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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 88
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
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Das Tanzverbot

Felszeichnung

Loamakullu (»große Füße«) war ganz allein. Er war der einzige Sohn seiner Mutter. Er hatte weder Vater noch Mutter. Er war so arm, daß er zur Bedeckung seiner Blößen vorn und hinten nur zwei ganz kleine Stückchen Zeug hatte. Alle Leute schlugen ihn. Es war (einmal) Markt. Er ging hin. Auf der Wanderung traf er an einem Kreuzweg eine Lukassu (offene Hackenklinge). Er nahm die Lukassu auf und ging auf den Markt. Er sagte: »Ich habe nun eine Lukassu und kann jetzt kaufen. Ich werde mir dafür ein Stück Stoff kaufen.« Aber alle Männer und Frauen auf dem Markt wollten keine Lukassu haben. Er kehrte zurück. Er weinte. Er ging wieder zurück mit seiner Lukassu und weinte sehr. Da rief jemand am Wege: »Loamakullu, weshalb weinst du in einem fort?« Loamakullu sah sich um. Er konnte niemanden sehen. Er ging jedoch auf die Stimme zu. Die Stimme sagte: »Geh in dein Dorf zurück und baue dir ein Haus. Wenn das Haus fertig ist, spanne vor der Haustür eine Schinga (Rotangsehne) zwischen zwei Pfosten auf und hänge abends deine Kleiderläppchen daran auf.«

Loamakullu kehrte heim. Er machte alles, wie die Stimme ihm gesagt hatte. Er schlug Stangen, richtete sie auf, richtete Dach und Wände, und abends spannte er eine Schinga zwischen zwei Stangen, auf die er dann seine Schamläppchen hängte. Dann ging er in das Haus um zu schlafen. Es lag aber auf seinem Lager eine sehr schöne Frau (deren Name: Mukelenge Moadi = Häuptlings erste Frau). Als er sich am Morgen erhob, fand er an der Schinga am Haus (statt der Schamläppchen) alles Nötige hängen: Hosen, Hemden, Röcke, Mützen, Stoffe, viele Stoffe. Er konnte sich nun sehr elegant kleiden.

Loamakullu und seine Frau gingen zu der Stimme am Kreuzweg. Loamakullu sah den Mann nicht. Die Stimme sagte aber: »Höre, Loamakullu, morgen mußt du zehn Häuser bauen. Du wirst ein sehr großer Chef werden. Tanz aber nie mit beiden Füßen und beiden Händen, tanze immer nur mit der rechten Seite. An dem Tag, an dem du mit der linken tanzt, wirst du eine schlimme Sache erleben.«

Loamakullu kehrte mit seiner Frau zurück. Er baute am folgenden Tage zehn Häuser. Einen Tag später fand er bei Sonnenaufgang (also in der Nacht darin erstanden) in jeder Hütte eine Frau. Die Leute, die ihn bis dahin verächtlich behandelt und geschlagen hatten, kamen nun zu ihm. Sie siedelten sich bei ihm an. Alle Leute kamen. Wenn Loamakullu »ähä« hustete und Malafu (Palmwein) trank, klatschten alle in die Hände und riefen: »Jaja, Jaja, Jaja, Jaja!«

Loamakullu gab ein großes Fest. Er rief alle Fumus (den Adel) zusammen. Es kamen Zappu Zapp, Bulu Matari, Lupungu usw. Es kamen alle, alle, alle. Die Häuptlinge tranken Malafu. Die Häuptlinge aßen. Die Häuptlinge tanzten. Ein Chef nach dem andern tanzte. Alle Chefs tanzten mit zwei Händen. Loamakullu wollte auch tanzen. Er wollte mit zwei Seiten tanzen. Seine Frau sagte: »Laß das! Tanz nur mit einer Seite!« Loamakullu kümmerte sich nicht darum. Loamakullu tanzte mit beiden Händen und beiden Füßen.

Alle Häuptlinge gingen von dannen. Loamakullu ging in sein Haus. Loamakullu schlief. Loamakullu erwachte. Er war allein. Mukelenge Moadi war verschwunden. Alle Gewänder, Hemden, Hosen waren verschwunden. Die Lukassu war verschwunden.

Vor dem Haus war eine Schinga über zwei Stangen gezogen. Daran hingen Loamakullus Schamläppchen.

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