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Seltene Freundschaft oder: Bello und Miezchen

Agnes Franz: Seltene Freundschaft oder: Bello und Miezchen - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGroßmutters Vorlesebuch. Geschichten und Gedichte zum Lesen und Zuhören
titleSeltene Freundschaft oder: Bello und Miezchen
authorFranz, Agnes
editorRiegler, Theo
year1989
publisherMartin Greil GmbH, Grünwald
senderjohana_johns@exterritorial.de
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Agnes Franz (1794-1843)

Seltene Freundschaft oder: Bello und Miezchen

Bello, der Haushund, wohnte mit einem Kätzchen unter einem Dache. Sie sahen einander täglich, erhielten ihr Futter auch zu gleicher Zeit. Bello aber hatte einen guten Appetit, und wenn sein Teller geleert war, so kam er zu Miezchen zu Gaste. Erst wehrte das Miezchen sich tapfer und machte einen krummen Rücken; aber zuletzt räumte sie ihrem zudringlichen Gefährten das Feld und sah von einem Schränkchen herab gelassen seinen Verwüstungen zu.

Eines Tages hatten böse Kinder das Kätzchen gefangen und Miezchen hatte einem Knaben dabei scharf ins Gesicht gehauen. Darüber war die ganze Rotte in solche Wut geraten, daß sie das arme, kleine Tier in einen schmutzigen Rinnstein warfen, es jämmerlich schlugen und zuletzt mit Füßen traten - Miezchen schrie, was es konnte, aber bald verstopfte ihm das strömende Blut Augen und Nase - es glaubte zu sterben und stieß nur noch ein leises Gewinsel hervor.

Da erscholl plötzlich ein lautes Gebell, und wie ein Sturmwind flog der redliche Haushund auf das klägliche Miau seiner Tafelgenossin herbei. Mit fürchterlicher Wut stürzte er auf die grausamen Kinder, bis sie schreiend und heulend auseinanderflogen. Nun aber zog er behutsam das Kätzchen aus dem Schlamme, beleckte seine Wunden und trug es dann vorsichtig mit der Schnauze ins Haus. Hier, wo seine Hütte stand, legte er Miezchen aufs Stroh und hörte nicht auf mit Winseln und Lecken, bis es ein Zeichen des Lebens von sich gab. - Nun legte er sich, stillvergnügt, dicht an des Kätzchens Seite, wärmte seine erstarrten Glieder und hielt es mit seinen Pfoten umfaßt.

Da der Hund weder am Abend noch am andern Morgen zum Vorschein kam, so glaubte man, er sei krank geworden. Man brachte ihm seine Mahlzeit in die Hütte, und das war es eben, was Bello gewollt. Er teilte nun die besten Bissen mit seinem Pflegling und hörte nicht auf, ihn zu liebkosen und zu putzen, bis er wieder auf die Beine kam und mit ihm zugleich die Hütte verließ. Da entdeckte man das verlorne Kätzchen an Bellos Seite, und er begleitete es, wie der Hirt sein krankes Schäfchen führt. - Bald ward die Geschichte bekannt, und da man sie unter die Naturmerkwürdigkeiten zählte, so ward die Tat des guten Hundes sogar in die Zeitungen gesetzt.








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