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Schwarzwälder Dorfgeschichten - Zehnter Band.

Berthold Auerbach: Schwarzwälder Dorfgeschichten - Zehnter Band. - Kapitel 34
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchwarzwälder Dorfgeschichten
authorBerthold Auerbach
yearca. 1893
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart
titleSchwarzwälder Dorfgeschichten - Zehnter Band.
created20030404
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1843
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Dreiunddreißigstes Kapitel.

Der Krieg war erklärt, Emil zog ins Feld, Jakob lernte stundenweise schlafen am Tag und in der Nacht, denn die Züge, welche die Soldaten und Geschütze führten, folgten gedrängt aufeinander.

Bald schrieb auch Albrecht, daß er sich freiwillig zum Bahndienst in Frankreich gemeldet habe und dahin abgehe.

Selbst Jakob verließ das Haus; er wurde nach der Bahn im Elsaß beordert, wo man verlässiger Beamten bedurfte. Es war seit dem Tode der Frau Heister das erste Mal, daß die Eheleute sich auf längere Zeit trennen mußten, und Jakob lachte in sich hinein, wie ihn Magdalena ermahnte, auf sich achtzugeben, da sie nicht mehr für ihn bedacht sein könne.

»Und gottlob, du kannst schreiben und ich auch,« tröstete sie. Die Briefe gingen fleißig hin und her mit der Feldpost.

Im Winter hieß es in einem Briefe Jakobs: »Ich habe hier einen Nebenkameraden, er ist ein Rheinländer aus Bingen, ein lustiger Kamerad und heißt Valentin, bei dem ist das ganze Jahr Fastnacht; er lacht mich auch oft aus, weil ich mir so vielerlei Gedanken mache und auch Heimweh nach dir habe. Ja, ich bin jetzt da in den Vogesenbergen, wo wir daheim so oft am Abend die Sonne haben hinuntergehen sehen. Ich denke um die Zeit besonders oft an dich, aber auch sonst. Ich will dir nur sagen: Feld und Wald sind hier wie daheim, und die Menschen reden auch so, wie bei uns, sind aber nicht so; sie haben gegen uns was Heimtückisches und Aufsässiges, sie halten sich für was Besseres als wir, weil sie Franzosen gewesen sind. Bei all dem meine ich doch, wir sollten hierher ziehen und hier bleiben; so schwer ich auch von unserem Haus und allem weggehe, fürchte ich doch jeden Tag, es kommt einmal heraus, was über uns ergangen ist, und wir können unseren Kindern Schlimmes ersparen. Hier in der Fremde kennt uns niemand und wir wären weit weg, und wir zwei sind gottlob so miteinander, daß wir niemand brauchen.«

Magdalena erwiderte, sie folge ihm, wohin er bestimme. Jakob antwortete nichts darauf und erzählte in seinem folgenden Briefe nur, welch eine Freude er gehabt, da Albrecht einen ganzen Tag bei ihm gewesen. Albrecht habe sich ausgezeichnet; er habe einmal einen Militärzug gerettet und es stehe in der Zeitung, daß er eine Auszeichnung erhalten habe. Von Emil schrieb er kein Wort, denn Albrecht hatte ihm erzählt, daß Emil Dienste versehe, die freilich nötig seien, aber keine Ehre bringen.

Jakob kam wieder heim, noch bevor der Krieg zu Ende war. Magdalena hatte recht gehabt. Jakob wußte sich allein nicht zu pflegen, er kränkelte; sie hatte aber auch des weiteren recht, daß er unter ihrer Fürsorge bald wieder gesund werde. Jakob hatte auch aus dem Elsaß ein schön Stück Geld mit heimgebracht, das er von der doppelten Löhnung erspart hatte. Magdalena wußte das Geld so anzulegen, daß man neben dem landläufigen Zins noch einen Ehrenzins erhielt, denn der Stolz des Schwiegersohns Eichbauer war sehr geschmeichelt, daß ihm als Sachverständigem die sichere Anlegung übergeben wurde.

Magdalena ließ nicht ab, bis Jakob sie deshalb lobte, und sie war endlich zufrieden, als er sagte: »Eigentlich hättest du sollen Königin sein.«

Das war gut, größeres Lob verlangte sie vorerst nicht.

Und als der Krieg zu Ende war, kam Nachricht von Albrecht, er war in die Hauptstadt zurückgekehrt und war dort Werkführer in einer Maschinenfabrik.

Emil war verschollen. Man wußte nicht, ob er gefangen oder gefallen war.

Es soll kein Leben ganz und unzerstückt sein. Die Eltern mußten sich dreinfinden, daß sie nichts mehr von ihrem Erstgeborenen erfuhren, und sie betrachteten manchmal wehmütig das Bild an der Wand.

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