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Sigwalt und Sigridh

Felix Dahn: Sigwalt und Sigridh - Kapitel 1
Quellenangabe
typenovelette
authorFelix Dahn
titleSigwalt und Sigridh
correctorreuters@abc.de
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I.

Die Sonne sank blutrot in die See. Die Schlacht war geschlagen am einsamen Fjord Allzuviele Speere hatten die Landwüster geschwungen, die, aus den Drachenschiffen gesprungen, Mord, Brand und Raub in die Gehöfte getragen von Halgaland.

Auf schaumbedecktem Roß hatte ein Bote um Hilfe gerufen bei König Sigwin Weißbart. Der hatte gerade auf seinem Hochsitz in der Halle zu Halga-Björg das Horn erhoben zum Nachttrunk; er setzte es nieder, bevor er's zum Munde geführt. »Zu Roß!« sprach er. »Königshilfe eilt.« Und mit den wenigen Helmen, die er um sich hatte in der Halle, war er den Wikingern entgegengeritten, seine Bauern zu schützen.

Nun lag er speerwund auf zerspelltem Schild; der weiße Sand der Düne ward rot von des alten Mannes Blut. Tot neben ihm lagen fast all' seine Gefolgen: in die Ferne, landeinwärts, – gen Mittag – tobte der Lärm der verfolgenden Sieger hinter den Schlachtflüchtigen her. – –

Die Wellen der beginnenden Ebbe wichen mählich, mählich zurück: immer leiser, leiser, – wie absterbend Leben. Es war nun totenstill auf der Strandheide, darauf vor kurzem der rasselnde Kampf getost.

Der wunde König hatte die Augen geschlossen: nun schlug er sie auf: denn von Niedergang – aus dem nahen Föhrenwald – rauschten zwei Raben dicht über seinem Haupte hin, als wollten sie ihn wecken. Dann bäumten sie auf in der alten, morschen Dünen-Weide.

Der König hob den Kopf und sah gegen Westen. Und nickte stumm. – Er schien ihn zu kennen, den Wanderer, der von daher nahte, langsam herausschreitend aus dem Saum der düstern Bäume. Erwartet schien er ihn zu haben. Denn als der sich schweigend auf den schwarzen Banta-Stein zu seinen Häupten setzte, den Speer über die Schulter gelehnt, die der dunkelblaue Mantel bedeckte, das gewaltige Haupt unter dem Schlapphut zu ihm gebeugt, da sprach der Wunde: »Du hältst mir Wort.«

»Wie du es mir gehalten.«

»Nach unsrem Bund und Vertrag! Sieg und Glück hattest du mir versprochen: und hast sie gewährt all' diese langen Jahre. Dafür sterb' ich jetzt den Bluttod und folge dir nach Walhall, unter deinen Einheriar für dich zu kämpfen.«

»Und Walhalls Wonnen zu teilen. Schau empor! Schon nahen dort im Gewölk auf ihren grauen Rossen die Walküren. – Aber du blickst nicht freudig. Fürchte nicht das Sterben: es schmerzt nicht. Nur das Leben schmerzt: – – zuweilen.«

»Ich fürchte nichts für mich. Aber mein Knabe! Wenige Winter erst zählt er. Einen Spätling gebar ihn mir die Mutter. Und starb. Schutzlos spielt er im Baumanger von Halga-Björg. Meine Gesippen, meine Gefolgen liegen tot. Wer wird ihn schützen?«

»Ich! Sein Pate! Der ihm den Namen gab: – Sigwalt Odinsfreund – schulde ihm Patengabe. So gelob´ ich dir: ich rette ihn jetzt vor allen Feinden. In diesen Mantel geschlagen trag' ich ihn hoch durch die Wolken auf ein fernes Eiland; sicher vor Schaden wächst dort er heran. Zur rechten Zeit kehrt er zurück, sein Erbe zu erstreiten mit sieghaftem Schwert. Alsdann geb' ich ihm zum Schutz einen Schild. Einen lebendigen Schild.«

»Einen lebendigen Schild?« staunte der Wunde. »Ich kann's nicht fassen.«

»Einen lebendigen Schild, der ihn schützt immerdar. Wenn er nicht selbst ihn zerstört.«

»Das wird er nicht.«

»Weißt du das? Selbst die Nornen wußten's nicht, als ich sie fragte. Denn was sie weben, – nicht wissen's die Weber. Auch nicht die Schicksal-Weberinnen! Sie weben, was sie müssen, nicht, was sie wollen. Aber gesorgt wird für das Patenkind so treu der Pate sorgen kann. Du weißt: ›reich lohnt Odin ...‹«

»Treue Freundschaft!« nickte der Held. »Ich danke dir. Sieh, mit letztem Blicke schau' ich dort die Walküre nahn. Ich höre das Schnauben ihres Rosses. Nun wird es Nacht vor meinem Auge ...«

»Bald wirst du wieder strahlend Licht erschaun. Rasch, Helmwine, trag ihn empor!«

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