte gleich im Nachtkittel mitkommen. Und die Sterne wollten mit mir tanzen, und ich kann ja noch nicht richtig tanzen, blos hüpfen, aber es ging ganz gut.

Da waren viele lustige Menschen, aber ich konnte sie nicht erkennen; sie hatten alle kleine schwarze Masken vor dem Gesicht. Blos Vater habe ich gleich erkannt, weil ich weiß, wie er geht. Er hatte einen geblümten Schlafrock an, und sein Kopf war der Mond, der richtige Vollmond. Und aus den Taschen von dem Vollmond guckten zwei kleine Monde raus, schmale dünne Möndchen mit ausgeschnittenen Gesichtern; das war sehr komisch.

Hinten in der Ecke machte ein großer Bär Kunststücke; und sieben Sterne, Mutti nannte sie die Plejaden, tanzten einen schönen Reigen um ihn herum. Den Bären hat gewiß Onkel Joachim gespielt; der macht immer so drollige Geschichten. Und gestern war sein Geburtstag, da hat er alle Gäste zu einem Himmel- und Luftfest eingeladen, wie mir Mutti erklärte.

Sie selbst war der Augusthimmel und warf kleine silberne Sternschnuppen unter die Leute, mit Schokolade drin; ich habe mir auch eine aufgefangen, sie schmeckte fein.

Und ein Mars war da mit einem Helm und Speer und Schild, und ein Jupiter mit einem Blitzbündel, und eine graue Wolke und eine weiße, und ein Sturmwind mit großen schwarzen Flügeln, und ein Regen. Dem Regen hingen lauter Bindfaden vom Kopf bis auf die Erde, und er hatte einen Krug mit Wasser; darin pantschte er herum und bespritzte uns, und wir mußten sehr lachen. Nachher schraubte der große Bär die Gasflammen runter, und die Plejaden sangen ein wunderschönes leises Lied; das klang ganz wie im Märchen.

Als das Lied aus war, mußte ich wieder zu Bett. Das war schade; aber ich habe nachher immer noch mit den Sternen getanzt.

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