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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 78
Quellenangabe
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typefairy
authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
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Djowalegende

Felszeichnung

Ein Toro (Häuptling) hatte fünf Kinder. Alle fünf Kinder waren Mädchen. Sie gingen zusammen in den Busch, um Feuerholz zu sammeln. Jede sammelte ein gutes Bündel und band es zusammen. Die vier ältesten nahmen dann ihre Holzbündel auf den Kopf und gingen damit von dannen. Sie gingen nach Hause. Die Fünfte konnte aber ihr Holzbündel nicht aufnehmen. Sie blieb da. Die Kleinste weinte. Da kam ein Djowa (ein Buschgeist gleich den Alledjenu oder Alisami der Haussa). Der Djowa fragte das Mädchen: »Was gibst du mir, wenn ich dir die Holzlast auf den Kopf setze? Willst du dich von mir beschlafen lassen? Und willst du mir versprechen, nachher niemand zu sagen, wer dich beschlafen hat?« Das Mädchen sagte: »Tu es; es ist mir recht!« Der Djowa beschlief das Mädchen. Dann half der Djowa dem Mädchen die Last auf den Kopf. Das Mädchen ging darauf mit seiner Last in den Ort zurück.

Das Mädchen wurde schwanger. Der Vater befragte das Mädchen: »Wer beschlief dich, so daß du schwanger wurdest?« Das Mädchen sagte: »Ich kann es dir nicht sagen; ich würde sterben.« Der Vater sagte: »Wenn du es mir nicht sagst, werde ich dich töten!« Das Mädchen sagte: »Ich kann es dir nicht sagen; ich würde sterben!«

Der Toro rief alle seine Leute zusammen. Er sagte zu den Leuten: »Meine jüngste Tochter ist schwanger. Sie will mir nicht sagen, wer sie beschlafen hat.« Die Tochter sagte: »Töte mich nicht, mein Vater. Ich will es dir sagen. Ich konnte meine Holzlast nicht auf den Kopf nehmen. Da kam Djowa. Er sagte, er wolle mir die Holzlast aufheben, wenn ich mich von ihm beschlafen ließe. Er beschlief mich.«

In der nächsten Nacht kam ein Wind (ahumbe) über den Ort. Alle Leute im Orte schliefen. Nur das fünfte Mädchen war wach. Es sah den Wind kommen. Es sprang auf. Das Mädchen sprang auf und lief zu dem Hause des Vaters. Das Mädchen klopfte am Hause des Vaters und sagte: »Mein Vater, komm! Hier ist der Djowa, der mich beschlief!« Djowa fuhr aber (also als Wind) über die glühende Asche, die am Boden in der Hütte des Vaters war. Djowa entfachte eine Flamme. Die Flamme verbrannte das Haus des Vaters. Dann ergriff der Wind das Mädchen und führte es fort in den Busch. (Der Wind war dasselbe wie Djowa, sagte der Erzähler, näher befragt). Der Vater schrie.

Das Mädchen war einem Burschen versprochen. Der Bursche war weit fort gegangen, um Handel zu treiben. Der Bursche kam nach Hause zurück und fragte: »Wo ist mein Mädchen?« Der Vater sagte: »Dein Mädchen wurde von etwas (man spricht auch bei den Muntschi den Namen des Djowa nicht gern aus!) im Busch beschlafen. Sie wurde schwanger. Sie wollte den Mann nicht nennen. Ich wurde zornig, dann nannte sie die Sache. Darauf kam die Sache heraus, brannte mich und meine Hütte und nahm das Mädchen mit fort. Sie hat sie mit sich in den Busch genommen.« Der Mann, dem das Mädchen versprochen war, sagte: »Nun also!«

Dann ging der Bräutigam nach Hause. Er ergriff seine Pfeile und ging in den Busch, um sein Mädchen zu suchen. Der Mann ging mit seinen Pfeilen weit, weit fort, bis dahin, wo kein Mensch mehr wohnt. In dem weit entfernten Busche lebte Djowa mit dem jungen Mädchen, das er gestohlen hatte.

Einmal ging der Djowa in den Busch, um Feuerholz zu holen. Er suchte Feuerholz abseits. Der Bräutigam sah ihn. Der Bräutigam nahm einen Pfeil; er schoß auf den Djowa. Der Djowa wurde getroffen. Der Djowa zog den Pfeil heraus und warf ihn fort. Der Bräutigam nahm einen zweiten Pfeil; er schoß auf den Djowa. Der Djowa wurde getroffen. Der Djowa zog den Pfeil heraus und warf ihn fort. Der Bräutigam nahm einen dritten Pfeil; er schoß auf den Djowa. Der Djowa wurde getroffen. Der Djowa zog den Pfeil heraus und warf ihn fort. Der Bräutigam nahm einen vierten Pfeil; er schoß auf den Djowa. Der Djowa wurde getroffen. Der Djowa zog den Pfeil heraus und warf ihn fort. Der Bräutigam nahm einen fünften Pfeil; er schoß ihn auf den Djowa. Der Djowa fiel hin und starb. Der Bräutigam nahm sein Messer und schnitt dem Djowa den Kopf ab. Dann ging er im Busch zur Seite. Er suchte nach dem Wohnplatz des Djowa. Er fand ihn. Er sah sein Mädchen. Der Bräutigam sagte zu dem Mädchen: »Komm! Ich habe das Ding getötet, das dich genommen hat. Sieh, hier ist sein Kopf. Komm jetzt mit mir zurück nach Haus!« Das Mädchen sagte: »Es ist recht.« Dann nahm der Mann sein Mädchen. Er trug den abgeschnittenen Kopf des Djowa. Er ging mit ihr zurück. Er ging weit durch den Busch, bis er zurückkam. Dann ging der Bräutigam in den Ort. Der Bräutigam ging zu dem Toro. Der Bräutigam sagte zu dem Toro: »Ich habe das Ding getötet und das Mädchen mit heimgebracht.« Der Toro sagte: »Das ist wohl eine Lüge. Denn dazu bist du nicht imstande.« Der Bräutigam ging weg. Er holte das Mädchen und den Kopf des Djowa. Er brachte das Mädchen und den Kopf des Djowa zum Toro. Der Toro sah das Mädchen und den Kopf des Djowa. Der Toro sagte: »Du übertriffst alle Leute in diesem Ort. Du übertriffst auch mich. Darum sollst du von jetzt ab statt meiner an diesem Ort Toro sein.« Darauf wurde der Bräutigam Toro.

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