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Sind Götter?

Felix Dahn: Sind Götter? - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleSind Götter?
printrunZweite, durchgesehene Auflage
year1878
correctorreuters@abc.de
secondcorrectort-stur@altmuehlnet.de
senderwww.gaga.net
created20070606
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XV.

Als Halfred sich wieder erhob, – er hatte schon lange vorher die Besinnung wieder gefunden, aber nicht die Kraft aufzustehen – neigte sich die Sonne zum Niedergang.

Er rief den sechs Schiffsgenossen, welche sich scheu am Steuer und im Zwischendeck gehalten hatten, und sprach, und seine Stimme, sagte er mir selber, klang ihm fremd wie die eines Andern.

»Sie ist todt. Todt um fremde Schuld.

Es sind keine Götter.

Ich müßte ihnen Allen, Kopf für Kopf, mit diesem Hammer das Hirn zerschlagen.

Die ganze Welt, Himmel und Meer und Erde und Hela müßte ich verbrennen in zehrendem Feuer.

Nichts sollte mehr sein, da Thora nicht mehr ist.

Die Welt kann ich nicht zerstören.

Aber das Schiff und Alles was darauf ist, verbrenne ich, ein großer Leichenbrand für Thora.

Thut, was ich euch sage!«

Und er bettete mit zärtlichen Händen die todte Thora in den Blumenberg, daß man fast nichts von ihrem Leib und Gewande sah.

Und auf sein Gebot mußten die sechs Männer alle Waffen, Kleinode, Kleider und Geräthe aus dem Hort des Singschwans von dem Schiffsbauch empor auf Deck tragen.

Und häufte sie Halfred alle rings um den Mast auf den Blumenberg: und Purpurkleider, Linnentücher, Seidengewebe, Goldgeschirre, weiche Polster thürmte er ringsumher.

Dann übergoß er alles mit Schiffstheer und bedeckte es mit trockenem, dürrem Reisig und mit Spänen aus der Küche.

Und befahl alle Segel aufzuhissen: – es ging aber ein starker warmer Südwind.

Dann stieg er auf den Steuerhochsitz und überschaute Alles.

Und er nickte mit dem Kopf wohlzufrieden.

Und er stieg hinab, einen Feuerbrand aus der Küche zu holen.

Als er wieder heraufkam, fand er von den Segelbrüdern die beiden Schiffsbote, das Wasserbot und das Schutbot, herabgelassen: sie schwankten links und rechts an den Botseilen neben dem Singschwan.

»Eile, o Herr,« rief ihm einer der Seeleute zu, »sowie du die Fackel geworfen, in ein Bot zu springen: denn rasch wird bei diesem Föhn der Singschwan auflodern und leicht könnte der Brand auch die Bote ergreifen und dich und uns Alle verderben.«

Halfred sah mit großen Augen auf den Mann.

»Leben wollt ihr noch, nachdem ihr dies geschaut?

Leben, meint ihr, soll ich, ohne Thora, nachdem die Schuldlose um fremde, um meine Schuld gestorben!

Nein, gleich mir sollt ihr Alle auf diesem Schiffe verbrennen, ein geringer Todtenbrand wahrlich für Thora!«

»Du sollst nicht uns Schuldlose verderben. Scheue die Götter!« rief der Mann und sprang auf Halfred zu, ihm den Feuerbrand zu entreißen.

Aber mit furchtbarem Faustschlag schmetterte ihn Halfred zu Boden.

Grell lachte er auf und schrie: »Götter! wer wagt es noch, an Götter zu glauben, nachdem Thora schuldlos starb?

Es sind keine Götter! sag' ich euch.

Wären sie, ich müßte sie alle erschlagen.

Und erschlagen will ich als meinen Todfeind, wer noch an Götter zu glauben bekennt.«

Wüthend schwang er den Brand mit der Linken, den Hammer mit der Rechten und rief den zagenden Schiffsleuten zu:

»Wählet: glaubt ihr, daß Götter sind, so schlag' ich euch nieder wie diesen vorlauten Gesellen!

Schwört ihr aber die Götter ab, so mögt ihr leben und hingehen und überall bezeugen, daß keine Götter sind!

Sind Götter?« schrie der Rasende, hart vor die Erschrockenen tretend.

»Nein, o Herr, es sind keine Götter!« riefen die Männer und warfen sich auf die Knie.

»So geht, und laßt mich allein gewähren!«

Zögernd stiegen die Schiffsleute die Strickleiter hinab in das Schutbot zur Linken.

Halfred aber, steckte den Hammer in den Gürtel und schritt eilenden Fußes hierhin und dorthin auf dem Deck und steckte Mast und Segel und Purpurkleider und Schnitzwerk und den Hals des Schwanenbildes in Brand; klagend zog noch einmal der Wind durch die gewölbten Flügel des Schwans.

Der starke Süd blies sausend in die flackernden Flammen, rasch stand das Schiff auf allen Seiten in lodernder Gluth. Die Segel flogen wie feurige Flügel um den Mast.

Schweigend, die Arme verschränkt, saß Halfred auf dem Steuersitz, die Augen starr nur auf den Blumenberg gerichtet.

Pfeilschnell ging das brennende Schiff vor dem Winde: das Feuer hatte das trockne Waldgras rasch verzehrt und Thora's Leib und Antlitz ward voll sichtbar: da sah Halfred noch, wie die Flamme sengend Thora's langes, wallendes Goldhaar ergriff – »das war das Letzte,« sagte er mir, »was ich sah auf lange Zeit!« –

In ungeheurem Schmerz sprang er auf und rannte entlang dem ganzen brennenden Schiff mitten durch die Lohe auf Thora zu: er sprang in den Blumenberg, die Leiche zu umschlingen.

Da fühlte er einen furchtbaren Schlag auf das Haupt und das linke Auge: der halbverbrannte Mast schlug schmetternd auf ihn nieder: er stürzte in die Blumen und in die Flammen auf das Antlitz und Nacht umfing sein Auge.

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