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Sind Götter?

Felix Dahn: Sind Götter? - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleSind Götter?
printrunZweite, durchgesehene Auflage
year1878
correctorreuters@abc.de
secondcorrectort-stur@altmuehlnet.de
senderwww.gaga.net
created20070606
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projectid4bd1fc12
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V.

König Hartstein aber verlangte Aufschub bis Hartvik und Eigil zurückgekehrt wären von einer Heerfahrt: dann sollte ihr Empfangsfest und die Hochzeit zugleich gefeiert werden.

Es war aber Hartvik der Sohn des Königs, der ächte Bruder Harthilds, und Eigil war ein Brudersohn des Königs und Harthilds Vetter.

Und hätte gerne Harthild als sein Weib davon getragen; aber diese hatte ihm gesagt: »Räthst du mein Räthsel nicht, wird dir dein verschnitten Haar zum Schmerz; und räthst du mein Räthsel und werd' ich dein Weib, so wird dir das noch viel härterer Schmerz. Denn mein Herz weiß nichts von Liebe zu dir und wehe dem, der mich ohne Liebe zum Weibe gewinnt.«

Da stand Eigil traurig ab, obwohl er ein guter Räthselrather war. –

Und als Hartvik und Eigil eingetroffen waren, wurde das bald eine große Freundschaft zwischen Halfred und Hartvik und Halfred und Eigil und liebten ihn beide bald so sehr, daß sie sagten, sie wollten ihr Leben für ihn lassen.

Und ist das zwischen Halfred und Hartvik kein großes Wunder, weil eben Halfred aller Menschen Herz gewann.

Aber das mag wohl Viele erstaunen, daß auch Eigil ihn so lieb gewann, der doch noch immer große Liebe zu Harthild trug wie zuvor und der doch deutlich sah, wie alle, welche Augen hatten, daß die herbe Jungfrau, die Manvitsbreka, ganz erfüllt war von Liebe zu Halfred.

Und Eifersucht läßt doch sonst oft nicht erkennen, daß die Nachtsängerin lieblichere Stimme führt denn die Nebelkrähe.

Hartvik und Eigil liebten nun aber Halfred so sehr, daß sie ihn baten, sie als Blutsbrüder anzunehmen.

Und an dem Tage, ehe man die Hochzeit rüstete, wurden also Hartvik und Eigil Halfreds Blutsbrüder.

Sie traten mit ihm – wie die Heidenleute thun – unter einen Rasenstreifen, der auf Speeresspitzen über ihre Häupter erhöht wurde, an beiden Enden mit der Erde noch zusammenhaltend.

Und mischten das Blut, das aus ihren geritzten rechten Armen zur schwarzen Erde unter ihren Füßen träufelte.

Damit verwünschten sie ihre Häupter auf ewig den untern Göttern, wenn je einer der Blutsbrüder den andren in Gefahr und Noth verließe.

Und so stark gilt dieser Bund und Schwur, daß selbst gegen die eigenen Gesippen, ja gegen den eigenen Vater, der eine Blutsbruder dem andern im Kampfe beistehen muß bis auf den Tod. –

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