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Sind Götter?

Felix Dahn: Sind Götter? - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleSind Götter?
printrunZweite, durchgesehene Auflage
year1878
correctorreuters@abc.de
secondcorrectort-stur@altmuehlnet.de
senderwww.gaga.net
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VII.

Und als der Hochwinter vergangen und der Lenz gekommen war, sandte Halfred Botschaft gen Upsala zu König Hartstein, daß zur Sommersonnenwende Frau Harthild eines Kindes genesen werde.

Und hätten die weisen Frauen Stabrunen über sie geworfen siebenmal und jedesmal aus untrügenden Zeichen erkannt, daß das Kind ein Sohn sei.

Und habe man ihm schon den Namen erkoren: Sigurd Sigskaldsohn.

Und lud Halfred den König und Hartvik und Eigil und Vandrad den Skalden und alle Burgleute zu Upsala, soviele die Schiffe fassen würden, zu sich zu Gast nach Hamunds-Halle, zwanzig Nächte vor der Sonnenwende.

Und sollte da zur Geburt und Namengebung des Knaben ein großes Fest gefeiert werden, wie nie zuvor gehalten worden auf Island.

König Hartstein aber gab Bescheid, daß er und all die Seinen, soviel zwölf Schiffe tragen könnten, dem Gastgebote folgen würden.

Und kamen denn auch zu Anfang des Sommerhüttenmonats König Hartstein und Hartvik und Eigil und viele hundert der Burgmänner von Upsala und Leute aus ganz Tiunda-Land.

Und unter den Frauen, welche mitgekommen waren, stieg als die Erste von Bord Sudha; sie hatte gebeten, sie mitzunehmen, aus Sehnsucht nach Harthild.

Es war aber wieder große Freundschaft unter Halfred und seinen Blutsbrüdern Hartvik und Eigil: sie theilten Tafel, Salz und Brod.

Und erwartete man die Geburt des Hallerben auf die Sonnwendtage und rüstete in der Methhalle ein großes Fest.

Reiche Wandverhänge aus gewebten und seidnen Stoffen, die Halfred aus den Inseln von Grekaland davon getragen, wurden da an den Holzwänden der Trinkhalle aufgezogen; der Boden ward mit Binsen und reinem Stroh fußhoch bestreut, die langen Tafeln und Bänke waren in einer Querreihe und zwei Langreihen aufgestellt.

An allen Pfeilern der Wände aber hingen künstlich durcheinandergesteckt Beutewaffen, welche auf geentertem Schiff, gestürmter Burg, gewonnener Walstatt der Wiking aufgelesen.

Auf den Schenktischen umher aber waren die vielen Becher und Hörner aufgereiht aus Gold, Silber, Erz, Bernstein und Edelgehörn, welche der Sigskald in den Hallen der Könige ersungen hatte.

Auf dem Hochsitz war für König Hartstein zur Rechten des Hauswirths ein Thronstuhl gestellt.

Vor Halfred unmittelbar aber ragte der halbmannshohe Leuchter aus Grekaland mit den sieben flammenden Armen.

Eigil und Hartvik sollten zu seiner Linken, die Gäste aus Tiundaland und die andern Fremden auf der Langbank zur Rechten, die Hausleute aber und die Inselmänner auf der Langbank zur Linken von dem Hochstuhl sitzen.

Die vornehmsten der Gäste erhielten sogar auch Rückenpolster, welche aus einem verbrannten Säulen-Marmorhause an der Küste von Rumaburg stammten.

Die Frauen aber sollten die Halle nicht betreten, sondern bei Harthild im Frauensale weilen, deren Stunde zu erwarten.

So war Alles schön geordnet und sagte mir Halfred selbst, daß er weder als Gast noch als Wirth jemals herrlichere Festrüstung gesehen habe.

Zwei Tage vor dem Fest, als Halfred sonnen- und sommermüde nach dem Mittagsmal auf seinem Lager lag, glitt Sudha leise in die Thür, trat vor ihn und sprach:

»Halfred, Singkunst, Sieg und Ruhm hast du seit zwanzig Jahren, du hast ein Weib seit einem Jahre, du wirst einen Erben haben in Bälde. Niemals aber hast du Freya's Gabe, die Voll-Liebe, gekannt – widerrede mir nicht –: dein Auge meidet Frau Harthilds suchenden Blick und wenn du in die Saiten deiner Harfe träumend greifst, schaust du nicht in Frau Harthilds hart-herbes Gesicht, sondern aufwärts nach den Sternen.

Halfred, nicht in den Wolken weilet, was du ersehnst, nicht aus den Sternen wird dir's niederschweben: auf Erden wandelt es dahin, es ist ein Weib, das den Singschwan mit Liebreiz, mit Weibeszauber zwingt.

Wehe dir, wenn du sie niemals findest.

Und gewinnst du allen Ruhm mit Schwert und Harfe – das Beste bleibt dir dann doch versagt.

Du fragst, was mich so weise macht und so kühn zugleich?

Die Liebe, die Voll-Liebe zu dir, du reicher, armer Sigskalde.

Sieh, ich bin nur ein Weib, eine Gefangene, aber ich sage dir, es giebt auch ein Weibes-Heldenthum.

Ich habe es mir bei den untern Göttern gelobt, als ich deine Heimatherde betrat: hier auf Island gewinne ich mir deine Liebe oder den Tod.«

Da stand Halfred auf von seinem Lager und sprach:

»Weisheit und Wahnwitz hast du gemischt geredet. Aus dir redet mehr als Sudha, redet ein göttergeschlagener Geist.

Mich ergreift Grauen und Mitleid: ich will von König Hartstein deine Freiheit fordern: dann ziehe heimwärts nach Halogaland: dort magst du Glück finden in eines wackern Helden Armen: hier aber sei dir heilig Frau Harthilds Recht und Herd, nicht störe ihr Glück.«

Und er ergriff seinen Speer und schritt hinaus. Sudha aber rief ihm nach, daß er's noch vernahm: »Ihr Glück? sie ahnt ihr Elend längst; bald soll sie klar erkennen, die Hochfährtige, daß sie unendlich elender ist als Sudha.«

Am Abend desselben Tages aber rief sie Vandrad den Skalden, der noch immer große Liebe zu ihr trug, an den Brunnen im Hofe, wie ihn zu bitten, ihr den schweren Wassereimer aus der Tiefe zu ziehen, so hat Vandrad sterbend später Halfred selbst erzählt.

Als er aber den Eimer auf den Brunnenrand gehoben hatte, legte sie leise einen Finger auf seinen nackten Arm und sprach:

»Vandrad, komm' heute Nacht hieher, wenn der Stern Oervandils sich just in diesem Brunnen spiegelt. Du sollst mir alles sagen, wie das damals herging bei dem Gelübde auf den Bragibecher.«

Vandrad bedachte sich und sah sie zögernd an.

Da sprach sie: »Vandrad, ich schwöre dir bei Freya's Halsgeschmeide, ich werde dein Weib, wenn ich dies Eiland verlasse. Willst du nun kommen, und Alles mir künden?«

Da gelobte Vandrad zu thun, wie sie begehrt.

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