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Sind Götter?

Felix Dahn: Sind Götter? - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleSind Götter?
printrunZweite, durchgesehene Auflage
year1878
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VIII.

Das Fest der Sommersonnenwende wurde nun gar herrlich gefeiert in der Halle.

Und waren da wohl tausend Gäste innerhalb des Sales, viele Hunderte aber des Gesindes und der Knechte lagerten rings um den Bau im Freien.

Außer den Gästen aus Svearike waren da von allen Nachbarküsten und Eilanden viele Jarle, Goden und große Häuptlinge gekommen; so aus dem fernen Irland die Könige Konal und Kiartan aus Dyflin; aus Sialanda die Dänen-Jarle Hako und Sveno von Lethra; dann aus Westgothland die drei Brüder Arnbjörn, Arngeir und Arnolfr, Jarle der Westergothen; diese hatten lange in Blutrache, die erst kürzlich durch Sühnegeld beigelegt war, gelebt mit den beiden Fürstenbrüdern aus Ostgothland, Helge und Helgrimr.

Und waren diese beiden und jene drei Männer nur mit starkem Gefolge in vielen Waffen aufgebrochen, als sie vernahmen, daß auch die Gegner zu dem Feste Halfreds geladen seien.

Und hatte Halfred Sorge getroffen, daß die Gefolgen der Fürsten aus Westgothaland zur Linken, die aber aus Ostgothaland zur Rechten, beide im Rücken der Halle, in Tannenhütten untergebracht wurden.

Und trennte eine Holzwand mit starkverschlossener Pforte die beiden Lagerungen.

Aber auch aus andern Thälern von Svearike außer Tiundaland, aus dem Eisenland, aus Herjadal, Jemtland und Helsingaland waren viele Gäste gekommen, oft alte Feinde der Leute aus Tiundaland.

Es hatte aber das Fest sehr schönen Fortgang von Tagesanbruch an bis in die Nacht. Und da man in der Halle und draußen, wo das fremde Gesinde lagerte, viele Pechfackeln und Feuer anzündete – vor Halfred aber brannte der siebenarmige, schwere Leuchter – ward das erst ein recht frohes Sonnenfeuerfest.

Und sprangen die Männer, die Trinkhörner schwingend und leerend, über die Flammen und die Skalden sangen in Liedern, welche sie, plötzlich aufstehend, dichteten, in die Wette Loblieder auf Halfred und seine Thaten mit Hammer und Harfe und auf den Singschwan und die Halle und das Fest.

Und rühmten auch alle die fremden Könige, daß sie noch nie so herrliche Sommersonnenwende gehalten, weder daheim noch in den Hallen anderer Wirthe.

Halfred saß freudigen Herzens auf dem Hochsitz; er winkte seinem Harfenträger, ihm die Silberharfe zu bringen: denn er wollte endlich den vielen Ehrenliedern der Skalden und den Preiseworten der Gäste mit einem Dank- und Willkommlied erwidern, – – da begann das Geschehniß zu geschehen, das Halfred und sein Haus und die Männer von Tiundaland und alle Gäste und viele hundert andere Männer und Frauen, auch ganz fremde und ferne, welche nie von Halfred und Harthild gesehen oder gehört, in Blut und Feuer verderben sollte.

Auf that sich nämlich die Hauptthüre der Halle, gerade dem Hochsitz gegenüber, und herein schritt Frau Harthilt.

Hochaufgerichtet schritt sie, das Haupt in den Nacken geworfen; sie hatte einen langen, schwarzen Mantel um Haupt und Hals und Brust und den ganzen Leib geschlagen, er wallte nachschleppend hinter ihren Füßen wie Kräuselwoge hinter Ruderschiff.

Und Halfred sagte mir, ihm war damals, als schreite die furchtbarste der Nornen in den Saal.

Sie ging, gefolgt von Sudha und ihren Frauen, mitten durch die Halle, den Blick nur auf Halfred gerichtet.

Langsam, schweigend schritt sie die sechs Stufen des Hochsitzes hinan und hielt hart vor Halfred an dem Tisch.

Nur der schwere Leuchter stand zwischen beiden.

Alle Männer aber in der Halle verstummten und schauten empor zu dem schwarzen Weibe, das einer dunklen Wetterwolke glich.

»Halfred Hamundssohn,« – hob sie an und ihre Stimme war laut und doch ohne Klang – »Antwort erheisch' ich auf zwei Fragen vor diesen zehnmal hundert Hörern in deiner Halle. Lüge mir nicht!«

Da schoß Halfred das Blut in die Stirn. Mächtig fühlte er die Schläfenadern pochen: – »wenn ich spreche oder handle,« sagte er noch zu sich selbst, »weiß ich nicht, was ich sprechen oder thun werde: so will ich schweigen und nichts thun.«

Harthilt aber, die linke Faust in die Hüfte gestemmt, fuhr fort:

»Hast du mir in jener ersten Nacht, da ich deine Hand an meinem Gürtel festhielt und dich frug, ob du mir Liebe tragest, Ja! gesagt ober Nein!? Gieb Antwort, Sigskald, ich und die Götter wissen drum!«

»Ja,« sagte Halfred und furchte die Brauen.

»Und ist es wahr, was Vandrad der Skalde geschworen, daß du hier, in der Halle, beim Julfest, nach vielen Hörnern Methes, in übermüthiger Laune, gelobt, aus frevler Wettlust, vor der Sommersonnenwende die Manvitsbrecherin zu brechen, wie ein störriges Roß: und zur Lösung dieses Prahlworts auszogst du nach Tiundaland und bliebst ganz heil, wie du geseufzt, bei meinem Anblick?

Sage die Wahrheit – lüge nicht wieder –! dich hören tausend Hörer, du herrlicher Sohn des Wunsches, ist es so?«

Da ergrimmte Halfred im tiefsten Herzen, doch er bezwang sich und sprach fest und vernehmlich:

»Es ist wie du gesagt.«

Da richtete sich Harthilt noch höher empor und wie zwei Schlangen schossen die Blicke des furchtbarsten Hasses aus ihren Augen und sie sprach:

»So sei verflucht vom Scheitel bis zur Sole, der du ein armes Weib belogen und geschändet!

Fluch über deine stolzen Gedanken – Wahnsinn soll sie schlagen!

Fluch über deine falschen Augen – Blindheit soll sie treffen!

Fluch über deine lügenden Lippen – sie sollen verlechzen und nie mehr lächeln!

Fluch über deine schmeichelnde Stimme – sie soll verstummen!

Dein Haus und die Halle in Lohe verbrennen, verbrennen der Singschwan!

Hand soll dir erlahmen, Hammer nicht treffen, Harfe zerspringen.

Sieg sei dir versagt in Schlacht und Gesang.

Nichts soll dich mehr freuen, was sonst dich erfreut: die Sonne des Lenzes, die Blume des Waldes, das Feuer des Weines, der Amsel Gesang und des Abendsternes Gruß: schlummerlos wälze das stöhnende Haupt und naht dir der Schlaf, sei's mit würgendem Traum!

Doch zwiefacher Fluch soll euch beide zerfleischen, wenn Weibesliebe du wieder gewinnst.

In Irrsinn und Siechthum soll sie verderben, die du mehr als deine Seele liebst.

Aber der Sohn, den ich Unselige gebären muß, er soll der Mutter Rächer sein am Vater!

Lügnersohn, Neidingssohn, Harthiltsrache soll er heißen und dereinst dich Niederträchtigen treffen, wie vor allen Männern dich zu schänden dir jetzt in's Antlitz schlägt meine Hand!«

Und hoch erhob sie die flache Rechte und führte einen Streich über die Tafel hin nach Halfreds Haupt.

Dieser sprang empor: zur Abwehr solcher Schmach fuhr er mit dem linken Arm entgegen.

Da stieß er an den schweren siebenfachflammenden Leuchter: schmetternd schlug das Erz mit allen sieben Flammen auf Frau Harthilts Brust und Leib, dann zur Erde.

Wie vom Blitz entzündet stand das Weib in stammender Lohe, Mantel und Haare brannten hell auf.

Schon auch brannte das dichte trockne Stroh, das fußhoch den Estrich bedeckte.

»König Hartstein, räche dein armes Kind!« schrie Harthilt auf vor Schmerz; sie glaubte, aus Zorn habe Halfred den Leuchter auf sie geschleudert.

Dasselbe glaubte der König: und während Halfred rettend nach dem brennenden Weibe griff, schlug ihm König Hartstein mit dem Aufschrei: »Nieder du Neiding!« einen scharfen Schwertschlag an die Stirn, daß er betäubt niederstürzte.

Und hätte ihn da mit einem zweiten Streich getödtet, wenn nicht Gigil und Hartvik herzu springend den Blutbruder rasch davon getragen hätten.

Und war dies, daß Halfred gleich zu Anfang nicht abwehren und gebieten konnte, der Hauptgrund des Verderbens; er allein hätte das vermocht.

Nun aber erfüllte das brennende Weib und das flammende Stroh Alles mit plötzlichem Entsetzen –:

Die Leute aus Tiundaland fuhren auf in Wuth, da sie ihre Königstochter in Flammen niederstürzen sahen auf prasselndes Stroh: und die Genossen Halfreds rissen die Schwerter heraus, da sie ihren Herrn blutend fallen sahen: und Brand, Rauch, Geschrei der Weiber, Racheruf der Männer erfüllte den Saal.

Und brach da ein Kampf und ein Verderben los in der Halle, riesengroß, wie seinesgleichen, sagen die Heidenleute, nur zur Zeit der Götterdämmerung wieder kehren wird, wann alle Asen und Riesen, Wanen und Elben, Einherier, Menschen und Zwerge sich erschlagen und Himmel, Erde und Hel in Lohe verbrennen.

Harthilt trugen ihre kreischenden Frauen in brennenden Kleidern hinaus.

Nur Eine fehlte: Sudha drang durch Flammen und Waffen, wo Halfred auf der Blutsbrüder Knien lag:

»Todt?« rief sie –, »todt durch Sudha? So theilen wir den Tod, wenn nicht das Leben!«

Und zuckte Halfreds Dolch aus dessen Gürtel und stieß ihn tief sich in die Brust.

»Todt Halfred um meine schwatzende Zunge! Todt Sudha!« rief Vandrad der Skalde. »Ich räche dich, Halfred!«

Und riß einen Wurfspeer aus den Beutestücken, die an den flammenumleckten Holzpfeilern hingen, und warf ihn König Hartstein sausend in die Schläfe, daß er todt umfiel.

Wild aufschrieen da die Leute aus Tiundaland und ihre nahen Gesippen aus Westgothaland um Rache für Harthilt und König Hartstein.

Und der Jarl Arnbjörn aus Westgothaland faßte einen schweren ehernen Henkelkrug mit beiden Händen und schleuderte ihn auf Vandrads Stirn, daß dieser stürzte.

Als aber die Fürsten aus Ostgothaland dieses sahen, daß ihr Todfeind zu den Männern aus Upsala half, da fielen sie, Helgi und Helgrimr, mit ungefügen Streichen über die alten Feinde und die Gäste aus Upsala zusammen her.

Und konnte nun keiner mehr daran denken, zu löschen das prasselnde Stroh auf dem Estrich oder die leise brennenden Seiden- und Wollvorhänge an den Wänden oder die Holzpfeiler, an welchen die Gluth emporzüngelte.

Denn blindlings flogen schon Speere und Aexte und die goldenen und silbernen Trinkhörner: und mancher, der zum Frieden gemahnt oder die Brände hatte zertreten wollen, war gefallen, von beiden Seiten getroffen.

»Wollen wir allein müßig stehen von den fremden Gästen bei dieser blutigen Sonnwendfeier?« sprach da der Dänenjarl Hako zu dem Irenkönig Konal, »daß uns die Skalden trinktapfer, aber schlagfeige schelten? Wir haben einen alten Streit um geraubte Rosse, laß ihn uns hier ausfechten! du irischer Grünspecht!«

»Du Säufer aus Seeland!« gab dieser zur Antwort, »dir lösch' ich für immer den Durst und die Lästrung!« und stieß ihm das breite, kurze Iren-Messer durch die Zähne in den Schlund.

Da schlug Sveno, sein Bruder, grimmig auf den König ein und kämpften nun die Gefolgen, Dänen und Iren, für sich allein in der Vorderseite der Halle ihren Kampf: und sperrten so die Thüre, daß Niemand aus der Halle in's Freie sich retten konnte.

Und die keine Waffen bei sich hatten, rissen die Beutewaffen von den Pfeilern: oder schleuderten die schweren Trinkhörner und schon auch die flammenden Holzscheite und Balken, welche rings von dem Dachgezimmer niederstürzten: und statt der Schilde deckten sie sich mit den Tafeln der Tische.

Und schlugen nun wild durcheinander die Leute aus Tiundaland und Island, aus Westgothaland und Ostgothaland, aus Seeland und Irland. Und wußte kaum einer noch, wer Freund und Feind.

Und sanken viele, viele Männer durch Blutwunden und Brandwunden.

Und endlich hatte die Flamme das Dachgerüst durchbrochen und stieg hochauflohend zum Himmel.

Und als der Wind von oben in die schwelenden Vorhänge an den Wänden blies, da flackerten auch sie plötzlich in heller Lohe.

Und nun stürzte der Firstbalken krachend herab – – und darauf erscholl ein Ton, als ob vierzig Harfensaiten auf einmal sterbend aufschrieen. Und war das auch so: denn der Balken hatte Halfreds Silberharfe, die dicht neben seinem Haupte lag, mitten entzwei geschlagen.

Bei diesem schwirrenden Harfenschrei schlug Halfred die Augen auf und sah um sich: und kam ihm die volle Wahrheit.

Und sprang auf und schrie dröhnend durch Mord und Flammen, – Hartvik und Eigil hielten Schild und Schwert schützend über ihn: –

»Halt! Friede! Friede in der Halle! Zauber hat uns alle verwirrt! Löscht, löscht das Feuer, das uns alle verzehrt!«

Und so groß war sein Ansehen bei Freund und Feind, daß einen Augenblick alle innehielten.

Horch, da donnerten von außen an die Hinterpforte der Halle mächtige Axtschläge und der Ruf:

»Halfred, Halfred rette dein Haus, rette den Singschwan!«

Krachend fiel die Pforte einwärts und neues Verderben ward sichtbar, die in der Halle kaum für einen Athemzug erstickte Kampfesgluth neu entfachend.

Halfred sah durch die Thürpfosten: seine Erbhalle und die Schiffe im Hafen und der Singschwan standen in Flammen.

Die Gefolgen der Fürsten aus Westgothaland, die in den Tannenhütten gelagert waren, hatten zuerst den Lärm des Kampfes gehört und den Brand der Halle gesehen: »Zu Hülfe, zu Hülfe unseren Herrn!« schrien sie, rissen die Holzwand nieder, welche sie von der Methhalle schied, und wollten auf diese los eilen.

Aber da warfen sich ihnen ihre feindlichen Nachbarn, die Gefolgen der Fürsten aus Ostgothaland, entgegen, sie zu hemmen: waren jedoch zu schwach, das offene Feld zu halten und wichen theils in das Wohnhaus Halfreds, theils auf ihre Schiffe in dem Fjord zurück.

Jauchzend folgten die Sieger, drangen mit den Weichenden in die Wohnhalle Halfreds, stürmten gegen die Schiffe in der Bucht, und Wohnhalle und Schiffe standen plötzlich in Flammen, sei es von den Stürmenden in Brand gesteckt, sei es, daß der starke Südwind Funken und brennende Splitter von dem Dache der Methhalle herüber geweht hatte.

Halfred warf noch einen Blick auf seine zertrümmerte Harfe, auf das brennende Erbhaus seiner Väter – dann faßte er den Hammer fester und rief:

»Hierher alle zu mir, Halfreds Gesellen, räumet die Halle, rettet den Schwan!«

Und in mächtigem Anlauf, den Hammer um das Haupt schwingend, durchbrach er die Reihen der Männer, welche sofort den Kampf wieder erneut hatten.

Hartvik und Eigil folgten ihm auf den Fersen und viele der Seinen und auch der Feinde.

Die aber nicht mit ihm die Trinkhalle verließen, die waren gleich darauf fast Alle des Todes.

Denn mit dumpfem Krach fiel hart hinter Halfred das ganze brennende Balkendach nach innen in die Halle.

Halfred sah zurück im eiligen Lauf: hoch schlug die Lohe noch einmal empor und der Schrei von Hunderten Erschlagenen: dann ward es still in der Sonnwend-Festhalle.

Halfred rannte weiter, gefolgt von Freund und Feind, vorüber an seines Vaters Halle: er sah die Flammen an den Pfeilern emporsteigen und von drinnen scholl wüster Mordlärm.

Eine erschlagene Magd lag auf der Schwelle.

Bald hatten Halfred und die Seinen die Bucht erreicht, wo der Kampf um die hochbordigen Schiffe wogte. Viele brannten. Manches Drachenhaupt schien Feuer und Rauch zu speien.

Um den Singschwan aber tobte am grimmigsten der Streit: dicht geschart umdrängten ihn die Feinde: watend, schwimmend, in Boten und auf Flößen drangen sie hinan, andere schossen vom Lande Pfeile und Speere auf die Vertheidiger: und mehr als ein Brandpfeil hatte zündend getroffen.

Der linke Flügel des kunstvoll geschnitzten Schwanes stand in Lohe, die Taue und Segel hinan züngelte die Flamme: gerade, als Halfred das Gestade erreichte, erfaßte sie den Mastbaum.

Da ergriff ihn Schmerz und Grimmzorn, die Schläfenader schwoll ihm fast wie ein Kindesfinger an:

»Löscht, löscht! all' ihr Hände auf Deck! Rettet den Schwan! Durchhaut die Ankerseile, treibt in See! Fechtet nicht mehr, fechten will ich für euch Alle!«

Und die Getreuen gehorchten: die Schiffsmänner ließen vom Kampf und mühten sich nur, die Flammen zu löschen, was auch bald gelang, als keine Brandpfeile mehr vom Lande flogen und die Feinde von dem Schiffe lassen mußten.

Denn Halfred wüthete grimmig, wie man ihn nie hatte kämpfen sehen: mit lautem Schlachtruf sprang er auf die Leute aus Westgothaland und Tiundaland und schlug sie nieder, einen nach dem andern.

Getreulich halfen im Hartvik und Eigil, seine Blutsbrüder, und schonten diese ihre eigenen Landsleute und Vettern gar nicht, sondern gedachten des Bluteides, der sie enger an Halfred band als an die eigenen Gesippen.

Und wichen die Feinde vor Halfred und den Seinen aus dem freien Felde in das Erbhaus, das halb niedergebrannt war, und verrammelten es.

Und so stürmte er sein eignes Erbhaus, in welchem die Leute aus Westgothaland vordem über die Hausleute und die Ostgothamänner gesiegt und alle erschlagen hatten.

Eine ganze Stunde noch währte der Kampf.

Da erschlug Halfred auf der Schwelle seines Hauses den Dänen-Jarl Sveno, den letzten Häuptling der Feinde, der noch lebte, drang in das Haus und hinter ihm die Seinen.

Die Leute aus Westgothaland, Seeland und Tiundaland wehrten sich wie umstellte Bären: aber endlich waren sie alle, alle erschlagen.

Und von da zog Halfred nach der Methhalle, die noch immer glühte, und forschte, wer da noch lebte.

Aber auch da waren alle todt.

Und fanden sie die Leiche von König Hartstein und Sudha, von dem Dänen Hako und den zwei Iren Konal und Kiartan, von dem Ostgothenfürsten Helge – Helgrimr war bei den Schiffen gefallen – und von Arngeir und Arnbjörn – Arnolfr war bei dem Erbhause erschlagen – und fanden Vandrad den Skalden im Sterben.

Der sagte noch Halfred, wie ihn Sudha zum Reden gebracht und bat ihn, er möge ihm so vieler Helden Tod verzeihen.

Und Halfred hielt seine Hand, bis er gestorben war.

Frau Harthilds Leiche aber fanden sie nicht, obwohl viele ihrer Frauen in dem Erbhause verbrannt und erschlagen da lagen.

Manche Leichen waren aber auch ganz unkenntlich, verbrannt und verkohlt.

Und sie wandten sich suchend nach den Schiffen.

Und waren da alle Schiffe der fremden Gäste verbrannt und alle der Isländer, die in der Bucht lagen: denn zuletzt hatte bei Halfreds grimmen Schlägen niemand mehr an löschen gedacht.

Und rief Halfred mit dem Heerhorn den Singschwan herbei, der im Mondlicht gerettet schwamm, und stieg mit seiner kleinen Schar an Bord.

Und lagen da erschlagen viele hundert von Halfreds Isländern.

Die fremden Gäste aber, die zum Sonnwendfest gekommen waren, lagen alle, alle todt bis auf Hartvik und Eigil.

Und zählte Halfred, als er alle Häupter zum Maste zur Musterung rief, noch siebzig Männer am Leben.

Alle andern waren gefallen in der einen Sommersonnwendnacht: und kam nach dem wüsten Lärm eine grausige Stille über Strand und See: und traurig und schweigend schwamm der Singschwan mit versengtem Flügel im Mondlicht über den Fjord.

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