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Sind Götter?

Felix Dahn: Sind Götter? - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleSind Götter?
printrunZweite, durchgesehene Auflage
year1878
correctorreuters@abc.de
secondcorrectort-stur@altmuehlnet.de
senderwww.gaga.net
created20070606
modified20141208
projectid4bd1fc12
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VI.

Am Tage nach der Hochzeit aber ritt Halfred allein in den Föhrenwald.

Er wollte sinnen, sagte er, und wies Harthild, die mit ihm reiten wollte, und auch sein Blutsbrüder zurück.

Finster sah ihm Harthild nach, als er aus dem Hofe ritt.

Aber auch Sudha, die schöne Königstochter aus Halogaland, sah ihm nach aus einem verhangenen Fenster und strich langsam ihr blauschwarzes Haar aus den Schläfen.

Es trug aber Vandrad der Skalde, der manchmal an Hartsteins Hofe zusprach und auch diesmal dort zugegen war, seit lange Liebe zu Sudha.

Und hatte er oft von König Hartstein ihre Freilassung erbeten, aber umsonst: der harte Mann wies ihn immer ab.

Und hatte sie ihm früher nicht ungern zugehört, wenn er sang.

Als er aber in diesen Tagen zu ihr trat und ihr von einem Liede sprach, das er ihr zum Preise gedichtet, wendete sie sich ab und sagte: »Nur Einem haben die Götter Honig auf die Lippen gelegt.«

Und als gegen Abend Halfred aus dem Föhrenwalde nach der Königsburg zurück lenkte – er führte das müde Roß am Zügel, denn der Mond schien nur ungewiß durch sturmzerrissen Gewölk, – da saß auf dem Runenstein, hart am Wege, ein tief verhülltes Weib, rief ihn an und sprach:

»Halfred, Hamunds Sohn, warum reitest du am ersten Tage deiner Ehe einsam in dem Föhrenwald?«

»Wenn du das weißt, o weise Wala,« sagte Halfred anhaltend – und einen Seufzer hauchte er – »dann weißt du mehr als Halfred, Hamunds Sohn.«

»Ich will dir's sagen,« sprach die Verhüllte, »du hast ein Weib gesucht und eine Männin gefunden, rauh und herb und ohne Reiz. Der Singschwan hat sich mit des Geiers Brut gepart. Du korst den harten Kieselstein – daneben lag zu deinen Füßen, glühend empor duftend, die Rose.«

Da schwang sich Halfred auf's Roß und rief der Verhüllten zu:

»Höher halt' ich das Weib, das zu hart ist, als das zu heiß!«

Und sprengte davon.

Und sah, wie er mir sagte, nur einmal zurück. So schön, sagte er, war sie nie zuvor gewesen im Tagesglanz wie nun im Mondlicht: ihre schwarzen Augen leuchteten – denn sie hatte die Kopfhülle herabgerissen – und sie rief ihm seinen Namen »Halfred!« nach – und ihr blauschwarzes Haar flatterte im Nachtwind wie ein Geisterschleier um sie her.

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