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Seefahrt ist not!

Gorch Fock: Seefahrt ist not! - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
booktitleSeefahrt ist not!
authorGorch Fock
year1995
publisherUllstein Verlag
addressFrankfurt am Main und Berlin
isbn3-548-23532-8
titleSeefahrt ist not!
created19991029
modified20161027
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorJens Sadowski
firstpub1913
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Elfter Stremel

Roland der Ries' am Rathaus zu Bremen,
Kämpfer einst Karls in der Schlacht;
Roland der Ries' am Rathaus zu Bremen,
Jetzo wie einst noch steht er und wacht!

H. F. 125, Laertes, Unterscheidungssignal R. T. F. B., 28 Registertonnen groß, geführt vom Schiffer Klaus Mewes, lag zu Bremen-Stadt an der Schlachte mit lebendigen Schollen. Das trübe gelbe Wasser der Weser gurgelte um seinen Bug, und die Giebel der hohen Speicher blickten überlegen auf ihn herab, denn sie standen schon zweihundert Jahre und hatten Güter aller Zonen unter ihren Dächern. Auf der Kaje standen die Bremer Jungen und lachten über den kleinen Stintmajor, wie sie Störtebeker nannten. Als sie sich aber einfallen ließen, mit Steinen nach ihm zu werfen, da rief er: »Ji verdreihten Zigarrenmokers!« (das hatte er von Kap Horn aufgeschnappt), zog seine Seestiefel aus und ging ihnen mit der Handspake und mit Seemann zu Leibe, bis sie die Flucht ergriffen.

Die Bremer Bürgerfrauen, Fischweiber, Köchinnen und Arbeitsleute waren minder stolz als die alten Speicher und minder feindselig als die Jugend. Sie kamen mit Körben und Netzen, mit Taschen und Eimern, besahen die Fische und kauften und kauften. Klaus Mewes, der auch die Bremer zu nehmen wußte, war den Fang bald los, zumal er ganz allein an der Schlachte lag. Der verrufene schiefe Weg nach Bremen hielt die anderen Ewer fern.

Um die letzten Stiege stritten sie förmlich. Ein Kampf um die Schollen entbrannte, dem Klaus Mewes lachend und mit seiner vollen Tasche klirrend zusah, bis er sagte: »Nu is de Putt ut: Hein Mück, deck de Luken to!« Dann zählte er mit Störtebeker die vielen Groschen, Marken und Taler. Es war wieder eine gute Reise, die die vielen Wind- und Stillentage, die dahinter lagen, vergessen ließ.

Nach Mittag machten Klaus Mewes der Große und der Kleine und Kap Horn sich landfein und zeigten einander Bremen. Zunächst steuerten sie wie alle Fremden den Markt an und besahen den gewaltigen Dom, die graue Börse, den vergoldeten Schütting, das gründachige, verwitterte Rathaus und das hohe, steife Standbild, die Rolandssäule. Störtebeker gefiel von all diesen Bauwerken eigentlich nur der Dom mit den beiden hohen Türmen. Das Rathaus war ihm viel zu alt und zu voller Grünspan; das könnten sie auch mal abschrubben, meinte er vorwurfsvoll. Der Roland aber war ihm nicht bunt genug und machte ein zu dummes Gesicht: als wenn er nicht bis fünf zählen könne, lachte er.

Er verstummte aber, als sie dann am Denkmal des Heidenbekehrers Wilhadi vorbei in den halbdunkeln, riesengroßen Dom traten, mit den leuchtenden Glasmalereien und der reichen Pracht der Wände, die dem nordischen Gotteshaus etwas Südlich-Katholisches gaben; denn da gingen sie unhörbar auf weichen Teppichen, und alles war so still und feierlich, wie es an dem Morgen gewesen war, als sie hinter Langeoog gelegen hatten und das Läuten der Glocken zu hören gewesen war. »Hier in Bremen hett de lebe Gott dat doch beter as in Finkwarder«, flüsterte er seinem Vater zu, der leise lachen mußte.

Sie besahen den Bleikeller unter dem Dom, in dem keine Leichen verwesen und die Särge reihenweise stehen. Schwedische Gräfinnen, englische Majore, bremische Bürger lagen da gelb und lederartig in offenen Steinsärgen, und die Ecken waren mit Totenschädeln ausgefüllt. Um die fortwirkende Kraft des Gewölbes zu beweisen, hingen auch frische Ratten, Hühner und anderes Getier an den Pfeilern. Die trockene Luft des Raumes benahm den Seefischern fast den Atem, weshalb sie sich dort nicht lange aufhielten.

Als sie wieder vor dem Dom standen, sagte Kap Horn, er könne den bösen Geschmack nicht wieder loswerden. »De mütt dolspeult warrn«, sagte Klaus. »Lot uns man eenen genehmigen! Kumm, de Rotskiller is jo bi de Hand!«

»Rotskiller? Büst nich klok, Klaus? Dat is bloß wat for de Groten, for Reeders und Käppens, dor gifft bloß Wien, Minsch!« rief Janmaat, aber Klaus Mewes nahm ihn am Arm und bugsierte ihn in den von Hauff und Heine besungenen Bremer Ratskeller hinein.

»Een van de Groten bün ik ok«, sagte er stolz. »Ik bün Reeder und Käppen, un Wien mag ik ok, un op de scheune Reis kann sowieso een up stohn! Kumm, Störtebeker!«

Da gingen die drei getrost in den Ratskeller hinunter, setzten sich mitten zwischen die Pfeiler und besahen die Hausgelegenheit.

»Finkwarder Fischermann kann allerwärts to Anker gohn«, lachte Klaus. »Büst ok bang, Störtebeker?«

»Ne, bang bün ik ne, Vadder.«

Mißtrauisch kam einer der Kellner näher, denn diese Jan vom Moor konnten wohl nur versehentlich die Treppe heruntergefallen sein, die wollten gewiß zu Heini Holtentüffel und bei dem eine kleine Lage trinken. Als Klaus Mewes, der es merkte, ihn groß und frei ansah und mit lauter Stimme zwei Flaschen Rheinwein zu einem Taler den Buddel und ein Glas süßen Weins für den Jungen bestellte, da nickte er aber höflich und brachte das Verlangte.

Es schien allgemein aufzufallen, daß der Finkenwärder so laut und plattdeutsch sprach, denn an allen Tischen drehten sich die bedächtigen, geruhsamen Bremer nach ihnen um. Aber Klaus Mewes ließ sich dadurch in keiner Weise stören. Er rief den Kellner, und sie ließen sich durch alle Räume führen. Sie sahen die Rose an der Decke, die ein italienischer Maler gemalt hatte, weil er seine Zeche nicht bezahlen konnte. Sie sahen Fässer, die so groß waren wie ein kleines Haus, sie kamen durch den Apostelkeller, in dem zwölf nach den Jüngern benannte Fässer lagen, von denen der Judas sauer war, sie hörten von Wein, von dem jeder Tropfen dreitausend Mark kostete.

Endlich hievten sie den Draggen und stiegen wieder ans Tageslicht. Die Bremer Stadtmusikanten, die Störtebeker noch durchaus sehen wollte, waren nicht auszumachen, so gingen sie durch die Langenstraße an dem schnörkelgesegneten Essighaus vorüber zum Ewer zurück.

Nicht so gut lief die Fahrt ab, die Hein Mück abends unternahm. Er konnte das Bremer Bier so wenig vertragen, daß er allerhand Havareien machte und schließlich von einem Schutzmann an Bord gebracht werden mußte. Als er auch da sich nicht geben wollte, goß Klaus Mewes ihm einfach eine Pütz Weserwasser über den Kopf, um den großen Brand zu löschen.

 

Keine Luft von keiner Seite...

Dwars von Spiekeroog, aber ohne Sicht von Land, steht der Ewer totenstill auf dem spiegelglatten Meer. Drei Tage haben sie schon keinen Wind mehr gehabt; zwei Tage hat die Dünung geknarrt und gelärmt, nun am dritten Tag ist das Meer so glatt geworden, wie es selten vorkommt. Drei Tage schon ruht die Fischerei, hängt die Kurre am Mast, ist das Ruder mitschiffs festgestroppt. Die Sonne brennt steil auf das Deck nieder, das so heiß ist, daß sie Schollen darauf braten könnten und daß das Pech in den Nähten weich wird. Von den Wanten leckt der Teer.

Plackendotstill ist es, wie Störtebeker, der Munterste an Bord, immer wieder versichert. Ein Brett, das er ins Wasser geworfen hat, um die Strömung zu erkunden, bleibt stundenlang neben dem Ewer liegen. Das große Schiff ist tot, und tot ist die See. Nicht einmal eine Möwe läßt sich sehen.

Seemann liegt im Schatten auf einem Stück Segeltuch und schnappt nach Luft. Kap Horn hockt auf der Diele neben dem Wasserfaß und liest in einem Buch, das ihm der Bremerhavener Seemannspastor mitgegeben hat, bis er dabei einschläft. Hein Mück hat das beste Teil erwählt: Er hat sich ausgezogen und steht nun nackt im Bünn, bis an den Hals im Seewasser.

Dem Schiffer gehen sie weit aus dem Weg, denn er ist wie ein gereizter Löwe, und es ist nicht gut anbinden mit ihm. Er kann nicht fischen – das sagt alles.

Er weiß nicht mehr, was er tun soll. Lesen? Son Schiet! Knütten? Son Snarrkrom! Fischen will er, Schollen greifen, kurren, segeln, kreuzen, denn sie müssen nun endlich mal nach Hause. Erst war ihm der Wind dazwischengekommen, der sie hinter Wangerooge gejagt hatte, dann war der Fang schlecht gewesen, drei magere Schollen im Streek! Und nun kam ihm noch die Stille in die Quere! Unruhig stand er vor dem Wetterglas und starrte es an, als wenn es an allem schuld wäre mit seiner ewigen deutsch-englischen Predigt: Sehr schön – very dry. Klaus Mewes konnte es nur als ›sehr schlecht – verdreiht‹ lesen.

Dann ging er wieder an Deck und spähte zum Himmel, als wolle er Löcher hineingucken. Dabei hörte er das Plätschern im Bünn. Erst wollte er Hein die Leviten lesen, daß der die paar Schollen im Bünn noch tot trat, dann aber dachte er: Dat mokst du ok! Und er zog sich auf der Achterplicht aus, setzte seinen alten Kameruner ab, rannte in Berserkerwut über Deck zum Steven, setzte vom Vorderpoller ab und sprang mit Hurra in die blaue See, tauchte tief unter und kam prustend wie ein Seehund wieder an die Oberfläche.

»Kiek mol ober, Kap Horn«, rief Hein Mück. »Ik gläuf, Klaus hetten Sünnenstich kregen!«

Der Knecht klappte das Buch zu und lief an Deck: Da schwamm sein Schiffer kräftig ausholend wohl zwanzig Faden vor dem Ewer und lachte und rief: »So ist mooi, Kap Horn!«

Seemann aber stand mit den Vorderfüßen auf dem Setzbord und bellte, und Störtebeker sagte in einem fort, er wolle auch mal schwimmen.

»Lot di man nich vonne Haifisch opfreten un krieg man keen Ramm inne Been«, warnte der Knecht, steckte eine Leine an den Rettungsring und warf ihn über Bord. Auch fierte er einen Riemen längsseit, damit der Schwimmer einen Halt hätte, wenn er dessen bedurfte. Schließlich setzte er mit Heins Hilfe noch den Kahn ins Wasser, stieg hinein und wriggte in die Nähe seines Schiffers, denn das Schwimmen in offener See, ohne Schwimmweste und Leine, war ihm ein Greuel und ein Frevel. Wie der Bauer sich niemals auf die Erde setzen sollte, so sollte der Fischer niemals in der See schwimmen.

Dennoch freute er sich über den rüstigen Schwimmer.

Mit einem Mal erhob Seemann ein zorniges Geknurre und Gescharre, und als der Knecht sich umdrehte, sah er Störtebeker nackt an Bord laufen und den widerstrebenden Hund zum Setzbord schleppen. »Störtebeker, wat mokst du?« rief er. »Klaus, kiek mol den Jungen!«

»Wenn se all swümmt, schallst du ok swümmen, un wennt mitten Dübel togeiht«, grölte Störtebeker und warf den winselnden Seemann kopfheister in die See. Dann nahm er einen Anlauf und sprang mit Hurra hinterher.

»Minschenkinners noch mol! Nu wollt se jo woll al versupen«, rief Kap Horn, als auch noch Hein Mück über das Schwert kletterte.

»Nimm Seemann man wohr, för Störtebeker will ik woll uppassen«, rief Klaus Mewes und schwamm an die Seite seines Jungen, der entrüstet sagte: »Du meenst woll, ik kann ne swümmen, Kap Horn, wat? As son Woterrott, kann ik di seggen! Kiek mol! Ik kann ok all duken: Paß up!«

Und weg war er, um prustend wieder aufzutauchen. »Junge, dat do ik ne wedder! Dat Woter is jo sult, dor hebb ik gorne an dacht! I, wat bitter!«

Klaus Mewes lachte vor Freude über seinen Jungen und hielt sich in seiner Nähe auf, um ihm beizuspringen, wenn seine Kräfte nachlassen sollten. Kap Horn aber zog den zappelnden Seemann in den Kahn und bewachte die drei kühnen Schwimmer und den großen, regungslosen Ewer, der wie tot auf dem Wasser lag.

So vertraute Klaus Mewes seiner Kraft und schwamm mit seinem Jungen in der See, als wäre es am Finkenwärder Bollwerk und nicht zwischen Spiekeroog und Helgoland auf zwanzig Faden Wassertiefe.

Wenn Gesa das gesehen hätte!

Als die Sonne untergegangen war und die Hitze etwas nachließ, saßen sie allemann auf Deck. Dort aßen sie auch Abendbrot, denn in der Kombüse war es nicht auszuhalten. Dann schliefen sie in alten Segeln auf den Bänken und auf der Diele. Kap Horn ging die Wache.

Gegen Morgen stieg unter der englischen Küste ein Gewitter aus der See und fegte dunkel und drohend heran. Mit ungeheurer Schnelligkeit verbreitete es sich über den sternklaren Himmel, furchtbar knallte der Donner, und die ganze Wolke saß voll von Blitzen. Aber Klaus Mewes und seine Gesellen begrüßten das Wetter mit Freude, denn nun mußte ja auch Wind kommen und sie erlösen.

Als die ersten großen Tropfen fielen, holten sie die Segel nieder und gingen hinunter, denn bei einem Gewitter an Deck sein ist der gefährlichen Nähe der Masten wegen nicht gut. Sausend harfte der Wind auf den Wanten, der Regen prasselte auf das Deck, die Masten dröhnten, der Ewer zitterte, die Lampe schwankte, die See kam allmählich in leise Bewegung. Geruhsam saßen oder lagen die Seefischer unter Deck und horchten. Als das Gewitter halb vorüber war, zogen sie die Ölröcke an und setzten Segel. Und im blauen Schein der letzten Blitze fierten sie die Kurre über Bord, denn nun hatten sie wieder Wind genug.

 

Ships that pass in the night...

Tiefdunkel, samtschwarz ist der Nachthimmel. Die Sterne funkeln um so heller um den Schleier der Milchstraße. Wie tanzt der Orion, wie blitzt die Wega, wie leuchten die Zwillinge, wie strahlt der Himmelswagen, wie gleißt der Aldebaran! Die Weltwiese hat sich aufgetan, die gewaltige Wisch, die mit abertausend weißen und bunten Blumen bewachsen ist und auf der Myriaden von Tautropfen glitzern.

Die riesenhaften, schwarzen Segel des Fischerewers aber sind wie gewaltige dunkle Kühe, die auf der großen Wiese in den Blumen grasen. Ruhig und bedächtig grasen sie und fressen sich langsam weiter.

Klaus Störtebeker steht bei seinem Vater am Ruder. Gesprochen wird in solchen Nächten nicht viel.

Eine Kühlung, eine leichte, westliche Brise, wandert über die See und gibt den Segeln die Kraft, die Kurre zu ziehen. Rot, grün und gelb spielen die Fischerlichter auf der Dünung. Die Kielfurche leuchtet, als ginge es durch Silber. Wo die Kurrleine ins Wasser taucht, gleißt sie wie ein diamantenbesetztes Zepter. Leise knarren die Gaffeln oben am Mast, und wie im Traum reißt der Klüver, der Jager, das kühnste aller Segel, an seiner Schot; über der Besan aber weht die dunkle Flagge im Nachtwind. Seemann schläft im Nachthaus neben dem Kompaß, und Klaus Mewes geht nach Schifferart auf dem Achterdeck hin und her, die Hände in den Taschen, während Störtebeker das Ruder mit einem Tau regiert, denn Steuern hat er längst gelernt.

Bei sturem Wind und bei Regen singt Klaus Mewes, wenn er allein an Deck ist, er singt auch bei Sonnenschein, aber in solcher Nacht singt er nicht. Da fühlt er tief das geheime Leben und Weben seines Ewers, sein Wesen, seine Atemzüge, da haben alle Segel und Wanten, alle Bäume und Masten ihre eigene Sprache. Nächte, die gewesen sind, und Nächte, die noch kommen sollen, stehen vor seiner Seele, und dunkle Ahnungen beschleichen ihn, denn jeder Seefischer ist ein Hagen, der ins dunkle Hunnenland hinunterzieht. Gedanken über Gedanken kommen ihm entgegen, wie der Wind in die Segel weht, die ihn weit hinaustragen aus der Sehnsucht nach Gesa, nach einem guten Streek und einem schönen Markt, die ihn Auge in Auge mit der Ewigkeit stellen. In solchen Nächten muß er Verklarung über sich selbst gewinnen, der lachende Seefischer, und nicht lachend, sondern ernst beantwortet er seine eigenen Fragen, denn je höher dem Baum die Krone gewachsen ist, desto tiefer streckt sich seine Wurzel – und Klaus Mewes ist ein so gewachsener Baum.

Rund um sie herum stehen Lichter auf der See, rote, weiße, grüne, denn sie fischen zwischen Helgoland und dem Weserfeuerschiff, und auf diesen Gründen wimmelt es von Finkenwärdern und Blankenesern. Mitunter ist das Geklapper einer Winsch in der Weite zu hören, wenn sie irgendwo einziehen, mitunter schallen die Rufe zweier Fischer, die einander nahe gekommen sind, abgehackt herüber.

Dann kommen dunkle Segel an ihnen vorbei, und weil der Laertes wegen seiner Besanflagge leicht auszumachen ist, wird hüben und drüben gerufen.

»Klaus, büst du dat?«

»Jo, Hinnik! Wat fangt ji?«

»Ochott, is ne slimm: acht Stieg!«

»So. Jä, wi hebbt ok ne mihr hat. Hest all bald de Reis?«

»Morgen weuf utscheiden!«

»Uppe Wesser is bannig slecht wesen, gorkeen Schullen lostowarrn, Hinnik.«

»So!«

Dann sind die Schiffe zu weit auseinander gekommen, als daß das Seegespräch fortgesetzt werden könnte, und Klaus Mewes geht wieder schweigend auf und ab. Einmal steht er hart an den Wanten und blickt starr in die Weite, als sähe er seines Großvaters Kuff im Norden untergehen, dann horcht er, als höre er seines Vaters Todesschrei aus der See heraus.

Die ganze Nacht aber grasen die Segel ruhig und bedächtig in den Sternen.

 

Gesa rang in dieser Nacht mit schweren Träumen. Sie sah, wie ein Schiff sich mit haushohen Seen abmühte, wie es leck wurde, und wie zuletzt eine große Woge ins Segel schlug und es umwarf, wie zwei Menschen in schwerem Seemannszeug in der See schwammen, sie hörte, wie sie um Hilfe riefen.

Als sie ihnen in die Gesichter sah, schrie sie laut auf, denn es waren ihr Mann und ihr Junge.

Da erwachte sie und weinte bis zum Morgen.

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