Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Sind Götter?

Felix Dahn: Sind Götter? - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleSind Götter?
printrunZweite, durchgesehene Auflage
year1878
correctorreuters@abc.de
secondcorrectort-stur@altmuehlnet.de
senderwww.gaga.net
created20070606
modified20141208
projectid4bd1fc12
Schließen

Navigation:

II.

Und alsbald ward es kundbar, Halfred rüstete seine besten Hausleute und seine Gefolgen mit guten Waffen, auszufahren als Wiking auf Sieg und als Skalde auf Sang.

Und auf ganz Island und den Inseln rings umher ward groß Gerede von dem Singschwan, den der Wunsch selbst – das ist der Heidenleute Gott – dem Halfred Hamundsohn gesendet, und sie sagten: »Er ist des Wunsches Sohn: nichts wird ihm mißrathen in Manneshaß und Weibesliebe, in Schwertschlag und in Harfenschlag und reiche Beute und reichen Skaldenlohn wird er gewinnen, und seine milde Hand kann nehmen und spenden, aber nichts behalten.« – Und kamen da Viele zu ihm gezogen, die seine Segelbrüder werden wollten, bis aus den fernsten Eilanden der Westersee, daß er hätte sieben Schiffe füllen können. Er füllte aber nur den Singschwan mit dreihundert Mannen, die er selbst erlesen, und fuhr mit ihnen in See.

Und wäre nun viel davon zu erzählen, welch' große Siege Halfred mit Hammer und Harfe viele Jahre lang erstritten auf allen Meeren von Mikilgard, das die Lateiner Byzantium nennen, bis nach der Insel Hibernia im fernen Westen.

Und habe ich alle diese Thaten und Siege, Fahrten und Gesänge und Wettkämpfe in Waffen und Harfenspiel schon als Kind am Herdfeuer des Klosters von den Skalden singen hören und von fahrenden Gästen erzählen, lange ehe ich in Halfreds meergraues Auge sah.

Denn während der langen Zeit, da er verschollen war und der Singschwan aufgeflogen war in Lohe und alle Leute Halfred für todt hielten, dichteten die Skalden viele Lieder von ihm. Aber das war später.

Damals zog also Halfred überall umher, siegend und singend in Meerkampf und Hallenkampf. Und weil er alle Skalden im Wettgesang besiegte, nannten ihn die Leute Sigskald, und daher, nach rückwärts prophezeiend, erfanden wohl die Heidenleute die Fabel von der Elbin, die ihm Honig und Namen gab in der Wiege.

Und große Beute und viele hunderte von Ringen rothen Goldes erwarb er und vergabte sie wieder an seine Segelbrüder.

Und häufte doch noch reichen Hort auf dem Singschwan und brachte auch viel reiches Gut nach Hamundshalle, wo er weilings überwinterte.

Und er wölbte die Halle viel herrlicher und baute gegenüber einen weiten Methsal, wo tausend Männer trinken konnten, und hatte der Hochsitz in der Methhalle sechs Stufen.

Aber das reichste Stück aus all seiner Beute war ein Leuchter, – »Lampas« nennen ihn die Griechenleute, – halb mannshoch, goldgediegen, mit sieben flammenden Armen: den hatte er fern in Grekaland aus einer brennenden Marmorburg davon getragen.

Und dies Kleinod hielt Halfred selber hoch, der sonst des Goldes nicht achtete: und zum Julfest und zur Sommer-Sonnenwende und zu allen hohen Festen mußte er dicht vor ihm auf dem Tische stehen und siebenfach flammen.

Aber das, was alle Leute am meisten wunderte, war, daß alle Leute Halfred hold werden mußten, die ihn sahen und singen hörten; oft geschah es, daß auch Skalden, die er im Wettkampf besiegt hatte, selbst große Liebe zu ihm faßten und seine Weisen mehr lobten als die eignen.

Das ist nun aber wohl das Allerunglaublichste, was von Skalden gesagt werden mag. Dagegen ist es ein kleines, daß ein Freier, den er in eines Weibes Gunst überwand, sein Freund und Blutsbruder wurde. Aber das war später. –

Und weil das nun Allen ganz übermenschlich schien, ersannen sie, wie die Heidenleute sind, jene Märlein, daß er des Wunsches Sohn gewesen, daß ihm daher nicht Manneszorn, nicht Mädchentrotz habe widerstehen mögen, daß ein Gott seiner Stirne voran geflogen sei, der alle Blicke geblendet habe und solcher Fabeln viele.

Zumal sein Lächeln aber, sagen sie, soll alle Herzen bezwungen haben wie Hochsommersonne mürbes Eis.

Und auch davon erzählen sie eine Geschichte.

Er fand nämlich einmal in tiefem Winter am Fuß des Snaeja-Fjoell ein verirrtes Mägdlein von fünf Jahren, das war am Erfrieren und wußte nicht den Weg nach seiner Mutter Hütte. Und obwohl Halfred sehr wegmüde war und viele Gefolgen bei sich hatte, schickte er doch die Gefolgen allein nach der Halle, nahm das Kind selbst auf die Schulter und wanderte noch viele Rasten, stets den kleinen Fußtapfen des Mägdleins folgend, das tief eingeschlafen war, bis er die Hütte der Mutter fand. Und er legte der Mutter das Mädchen in die Arme: und da erwachte es und lächelte: und die Mutter wünschte ihm als Dank, er solle fortan lächeln wie das Kind, da es die Mutter wieder sah. Und das habe ihm der Wunsch erfüllt.

Aber das ist eine Wahnrede der Heidenleute, da es keinen Wunschgott gibt und keine Heiden-Götter und vielleicht auch kein ......(Hier ist das Pergament durchlöchert und mit anderer Dinte sind drei Kreuze über die ausgebrannte Stelle gezeichnet.)

Ich sage: das Kind mag er selbst mit Mühe der Mutter zugebracht haben: mancher Wiking hätte es aus Erbarmen nur tiefer in den Schnee gedrückt, die besten hätten es einem Gefolgen zum Mittragen in die Halle gegeben; aber der Mutter selbst durch den Schnee zurückgetragen, das hätte kein Wiking gethan, den ich kenne, wenn er nämlich müde war und hungrig.

Ich sage also: in Halfred war eine große Gütigkeit des Herzens, wie sie sonst nur unschuldige Kinder haben. Und deßhalb war sein Lächeln herzgewinnend wie der Kinder Lächeln ist. Und daraus haben dann die Heiden jene Gabe des Wunsches gedichtet.

Denn daß er das Kind der Mutter gebracht, das glaube ich freilich selbst ganz und gar von Halfred. Und wäre ich der Letzte, das nicht von ihm zu glauben.

Aber auch sehr zornmüthig konnte er plötzlich werden, wenn ihm die Ader an den Schläfen schwoll: dann sprang er oft, wenn der Feind durch Gegentrotz ihn reizte, blind wüthend in die Speere wie ein Berserker.

Auch darüber erzählen sie viele Geschichten von Göttergaben, daß ihn die Mädchen lieb hatten. Aber das ist nicht übermenschlich, wie nahezu jenes ist, daß ihn besiegte Sänger liebten.

Denn er war von leuchtendem, mächtigem Antlitz, das keiner vergaß, der es geschaut, und von herzgewinnender, weicher und doch starker Stimme. Er mied rohen Scherz und es fiel ihm stets von jedem schönen Mädchen ein, warum sie so schön sei: und er wußte ihr das wie ein Räthsel zu sagen, daran sie selber lange gerathen.

Aber auch andere Räthsel wußte er gut zu rathen.

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.