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Sechzehn Jahre in Sibirien

Lev Grigorievich Deutsch: Sechzehn Jahre in Sibirien - Kapitel 35
Quellenangabe
authorLeo G. Deutsch
titleSechzehn Jahre in Sibirien
publisherVerlag von J.H.W.Dietz Nachf. G.m.b.H
printrunElftes und zwölftes Tausend
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20161103
projectid8b192e49
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XXXI
Die Reise des Thronfolgers in Sibirien. Unsere Lebensweise in der Strafkolonie. – Der grimmige Pristaw.

Die Zeit verging bedeutend schneller in der »Ansiedelung« als im Gefängnis. In emsiger Tätigkeit bei der Begründung unseres Haushaltes merkten wir kaum, wie Herbst und Winter vergingen. Der Frühling von 1891, der erste, den ich nach jahrelanger Kerkerhaft genießen konnte, wird mir unvergeßlich bleiben. Dazu kam, daß dieser Frühling ganz unerwartete Hoffnung auf baldige Befreiung bringen sollte.

Eines Tages verbreitete sich das Gerücht, Zar Alexander III. habe ein weitgehendes Manifest »zu bescheren geruht«, um das Ereignis zu feiern, daß der Thronfolger den sibirischen Boden betreten habe; dieses Manifest, hieß es, bringe vielen Sträflingen Begnadigung, und auch wir, »die politischen«, seien nicht ausgeschlossen. Das offizielle Telegramm, das uns bald darauf verlesen wurde, lautete so unklar, daß in der Tat Hoffnung auf baldige Befreiung erweckt werden konnte.

Wenn die Nachricht richtig war, konnte man daraus schließen, daß viele von uns in nächster Zeit als »Verbannte« und nicht mehr als »Sträflinge« betrachtet werden würden. Das hätte unsere Lage mehr oder minder verbessert, je nach dem, wohin wir verbannt worden wären. Die meisten Staatsgefangenen werden in das Jakutengebiet geschickt. Die Lebensbedingungen dort sind nun in vielen Beziehungen durchaus nicht günstiger, als wir sie in der Strafkolonie von Kara hatten. Es kommt in Betracht, daß das Jakutengebiet äußerst spärlich bevölkert ist und noch weiter von der zivilisierten Welt entfernt liegt als das Transbaikalgebiet, in dem Kara liegt; unsere Genossen hatten daher dort vielfach noch mehr Entbehrungen zu ertragen als wir. Die Post kommt noch seltener hin, das Klima ist viel strenger und der Winter dauert länger. In vielen Bezirken dieses Gebiets sind »Luxusartikel« wie Tee, Zucker, Petroleum sehr oft gar nicht aufzutreiben, ja selbst altbackenes Schwarzbrot war nicht immer zu haben und wenn je, so kostete das Pud 12 bis 15 Rubel; Das ist 26 bis 32,50 Mark für 16,4 Kilogramm. es gibt Orte, wo Schwarzbrot als Leckerbissen gilt, das man nur einem verehrten Gast vorsetzt. Die Haupt-, wenn nicht die ausschließliche Nahrung der eingeborenen Bevölkerung sind Fische und Fleisch. Auch die Wohnungen sind schlechter als die Blockhäuser in Kara; es sind »Jurten«, Jurten, das sind zeltartige Hütten aus Balken mit Erde und Rasen beworfen. wie sie die Jakuten bewohnen.

Trotzdem waren die meisten von uns bereit, nach diesen unwirtlichen Gegenden zu gehen. Vor allem hatte man, sobald man der Kategorie der Verbannten zugezählt wurde, Aussicht, mit der Zeit in günstiger gelegene Gebiete verbracht zu werden. Und dann war es vor allem die größere Bewegungsfreiheit, die lockte. Die Verbannten erhielten zwar einen Wohnort angewiesen, aber sie durften doch auf ziemlich weiten Entfernungen im Umkreis sich frei bewegen. Auch kamen stets neue Zuzüge »administrativ Verschickter« nach jenem Gebiet, von denen man erfuhr, was in der Heimat vorgeht, während nach Kara in der ganzen Zeit »Politische« nicht mehr geschickt wurden. Schließlich hatten die Verbannten im Jakutengebiet noch die Perspektive, mit der Zeit eine Stufe weiter zu kommen: sie konnten sich in den Bauernstand aufnehmen lassen, in diesem Falle erlangten sie noch größere Bewegungsfreiheit innerhalb Sibiriens. Allerdings ging das nicht so bald; diese Begünstigung konnte man, wenn alles gut ging, nach zehn Jahren erlangen. Aber man lernt Geduld in Sibirien, und mancher von uns ließ die Gedanken in die Zukunft schweifen: »Zehn Jahre! ... Dann kommt vielleicht abermals ein Manifest, und in fünfzehn oder zwanzig Jahren kann das große Glück kommen – Rückkehr nach der Heimat!«

Ich gestehe, auch ich wiegte mich in derartigen Hoffnungen, trotzdem ich nur zu genau wußte, wie trügerisch die Gnadenbeweise des Zaren in der Regel sind. Hatte es doch bei dem Krönungsmanifest eine Unmenge »Ausnahmen« gegeben, und es war vorauszusehen, daß auch diesmal die Begnadigung sich nicht auf alle erstrecken würde. Doch wer weiß? Man hat mich endlich aus dem Kerker entlassen, es kann ja möglich sein, daß ich unverhofft in die Verbannung komme ... Zweifel und Hoffnungen wechselten, und immer von neuem drängten sich die optimistischen Gedanken auf.

Während man in den Kanzleien in Petersburg die Frage zu entscheiden hatte, wie das Manifest ausgelegt werden, wer der Gnade teilhaftig und wer ausgeschlossen werden soll, hatten die Behörden in Sibirien andere Sorgen, nämlich Mittel und Wege zu ersinnen, um jede Gefahr von dem Thronfolger abzuwenden, wenn er durch das Gebiet reiste, wo so viele erbitterte Opfer des Zarismus weilten. Die Herren Beamten lösten schließlich das Problem sehr einfach: längs der Route, die der Prinz bereisen sollte, wurden die Strafkolonisten einstweilen eingesperrt. Obgleich Kara gut fünfzig Werst von der Landstraße entfernt ist, auf der die Reise von statten ging, wurden auch wir einen Tag vor der Durchfahrt des Prinzen in den Kerker gesperrt und den Tag nachher, nachdem er passiert war, wieder freigelassen.

Mit der größten Spannung erwarteten wir nunmehr die Ankunft der Post, die alle sieben bis zehn Tage eintraf; es mußte doch endlich die Entscheidung in bezug auf die Auslegung des Manifestes fallen. Aber in den Kanzleien nahm man sich Zeit; die Verbannten mochten einstweilen die Pein der Ungewißheit ertragen.

Ein ganzes Jahr verging, ehe man uns mitteilte, wer von uns eine Milderung seines Schicksals erfahren und wieweit die Gnade des Zaren gereicht hatte. Es war nicht viel; nahezu die Hälfte unserer Strafkolonie in Kara wurde zu den Ausnahmen gezählt und ganz übergangen, den übrigen wurde ein winziger Teil der Strafzeit gekürzt. Ich befand mich unter denen, die leer ausgingen und mußte mich mit dem Gedanken aussöhnen, noch volle vier Jahre hier zu bleiben. Es war bitter, so enttäuscht zu werden, um so bitterer, als die Freude über die Entlassung aus dem Kerker bald vorbei war, denn unser Leben gestaltete sich im Grunde genommen jetzt ebenso einförmig und inhaltslos wie früher. Ja, man empfand dies vielleicht noch schwerer; im Kerker war man gezwungen, sich mit dieser Öde des Lebens abzufinden, hier, in der Strafkolonie zerrte man an der Kette. Dort wußten wir, daß jede vernünftige Tätigkeit für uns ausgeschlossen war, daß wir verdammt waren, unser Dasein zwecklos hinzuschleppen; deshalb stumpft auch die geistige Regsamkeit allmählich ab, wird atrophiert. In der Strafkolonie dagegen war es damit bei vielen von uns ganz anders: wir lebten hier auf, der Zustand der Lethargie, der uns im Kerker beherrschte, schwand. Obgleich in unserer Umgebung von pulsierendem Leben nicht die Rede sein konnte, sahen wir doch, wie andere Menschen sich tummelten, etwas unternahmen, bestimmte Interessen verfolgten. mit ihren Sorgen kämpften. Wir dagegen waren einzig auf die Arbeit in unserer winzigen Hauswirtschaft angewiesen, eine Arbeit, die uns natürlich nicht genügen konnte. Die meisten von uns sehnten sich danach, ihre Kräfte einzusetzen, etwas zu tun, was ihren Fähigkeiten entsprach, und nicht nur Holz zu hauen und Gras zu mähen. Aber an dem weltverlorenen öden Orte festgehalten, überall eingeengt, konnten wir freilich nichts finden, was uns eine willkommene Tätigkeit verschafft hätte. Scheinbar stand uns das Recht zu, vieles zu unternehmen, was im Kerker verboten war, in Wirklichkeit aber war uns jede Möglichkeit genommen, etwas Vernünftiges zu beginnen. Es war gerade dieser Widerspruch zwischen dem scheinbaren Recht und der tatsächlichen Lage, der uns lähmte und schwer auf unserem Gemüt lastete. Zuweilen war uns so zu Mute, daß wir gern in den Kerker zurückgekehrt wären, nur um dieser Pein der Untätigkeit zu entgehen. Außer diesem Zustand, der die notwendige Folge der uns auferlegten Beschränkungen war, empfanden wir es recht bitter, daß wir so unsäglich viele Mühe auf Lappalien, auf unsere primitive Hauswirtschaft verwenden mußten. Unter den schweren Bedingungen, in denen wir lebten, absorbierten diese Verrichtungen unsere ganze Zeit, besonders im Anfang. Es kam oft vor, daß man über all diesen kleinen Sorgen und Arbeiten wochenlang nicht dazu kam, ein Buch, ja nur eine Zeitung zur Hand zu nehmen. Das mußte natürlich für gebildete Menschen zur Qual werden. Die einzige interessante geistige Tätigkeit, die uns blieb, bestand darin, das Leben der Insassen dieses eigenartigen Ortes zu beobachten.

Ich bin oft in den Kriminalgefängnissen gewesen, die sich in Kara befanden, und habe dort die Lebensbedingungen der Sträflinge in den Zellen, den Werkstätten und den Arbeitsorten beobachtet. Die Verwendung von Sträflingen in den Goldschwemmen war damals bereits abgeschafft, weil man sich überzeugt hatte, daß die Sträflingsarbeit viel zu kostspielig sei. Man beschäftigte sie daher bei sogenannten »Hausarbeiten«; unter anderem verwendete man sie an Stelle der Lasttiere zum Transport. Der Anblick der Männer und Frauen, die, an schwere Karren gespannt, sich mühsam hinschleppten wie Ochsen im Joche, war geradezu unerträglich.

Etwa ein Jahr nach unserer Entlassung in die Kolonie wurde übrigens die Strafarbeit in Kara selbst gänzlich abgeschafft; die Sträflinge wurden zum Teil beim Bau der sibirischen Eisenbahn, mit der damals begonnen wurde, verwendet, zum Teil schaffte man sie nach der Insel Sachalin und in andere Zuchthäuser. Natürlich zogen mit den Sträflingen auch ihre Wächter, die Kosaken ab, ebenso die Beamten. Unsere Ansiedelung wurde daher entvölkert und das Leben gestaltete sich noch einförmiger. Einen Vorteil allerdings hatten wir davon: wir konnten die verlassenen Bauten für uns in Gebrauch nehmen und wohnten fortan bequemer.

Zu den wenigen Einwohnern, die übrig blieben, unterhielten wir die besten Beziehungen; wir unterrichteten ihre Kinder, gaben ihnen Ratschläge, wo wir konnten, und leisteten Hilfe als Ärzte, Juristen usw. Für diese Leute war ein »Politischer« bald zum Inbegriff des Wissens geworden, und was auch vorkommen mochte, stets wandte man sich an uns. Nun war uns zwar verboten, irgendwelche Funktionen auszuüben, die mit einem »freien Beruf« im Zusammenhang stehen, wir durften dem Gesetz nach nicht unterrichten oder ärztliche Hilfe leisten, aber unter den gegebenen Verhältnissen blieb selbst den Behörden nichts anderes übrig, als unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen. Natürlich konnte man uns dann auch nicht zur Verantwortung ziehen ob unseres Verkehrs mit Zivilpersonen. Nur ein einziges Mal kam es aus diesem Anlaß zu einem Konflikt, worüber kurz berichtet sei: Ein Bauer aus einem Nachbarort kam zu uns und trug uns folgenden Fall vor: Eines Tages war der neu ernannte »Pristaw« Pristaw – Verwaltungs- und Polizeibeamter. mit dem Dorfschulzen und anderen Beamten bei ihm erschienen und hatte ohne jeden Grund eine Haussuchung vorgenommen. In der Speisekammer hatte man einige Pud Schiffszwieback, etwas Tee, Tabak, Lichter und andere Vorräte gefunden. Der Pristaw konfiszierte kurzerhand diese Vorräte unter dem Vorwand, der Bauer hätte sie nur zu dem Zwecke aufgespeichert, um sie an die unbefugten Goldsucher gegen »Raubgold« einzutauschen, er sei der Hehlerei überführt. Als der Bauer dann auf Befehl in die Wohnung des Beamten gekommen war, forderte dieser fünfzig Rubel von ihm, dann sollte er sein Gut zurückhaben. Die Forderung schien dem Bauer zu unverschämt, und auf den Rat eines Nachbars hin war er gekommen, mich zu bitten, daß ich eine Beschwerde gegen den gewalttätigen Erpresser für ihn schreibe. Der Bauer erzählte mir dann eine lange Geschichte, daß er die Vorräte für sich brauche; er schaffe sie im Winter herbei, weil der Transport leichter sei, und im Sommer verbrauche er sie mit seinen Arbeitern, deren er viele beschäftige. Das war aller Wahrscheinlichkeit nach Schwindel, und der gute Mann war sicher ein Mitglied der ehrsamen Hehlerzunft. Andererseits aber war auch sonnenklar, daß der Beamte sich eines Vergehens schuldig gemacht hatte, daß er die Gesetzesübertretung von seiten des Bauern ausnutzte, um einen Bakschisch zu erpressen. Ich hatte schon früher gehört, daß dieser neu ernannte Satrap die Bevölkerung des ganzen Bezirkes auf jede Weise drangsalierte und brandschatzte. Man hatte ihn zum selbstherrlichen Gebieter eines Bezirkes ernannt, der an Größe manchen deutschen Duodezstaat übertraf, und er war eifrig dabei, dieses Gebiet sich nutzbar zu machen, um seine Taschen zu füllen. Manche Nacht tauchte er unverhofft irgendwo auf, überfiel die Bewohner in ihren Häusern, beschlagnahmte, was ihm in die Hände kam, und verlangte dann Lösegeld in beliebiger Höhe. Dabei pflegte er nach gut russischer Beamtensitte die einfältigen Bauern ins Bockshorn zu jagen, indem er wie ein Berserker tobte und wütete; sein Lieblingsspruch war: »Ihr Kerle sollt erkennen lernen, daß ich für euch Zar und Gott bin!«

Es lockte mich nun wohl, den Satrapen Mores zu lehren, aber andererseits wollte ich auch nicht den Anstifter und Winkeladvokaten spielen. Ich zögerte deshalb lange und gab dem Bauer den Rat, sich an andere zu wenden, an Beamte, die, wie ich wußte, Bittschriften und Beschwerden verfaßten. Er erklärte mir jedoch, daß diese Beamten ihn abgewiesen hätten, weil sie den Pristaw fürchteten. Da blieb mir schließlich nichts anderes übrig, als der Bitte zu willfahren. Damit es aber nicht aussehe, als denunziere ich insgeheim, fügte ich am Ende des Schriftstücks, obwohl ich wußte, daß ich keine Bittschriften für andere schreiben durfte, bei: »Geschrieben und für den des Lesens unkundigen Beschwerdeführer unterzeichnet von dem politischen Verbannten N. N. Indem ich meinen Namen unter das Schriftstück setzte, wollte ich kundtun, daß es mir fern liege, anonyme Denunziationen zu treiben, außerdem konnte ich darauf rechnen, daß dieser Umstand die Behörden zwingen werde, sich der Sache anzunehmen. Der Bauer war sehr zufrieden, bedankte sich und wollte mir durchaus einen Rubel als Lohn für das Schreiben in die Hand drücken, was ich aber energisch zurückwies.

Einige Monate hörte man nichts von der Angelegenheit. Dann kam eines Tages der Dorfschulze und forderte mich auf, nach der Gemeindekanzlei zu kommen, da der Pristaw mich zu sprechen wünsche, Diese Forderung war formell durchaus ungesetzlich, denn wir waren als politische Verbannte nur unserem Verwalter unterstellt, nicht aber der Polizeibehörde. Ich gab also dem Schulzen eine sehr kurze Antwort:

»Sagen Sie ihrem Pristaw, ich hätte kein Anliegen an ihn, wenn er etwas wünsche, möge er zu mir kommen.«

Ich ließ den Mann meine Worte wiederholen, damit er sie richtig behalte, und forderte ihn auf, sie ganz genau dem Beamten zu hinterbringen. Er kam diesem Wunsche auch gewissenhaft nach. Man stelle sich die Wut dieses »Zar und Gott« vor, als er in Gegenwart der ganzen Gemeindebehörde und einer Anzahl Bauern meine Antwort zu hören bekam. Wie mir nachträglich erzählt wurde, schäumte und tobte er wie besessen und gab schließlich Befehl, mich zu fesseln und herbeizuschaffen.

Trotz des kategorischen Befehls, zögerten die Leute, ihm zu gehorchen. Erst einige Stunden später kamen drei der Gemeindevertreter zu mir und baten unter allen möglichen Entschuldigungen, ich möchte doch mitkommen. Ich setzte den Leuten auseinander, daß dem Pristaw kein gesetzliches Recht zustehe, mich zu zwingen, daß er vielmehr mit mir nur durch Vermittlung des Verwalters der Strafkolonie zu verkehren habe. Damit gaben sich die Abgesandten zufrieden und erteilten nun ihrerseits dem Pristaw die Belehrung, daß er keine Gewalt über mich habe.

Tags darauf erfuhr ich von unserem Verwalter, daß der Pristaw eigentlich nichts anderes von mir wollte, als mir ein Schriftstück mitzuteilen, das infolge der von mir geschriebenen Beschwerde bei ihm eingelaufen war, also eine Angelegenheit, die mich nichts anging.

Die ganze Sache mit der Erpressung verlief, wie üblich, im Sande. In jenem Schriftstück wurde der Erpresser aufgefordert, sich zu rechtfertigen. Einige Jahre später, als ich von Kara fortging, hatte der Bauer seine Sachen immer noch nicht zurückbekommen. Sie lagen unter Siegel in Verwahrung des Pristaw.

Für mich selbst hatte die Affäre keine schlimmen Folgen. Nach Verlauf einiger Monate wurde mir ein Schriftstück des Gouverneurs zugestellt, worin darauf hingewiesen wurde, daß es mir verboten sei, Beschwerdeschriften für die Einwohner zu verfassen. Wären unsere Beziehungen zu der bäuerlichen Bevölkerung nicht so gute gewesen, hätte die Sache allerdings schlimm werden können.

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