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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
booktitleSimplicius Simplicissimus
authorHans Jakob Christoph von Grimmelshausen
year1975
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05098-8
titleSimplicius Simplicissimus
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1667
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Das 31 Kapitel

Wie übel dem Simplicio die Kunst mißlingt, und wie man ihm die klopfende Passion singt

Als ich dergestalt mit einem Teller in der Hand vor der Tafel aufwartete, und in meinem Gemüt von allerhand Tauben und merklichen Gedanken geplagt wurde, ließ mich mein Bauch auch nicht zufrieden, er kurret und murret ohn Unterlaß, und gab dadurch zu verstehen, daß Bursch in ihm vorhanden wären, die in freie Luft begehrten; ich gedacht, mir von dem ungeheuren Gerümpel abzuhelfen, den Paß zu öffnen, und mich dabei meiner Kunst zu bedienen, die mich erst die vorig Nacht mein Kamerad gelehret hatte; solchem Unterricht zufolg hub ich das linke Bein samt dem Schenkel in alle Höhe auf, drückte von allen Kräften was ich konnte, und wollte meinen Spruch ›Je pète‹ zugleich dreimal heimlich sagen; als aber der ungeheure Gespan, der zum Hintern hinauswischte, wider mein Verhoffen so greulich tönete, wußte ich vor Schrecken nit mehr was ich täte, mir wurde einsmals so bang, als wenn ich auf der Leiter am Galgen gestanden wäre, und mir der Henker bereits den Strick hätte anlegen wollen; und in solcher jählingen Angst so verwirret, daß ich auch meinen eigenen Gliedern nicht mehr befehlen konnte, maßen mein Maul in diesem urplötzlichen Lärmen auch rebellisch wurde, und dem Hintern nichts bevorgeben noch gestatten wollte, daß er allein das Wort haben, es aber, das zum Reden und Schreien erschaffen, seine Reden heimlich brummeln sollte, derowegen ließ solches dasjenige, so ich heimlich zu reden im Sinn hatte, dem Hintern zu Trutz überlaut hören, und zwar so schrecklich, als wenn man mir die Kehl hätte abstechen wollen: je greulicher der Unterwind knallete, je grausamer das ›Je pète‹ oben herausfuhr, gleichsam als ob meines Magens Ein- und Ausgang einen Wettstreit miteinander gehalten hätten, welcher unter ihnen beiden die schrecklichste Stimm von sich zu donnern vermochte. Hierdurch bekam ich wohl Linderung in meinem Eingeweid, dagegen aber einen ungnädigen Herrn an meinem Gouverneur; seine Gäst wurden über diesem unversehenen Knall fast wieder alle nüchtern, ich aber, weil ich mit aller meiner angewandten Mühe und Arbeit keinen Wind bannen können, in eine Futterwanne gespannet und also zerkarbeitscht, daß ich noch bis auf diese Stund daran gedenke. Solches waren die erste Bastonaden die ich kriegte, seit ich das erstemal Luft geschöpft, weil ich dieselbe so abscheulich verderbt hatte, in welcher wir doch gemeinschaftlicher Weis leben müssen, da brachte man Rauchtäfelein und Kerzen, und die Gäst suchten ihre Bisemknöpf und Balsambüchslein, auch sogar ihren Schnupftobak hervor, aber die besten aromata wollten schier nichts erklecken. Also hatte ich von diesem Actu, den ich besser als der beste Komödiant in der Welt spielte, Friede in meinem Bauch, hingegen Schläg auf den Buckel, die Gäst aber ihre Nasen voller Gestank, und die Aufwärter ihre Mühe, wieder einen guten Geruch ins Zimmer zu machen.

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