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Sechzehn Jahre in Sibirien

Lev Grigorievich Deutsch: Sechzehn Jahre in Sibirien - Kapitel 33
Quellenangabe
authorLeo G. Deutsch
titleSechzehn Jahre in Sibirien
publisherVerlag von J.H.W.Dietz Nachf. G.m.b.H
printrunElftes und zwölftes Tausend
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20161103
projectid8b192e49
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XXIX
Beunruhigende Gerüchte. – Eine Visite des Generalgouverneurs. Entlassung aus dem Kerker.

Der Selbstmord der beiden Kameraden hatte zur Folge, daß verschiedene Beamte das Gefängnis visitierten, erst kam der Staatsanwalt, dann der Gendarmerieoberst und schließlich der Gouverneur. Wir ließen uns jedoch in kein Gespräch mit ihnen ein, gaben selbst auf direkte Fragen keine Antwort. Sie zogen ab, ohne auch nur einen Ton aus uns herausbekommen zu haben.

Es wurden auch keine Maßregeln getroffen und alles blieb beim alten. Nur wir selbst waren wie umgewandelt durch die tragischen Ereignisse; es war, als ob eine schwere Last uns niederdrückte: die Lieder verstummten, kein Scherzwort fiel, wir hatten das Lachen verlernt, auch die Spiele wurden eingestellt, selbst das Schachbrett fand keine Liebhaber mehr. Unsere Nerven waren noch zu erregt.

So verging der Winter 1889/90. Das Schweigen der höheren Behörden war ein schlimmes Zeichen. Wir waren sicher, daß die Vorgänge in Kara auf jeden Fall Repressalien in irgendeiner Form nach sich ziehen mußten. Auch blieb die Angelegenheit der Anwendung von Körperstrafen gegen uns noch immer ungelöst, trotz der sechs Märtyrer, die in den Tod gegangen waren. Einzelne von uns waren daher im Frühjahr abermals in sehr gereizter Stimmung; wieder beschlossen zwei Kameraden, in den Tod zu gehen, um der Regierung den Beweis zu liefern, daß die Staatsgefangenen den Protest gegen die Drohung nicht aufgeben. Aber die übrigen Gefangenen ersuchten die beiden, diese Absicht aufzugeben, bis der Kommandant – noch immer bekleidete Masjukoff diesen Posten – Antwort gegeben hätte. Diese Antwort lautete dahin, daß eine neue Verordnung eingetroffen, wonach die körperliche Züchtigung fortan für Frauen gänzlich abgeschafft worden sei; Männer sollten ihr unterliegen, sofern sie nicht den privilegierten Ständen angehörten oder Gymnasialbildung genossen hatten. Die Opfer waren also vergeblich gewesen, das System blieb, aber es war immerhin mit ziemlicher Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Behörden nicht wieder zu diesem Mittel greifen würden. In bezug auf das Verhalten uns gegenüber waren wir sicher, daß das Regime jedenfalls geändert werden würde; in der Tat geschah dies bald.

Schon seit einigen Jahren behauptete sich das Gerücht, daß in Akatui, ein etwa dreihundert Werst von Kara entfernter Ort, ein neuer Kerker gebaut werde, wohin man die in Kara gefangen Gehaltenen bringen würde. Es hieß, in diesem neuen Gefängnis sei ein Regime geplant, wie es bisher in Rußland noch unbekannt war.

Unterdessen schmolz die Zahl der Gefangenen in unserem Gefängnis immer mehr zusammen. Es wurden im Laufe der Zeit eine Anzahl von uns in die Strafkolonie entlassen, auch die Zahl derer, die um Gnade baten und infolgedessen in die »Kolonie« gingen, war nicht gering. Unter anderen sollte auch mein Freund Jakob Stefanowitsch im Frühjahr 1890 in die Strafkolonie entlassen werden, da seine Kerkerhaft beendet war. Aber er wollte durchaus bei uns bleiben, bis die Frage der Überführung nach Akatui entschieden sein würde; er fand verschiedene Vorwände, um seine Entlassung zu verschleppen.

In den letzten Jahren hatten wir keinen Zuzug aus Rußland bekommen, weil die Regierung seit Ende der achtziger Jahre die Revolutionäre nicht mehr vor ein Gericht stellte, somit auch keine Urteile gefällt wurden, die zu Strafarbeit verdammten; statt dessen hatte man das System eingeführt, die Staatsverbrecher auf »administrativem Wege« für viele Jahre nach Sibirien in die Verbannung oder nach der Insel Sachalin zu schicken. Außerdem hatten von denen, die im Sommer 1890 noch in unserem Gefängnis waren, die meisten bereits das formelle Recht, in die »freie Ansiedlung« entlassen zu werden; sie wurden widerrechtlich zurückgehalten infolge der erwähnten Beschränkung der Zahl der Ansiedler auf fünfzehn Personen.

Auch mir stand das Recht zu, im Laufe des genannten Jahres entlassen zu werden, aber ich hatte längst die Hoffnung aufgegeben, daß es geschehen würde. Ich hatte mich gleich bei meiner Ankunft in Kara mit dem Gedanken ausgesöhnt, daß ich meine ganze Strafzeit im Kerker zubringen würde, und dachte selbst in meinen Zukunftsträumen nicht mehr an die »Strafkolonie«; mich beschäftigte nur noch der Gedanke an die entfernte Zeit, wo ich nach Ablauf der Straffrist in der Verbannung in Sibirien leben würde.

Dieses Leben erschien nach allem, was die entlassenen Kameraden darüber in ihren Briefen berichteten, durchaus nicht in rosigem Lichte; aber trotzdem erwartete ich mit brennender Ungeduld den Tag der Befreiung aus dem Kerker. Ähnlich wie der Held in Dostojewskis »Memoiren aus dem Totenhause« zählte ich oft, wieviele Jahre, Monate, Wochen und Stunden ich noch im Kerker verharren müßte. Wie unendlich langsam verging doch die Zeit! Und je weniger Jahre noch blieben, desto langsamer vergingen die Tage, desto länger erschien die Zeit bis zu dem Moment der Befreiung.

Das Leben im Kerker hatte im Laufe der Jahre seine Wirkung auf mich ausgeübt. Meine Nerven waren erschüttert, ich fühlte mich gleichsam durch eine unerträgliche Last niedergedrückt; mein Hirn arbeitete schwerfällig; Apathie und Abspannung waren der herrschende Zustand. Die Zukunft malte ich mir in den düstersten Farben aus, ich war fertig mit dem Leben ...

Im August 1890 tauchten die alten Gerüchte in bestimmteren Formen auf, wir erfuhren mit Sicherheit, daß man uns in kurzer Zeit nach Akatui überführen würde. Diese Nachricht regte uns auf, Kombinationen über die Zukunft im neuen Kerker wurden zum stehenden Thema unserer Gespräche. Es schien uns schier unglaublich, daß die Grausamkeit der Regierung so weit gehen könne, das Schicksal von Gefangenen, die zum größten Teile bereits zehn Jahre und mehr im Kerker zugebracht und alles mögliche erlitten hatten, noch zu erschweren. Alles, was wir erfahren konnten, war, daß in der Tat das Regime im Kerker von Akatui besonders streng sein würde.

Eines Tages erfuhren wir, daß der Generalgouverneur nach Kara gekommen sei. Wir erhielten Befehl, im Hofe zusammenzutreten, und bald erschien in Begleitung einer großen Suite und unter Bedeckung von Gendarmen und bewaffneten Soldaten Baron Korf. Er erklärte uns, es sei Befehl von Petersburg gekommen, uns nach Akatui überzuführen. Das Regime in diesem Gefängnis würde darin bestehen, daß wir, die politischen Verbrecher, in jeder Beziehung den Kriminalsträflingen gleichgestellt sein würden; wir würden mit ihnen gemeinsame Kammern haben, mit ihnen in den Silberbergwerken arbeiten und dieselbe Kost erhalten; kurz, so schloß der Generalgouverneur, »in keiner Weise wird ein Unterschied gemacht werden, die Instruktion wird in allen Punkten durchgeführt werden.«

Die Worte flossen dem Herrn glatt vom Munde, aber es schien doch, daß Baron Korf nicht ganz zufrieden mit seiner Rolle war. Auf uns machten seine Worte einen niederschmetternden Eindruck. Unsere Befürchtungen waren durchaus berechtigt gewesen; sie waren bei weitem übertroffen, denn daran, daß man uns den Kriminalsträflingen gleichstellen könnte, hatte niemand gedacht. Vor allem bedeutete diese Gleichstellung, daß die körperliche Züchtigung auf uns Anwendung finden würde wie auf alle Sträflinge!

Wir standen einige Zeit wortlos da; zum Teil waren wir niedergeschmettert durch das, was wir hörten, auch hatten wir keine Lust, uns in ein Gespräch mit dem Manne einzulassen, der den niederträchtigen Befehl gegeben hatte, eine Frau zu züchtigen. Auf die wiederholt gestellte Frage, ob wir nichts zu bemerken hätten, erfolgte keine Antwort. Indessen schien Baron Korf dringend zu wünschen, daß wir uns in ein Gespräch mit ihm einlassen, und die Lage wurde ungemein peinlich. Endlich, als der Gouverneur gehen wollte, brach Mirski das allgemeine Schweigen. In höflicher Form fragte er den Gouverneur, wie seine Worte aufzufassen seien, daß wir »in jeder Beziehung« den Kriminalsträflingen gleichgestellt würden; er hob hervor, daß diese ohne jede Beschränkung in die Strafkolonie entlassen werden.

Sichtlich erfreut, daß man endlich mit ihm spreche, setzte Baron Korf eifrig auseinander, daß auch in dieser Beziehung fortan kein Unterschied gemacht würde. Es entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch zwischen ihm und Mirski, in das auch Jakubowitsch eingriff. Erregt und heftig gestikulierend begann dieser auseinander zu setzen, daß man uns in allen Punkten den Kriminalsträflingen gleichstellen dürfe, aber wir würden niemals dulden, daß man einen von uns einer körperlichen Züchtigung unterwerfe.

Der Generalgouverneur suchte zu beschwichtigen: das dürfe uns nicht erschrecken, es sei ja niemals einer von uns in dieser Weise bestraft worden, und er hoffe, es würde auch in Zukunft nicht geschehen.

Ich war nicht gesonnen, mich an dem Gespräch zu beteiligen, aber als ich diese Worte hörte, rief ich ganz unwillkürlich mit herausfordernder Stimme: »Und Sigida, eine Frau!«

Das war das peinlichste und verhängnisvollste Thema. Baron Korf begann eifrig zu sprechen, er schien nur darauf gewartet zu haben, um sich hierüber zu äußern; es machte den Eindruck, als fühlte er das Bedürfnis, sich zu rechtfertigen.

»Was sollen wir denn tun?« rief er; »man beleidigt uns, und wir sollen schweigen? Wir waren es nicht, die zu persönlicher Beleidigung griffen.«

»Ihr konntet sie hinrichten,« erwiderte ich, »aber ihr durftet sie nicht peinigen.«

Der Generalgouverneur brachte einige Phrasen vor, die nicht recht klar waren; der Sinn war wohl der, daß das Geschehene unwiderruflich vorbei sei und daß nicht er dafür verantwortlich gemacht werden könne, was in Kara geschehen.

Es war eine unangenehme Szene. Als der Gouverneur fort war, gingen wir äußerst deprimiert in unsere Kammern zurück. Wir fühlten uns beschimpft und erniedrigt durch den Beschluß, den wir eben gehört hatten.

Dieser Tag sollte noch eine Aufregung bringen. Am Abend machte der Aufseher Pacharukoff die übliche Runde und nahm in Begleitung einiger Gendarmen den Appell in den Kammern vor. Ich befand mich im Korridor und wollte zugleich mit den Gendarmen in die Kammer gelangen. Außer mir befand sich noch Fomitscheff im Korridor; er stand an der Tür seiner Kammer. Als ein Gendarm diese Tür öffnen wollte, sah ich plötzlich etwas durch die Luft sausen, ein furchtbarer Hieb folgte, und der Aufseher stürzte zu Boden. Die Gendarmen liefen in panischem Schrecken davon und ließen den bewußtlosen Aufseher am Boden liegen. Ich sprang ihnen nach und rief sie zurück, sie sollten keine Furcht haben und dem Verwundeten helfen; es dauerte aber lange, ehe sie sich dazu bewegen ließen.

Es sei erwähnt, daß der kluge und taktvolle Wachtmeister Golubzoff, dessen ich erwähnte, nicht mehr auf seinem Posten war; der Mann hatte, als unsere Hungerproteste begannen, sich nach der Kriminalabteilung versetzen lassen, da er sah, daß die Sache mit Masjukoff kein gutes Ende nehmen würde. Der neue Wachtmeister dagegen war ein stupider und feiger Patron. Als er sich endlich von seinem Schrecken erholt hatte, brachte ich ihn soweit, daß er die Kammer aufschloß, wo Pribyleff, unser Heilkundiger, saß. Dieser ließ den Verwundeten in unsere Lazarettkammer tragen und leistete ihm die erste Hilfe. Der Aufseher hatte einen Schlag mit einem harten Gegenstand auf den Kopf erhalten; er lag bewußtlos da; es war nicht sogleich festzustellen, ob die Wunde gefährlich sei.

Da der Kommandant abwesend war – er begleitete den Generalgouverneur und sollte erst am nächsten Tage zurückkommen – und der Aufseher bewußtlos blieb, mußten wir, die Gefangenen, selbst Befehle erteilen, um Ordnung zu schaffen. Die vor Schreck kopflosen Gendarmen kamen unseren Anordnungen auch ohne Zögern nach. Vor allem mußte der Verwundete nach seiner Wohnung geschafft werden. Pribyleff ließ ihn mitsamt dem Bette hintragen. Dann mußte etwas mit Fomitscheff geschehen, der selbst darauf bestand, daß man ihn sofort aus unserer Mitte entferne. Der Wachtmeister wurde also veranlaßt, ihn in einer Einzelzelle im Nebengebäude unterzubringen.

Die Tat Fomitscheffs war uns absolut unerklärlich, um so mehr, da der Aufseher eine ganz untergeordnete und gleichgültige Persönlichkeit war, um die wir uns nie gekümmert hatten. Die einzige Erklärung schien uns darin zu liegen, daß Fomitscheff unter dem Eindrucke der neuen Kunde den Verstand verloren habe. Gerade bei Fomitscheff, der, wie erwähnt, ein monarchisch gesinnter Sonderling war, hätte man am allerwenigsten ein Attentat erwarten dürfen; dagegen lag der Gedanke an Wahnsinn um so näher, da er früher einigemal Neigung zu Wutanfällen gehabt. Wir irrten jedoch, am nächsten Tage gab er selbst folgende Erklärung für seine Tat: Als er einige Monate vorher in dem Gefängnislazarett gewesen, wo Pacharukoff Intendant war, wurde er Zeuge eines empörenden Vorfalls. Sträflinge hatten den Hof gekehrt, und der Intendant behauptete, die Arbeit wäre nicht sauber genug ausgeführt; sofort gab er Befehl, die Leute am Tatorte durchzupeitschen, und die Exekution wurde auch wirklich vollzogen, gerade an dem Fenster der Zelle, wo Fomitscheff eingeschlossen war. Schon damals loderte Zorn und Haß gegen den Mann in ihm auf, doch hätte er wohl kaum daran gedacht, ihn deshalb zu überfallen. Aber jetzt, als der Gouverneur erklärte, wir würden in jeder Beziehung den Kriminalsträflingen gleichgestellt werden, erinnerte sich Fomitscheff, wie einer Bagatelle wegen Menschen von einem stupiden Beamten der barbarischen, empörenden Strafe unterworfen werden, und er beschloß, Rache zu nehmen für jene Untat; gleichzeitig wollte er damit zeigen, wie wir uns verhalten werden, wenn man die Prügelstrafe gegen uns anwenden würde.

Wir mußten befürchten, der Generalgouverneur würde das Attentat Fomitscheffs als einen von uns allen beschlossenen und in Szene gesetzten Akt aufnehmen; dann konnten natürlich Repressalien nicht ausbleiben; daher verlebten wir damals ein paar Tage in aufregender Erwartung. Indessen erklärte der Arzt, es handle sich bei Fomitscheff um eine vorübergehende Geistesstörung unter dem Eindruck der vernommenen Verordnung. Zum Glück erwies sich auch die Wunde des Verletzten, die, wie sich herausstellte, von einem Schlage mit einem schweren Knüppel herrührte, nicht lebensgefährlich; der Mann genas, verlor aber das Gehör in einem Ohre. Schließlich mochte auch der Generalgouverneur froh gewesen sein, daß seine Visite damals ohne schlimmen Folgen für ihn abgelaufen war. Das alles ließ ihn die Affäre minder streng nehmen; Fomitscheff wurde zur Beobachtung in das Gefängnislazarett gebracht, und seine Strafe bestand später darin, daß ihm die Kerkerhaft um zwei Jahre verlängert wurde.

Aus den Äußerungen, die der Generalgouverneur Mirski gegenüber gemacht hatte, konnte geschlossen werden, daß alle diejenigen von uns, denen das Recht auf die Entlassung in die Strafkolonie zustand – es waren nicht weniger als zwanzig Mann –, nicht nach Akatui kommen würden, sondern ihnen das furchtbare Regime erspart werden würde. Aber ich persönlich mochte nicht daran glauben, daß die Stunde der Befreiung aus dem Kerker so nahe sein könne, daß ich die, wenn auch noch so sehr eingeschränkte Freiheit gewinnen würde. Ich hatte in Freiburg erlebt, wie leicht Hoffnungen fehlschlagen, und wehrte daher lockende Gedanken mit aller Energie ab, im Gegenteil, ich malte mir die düstersten Bilder über die Zukunft im Kerker mit den Zuchthäuslern aus. Bald jedoch drangen Gerüchte zu uns, daß man in der Tat alle, denen ein Recht darauf zustand, aus dem Kerker entlassen würde, daß bereits eine Liste dieser Personen angefertigt sei.

Da wurden eines Tages ganz unerwartet drei von uns, die verheiratet waren und deren Frauen sie nach Kara begleitet hatten, Luri, Rechniewski und Suchomlin, aus dem Kerker entlassen. Bald darauf erschien Masjukoff in Begleitung seines Amtsnachfolgers Tominin in unserem Kerker; die beiden teilten uns mit, daß weitere siebzehn von uns entlassen würden, und auch mein Name stand auf dieser Liste.

Wir packten unsere Habseligkeiten zusammen und nahmen Abschied von unseren Kameraden, die am nächsten Tage nach Akatui gehen sollten. Der Umstand, daß einige von uns einer so großen Verschlechterung ihrer Lage entgegensahen, dämpfte unsere Freude über unsere Befreiung. Früher hatten ich und andere sich wohl den Abschied, die Freude über die Entlassung anders ausgemalt. Als jetzt die Stunde der Befreiung geschlagen hatte, fühlte ich kaum etwas von Freude, im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, als müßte ich ein liebgewordenes Heim verlassen. Nicht hoch erhobenen Hauptes, sondern traurig und niedergedrückt richteten wir unsere Schritte dem Tore zu.

Das Schloß flog zurück, ein Haufen von Menschen, so groß wie nie zuvor, verließ den Kerker und zog in die Freiheit mit den in Sibirien üblichen Beschränkungen.

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