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Schwarzwälder Dorfgeschichten - Fünfter Band.

Berthold Auerbach: Schwarzwälder Dorfgeschichten - Fünfter Band. - Kapitel 18
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchwarzwälder Dorfgeschichten
authorBerthold Auerbach
yearca. 1893
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart
titleSchwarzwälder Dorfgeschichten - Fünfter Band.
created20030404
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1843
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Zweckesser, Hofmetzger und Nachtisch.

Man hat in den letzten Jahren so oft gepredigt. daß England der Musterstaat sei; die Beamten haben wenigstens so viel davon angenommen, daß sie das erste Glas mit Segenssprüchen den Erdengöttern weihen. Der Oberamtmann hatte den ersten Toast dem »gekrönten fürstlichen Landwirte« gebracht, der in der That für Hebung des Ackerbaus Ersprießliches gethan. Hierauf ging es an ein gegenseitiges Beräuchern. Der Verein ließ den Präsidenten, der Präsident den Verein, das älteste Mitglied das jüngste, das jüngste das älteste, der Studierte den Unstudierten, der Dickste den Dünnsten, der Dünnste den Dicksten u. s. w. leben. Der Jubel und glückselige Untereinander war allgemein, man schüttete sich beim Anstoßen den Wein über Rock und Hände und lachte dazu, man drückte sich ans Herz, man reichte sich die Hände, und unter rauschender Musik, bei der man kaum sein eigenes Wort hörte, sagte eines dem andern, wie glückselig man sei und welch ein herrlicher unvergeßlicher Tag das geworden. Der Domänenrat hemmte indes noch einmal den gemütlichen Glückseligkeitsdusel. Wohlweislich vor dem Braten verlas er einen geschriebenen Aufsatz, und während er sonst einfach und sachgemäß zu sprechen verstand, erging er sich hier in gelehrte Darlegungen. Weil er sich vom Schreiber emporgearbeitet hatte, wollte er wohl den anwesenden Beamten und Studierten zeigen, daß sein Wissen auch nicht von gestern sei, und verlor sich in eine Darlegung des römischen Familienrechts, in dem der Vater in unbeschränkter Machtvollkommenheit war und das jus vitae ac necis (das Recht über Leben und Tod) hatte, im Gegensatz zu der germanischen Familie, die eine Rechtsgenossenschaft war und in der die Familienglieder einen selbständigen Rechtskreis erhielten. Hier wurde er unterbrochen. Auf der Tribüne bei den Musikanten wurde es unruhig, der Oberamtmann befahl Ruhe, oder er werde den Störer mit einem Landjäger abführen lassen. Der Domänenrat sprach weiter, und mit einem Sprunge, bei dem er den getöteten Grundrechten, welche die bäuerlichen und adligen Fideikommisse aufgelöst hätten, noch einen Tritt versetzte, kam er auf die Bedeutung der Familien-Fideikommisse; er hielt sich bei den adligen Erbgütern nicht lange auf, sondern wies auf die Bedeutung der großen geschlossenen Bauerngüter hin, wie diese die Stammhalter des Staates seien und wie alles zu Grunde gehe, wenn die Güterkomplexe zersplittert würden und das eintrete, was der Märtyrer für Deutschlands Wohlfahrt und Kraft, Friedrich List, die Zwergwirtschaft genannt. Mit erhobener Stimme pries er die Landschaft glücklich, in der noch nicht der Grundbesitz, das unbewegliche Gut, so sehr zu einem beweglichen geworden sei, daß es davon laufe, wo vielmehr noch die Grundfeste einer mächtigen Bauernschaft bestehe, und »freudig« rief er aus, »sehe ich mich auch hier um und sehe noch Männer im groben Kittel voll Kraft und Bedeutung, die sich ein Denkmal setzen für ewige Zeiten, weil sie es von den Vorvätern überkommen, und die es nicht dulden, daß auf ihren großen Ackerbreiten einst nichts als Markstein an Markstein wachsen. Ich sehe mich um und sehe nicht Zwergwirte, sondern mächtige gesunde Bauernstämme.« Ein allgemeines Lächeln unterbrach den Redner, und der Furchenbauer sah stolz umher und schien größer und jünger zu werden. Dieser Tag brachte ihm Preis und Ehre in Fülle. Der Domänenrat ging nun auf den eigentlichen Zweck seiner Rede über, indem er gegen das in der That vielfach verderbliche Verfahren der Zerteilung großer Güter durch Händler, die sogenannte Hofmetzgerei, loszog und damit schloß, daß man eine Petition an die Stände unterschreiben solle, damit ein Gesetz erlassen würde zum Schutze der geschlossenen Güter und gegen die Hofmetzgerei. Bevor er die bereits entworfene Petition vorlas, stellte er den Gegenstand zur Debatte.

»Will jemand das Wort ergreifen?« fragte er.

Lautlose Stille.

Da rief eine Stimme vom Empor: »Ich, ich will dagegen reden.«

Der Furchenbauer erbleichte. War das nicht die Stimme Albans?

Der Oberamtmann schickte einen Landjäger auf den Empor, um den Ruhestörer zu entfernen. Noch einmal fragte der Domänenrat: »Will jemand das Wort ergreifen?«

»Jawohl,« rief jetzt eine Stimme neben dem Furchenbauer, daß dieser zusammenfuhr. Ein Lachen und Murmeln zog durch die Versammlung, aus dem man vielfach das Wort hörte: »Ah! der Klein-Rotteck.« Dieser stand auf, hielt das Messer in der Hand und stemmte dessen Spitze auf den Tisch; er schaute gelassen hin und her und wartete, bis Ruhe eingetreten war, dann begann er: Wie er auch meine, daß große Bauern dem Staat nützlich seien, weil sie noch die einzigen sein könnten, die nicht unterducken; daß dies aber nicht der Fall sei, wo die Ehre und der Verstand fehle, »und die hat,« setzte er mit erhobener Stimme hinzu, »ein Taglöhner, der mit dem Handkarren fährt, ein Bettelmann, der seine Schuhe in der Hand trägt, oft grad so gut und noch besser als einer, der vierspännig fährt. Der Furchenbauer da neben mir,« der Erwähnte fuhr wieder zusammen, »der Furchenbauer hat einen Knecht, ihr habt ihm heute einen Preis gegeben, sein Urgroßvater war ein Bruder von meinem und hat fast nichts bekommen. Darf man die Enkel zu Bettlern machen, warum denn nicht seine Kinder zu Mittelleuten?« Er erhob sein Messer und fuhr fort: »Da liegt ein Laib Brot, ich will sagen er ist mein, ich zerteil' ihn und geb' jedem von meinen Kindern ein gut Stück; so hab' ich's auch mit meinem Hofgut, und so darf ich's haben und niemand, kein Gesetz und niemand soll mir's wehren. Das ist und bleibt ein Grundrecht, sei's geschrieben oder nicht. Und weil wir grad davon reden: die große Verfassung gilt jetzt nichts mehr, aber in unsrer kleinen, in unsrer Landesverfassung ist uns mit deutlichen Worten ›Freiheit des Eigentums‹ zugesichert. Ich weiß die Worte deutlich, und einer von den Herren wird wissen, welcher Paragraph es ist –.«

Der Klein-Rotteck hielt eine Weile inne, und eine Stimme rief: »der vierundzwanzigste,« worauf der Redner fortfuhr:

»Also im 24. Paragraph haben wir Freiheit des Eigentumsrechts. Die Hofmetzgerei ist ein Elend, ein großes Elend, das ist wahr; aber ist nicht ganz Deutschland auch ein zerstückeltes Gut, in der Hofmetzgerei geschlachtet? Und die Zwergwirtschaft –«

Ein allgemeiner Sturm entstand, der Präsident verwies den Klein-Rotteck zur Ordnung, und dieser fuhr ruhig fort, aber nur noch mit halbem Nachdrucke, das freie Schalten über jegliches Eigentum zu verteidigen. »Die niedern Leute,« schloß er, »müssen auch Gelegenheit haben, ein Stück Acker zu erwerben, daß sie nicht ewig in der Luft stehen. Ich bin dafür, man kann ein Ausmaß stellen, bis wie weit ein Gut verteilt werden darf für die Zukunft; man muß aber auch ein Ausmaß stellen, bis wie weit man Grund und Boden in einer Hand besitzen darf. Die Adligen kaufen von den Ablösungsgeldern, die sie von uns bekommen haben, jetzt wieder alle Güter auf. Wie lange wird's dauern, da gibt's wieder nur noch Beständer (Pächter). Dagegen muß auch Vorkehrung getroffen werden. Wenn diese beiden Punkte hineinkommen, dann unterschreib' ich.«

Der Klein-Rotteck war zweimal unterbrochen worden, denn der Apostelwirt hatte das Ameile aus dem Saale geholt und bald darauf die Oberamtmännin; sie waren beide nicht wieder zurückgekehrt. Aus der untern Stube vernahm man jetzt lautes Rufen und Abwehren.

Der Klein-Rotteck setzte sich lächelnd nieder und zerschnitt den Laib Brot in Stücke; den Furchenbauer fröstelte es: er wußte nicht, warum, er schüttete ein groß Glas Wein in einem Zuge hinab.

Der Domänenrat wollte erwidern, aber man sah deutlich in der Ferne, wie ihm der Oberamtmann abwehrte, er wollte dies selbst übernehmen, und bald begann er in gemäßigtem Tone zuerst den Klein-Rotteck zu loben, daß er frei herausgesprochen habe, dann aber verteidigte er, oft vom Beifall unterbrochen, mit hinreißender Beredsamkeit die Bedeutung eines mächtigen Bauernstandes. Zuletzt wendete er sich nochmals gegen den Vorredner und erging sich in scharfem Spotte über »unverzapftes und sauer gewordenes achtundvierziger Gewächs«. Er hielt dem Klein-Rotteck den Widerspruch vor, daß er gegen die Zerstückelung Deutschlands eifere (worauf dieser einwarf: »Bin deswegen zur Ordnung gerufen, darf nicht erwähnt werden«) und bei Privateigentum in Grund und Boden doch einer solchen das Wort rede. Er suchte darzulegen, daß man diese Frage, »die schwierigste der Volkswirtschaft,« nicht mit einigen liberalen Redensarten abthun könne. »Das ist eine Sach,« rief er spottend, »die sich nicht mit dem Brotmesser schneiden läßt, da braucht es die feinsten Instrumente der staatlichen Heilkünstler. Der Hirzenbauer wird mir erlauben, daß ich ihn auch Klein-Rotteck heiße und ihm sage, daß sein Pate, der große Rotteck, für Unteilbarkeit der Güter sich aussprach.«

Ueberhaupt deckte der Oberamtmann mit schonungsloser Schärfe nicht nur die Widersprüche, sondern auch die Lücken auf, die aus der Darlegung des Klein-Rotteck sich ergaben. Er lobte ihn wiederholt wegen seines selbständigen Denkens und seiner unumwundenen Aussprache, zeigte ihm aber, daß ihm die Uebersicht und der Zusammenhang fehle, und er traf den Hauptpunkt, indem er sagte, daß der Hirzenbauer schlagend und oft unwiderleglich sei, wenn er eine einzelne Bemerkung mache, daß er sich aber auch immer verhasple, wenn er einen zusammenhängenden Vortrag halten wolle; seine Reden seien eben auch keine geschlossenen Güter. Zuletzt erwies er mit großem Scharfsinn, daß die Freiheit des Eigentums, auf Grund und Boden angewendet, nur darin bestehe, daß man in keiner Weise gehindert sein dürfe, sein Grundeigentum zu bebauen und auszunutzen. wie man den Verstand dazu habe; der Staat aber müsse ein Recht haben, die Zerstörung seines eigenen Bestandes, seines eigenen Bodens, und das sei die Zerstückelung des Grundeigentums, zu verhindern, und mit den Worten Justus Mösers schloß er: »Der Boden ist des Staates.«

Der Klein-Rotteck verzichtete auf jede Entgegnung, und während der Domänenrat die Petition vorlas, kam der Apostelwirt und rief auch den Furchenbauer ab.

Er wurde nach einer hintern Stube geführt, vor deren Thüre ein Landjäger stand. Als er eintrat, sah er zu seinem Erstaunen Alban zwischen Ameile und der Oberamtmännin. Er wollte wieder umkehren, aber die Oberamtmännin faßte ihn bei der Hand und beschwor ihn, hier zu bleiben, wenn nicht ein fürchterliches Unglück geschehen soll.

»Was kann geschehen?« fragte der Furchenbauer trotzig.

»Das ist ein rasender, ein fürchterlicher Mensch!« rief die Frau. »Euer Sohn vergreift sich am Landjäger und kommt ins Zuchthaus, wenn Ihr nicht Friede stiftet.«

»Meinetwegen, er ist nichts Besseres wert, er ist widerspenstig gegen seinen Vater und gegen die ganze Welt,« entgegnete der Furchenbauer kalt.

Die Oberamtmännin ließ die Arme sinken; im Innern that sie ihrem Mann Abbitte, weil sie ihm oft nicht glauben wollte, wie roh die Menschen seien. Der Oberamtmann hatte sich das Sprichwort angewöhnt: Elf Ochsen und ein Bauer sind dreizehn Stück Rindvieh. Zeigt sich nicht hier eine stiere Unbeugsamkeit? Der Furchenbauer wendete sich wieder nach der Thüre, die Oberamtmännin hielt ihn fest und erzählte hochatmend, wie es Alban gewesen sei, der vom Empor gerufen habe, wie ihn der Landjäger verhaftet und er nach Ameile schickte, diese sie rufen ließ, wie sie sich dafür verbürgt habe, daß Alban frei ausgehen solle, und daß dieser unerwartete Ueberfall zum Frieden und zur Versöhnung führen müsse.

Der Furchenbauer rieb sich mit beiden Händen Schläfe und Wange, der Wein schlug ihm zum Gesicht heraus, er atmete schwer; endlich sagte er:

»Mach ein Fenster auf, Ameile; ich erstick'.«

Ameile gehorchte, und wieder sagte der Vater:

»Was will denn der ungeratene Bub da? Red, red, sag ich.«

Alban schwieg beharrlich, und der Vater fuhr fort: »Da sehet ihr's, wie er ist. Recht war's, wie der Domänenrat von alten Zeiten erzählt hat, da hat der Vater seinen Sohn aufknüpfen dürfen. Er hat ihm das Leben gegeben, er darf's ihm auch nehmen. Darf ein Kind jetzt seinen Vater durch Ungehorsam umbringen?«

Seine Stimme stockte, und er hielt inne.

»Vater, er ist brav, er will brav sein,« beschwichtigte Ameile.

»Still du, mit dir hab' ich allein zu reden, dein' Falschheit ist am Tag; aber wart nur, komm nur heim,« polterte der Furchenbauer gegen Ameile.

Die beiden Frauen standen ratlos. Endlich begann Alban: »Ich will auch Friede, nichts als Friede; ich schäm' mich ins Herz hinein, daß ich da so dastehen soll.« –

»Hast's auch nötig.«

»Ich kehr' wieder heim, aber unter einer Bedingung.« –

»Ho, ho! Er will Bedingung stellen.« –

»Ich hab's geschworen, und der Vater muß bitten« –

Der Furchenbauer schlug sich auf den Mund und rief:

»Solang die Zung' da lallen kann, nicht, darauf kannst du dich verlassen. Herr Gott, was ist das für eine Welt! Mein Vater wär' hundert Jahr alt geworden, wenn er sich nicht Schaden gethan hätt'; ich werd' nächsten Montag siebzig Jahr alt, ich erleb's nicht, du kannst dich rühmen, daß du das zuweg bracht hast, es wird dir am Vergeltstag angerechnet werden.«

Jetzt mit bebender Stimme sagte Alban: »Vater! Ich will Euch in Ehren halten, ich will Euch jeden Tag doppelt vergelten, den ich Euch Kummer gemacht hab. Vater! Wenn ich fest bin in dem, was ich gesagt hab', so hab' ich das von Euch, Ihr habt mich's gelehrt und mich darüber gelobt; Ihr dürfet mich jetzt nicht dafür verstoßen.« Er warf sich vor dem Vater auf die Kniee und rief schluchzend: »Da bitt' ich Euch um alles in der Welt, saget das eine Wort! Draußen steht der Landjäger, ich vergreif' mich an ihm, ich will zu Grunde gehen, ich will ins Zuchthaus, Vater! zum letztenmal halt' ich Eure Hand, saget nur ein paar Worte, und ich bin wieder am Leben. Vater! lieber Vater, saget's.«

»Könnet Ihr widerstehen, dann seid Ihr ein Unmensch,« rief die Oberamtmännin, unter Thränen die Faust ballend.

»Nun meinetwegen, ich bitt' dich, komm heim,« sagte endlich der Furchenbauer. Die Oberamtmännin faltete die Hände und umarmte Ameile und küßte sie, während Alban schluchzend am Halse des Vaters hing. Dieser riß sich rasch los und sagte: »Komm 'rein und trink einen Schoppen.«

Der Landjäger vor der Thüre entfernte sich auf Geheiß der Oberamtmännin. Alles staunte, als Alban mit dem Vater eintrat.

Als Alban nicht trinken wollte, sagte der Vater:

»Mein Wein ist dir wahrscheinlich zu gering? So ein Herr wie du muß petschierten haben? Laß dir nur kommen.«

Alban trank.

Der Furchenbauer war der letzte, der die Petition unterschrieb, er konnte vor Zittern die Feder nicht führen und befahl Alban, seinen Namen für ihn zu schreiben. Alban wollte das Geschriebene zuerst lesen, aber der Vater befahl ihm, unbedingt zu unterschreiben, und Alban willfahrte.

»Erst nächsten Montag setzen wir alles auseinander,« sagte der Vater jetzt zu Alban, »bis dahin reden wir kein Wort, und du mußt fleißig sein, ich thue einen Knecht weg.«

Alban zuckte bei diesem Wort und sagte nur:

»Ich will den Hirzenbauer zum Schiedsrichter, wenn's einen Streit geben sollt'.«

»Wirst keinen brauchen. Es darf niemand Fremdes sich drein mischen.«

Spitzgäbele hielt zu guter Letzt auch noch eine Rede. die mit großem Beifall aufgenommen wurde. Er verkündete, daß am Rhein und im Taunus heuer die Aepfel ganz mißraten seien, während man hierzuland nicht wisse, wohin damit; er habe daher von zwei Wirten in Frankfurt, die »Aeppelwein schenken«, den Auftrag, das Simri Aepfel zu 28 Kreuzer, frei nach der Amtsstadt an den Neckar geliefert, zu kaufen, und lege zu dem Behufe eine Liste auf, in die jeder einschreiben möge, wie viel er liefere.

Allgemeines Gelächter entstand, als der Klein-Rotteck rief: »Wir liefern Reichsäpfel nach Frankfurt.« Viele unterschrieben sogleich. Der Furchenbauer sagte, er wisse nicht, wie viel er habe, Spitzgäbele solle zu ihm auf den Hof kommen.

Bei der Zigarre und Pfeife, die jetzt dampften, ward allen erst recht behaglich. Der Domänenrat kam auf den Klein-Rotteck zu und schüttelte ihm die Hand wegen seines freimütigen Ausspruches; der Klein-Rotteck vergalt es durch aufrichtigen Ausspruch seines Respektes vor dem Domänenrat, dessen Eifer und Verdienst um den Verein und seine Zwecke er wohl erkannte.

Der Domänenrat verwand dadurch die betrübende Erfahrung, daß seine Gelehrsamkeit noch nicht allseitig stichhaltig sei, denn der Oberamtmann hatte ihm soeben auseinandergesetzt, wie in England die ungeteilte Vererbung von Grund und Boden und die Fideikommisse überhaupt nicht als Gesetz, sondern nur als Sitte bestehen.

Die Oberamtmännin, die eine besondere Gönnerin des Klein-Rotteck war und es ihm blieb trotz seines Radikalismus, so daß er ihr jedesmal, wenn er als Schultheiß nach der Stadt kam, seine Aufwartung machte, scherzte nun in freundlicher Weise mit ihm, und selbst der Oberamtmann that freundlich und neckte seine Frau, daß er eifersüchtig werde. So schien am Ende doch alles in eine freundliche und versöhnliche Stimmung auszuklingen.

Der Pächter von Reichenbach entließ Alban sogleich aus dem Dienst, und als Ameile auf den Wagen stieg, küßte die Oberamtmännin sie herzlich; aber Ameile war trotz des wiederhergestellten Friedens traurig. Sie ahnte Unheimliches.

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