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Schwarzwälder Dorfgeschichten - Zehnter Band.

Berthold Auerbach: Schwarzwälder Dorfgeschichten - Zehnter Band. - Kapitel 51
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchwarzwälder Dorfgeschichten
authorBerthold Auerbach
yearca. 1893
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart
titleSchwarzwälder Dorfgeschichten - Zehnter Band.
created20030404
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1843
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Fünfzigstes Kapitel.

Jakob und Magdalena leben auf dem Gute Heisters, Lisbeth, der Nestling, hat den ehemaligen Hilfswärter geheiratet, der nun wohlbestellter Bahnwärter im Häuschen Numero 374 ist . . .

Es war an einem Julitage des Jahres, das wir jetzt schreiben, da kamen Jakob und Magdalena auf dem Zuge von der Hauptstadt; sie waren festlich geschmückt und schauten heiter drein, zumal Jakob war hochgeröteten Antlitzes und seine Augen flimmerten.

Die Großeltern kamen von der Taufe des Erstgeborenen Albrechts.

»Schade, daß der Staatsrat so schnell hat davon müssen,« sagte Jakob, »ich hätt's ihm gegönnt, das Urenkele zu erleben; er ist ein stolzer Mann gewesen, aber kein unrechter. Schaffner! Meine Frau hat die Fahrkarten, sie ist Meister. Ich bin auch bei der Bahn angestellt gewesen. Wo hält man an zu einem Schoppen? Ich hab' so Durst!«

Magdalena mußte alle ihre Beredsamkeit und Freundlichkeit aufwenden, um Jakob zu beruhigen. Sie näherten sich dem Bahnhäuschen Numero 374, am Ueberwege stand der Schwiegersohn stramm, und Jakob sagte zu seiner Frau:

»Das ist meine Ablösung.«

Sie sausten an ihrem alten Heim vorüber und Jakob sagte wieder:

»Ja, ja, wenn's nicht wahr wäre, man sollt's kaum glauben, was alles da aus dem Nest ausgeflogen ist. Ich wäre nur noch gern dageblieben, bis ich wenigstens den siebenten Monturmantel gefaßt hätte. Ich glaub', ich hätt's bis zum zehnten gebracht.«

Magdalena sah ihn feuchten Auges an und er fuhr lustig fort:

»Was meinst, was ein Bahnwart drüben in der andern Welt zu thun kriegt? Warum weinst?«

»Ich hab' mir eben gewünscht, daß wenn wir sterben müssen, wir beide miteinander sterben. Du sollst nicht allein bleiben, und ich auch nicht.«

»Hoho! Sterben! Da halten wir noch lang nicht. Im Elsaß drüben hat's mein guter Kamerad, der Valentin aus Bingen, im Sprichwort gehabt: Mit dem Sterben wollen wir warten bis zuletzt.«

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