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Schweres Blut

Juhani Aho: Schweres Blut - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorJuhani Aho
titleSchweres Blut
publisherVerlag von Heinrich Minden
addressDresden und Leipzig
printrunDritte Auflage
year
firstpub
translator
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100401
projectid4dd42e2f
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XIII.

»Da glotzt er wieder hinaus,« sagte Juhas Mutter verächtlich hinter ihrem Spinnrad.

Juha, der wieder, nach dem Waldrand spähend, am Fenster gesessen hatte, erwiderte zusammenfahrend:

»Ich glotze ja nirgends hin.«

»Wenn sie auch noch mal in dieser Welt dorther zurückkäme, wohin sie so gern gegangen ist.«

»Ob sie gern gegangen ist, das weiß man ja nicht,« sagte Juha sanft.

».. dann kommt sie auf alle Fälle nicht in diesem Frühjahrsmatsch. Sie wäre gekommen, als der Schnee trug, wenn sie hätte kommen wollen.«

Als der Schnee trug, das war ja auch Juhas Hoffnung gewesen, seine letzte Hoffnung.

»Sie wird nicht kommen ... ach nein.«

Aber plötzlich bekam er einen Anfall seiner Wut:

»Aber wenn sie kommt, und ihr habt sie ohne Grund beschimpft ...«

»Was dann?«

»Dann sollt ihr wissen, daß ihr keine Nacht mehr im Hause bleibt.«

»Gewiß, ich gehe!« lachte die Mutter still, ohne ihr Spinnen zu unterbrechen. »Ich gehe auch unaufgefordert, wenn die einmal kommt.«

Die Sicherheit der Mutter nahm Juha seine eigene. Sie wird ja wohl nicht mehr kommen und kommt auch nicht .. wo sie sein mag, wenn sie überhaupt noch am Leben ist, da ich nicht die geringste Spur von ihr aufgefunden babe. Wenn er sie in die Stromschnelle gestürzt hat, nachdem er getan, was er wollte.

Aber er wartete doch immer noch, da er ja nicht anders konnte, wartete bei der Arbeit auf dem Hof, wartete bei der Arbeit im Freien. Wartete beim Fischen im Frühjahr, beim Ausbessern der Zäune, beim Fällen auf der Schwende, sogar während des schlimmsten Hochwassers im ganzen Frühjahr. Sie kam nicht. Aber im Sommer wird sie sicher kommen. Wenn sie nicht in diesem Sommer kommt, so kommt sie im nächsten. Man hat ja gesehen, daß auch die in den Kriegsjahren Fortgeschleppten nach zehn, zwanzig Jahren zurückkommen. Darum muß alles hier für sie bereit sein. Hier darf nichts so aussehen, als hätte man gedacht, sie würde nicht kommen. Weshalb habe ich den Schlüssel ihres Speichers in den See geschmissen? Und Juha machte einen Dietrich, und auf den Sommer zu an einem Sonntag, als seine Mutter in die Kirche gefahren war, öffnete er die Tür und sagte zu der Magd:

»Marjas Häuschen muß so zurecht gemacht werden, wie es vorigen Sommer war.«

Das Mädchen wurde so froh, daß ihr die Augen in Tränen schwammen. Sie huschte nach dem Speicher hin, kehrte aber auf halbem Wege um und sagte:

»Wirt, ich glaube es nicht – ich kann es nicht glauben ...«

»Daß sie nicht wiederkommt?«

»Nein, daß sie gern gegangen ist.«

»Du sagtest ja, du hättest es selbst gesehen?«

»Ich habe es nicht gesehen .. ich weiß nicht, ob ich es gesehen habe, obwohl ich glaubte ...«

»Was hast du denn eigentlich gesehen?«

»Das habe ich gesehen, daß er die Frau vom Strande wegriß und daß die Frau gewiß nicht um Hilfe gerufen hat, aber was liegt daran? sie kann ja so erschrocken gewesen sein, daß sie nicht schreien konnte.«

»Aber hatte sie nicht der Mutter gedroht?«

»Das glaube ich nicht! Das hat niemand gehört. Aber ich habe gesehen, daß, als der Fremde an dem Sonntag herumschwänzelte und ihr nachstrich, Marja immer aufstand und wegging ... auch dort von der Speichertreppe, als er sich heranmachte und sich neben sie drängte .. das habe ich gesehen, mag die alte Wirtin sprechen, was sie will.«

Das Mädchen ereiferte sich immer mehr:

»Marja hätte sich eher gar totschlagen lassen. Und kann gar in der Stromschnelle liegen, da ihr sie nicht gefunden habt und niemand dort etwas von ihr wußte. Aber gern ist sie nicht gegangen. Und weswegen ist mir so etwas in die Schuhe geschoben worden, daß ich es gesehen hätte oder daß ich gesagt hätte, sie wäre gern gegangen, was ich nicht habe – da ich mich halbtot geweint habe!«

»Weine nur nicht, Kaisa, ich habe es ja nicht geglaubt.«

»Ihr auch, ihr habt selbst so fest an eure eigene Frau geglaubt.«

Mit noch größerer Sicherheit wartete Juha jetzt auf Marja. Er wanderte umher wie in einem Rausch, sah in diesem seinem Traum am hellichten Tage Gespenster. Bald ging sie, wie sie leibte und lebte, vor ihm auf dem Pfade, bald sah er, wie sie die Kühe in dem Pferch melkte, bald rief sie jenseits der Stromschnelle, am Stillwasser, nach einem Boot; bald glaubt Juha, sie schliefe schon in ihrem Speicher, und öffnet in der Nacht, als er nachhause kommt, leise die Tür. Sie kommt, wann es auch sei, sie kommt. Und wenn sie auch erst nach zehn Jahren kommen sollte, sie kommt. Weil ich sie erwarte und sie mir nicht aus dem Sinn schwindet, gerade deswegen kommt sie, wenn sie nur noch am Leben ist .. Und damit er, während er an seiner Arbeit ist, auf seiner Schwende oder beim Fischen auf dem See, sofort erführe, daß Marja gekommen sei, baute Juha hinter dem Wohnhaus auf dem Abhang des Hügels unterhalb der Föhren einen Reisighaufen auf, den Kaisa anzünden sollte, wenn Marja gekommen wäre.

 

... Ich bin verrückt, dachte er jedoch eines Tages, als er wieder am Rande seiner Schwende auf dem Abhang des Hügelrückens saß, von wo er, wer weiß zum wievielten Male, nach dem Gehöft gespäht hatte. Sie kommt nicht. Kaisa hat mir zu Liebe gelogen. Oder sie glaubt, was sie glauben will. Marja hat sich nie etwas aus mir gemacht. Wenn sie auch zuerst nicht gern gegangen ist, hat er sie dort vielleicht nach und nach herumgekriegt, so daß es ihr gefällt und sie bleibt. Das hat man früher auch gesehen. Was läge ihr auch noch an mir, wo es früher nicht so gewesen ist, nachdem ich immer mehr gealtert bin. Derselbe Ärger wäre es. Auch für sie selber wäre es besser, wenn sie nicht mehr käme. Ich hätte dort auf dem weiten See bleiben können, in dem nächtlichen Schneesturm, als ich in die offene Eisspalte fiel. Was mag es wohl sein, das manche Menschen am Leben hält?

Juha saß am Rand seiner Schwende. Da er nicht mehr zu hoffen vermochte, war es ihm, als habe er sein Boot, das er bisher fest in der Hand gehabt, der Strömung überlassen. Es wurde von ihr fortgerissen und verschwand und verschwand ... Der Wald ist gleich bis zum Gipfel des Bergrückens geschlagen; bald ist auf dem Abhang dieses Hügels nichts mehr zu fällen. Da ist ja genug für mich. Was mühe ich mich noch ab? Dahin gingen die Überlegungen des Mannes: kein Weib, kein Kind, nur eine bissige, boshafte Mutter und die übrige herzlose Sippe. Für sie habe ich dies erarbeitet. Wenn Marja nicht gegangen wäre, hätte sie einmal nach meinem Tode und nach der Übernahme des Gehöftes einen anderen Mann geheiratet und von diesem ein Kind bekommen – dann hätte doch mein Mühen einen Zweck gehabt. Aber das ist ja einerlei.

Er erhob sich und stieg den Hügel hinunter. Es hatte geregnet, der Fuß glitt auf dem schlüpfrigen Wege aus. Bei jedem Schritt schmerzte es in der Hüfte, die seit dem Biß des Bären immer etwas empfindlich gewesen war und sich seit der Schneeschuhfahrt nach Karelien verschlimmert hatte –

Aber was hatten die Kühe dort?

Die mit der Schelle schien, unten in der Senke, brünstig geworden zu sein. Man hörte die Schelle gellend rasseln, wie wenn ein Tier in wildem Lauf dahinstürmt. Zwischendurch brüllten sie auf, nicht wie wenn sie jemand jagte, sondern wie wenn sie selbst etwas vor sich her gejagt hätten. Es war wie das freudige Blöken des Viehs, das auf die Sommerweide getrieben ist. Da Juha von dort, wo er ging, nicht auf den Weg sehen konnte, stieg er höher hinauf, wo er die Stelle sah, von der sich der Weg durch die Senke zuerst auf die alte Rodung und danach über diese nach dem Hof zu wandte. Eine von den Kühen kommt eben auf die Rodung, den Kopf gereckt und den Schwanz gesteift. Sie bleibt stehen und blickt hinter sich. Sofort erscheint eine andere in vollem Lauf und neben ihr, an dem Schellenband hängend, eine Frauensperson. Hinterher kommen noch die beiden anderen Kühe, und jetzt lassen sie sie wie zwischen sich gehen. Juha kann nicht erkennen, wer es ist, da sie für einen Augenblick in das Erlenwäldchen verschwinden, wieder hervorkommen und wieder verschwinden. Das Weib versucht sie wegzuscheuchen, sie bewegen sich auf sie zu, wie um sie zu lecken.

Eine Ahnung in der Brust, rennt Juha aus Leibeskräften in die Senke hinunter, läßt den Weg, der um die Senke führt, links liegen und stürmt geradeaus.

Es ist Marja, es kann niemand anders sein als Marja! Sie ist zurückgekehrt, ihre Kühe haben sie erkannt. Auf der Rodung findet er ein Tuch am Boden. Es ist ein Tuch, wie es die karelischen Weiber tragen. Es gehört Marja!

Als er sich dem Hofe nähert, gewahrt er die Kühe in dem Pferch, wie sie mit hochgehobenen Köpfen über den Zaun in den Hof brüllen. Der Hund stößt heulende Rufe aus, wirbelt im Kreis auf dem Hofraum hin, hinter dem Rinderstall hervor und dort wieder verschwindend. Als Juha um die Ecke gerannt kommt, sieht er, wie sich Marja der Treppe des Wohnhauses nähert. Zugleich kommt die Mutter auf die Treppe heraus, mit dem leeren Melkeimer in der Hand, droht ihr damit und ruft:

»Hier kommst du nicht herein!«

Marja weicht zurück, schwankt und gleitet zu Boden. Die Mutter hebt das Gefäß wieder. Es wird Juha dunkel vor den Augen, er schreit auf, läuft herzu und reißt seiner Mutter den Eimer aus der Hand und zerschmettert ihn an den Steinen des Hofraumes. Dann wirft er seine Mutter über den Hof hin. Die Mutter stürzt kreischend zurück und will abermals auf Marja losgehen:

»Du hast noch die Frechheit wiederzukommen, du Russendirne?«

Noch einmal schleudert Juha sie fort und sagt, außer Atem und stotternd, zu Marja:

»Ge–geh hinein – geh doch hinein ...«

Marja hat sich erhoben und flieht in das Haus.

Juha will ihr nacheilen, bringt es jedoch nicht fertig. Er geht auf den Flur, kehrt aber um. Er muß seiner Mutter sagen, daß – nein, er muß erst Marja sagen, daß sie nicht ...

Die Mutter geht vor Wut schnaubend in ihren Speicher. Juha kehrt in den Flur zurück und eilt in die Stube. Marja sitzt beim Herd auf der Bank, fast in die Ecke geduckt, im Schoß ein Bündel, die Hände vor dem Gesicht. Sie schluchzt .. das kann man sich ja denken, weshalb sie weint. Und Juha wendet sich wieder hinaus. Es muß sofort gesagt werden.

»Wenn ihr Marja etwas tut oder sagt ..!« ruft er an der Tür des Speichers.

»Ich habs ihr schon gesagt!«

»Ihr geht gleich morgen aus dem Haus.«

»Ich gehe schon heute abend!«

»Daß ihr ihr so entgegenkommen konntet?«

»Jawohl.«

»Eine Ku–ku–kuh hat ja ..«

Juha wollte sagen, daß eine Kuh mehr Herz habe, konnte es aber vor Rührung nicht herausbringen und wandte sich in das Haus.

Marja hatte sich an das Fenster gesetzt und blickte hinaus, mit der Schulter nach der Stube, ohne den Kopf zu wenden, als Juha kam.

»Sei nur ohne Sorge .. sie tut dir nichts mehr .. sie geht schon ..«

»Meinetwegen braucht sie es nicht,« sagte Marja matt, kaum hörbar.

»Sie geht schon.«

Juha hatte sich noch nicht recht getraut, Marja anzublicken. Jetzt sah er sie. Ihre Wangen waren eingefallen, die Nasenspitze war scharf, die Brust flach, der Zopf, der früher so voll fast bis an den Gürtel gereicht hatte, schaute dünn wie ein Hanfbüschel unter dem Tuch hervor. Die Kleider waren naß, an mehreren Stellen zerfetzt.

Juha fuhr es durch den Kopf, daß sie ja hungrig sein müsse. »Kaisa, wo bist du?« Kaisa stürzte sogleich herein:

»Ist die Frau gekommen? Wo ist sie? Ich habs ja doch gesagt! – Ach, wie haben sie euch schlimm zugerichtet!«

Kaisa kamen die Tränen, aber Juha schrie sie an:

»Geh und hol zu essen.«

Zugleich humpelt er schon selbst in das Speisekämmerchen, findet dort ein Schafbein und ein Stück Brot und eilt damit in die Stube.

»Iß doch, du mußt ja hungrig sein.«

»Ich ginge lieber zur Ruhe.«

»Zur Ruhe ... gewiß, gewiß ... aber weshalb bringt sie denn nicht die Butter .. und die Milch ..?«

Kaisa war dabei, in dem Speisekämmerchen Butter auf einen Teller zu tun.

»So, ja, so ists gut, und Milch auch –«

Juha ging zum Geschirrbrett und nahm eine Milchbütte herab.

»Nicht die, ich melke frische .. wo ist denn der Eimer?«

»Der ist entzwei gegangen. Bring nur die Butter hinein .. ich melke .. einerlei .. in den K–krug.«

»Da ist Schlickermilch drin.«

»Ich wasche ihn aus ... bring du nur die Butter hinein.«

Juha eilte an den Brunnen, um den Krug auszuwaschen. Kaisa kam herbei, nahm ihn und sprang über den Zaun in den Pferch.

»Wie ich da die Kühe heimholen wollte,« hub Kaisa an, »ja, wie sich da die Kühe losrissen nach dem Hofe zu .. und ich ahnte ja nicht, daß sie hinter der Frau herwollten .. dachte, das Ungeziefer zwickte sie .. o weh! ich habe mein Körbchen mit den Erdbeeren stehen lassen ...«

»Wo hast du es stehen lassen?«

»Dort auf der Treppe ..«

»Ich bringe es ihr ..«

Die Mutter kam aus dem Speicher, hatte ihre Sachen zusammengepackt, warf die Tür zu und ging ohne Abschied nach dem Strand, stieß das Boot vom Ufer und ruderte auf die gegenüberliegende Landzunge zu.

Als Juha mit dem Körbchen in die Stube kam, saß Marja am Tischende. Sie hatte sich ein Stück Brot abgebrochen und eine Scheibe Fleisch abgeschnitten, das sie zu kauen versuchte, aber es schien, als könne sie es nicht hinunterschlucken. Juha blieb an der Ecke der Ofenbank stehen, ohne ein Wort herauszubringen, da auch Marja nichts sagte.

»Kaisa bringt gleich Milch – hm, ich gehe und wärme die Badestube.«

»Mach dir doch keine Mühe ...«

Marja mußte so stark husten, daß sie sich vom Tisch wegwendete.

Juha eilte fort, er mußte in Bewegung bleiben, er mußte allein sein. Sie ist noch etwas scheu, fürchtet sich, glaubt vielleicht, daß ich einen Verdacht gegen sie habe, ihr Vorwürfe machen werde. Ach, wie sie abgemagert und verkümmert ist! Wo mag sie nur gewesen sein? Wie mögen sie sie auch gequält haben? Sie sagte nichts, sah mir nicht in die Augen. Was braucht sie sich zu fürchten? Die Ärmste war ja, als ob sie sich auch vor mir fürchtete. Als ob sie nicht gewagt hätte, mir nur die Hand zu geben. Wie ein aus dem Wald heimgekehrtes Schäfchen, so unglücklich ist sie. Juhas Kiefer zitterten, während er Scheite vom Holzstoß auf seine Arme lud, es fehlte nicht viel, so wäre er in Tränen ausgebrochen, während er die Birkenrinde anzündete. – Ich muß sie zutraulich machen und pflegen, daß sie wird wie früher. Ich breite Stroh auf dem Fußboden und auf der Schwitzbank aus, eine Viertelelle dick wie die Weihnachtsgarben, damit sie sich wohl fühlt. Lasse sie von Kaisa bähen und kneten.

Nachdem Juha die Badestube geheizt hatte, ging er, um Stroh aus der Scheune zu holen. Als er von dort zurückkam, sah er, wie Marja, von Kaisa begleitet, in ihren Speicher ging. Sie waren dort eine Weile, dann kam Kaisa heraus, und Marja zog die Tür zu. Kaisa eilte zu Juha.

»Sie möchte gern ruhen – war so müde, daß sie sich kaum aufhalten konnte.«

»Hat sie gegessen?«

»Ein klein wenig.«

»Kaisa, sag nur ja nicht, daß wir – daß ich geglaubt habe, sie wäre gern weggegangen.«

»I wo! Es kamen ihr die Tränen, als ich sagte, ihr hättet gewollt, daß ihr Speicher wäre wie früher.«

Juha überkam eine fast sinnlose Freude. Marja ist unschuldig! Sie ist nicht gern gegangen, da sie doch zurückgekehrt ist! Die Mutter hat falsch geglaubt, und der Propst hat falsch geglaubt. Und ich auch – wie konnte ich so etwas von ihr glauben?

Er breitete das Stroh auf den Schwitzbänken und dem Fußboden der Badestube aus, band einen Quast und trug Wasser herbei und ging dann, um die Netze auszuwerfen.

Je mehr er an Marja und ihren Zustand dachte, desto mehr drückte es ihn, daß er auch nur einen Augenblick von ihr hatte glauben können, was er geglaubt hatte. Wenn sie sich erholt hat und sich wohler fühlt, bitte ich sie um Verzeihung, sage ihr, daß ich doch nicht so etwas geglaubt habe wie die Mutter. Ich frage nicht, wie alles zugegangen ist. Schlecht ist es ihr dort ergangen, das sieht man. Aber das mag sie selber sagen. Ich forsche sie nicht aus. Ich will gegen sie sein, als ob sie von einem Besuch nachhause gekommen wäre. Sie mag tun, wie sie will, mag erzählen, was sie für gut findet ... oder nichts.

Juha fischte mit dem Störhamen und kehrte erst spät am Abend zurück.

»Wo ist Marja?« fragte er Kaisa.

»Sie ist nach dem Baden in ihren Speicher gegangen.«

»Hast du sie geknetet und besorgt?«

»Sie ließ mich nicht, sie wollte allein baden.«

»Geh leise umher, damit sie schlafen kann. Treib die Kühe für die Nacht ins Gehege, damit sie nicht mit den Schellen scheppern und brüllen.«

Juha schlief die Nacht auf dem Pferdestallboden, um nicht, wenn er in seinen Speicher ging, vielleicht Marja durch sein Rummeln zu stören. Nachdem er sich vergeblich bemüht hatte Schlaf zu finden, schlich er hinter Marjas Speicher und horchte mit dem Ohr an der Wand. Er hörte nichts vom Atem einer Schlummernden, einmal nur ein schwaches Räuspern und ein andermal einen Seufzer, wie von einer Wachenden.

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