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Singinens Geschichten

Paula Dehmel: Singinens Geschichten - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleSinginens Geschichten
authorPaula Dehmel
year1921
publisherE. A. Seemanns Verlag
addressLeipzig
titleSinginens Geschichten
created20040620
sendergerd.bouillon
firstpub1921
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Warum Singine Geschichten schreibt

Ich heiße Singine; ist das nicht ein schöner Name? Ich bin am Ostersonntag beim Glockenläuten geboren; ist das nicht ein schöner Geburtstag? Und weil ich einen so schönen Namen und einen so schönen Geburtstag habe, weiß ich gewiß auch oft so schöne Geschichten; das heißt, ich finde die Geschichten schön, und es macht mir Freude, daß ich sie mir selber ausdenken kann.

Feine Lieder und Gedichte kenne ich auch 'ne ganze Masse, und die stehn in keinem Schulbuch. Line singt manchmal so'was bei der Arbeit, auch die alte Margret unten im Dorf weiß allerlei nette Verschen; da paß ich auf und behalte sie im Kopf, das macht mir Spaß. Mutter und Vater bringen mir auch mal ein neues Gedichtchen zum Auswendiglernen. Und manchmal fallen mir auch selbst welche ein.

Ich habe aber keinen Bruder und keine Schwester, darum muß ich immer alles unserm Dorkas vorerzählen; das ist ein guter langhaariger Jagdhund, der hört artig zu, wenn ich ihn dabei kraue. Neulich kam grade Onkel Joachim dazwischen und hörte auch zu und wunderte sich, daß wir da beide zusammen auf der Treppe saßen und uns was erzählten.

Singine, hat er da mittenrein gesagt, Singine, weißt du was? Schreib doch alle deine Geschichten und Lieder auf, das ist ein schöner Zeitvertreib, und wenn du's gut machst, kommen sie vielleicht mal zu Weihnachten in ein richtiges Bilderbuch, und viele Kinder, die du garnicht kennst, kriegen deine Geschichten und Liederchen zu lesen; wär das nicht fein?

Da habe ich mich mächtig gefreut und bin gleich an meine Schublade gelaufen und habe mir ein neues Schulheft geholt, und nun will ich immer hübsch aufschreiben, wenn mir was Schönes einfällt, und wenn ich in der Stube bleiben muß. Es ist doch nett, wenn Kinder die Geschichten zu wissen kriegen, nicht blos Hunde; die verstehn ja doch nicht viel davon, finde ich.

Und richtigen großen Leuten mag ich nicht gern was erzählen. Die lachen immer so komisch und glauben mir nicht; und Geschichten müssen geglaubt werden, sonst ist es kein schönes Spiel.

Meint ihr nicht auch, ihr Kinder, da draußen in der großen Welt?

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