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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus - Kapitel 114
Quellenangabe
typefiction
booktitleSimplicius Simplicissimus
authorHans Jakob Christoph von Grimmelshausen
year1975
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05098-8
titleSimplicius Simplicissimus
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1667
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Das 24. Kapitel

Olivier beißt ins Gras, und nimmt noch ihrer sechs mit sich

Wie wir nun so da saßen, unserer Leiber zu pflegen und auszuruhen, schickte Olivier den Baurn aus, Essenspeis samt etwas von Kraut und Lot einzukaufen; als selbiger hinweg, zog er seinen Rock aus, und sagte zu mir: »Bruder, ich mag das Teufelsgeld nit mehr allein so herumschleppen«, band demnach ein paar Würste oder Wülst, die er auf bloßem Leib trug, herunter, warf sie auf den Tisch, und sagte ferner: »Du wirst dich hiemit bemühen müssen, bis ich einmal Feierabend mache, und wir beide genug haben, das Donnersgeld hat mir Beulen gedrückt!« Ich antwortete: »Bruder, hättest du so wenig als ich, so würde es dich nit drücken.« »Was?« fiel er mir in die Red, »was mein ist, das ist auch dein, und was wir ferner miteinander erobern, soll gleiche Part gelten.« Ich ergriff beide Wülste und befand sie trefflich gewichtig, weil es lauter Goldsorten warn; ich sagte, es sei alles gar unbequem gepackt, da es ihm gefiel, wollte ichs also einnähen, daß einen das Tragen nit halb so saur ankäme. Als er mirs heimstellte, ging ich mit ihm in einen hohlen Eichbaum, allda er Scher, Nadel und Faden vermochte, da machte ich mir und ihm ein Skapulier oder Schulterkleid aus einem Paar Hosen und versteppte manchen schönen roten Batzen darein, und demnach wir nun solche unter die Hemden anzogen, war es nicht anders, als ob wir vorn und hinten mit Gold bewaffnet gewesen wären: und demnach mich wunder nahm, und fragte, warum er kein Silbergeld hätte? bekam ich zur Antwort, daß er mehr als tausend Taler in einem Baum liegen hätte, aus welchem er den Baurn hausen ließe, und um solches nie kein Rechnung begehrt, weil er solchen Schafmist nicht hoch achte.

Als dies geschehen und das Geld eingepackt war, gingen wir nach unserm Logiment, darin wir dieselbe Nacht über kochten und uns beim Ofen ausbäheten: Und demnach es eine Stunde Tag war, kamen, als wir uns dessen am wenigsten versahen, sechs Musketier samt einem Korporal mit fertigem Gewehr und aufgepaßten Lunten ins Häuslein, stießen die Stubentür auf, und schrien: Wir sollten uns gefangen geben! Aber Olivier (der sowohl als ich jederzeit seine gespannte Muskete neben sich liegen und sein scharf Schwert allzeit an der Seiten hatte und damals eben hinteren Tisch saß, gleichwie ich hinter der Tür beim Ofen stund) antwortet' ihnen mit einem Paar Kuglen, durch welche er gleich zween zu Boden fällte, ich aber erlegte den dritten und beschädigte den vierten durch einen gleichmäßigen Schuß; darauf wischte Olivier mit seinem notfesten Schwert, welches Haar schur und wohl des Königs Arturi in England Caliburn verglichen werden möchte, von Leder und hieb den fünften von der Achsel an bis auf den Bauch hinunter, daß ihm das Ingeweid heraus und er neben demselben daniederfiel, indessen schlug ich den sechsten mit meinem umgekehrten Feurrohr auf den Kopf, daß er alle vier von sich streckte; einen solchen Streich kriegte Olivier von dem siebenten, und zwar mit solcher Gewalt, daß ihm das Hirn herausspritzte, ich aber traf denselben, ders ihm getan, wiederum dermaßen, daß er gleich seinen Kameraden am Totenreihen Gesellschaft leisten mußte; als der Beschädigte, den ich anfänglich durch meinen Schuß getroffen, dieser Püff gewahr wurde und sah, daß ich ihm mit umgekehrtem Rohr auch ans Leder wollte, warf er sein Gewehr hinweg und fing an zu laufen, als ob ihn der Teufel selbst gejagt hätte. Und dieses Gefecht währte nit länger als eines Vaterunsers Länge, in welcher kurzen Zeit diese sieben tapferen Soldaten ins Gras bissen.

Da ich nun solchergestalt allein Meister auf dem Platz blieb, beschaute ich den Olivier, ob er vielleicht noch einen lebendigen Atem in sich hätte; da ich ihn aber ganz entseelet befand, dünkte mich ungereimt zu sein, einem toten Körper soviel Golds zu lassen, dessen er nit vonnöten, zog ihm derwegen das gülden Fell ab, so ich erst gestern gemacht hatte, und hing es auch an Hals zu dem andern. Und demnach ich mein Rohr zerschlagen hatte, nahm ich Oliviers Muskete und Schwert zu mir, mit demselben versah ich mich auf allen Notfall und machte mich aus dem Staub, und zwar auf den Weg, da ich wußte, daß unser Baur darauf herkommen mußte; ich setzte mich beiseit an ein Ort, seiner zu erwarten und mich zugleich zu bedenken, was ich ferner anfangen wollte.

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