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Schwarzwälder Dorfgeschichten - Neunter Band

Berthold Auerbach: Schwarzwälder Dorfgeschichten - Neunter Band - Kapitel 66
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchwarzwälder Dorfgeschichten
authorBerthold Auerbach
yearca. 1893
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart
titleSchwarzwälder Dorfgeschichten - Neunter Band
created20030404
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1843
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Einundzwanzigstes Kapitel.

Man saß wohlgemut bei Tische und Vater und Tochter waren unbefangen gegen den Gast, als ob sie von seiner Absicht gar nichts wüßten. Sie fanden Gefallen an dem Amerikaner, der mit Geschick von allem berichtete. Ivo war verständig und gutherzig genug, den Gastfreund nicht bloß auszufragen, sondern berichtete auch von sich. Er trug dem Sohne auf, dem Vater Bericht zu gehen: »Kannst deinem Vater sagen, ich fühle mich noch wie in jungen Jahren, nur daran spüre ich etwas vom Alter, daß ich nach der Arbeit müder bin als ehedem. Sag ihm auch, daß seit seiner Zeit sich die Landwirtschaft bei uns geändert hat. Die Güterzusammenlegung ist weit vorgeschritten und zeigt sich als sehr vorteilhaft, und die verbesserte Wiesenwässerung ist allgemein. Wir bauen nicht mehr vorzugsweise Brotfrüchte, sondern Futterkräuter zu guter Milch und Fleischerzeugung. Unsere Landleute müssen mehr Fleisch essen, sonst muß man das Militärmaß noch weiter herunterthun.«

Ivo berichtete, daß Luzian, genannt Luzifer, wieder aus Amerika heimkomme, denn er sehe ein, daß die Aufgabe der Religionsfreiheit nicht in der Neuen Welt, sondern in der Alten und besonders in Deutschland gelöst werde. Ivo fügte hinzu, daß es jetzt ganz anders sei, wie zu seines Vaters Zeiten, damals galt es für freisinnig und man war's gewohnt, auf Deutschland zu schimpfen, weil man darunter nur die Regierungen meinte, jetzt habe die Zeit begonnen, in der Regierung und Volk, Soldat und Bürger eins werden.

Aloys hielt sich bescheidentlich von jedem Eintreten in dieses Gebiet zurück, und als ihn Ivo geradezu fragte, sagte er:

»Ich bin nicht so gut geschult, daß ich da mit dreinreden darf.« Er berichtete, daß ihn zuerst der Ohm Gregor unterrichtet habe und auch des langen Herzles Kobbel, das meiste aber – es sei aber freilich wenig – habe er aus guten Büchern zu lernen gesucht.

»Ich lerne gern,« fügte er hinzu, »aber ich könnte eher die Stationen der Pacificbahn im Kopf behalten, als die Vetterschaften. Mein Vater hat mir in dem Büchlein alle aufgeschrieben: bei den Gestorbenen habe ich ein Kreuz, bei den Verdorbenen eine Null gemacht. Es ist mir nur lieb, daß mein Vater nicht, wie anfangs im Plan war, mitkommen ist.«

»Warum ist Ihnen das lieb?« fragte Ignazia.

»Jeden Tag siebenmal hätte mein Vater einen Herzstoß bekommen, so hören zu müssen von Tod und von allem. Mich rührt das weniger an, ich habe die Menschen nicht gekannt.«

»Aufs Wohl von deinem Vater und auch auf dein Wohl,« unterbrach Ivo, das Glas erhebend.

Auch Ignazia stieß mit Aloys an und Ivo fuhr fort:

»Ja dein Vater! Es ist ein Glück gewesen, daß er seine erste Liehe nicht geheiratet hat. Das ist oft gut. Ich freilich, ich hab' das Glück gehabt, das erste und einzige Mädchen, das ich auf der Welt lieb bekommen, auch zur Frau zu kriegen. Wie würde sie sich gefreut haben, daß an unserem Tisch ein Sohn sitzt vom . . . vom . . .«

Er sah verlegen lächelnd umher, es fiel ihm offenbar der rechte Name nicht ein, sondern eben nur Tolpatsch.

Der Amerikaner sagte daher errötend schnell:

»Ein Sohn vom Aloys.«

»Ja, ein Sohn vom Aloys und der Mechthild des Mathes vom Berg.«

»Sag einmal: hast du die alte Liebe von deinem Vater, des Jörglis Marannele auch gesehen? Und ich glaub', sie hat eine schöne Tochter, ein Kernmädle.«

Aloys bejahte, aber er erschrak dabei so, daß er das Glas mit dem roten Wein umstieß.

»Verzeihen Sie! Das schöne Tischzeug!« wendete er sich zu Ignazia.

»Das hat nichts zu sagen,« entgegnete Ignazia. »Vater! Kommet mit dem Herrn Vetter nach. Ich will jetzt ins Feld zu den Schnittern.«

Sie stand auf, reichte Aloys die Hand und ging rasch davon.

Die beiden Männer waren allein und eine geraume Weile still.

»Darf ich was fragen?« begann Aloys.

»Frag du nur.«

»Hat die Jungfer Ignazia vielleicht schon jemand einmal gern gehabt? Ich mein', der Herr Vetter hat das von der ersten Liebe, die nicht immer das Rechte trifft, noch aus einem besonderen Grund gesagt.«

»Du passest gut auf.«

»Soll das eine Antwort sein?«

»Du kannst sie dafür nehmen.«

Aloys war betroffen, aber er sagte Mut fassend: »Ich will nur gestehen, daß das Wort mir in die Seele gefahren ist. Ich glaub', es paßt auch auf mich. Ich will's nur gestehen, das Jung Marannele hätt' mir gefallen, aber es paßt sich nicht, niemals, und seitdem ich die Jungfer Ignazia gesehen habe, erst recht nicht. Ich meine nur, ich wäre zu gering für sie.«

Ivo hielt sich zurück, hierauf einzugehen. Im Gedanken, daß Aloys in Deutschland bleiben könne, sprach er davon, daß Aloys bei seinem guten Eifer und seiner festen Natur es leicht zu höherem Wissen bringen könne; er ermahnte ihn indes auch mit eindringlichen Worten, sich in jedem Falle die guten Erfahrungen und Einsichten nicht verderben zu lassen, die er bei guter Fassung von dieser Reise mit heimnehmen werde.

Wie eine innere Labung war jedes Wort Ivos; er war so entschieden und mild zugleich und sein ganzes Behaben so anheimelnd. Aloys fühlte die wohlthuende Art dieses Mannes, es beschlich ihn aber eine um so größere Bangigkeit.

Wie wird es denn sein, wenn du abgewiesen davongehen mußt?

Liebenswürdig in der eigentlichen und ersten Bedeutung des Wortes sollte Aloys erscheinen, aber im inneren Zerfall mit sich und in Beschwichtigung von stillen inneren Vorwürfen des Gewissens ist man am wenigsten dazu geeignet.

Aloys konnte wie sein Vater damals bei der Soldatenbeschau sagen: Kusperet mich nur aus, ihr werdet kein Unthätele an mir finden. Er konnte jedem durchdringenden Blicke ruhig standhalten, aber es verdroß ihn, daß er Gescheitheit und gutes Herz zeigen sollte. Geschieht dir recht, dachte er in sich, warum hast du Marannele so ohne Wort verlassen! Sie hat kein Examen mit dir angestellt und du keines mit ihr, die Herzen sind aufgegangen füreinander und wegen eines Hundenamens soll das alles aus und vorbei sein? Eitelkeit und Stolz auf der einen und Liebe und Gehorsam auf der andern Seite kämpften um ihn.

Da drüben weint ein Mädchen, weil es sich um seine Liebe betrogen glaubt; der Mund, den du geküßt, zittert und bricht in Klagen aus. Was hat das arme, gute liebe Wesen denn verschuldet? Was kann es für den dummen Uebermut seines Vaters? Und was kannst du für einen untilgbaren Widerwillen deines eigenen Vaters?

Diese Gedanken bewegten Aloys, als er einsam durch Feld und Wald auf der Hochebene ging.

Ivo hatte ihn aufgefordert, ihn zu den Schnittern zu begleiten, aber Aloys hatte dankend abgelehnt; er wollte allein sein, aber er war doch nicht allein, denn eine Mädchengestalt ging mit ihm und sah ihn weinend an, und er sagte fast laut: »Sei ruhig, Marannele. Es ist noch nichts geschehen. Und vielleicht ist's gut, daß ich fort bin, es wird alles besser und fester dadurch . . .«

Er wandelte so in Gedanken versunken dahin, daß er die Gestalt nicht sah, die sich ihm näherte.

»Grüß Gott, Vetter! Sie sehen ja gar nicht auf,« wurde er angeredet.

Ignazia stand vor ihm, sie trug den breiten Strohhut am Arme und sah hochgerötet und schön aus. »Es kommt ein starkes Gewitter,« fuhr sie fort, »sehen Sie die schwarzen Wolken. Man stellt nur noch die Garben auf und dann geht alles heim.«

»Da will ich helfen,« antwortete Aloys und eilte querfeldein. Ignazia schaute ihm verwundert nach.

Mit einer Schnelligkeit, die das Staunen Ivos erregte, richtete Aloys Garbe um Garbe in die Höhe. Es donnerte und die Wälder rauschten mächtig, aber das Gewitter zog sich gegen die Schweiz hin und Aloys half mit großer Behendigkeit die Garben aufladen.

Als man hinter den geladenen Garbenwagen heimging, sagte Ivo: »Im raschen Zugreifen können wir von euch Amerikanern lernen. Du wärest mir eine große Hilfe, wenn du über die Ernte bei uns bliebest. Wir haben Mangel an Feldarbeitern, glücklicherweise habe ich sechs Soldaten aus Freiburg zur Aushilfe bekommen; sie reichen aber kaum aus.«

»Ja,« schaltete Aloys ein, »ich meine, das Arbeitsleben wird in Deutschland bei jedem Menschen arg unterbrochen, daß eben jeder jahrelang Soldat sein muß.«

Ivo suchte klar zu legen, daß wir die schwer zu vereinbarende Aufgabe haben, stark zum Krieg und mächtig zur Arbeit zu sein.

Die Mähmaschine wurde nach dem Hause geführt und Aloys sagte, es freue ihn, daß dies aus Amerika hier heimisch geworden; er erzählte, wie es ihn angemutet habe, als ob er einen guten Freund aus der Heimat sehe, da er diese Maschine hier erblickt.

Ivo sah den Redenden verwundert an; ein fremder Mensch schien aus ihm zu sprechen. Nach einer Weile sagte Ivo:

»Es macht mich freilich glücklich, ein neues Bauerngeschlecht erziehen zu helfen, aber es thut mir doch weh, das Gut zu verkaufen, in dem die Lebenskraft meiner besten Jahre steckt. Ihr Amerikaner kennt da keine solche Anhänglichkeit, bei euch ist alles money making

»Just auch nicht alles,« entgegnete Aloys.

»Wie wär's,« begann Ivo, »wenn du mir das Gut abpachtest oder abkauftest und hierbliebest?«

»Ich bin ein Amerikaner.«

»Gut. Warum soll sich's nicht auch umkehren? Es wandern bereits viele zurück, und es werden noch mehr kommen.«

»Ich bin ein freier Republikaner.«

»Ich ehre jede Ueberzeugung und jeden Mann, der auf sein Vaterland stolz ist. Die republikanische Staatsform ist gewiß schön und gut, aber damit ist das Schöne und Gute noch nicht da. Sieh dich bei uns um. An Freiheit fehlt uns nichts und wir halten's sogar für besser, daß ein Fürst obenan steht und nicht ein wechselnder Präsident und wechselnde Beamte. Dagegen ist bei uns die Verwaltung ehrlich und die Justiz unbeugsam. Glaub mir, lieber Aloys, wegen der Freiheit geht kein Mensch mehr nach Amerika. Mit dem Stolz auf die Republik ist's vorbei, bei unseren Nachbarn da drüben wie bei euch.« Aloys schüttelte den Kopf und heftiger werdend rief Ivo: »Und ich muß dir sagen, es kommen jetzt viele aus Amerika zurück, einzelne und ganze Familien und nicht zu unserer Freude. Die was besitzen und die nichts haben, alle glauben sie Großprahler sein zu müssen. Und was ist in Wirklichkeit?«

Ivo erging sich in bitteren Worten über den zeitweiligen Verderb des öffentlichen Lebens in Amerika. Aloys hatte nicht das Wissen, um ihn mit Thatsachen und Zahlen widerlegen zu können; da fiel ihm ein gutes Beweismittel ein und sein ganzes Gesicht lachte, indem er sagte: »Sie kennen ja auch den Oberst Waldfried. Ist das nicht ein Mann, wie nur Amerika ihn aufbaut?«

»Allerdings. Das ist ein kernbraver und großdenkender Mann. Aber, lieber Aloys, das ist kein Zeuge für dich. Er klagt selber über die Prahlhansigkeit und Verdorbenheit vieler Deutschamerikaner. Ich war vor mehreren Wochen bei ihm. Da war ein Mann in arger Verwahrlosung mit Frau und fünf Kindern herüber gekommen. Waldfried nimmt ihn in sein Geschäft und der Mann schimpft täglich hundertmal über die Kleinlichkeit in Deutschland. Kleinlich! Alles ist bei uns kleinlich. Und was war sein großartiges Gewerbe drüben? Er schenkte täglich ein Faß oder mehrere vergüteten Schnapses an die Irländer aus, und seine Großartigkeit Amerikas bestand darin, daß man seine Kunden nicht kennt und keine dauernde Beziehung und Verpflichtung zu ihnen hat. Ja, lieber Aloys, ich meine, wenn nicht eine große sittliche Wendung bei euch eintritt, müßt ihr noch schweres Lehrgeld zahlen.« Da Aloys schwieg, fuhr er fort:

»Aber was wollen wir uns streiten? Du bist mir ein lieber Besuch. Marte, komm her!« rief er einem starkknochigen Manne zu. Der Angerufene kam und Ivo sagte: »Aloys! Das ist ein Landsmann von uns, er ist auch aus Nordstetten. Dein Vater hat den seinen gut gekannt. Sag nur, der Sohn des Wendels von der Bruck. Der Marte ist schon einundzwanzig Jahre bei mir und geht auch mit auf unser Pachtgut bei der landwirtschaftlichen Schule.«

»Wer ist der Herr?« fragte Gregor.

»Aus Amerika, der Sohn von des Barthels Basches Aloys.«

»Von . . .« er wollte offenbar auch wieder Tolpatsch sagen, er unterdrückte es aber noch und sagte nur: »Grüß Gott,« dann ging er davon. –

Am Abend war Aloys wieder wohlgemut, aber Ignazia merkte doch, daß zwischen dem Vater und dem Gastfreund eine Verfremdung war. Ignazia wollte offenbar freundliche Stimmung erwecken. Als daher noch am Abend Männer ans der Umgegend kamen, die von dem Wegzuge Ivos gehört hatten, ließ sie den Vater mit den Männern und ging mit Aloys auf der Landstraße.

Die Nacht war mild und dunkel, kein Stern sichtbar am wolkenbedeckten Himmel, die ganze Natur war wie in atemloser Spannung, des ersehnten Regens gewärtig.

Aloys gestand offen, wie sehr es ihn überrasche und schmerze, daß Ivo so schlimm von Amerika denke. Ignazia wußte die Stimmung des Vaters dahin zu deuten, daß er vielleicht im Grunde Republikaner sei und darum so bitter, wenn er von deren Verderb höre. Uebrigens hätten ihn die Großsprechereien vieler Heimgekehrten in letzter Zeit vielfach verletzt.

Aloys erzählte von Ohlreit und wie er glaube, der voraussichtliche Untergang dieses Menschen habe damit begonnen, daß er für reicher angesehen sein wollte, als er in Wirklichkeit war. Ignazia fragte nach dem Heimwesen des Aloys und er war erschreckt und erfreut, wie sie alles genau erforschte.

Ist das ein Zeichen der Liebe und wird sie ihm in die Neue Welt folgen?

Er schilderte indes alles anschaulich und lebhaft und besonders schön war, wie er das volle und innige Familienleben darstellte.

Aloys schien im Dunkeln viel besser sprechen zu können als am hellen Tag. Verwunderlich blieb aber, daß seine Doppelnatur sich immer bestimmter kundgab; über manche Dinge sprach er wie ein Kind und über anderes wieder wie ein voll ausgereifter Mann.

In guter Wechselrede waren die beiden wieder zum Hause zurückgekehrt.

»Ich weiß nicht,« sagte Aloys stehen bleibend und seine Stimme war wundersam bewegt. »Ich meine, ich höre Musik.«

»Sie hören richtig. Da drüben in Erlenbruck ist heute Hochzeit und der Luftstrom trägt bisweilen den Trompetenklang zu uns.«

Es mag sein, daß Ignazia fürchtete, Aloys könnte jetzt etwas sagen, was sie nicht wünschte; denn nach einer peinlichen Pause fragte sie: »Haben Sie in Ihrer Heimat auch Hebels Alemannische Gedichte?«

»Gewiß! Der Ohm Gregor hat uns oft daraus vorgelesen.«

»Das ist schön! Sie wissen doch, daß Sie hier auf seinem Heimatsboden sind? Dort ist der Feldberg. Ich kann fast alle seine Gedichte auswendig. Im Lazarett habe ich sie oft und oft unseren Landsleuten vorgelesen, und es war den Verwundeten so wohl, wie wenn sie leibhaftig die frische Luft unserer Waldeshöhen atmeten. Wenn Sie über den Sonntag bleiben, gehen wir allesamt auf den Feldberg. Aber jetzt, da ist der Regen! Gut Nacht, Aloys.« sagte sie.

»Gut Nacht, Ignazia,« antwortete er.

Aloys! Sie hat dich bei deinem Namen genannt. Aber hat's nicht doch schöner geklungen, wie Marannele Aloys sagte?

Ivo rief Aloys noch auf seine Stube und sagte: »Das ist viel, daß Ignazia mit dir gegangen ist. Dessen kann sich noch keiner rühmen. Darf ich wissen, was sie dir gesagt hat?«

»Sie hat nichts von der Hauptsache gesprochen, aber gut gegen mich ist sie, von Herzen gut. Es mag nun werden, wie es will, ich hab' eine gute Freundin.«

Ivo begleitete den Gastfreund noch auf das Giebelzimmer, wo Ignazia alles wohl hergerichtet hatte.

Auf dem Tische lagen Hebels Alemannische Gedichte und als Aloys eben darin lesen wollte, mußte er aufhorchen. Ein wohlgestimmter Gesang der Soldaten tönte von der Scheune herüber. Aloys lauschte am offenen Fenster.

Der Duft der getränkten Erde stieg zu ihm auf und ein Hauch aus dem Tiefsten unseres vaterländischen Lebens wehte ihn an. Es war Nacht und Regen, und doch war's Aloys, als schiene die helle Sonne. Die Soldaten sangen das Lied vom guten Kameraden, das konnte er in der Ferne leise auch mitsingen, und jetzt stimmten sie die Wacht am Rhein an; Aloys suchte im Nachsingen sich die Weise einzuprägen, er verstand keine Worte, aber die Töne thaten ihm wohl. Nun erscholl noch helles Jauchzen. Dann war alles still.

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