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Sind Götter?

Felix Dahn: Sind Götter? - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleSind Götter?
printrunZweite, durchgesehene Auflage
year1878
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III.

Und war er nun schon viele Jahre als Wiking und als Skalde umher gefahren und hatte Ruhm und rothes Gold gewonnen und feierte das Julfest wieder einmal daheim in der Halle.

Und waren da sehr viele hundert Männer in der Methhalle versammelt, die er gezimmert hatte: alle seine Segelbrüder und sehr viele Inselmänner und auch viele fremde Gäste aus Austrvegr und bis aus Hlymreck und Dyflin aus den Westerwogen, darunter auch der Skalde Vandrad aus Tiundaland.

Und der Bragibecher kreiste und viele Männer legten Gelübde darauf ab und mancher vermaß sich kühner Werke, die er vollführen wollte binnen Sonnenwende oder er sei todt. Halfred aber hatte auch wie die Gäste des Methes sehr viel getrunken und mehr als selbst ihm gewöhnlich war, wie er mir selber später ernsthaft gesagt hat.

Und das deuteten ihm die Heidenleute auch als eine Wundergabe seines Vaters, des Wunsches, daß er viel, viel mehr trinken konnte als andere Männer, ja – sie priesen ihn darum sehr glücklich – so viele Vollhörner als er wollte, ohne daß der Reiher der Vergessenheit streifend über seine Stirn rauschte.

Aber das ist thöricht geredet: denn auch ich kann den Reiher scheuchen, wenn ich bei jedem Trunk mir still was denke und nicht viele Trinksprüche rede; denn solche locken den Reiher heran.

Halfred nun hatte zwar viele Hörner geleert, aber er hatte noch kein Gelübde gelobt: schweigend und würdevoll saß er auf dem Hochsitz, wie dem Hauswirthe geziemt, mahnte die des Trinkens Säumigen, – es waren aber ihrer nicht viele – indem er ihnen das Trinkhorn durch den Mundschenk sandte und lächelte leise, wenn mancher Gelübde gelobte, die er nicht leisten würde.

Da stand der Skalde aus Tiundaland, Vandrad, von seiner Bank auf, trat auf des Hochsitzes zweite Stufe und sprach: – Halfred hatte ihn fünfmal besiegt und doch war ihm der Skalde ein treuer Freund und hold: –

»Gelübde gelobt hat hier gar mancher
Geringe Gast:
Aber Halfred, der Herr der Halle,
Hielt sich verholen bisher:
Ich lobe den Hehren:
Nicht hat er's noch nöthig:
Sein Name genügt ihm, –
Doch miß' ich im Methsal,
Dem Mächtigen, Eines:
Es mangelt dem Manne
Die Maid, das Gemahl:
Wie wonnig erst wär' es,
Wenn hehr von dem Hochsitz
Hellleuchtender Hand
Das Horn uns herunter
Die herrliche Herrin
Harthild hielte.«

Alle Gäste schwiegen, da Vandrad so gesprochen hatte; Halfred sah hoch auf ihn hernieder und ganz leise, sagte er mir später, fühlte er die Ader an der Schläfe schwellen, als er den Skalden lächelnd fragte: – aber das Lächeln war ein Königslächeln, nicht ein Kindeslächeln –

»Was hast du von Harthild
Holdes und Hohes
In Halfreds Halle
Hier zu verherrlichen?«

Da sprach Vandrad:

»So Vieles weißt du,
Wegwallender Wiking,
Und hast von Harthild
Nicht Herkunft noch Hochruhm
Harfen gehört?
Aus Upsalas altem,
Uredlem Abstamm
Ist sie entsprossen,
Hartstein, der hagre,
Heißet ihr Vater,
Der reiche König
Weitreichenden Ruhmes.
Treu trägt er die Tochter
In trutzendem Hochsinn:
Er weigert die Werbung,
Wer nicht im Wettkampf
Des Wurfs ihn bewältigt.
Nicht minder meidet
Die Männer das Mädchen,
Selbst männischen Muthes:
Rühmt sich mit Recht
Der Räthselrunen
Wie kein Skalde
Kundig zu sein.
»Man-Vits-Breka«
Nennt man im Nordland
Sie neidend mit Namen:
Jeglichem Jüngling,
Der ihr das Ehjoch
Werbend ansinnt,
Sagt sie dasselbe
Versiegelte Räthsel:
Denn keiner noch konnte
Der Klügsten es künden:
Und schmählich verschneidet
– Denn so ist die Satzung –
Mit scharfer Schere
Hohnlächelnd die Harte
Dem Helden das Haar.«

Da schwoll Halfred die Stirnader mächtiger an, er schüttelte das gewaltige, schwarze Gelock, das ihm bis auf die Schultern wogte, in den Nacken, und stürzte ein tiefes Trinkhorn hinab; dann sprang er vom Hochsitz und griff nach dem Bragibecher, auf welchen die Gelübde geleistet werden: einmal noch hielt er an sich, setzte den Bragibecher nieder und fragte:

»Schnell sage noch, Skalde,
– Du schautest sie oft schon –
Die Männer-Scheue,
Ist sie auch schön?
Die Man-Vits-Breka.
Wie stünd' ihr das Brautband?«

Vandrad gab Bescheid:

»Nicht leis und linde
Ist sie, noch lieblich:
Doch stolz und stattlich
Steht ihr die Gestalt
Und keine könnte
So kühnlich tragen
Königskrone.«

Da nahm Halfred den Bragibecher wieder auf, schritt auf die oberste Stufe, die zu seinem Hochsitz führte und blieb stehen, wo gerade in der Mitte mit rothen Runen ein Kreis in den Eichenestrich gebrannt war, so schmal, daß ein Mann nur mit Einem Fuß darein treten konnte: Halfred kniete nieder, setzte dabei den linken Fuß in den Kreis und hob den Bragibecher mit der Rechten hoch über sein Haupt.

Und Alle waren sehr begierig zu hören, was er nun spräche: denn das ist ja die allerstärkste und feierlichste Art, Gelübde zu leisten. Halfred aber sprach:

»Bevor noch des Sommers
Sonnenwende
Zur See sich gesenkt hat,
Hol' ich Harthild,
Hartsteins Tochter,
Mir als Hausfrau
Hierher in die Halle:
Sonst halte mich Hel.

Ihre spitzen Sprüche,
Ich will sie sprengen:
Ihre Runenräthsel
Will ich rathen:
Unverschoren, unverschändet,
Diesen schwarzen Scheitel schütteln:
Ihr mannverachtend
Magdthum meistern,
Will Weibes-Weise
Sie gewöhnen:
Die Man-Vits-Breka
Will ich brechen:
Einen edlen Erben
All' meines Eigens
Soll sie im Sal bald
Säugen, den Sohn, mir
Und in Schlaf ihn singen
Mit seines Vaters
Siegesgesängen:
Sonst halte mich Hel.«

Das war damals des Julfestes Ende: denn alle Gäste fuhren mit großem Geschrei von ihren Sitzen empor und lärmten durcheinander und tranken Halfred Heil zu und riefen, das sei das beste und trefflichste Gelübde, das seit Menschengedenken gelobt worden im Nordland.

Und ward der Aufruhr so groß, daß Halfred von dem Hochsitz herab Einhalt gebieten mußte und den tosenden Helden bald den Endetrunk reichen ließ.

Und Halfred sagte mir, daß ihn, als er unter den Sternen hin über den Hof nach seinem Schlafhause ging, das Gelübde reute: nicht, weil er König Hartsteins Hammerwerfen fürchtete oder seiner Tochter Räthsel scheute: aber weil es für einen Mann weiser ist, eine Jungfrau erst zu schauen, bevor er sie zu seinem Weibe bestimmt.

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