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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 73
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
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senderwww.gaga.net
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Ziegenbock und Schafbock

Felszeichnung

Gott stellte den Menschen auf die Erde. Der Mensch baute sich ein Haus. Gott stellte die Ziegen auf die Erde. Es wurden bald viele. Sie hatten ihre Wohnung. Gott stellte die Schafe auf die Erde. Es wurden bald viele. Sie hatten ihre Wohnung. Gott stellte die Leoparden, die Hyänen, die Löwen auf die Erde und jeder hatte seine eigene Wohnung. Die wilden Tiere aber fraßen alle Abende Ziegen und Schafe.

Eines Tages kam der Ziegenbock zum Schafbock und sagte: »Was sollen wir machen? Jeden Tag rauben die wilden Tiere einen oder mehrere von uns! Was sollen wir dagegen machen?« Der Schafbock sagte: »Dagegen können wir nichts machen. Man soll das gehen lassen, wie es geht. Wenn wir etwas dagegen tun, geht es uns womöglich noch viel schlechter.« Der Ziegenbock sage: »Doch, wir wollen etwas dagegen tun. Ich werde gegen die wilden Tiere in den Krieg ziehen!« Der Schafbock sagte: »Aber was denkst du! Die wilden Tiere sind ja viel zu stark!« Der Ziegenbock sagte: »Das ist mir ganz gleich! Ich werde es genau nach meinem Kopf machen. Und wenn ich allein Krieg führen muß, werde ich es eben ganz allein tun. Du wirst aber sehen, daß es mir gelingt.« Der Schafbock sagte: »Sei vorsichtig! Es wird dir schlecht dabei gehen.« Der Ziegenbock sagte: »Ich werde es genau so machen, wie ich denke.« Der Schafbock ging und ließ den Ziegenbock allein.

Der Ziegenbock sagte zu seiner Frau: »Mach bis morgen früh schöne frische Kuchen!« Dann holte der Ziegenbock ein langes Haussaschwert mit einem schönen dicken Bandelier. Von dem Menschen lieh er sich getrocknete Felle vom Leoparden, von der Hyäne, vom Löwen. Zwischendurch flocht er sich eine Tasche. Abends spät sagte er zu seiner Frau: »Halte dich mit deiner Last morgen früh bereit. Wir werden ein gutes Stück weit gehen.« Die Frau packte abends schon alle Sachen zusammen und zog das Netz darüber.

Am anderen Morgen früh ging der Ziegenbock den Weg auf das Gehöft des Leoparden zu. Seine Frau ging mit der Last auf dem Kopf hinter ihm her, die, oben aufgepackt, die Kuchen enthielt. Sie kamen ganz dicht zu des Leoparden Haus. Der Leopard lag gerade im Hintergrund des Hauses auf seinem Lager. Die Leopardin aber schaute die Straße entlang. Die Leopardin rief: »Mann! Da kommen die Ziegen, die wir immer essen; sie gehen gerade auf uns zu.« Der Leopard sagte: »Das ist ja gar nicht möglich. So dumm sind die Ziegen nicht!« Die Leopardin sah noch einmal scharf hin und rief dann: »Doch! Es sind die Ziegen.« Der Leopard erhob sich und sagte: »Das sind nicht die, die wir immer essen, das sind andere. Die wir essen, die schreien und laufen fort. Die hier kommen aber ganz unbekümmert auf uns zu. Geh hin und bring dem Bock eine Schale Wasser!« (Wasserbringen ist eine übliche Begrüßungsform dem durstigen Wanderer gegenüber).

Die Leopardin holte eine Schale mit Wasser, um sie dem Ziegenbock entgegenzubringen. Der Leopard versteckte sich hinter der Tür und schaute zu. Die Leopardin ging dem Ziegenbock mit der Schale voll Wasser entgegen. Sie kniete vor dem Ziegenbock nieder. Derweilen setzte die Ziege ihre Last zu Boden. Der Ziegenbock sah die Leopardin grimmig an und sagte grob: »Habe ich vielleicht schon gegessen!?« Er gab der Schale mit Wasser einen Tritt, daß sie umschlug. Der Ziegenbock sagte: »Ich habe die Gewohnheit, immer erst zu trinken, nachdem ich meine übliche Leopardenleber gegessen habe. Ich nähre mich am liebsten mit Leopardenleber. Frau, gib mir aus deinem Korb von der Leber zu essen. Ich hoffe, daß die von gestern noch gut ist, sonst kann ich ja auch aus diesem Leoparden die Leber herausschneiden!«

Frau Ziege nahm oben von ihrer Last einen Kuchen, kniete nieder und reichte ihn dem Ziegenbock. Der Ziegenbock nahm, biß ab, spie aber das Abgebissene sogleich wieder aus und rief: »Pfui, das ist ja trocken geworden! Ich werde mir eine frische Leber herausschneiden.« Er griff an sein Haussaschwert, er zog das Haussaschwert aus der Scheide und schlug gegen den Sack und die trockenen Felle, daß es knallte. Als die Leopardin und der hinter der Tür versteckte Leopard das sahen und hörten, ergriff sie die Furcht und sie liefen mit ihren Jungen von dannen, so schnell sie konnten. Der Ziegenbock aber zündete das Haus hinter ihnen an und sagte: »Da sieht man, was ein Ziegenbock kann!«

Der Ziegenbock sagte zu seiner Frau: »Pack deine Last zusammen. Wir wollen weitergehen.« Die Ziege packte ihre Sachen zusammen und nahm die Last auf den Kopf. Der Bock ging voran auf der Spur des Leoparden. Die Ziege folgte ihm. Sie gingen auf das Haus der Hyäne zu.

Hyäne lag gerade im Hintergrund seines Hauses auf seinem Lager. Die Hyänin aber schaute die Straße entlang. Die Hyänin rief: »Mann, da kommen die Ziegen, die wir immer essen, an; sie gehen gerade auf uns zu.« Hyäne sagte: »Das ist ja gar nicht möglich. So dumm sind die Ziegen nicht.« Die Hyänin sah noch einmal scharf hin und rief dann: »Doch! Es sind die Ziegen.« Hyäne erhob sich und sagte: »Das sind nicht die, die wir immer essen, das sind andere. Die wir immer essen, die schreien und laufen fort. Die hier kommen aber ganz unbekümmert auf uns zu. Geh hin und bring dem Bock eine Schale Wasser!«

Die Hyänin holte eine Schale mit Wasser, um sie dem Ziegenbock entgegenzubringen. Hyäne versteckte sich hinter der Tür und schaute zu. Die Hyäne ging dem Ziegenbock mit der Schale voll Wasser entgegen. Sie kniete vor dem Ziegenbock nieder. Derweilen setzte die Ziege ihre Last zu Boden. Der Ziegenbock sah die Hyänin grimmig an und sagte grob: »Habt ihr vielleicht schon gegessen!?« Er gab der Schale mit Wasser einen Tritt, daß sie umschlug. Der Ziegenbock sagte: »Ich habe die Gewohnheit, immer erst zu trinken, nachdem ich meine übliche Hyänenleber gegessen habe. Ich nähre mich am liebsten von Hyänenleber. Frau, gib mir aus deinem Korb von der Leber zu essen. Ich hoffe, daß die von gestern noch gut ist, sonst kann ich auch aus dieser Hyäne die Leber herausschneiden!«

Frau Ziege nahm von oben von ihrer Last einen Kuchen, kniete nieder und reichte ihn dem Ziegenbock. Der Ziegenbock nahm, biß ab, spie aber das Abgebissene sogleich wieder aus und rief: »Pfui, das ist ja trocken geworden! Ich werde mir eine frische Leber herausschneiden.« Er griff an sein Haussaschwert. Er zog das Haussaschwert aus der Scheide und schlug gegen den Sack und die trockenen Felle, daß es knallte. Als die Hyänin und der hinter der Tür versteckte Hyäne das sahen und hörten, ergriff sie Furcht und sie liefen mit ihren Jungen von dannen, so schnell sie konnten. Der Ziegenbock aber zündete das Haus hinter ihnen an und sagte: »Da sieht man, was ein Ziegenbock kann!«

Der Ziegenbock sagte zu seiner Frau: »Pack deine Last zusammen. Wir wollen weitergehen.« Die Ziege packte ihre Sachen zusammen und nahm die Last auf den Kopf. Der Bock ging voran auf der Spur der Hyänen. Die Ziege folgte ihm. Sie gingen auf das Haus des Löwen zu. Der Löwe lag gerade im Hintergrund seines Hauses auf seinem Lager. Die Löwin aber schaute die Straße entlang. Die Löwin rief: »Mann! Da kommen die Ziegen an, die wir immer essen; sie gehen gerade auf uns zu.« Der Löwe sagte: »Das ist ja gar nicht möglich. So dumm sind die Ziegen nicht!« Die Löwin sah noch einmal scharf hin und rief dann: »Doch! Es sind die Ziegen.« Der Löwe erhob sich und sagte: »Das sind nicht die, die wir immer essen, das sind andere. Die wir essen, die schreien und laufen fort. Die hier kommen aber ganz unbekümmert auf uns zu. Geh hin und bring dem Bock eine Schale Wasser!«

Die Löwin holte eine Schale mit Wasser, um sie dem Ziegenbock entgegenzubringen. Der Löwe versteckte sich hinter der Tür und schaute zu. Die Löwin ging dem Ziegenbock mit der Schale Wasser entgegen. Sie kniete vor dem Ziegenbock nieder. Derweilen setzte die Ziege ihre Last zu Boden. Der Ziegenbock sah die Löwin grimmig an und sagte grob: »Habe ich vielleicht schon gegessen!?« Er gab der Schale mit Wasser einen Tritt, daß sie umschlug. Der Ziegenbock sagte: »Ich habe die Gewohnheit, immer erst zu trinken, nachdem ich meine übliche Löwenleber gegessen habe. Ich nähre mich am liebsten von Löwenleber. Frau, gib mir aus deinem Korb von der Leber zu essen. Ich hoffe, daß die von gestern noch gut ist, sonst kann ich ja auch aus diesem Löwen die Leber herausschneiden!« Frau Ziege nahm oben von ihrer Last einen Kuchen, kniete nieder und reichte ihn dem Ziegenbock. Der Ziegenbock nahm, biß ab, spie aber das Abgebissene sogleich wieder aus und rief: »Pfui, das ist ja trocken geworden! Ich werde mir eine frische Leber herausschneiden.« Er griff an sein Haussaschwert. Er zog das Haussaschwert aus der Scheide und schlug gegen den Sack und die trockenen Felle, daß es knallte. Als die Löwin und der hinter der Tür versteckte Löwe das sahen und hörten, ergriff sie Furcht und sie liefen mit ihren Jungen von dannen, so schnell sie konnten. Der Ziegenbock aber zündete das Haus hinter ihnen an und sagte: »Da sieht man, was ein Ziegenbock kann!«

Der Ziegenbock sagte zu seiner Frau: »Pack deine Last zusammen. Wir wollen heimgehen.« Die Ziege packte ihre Sachen zusammen und nahm die Last auf den Kopf. Der Bock ging voran auf dem Wege nach seinem Gehöft. Als der Ziegenbock heimkam, veranstalteten alle Ziegen und Schafe ein Fest und sangen dem Ziegenbock ein Lied. Der Schafbock ging zum Ziegenbock und fragte ihn: »Erzähle mir, wie du es gemacht hast, daß du die Leoparden, Hyänen und Löwen vertrieben hast.« Der Ziegenbock sagte: »Es war sehr einfach.« Der Ziegenbock erzählte es (der Erzähler wiederholt wörtlich). Der Schafbock sagte: »Das ist ja sehr einfach, das kann ich auch.«

Der Schafbock sagte zu seiner Frau: »Mach bis morgen früh schöne frische Kuchen.« Dann holte der Schafbock ein langes Haussaschwert mit einem schönen, dicken Bandelier. Von dem Menschen lieh er sich getrocknete Felle von Leoparden, von der Hyäne, vom Löwen. Zwischendurch flocht er sich eine Tasche. Abends spät sagte er zu seiner Frau: »Halte dich mit deiner Last morgen früh bereit. Wir werden ein gutes Stück weit gehen.« Die Frau packte abends schon ihre Last zusammen und zog das Netz darüber.

Am andern Morgen früh ging der Schafbock den Weg auf das Gehöft des Leoparden zu. Seine Frau ging mit der Last auf dem Kopf, auf der oben die Kuchen aufgepackt waren, hinter ihm her; sie kamen ganz dicht zu des Leoparden Haus. Der Leopard war mit der Leopardin und den Jungen zurückgekehrt und hatten das Haus, das der Ziegenbock niedergebrannt hatte, wieder aufgebaut. Als der Schafbock mit seiner Frau näher kam, lag der Leopard gerade im Hintergrund seines Hauses auf seinem Lager. Die Leopardin aber schaute die Straße entlang.

Die Leopardin rief: »Mann, da kommen die Schafe, die wir immer essen; sie gehen gerade auf uns zu.« Der Leopard sagte: »Sie werden es ebenso machen wollen wie die Ziegen. Wir müssen also wohl auf unserer Hut sein, damit sie uns nicht erwischen.« Die Leopardin sagte: »Ja, der Schafbock hat auch ein Schwert und tritt stark auf den Boden.« Der Leopard sagte: »So geh ihm mit einer Schale Wasser entgegen.«

Die Leopardin holte eine Schale mit Wasser, um sie dem Schafbock entgegenzubringen. Der Leopard versteckte sich hinter der Tür und schaute zu. Die Leopardin ging dem Schafbock mit der Schale voll Wasser entgegen. Sie kniete vor dem Schafbock nieder. Derweilen setzte die Frau des Schafbocks ihre Last zu Boden. Der Schafbock sah die Leopardin grimmig an und sagte: »Hab ich vielleicht schon gegessen?« Der Schafbock gab der Schale mit Wasser aber nicht wie der Ziegenbock einen Tritt, sondern er sagte: »Setz zunächst die Schale mit Wasser zur Seite, damit ich essen kann. Erst esse ich, dann erst trinke ich. Ich habe die Gewohnheit, des Morgens eine Leopardenleber zu verzehren. Leopardenleber ist meine liebste Speise. Frau, gib mir mal aus dem Korb von der Leber. Ich hoffe, daß wir noch davon haben und daß sie noch gut ist; sonst müssen wir den Leoparden bitten, uns eine andere zu besorgen.«

Die Frau des Schafbocks nahm oben von ihrer Last einen Kuchen, kniete nieder und reichte ihn dem Schafbock. Der Schafbock nahm, biß ab, spie aber das Abgebissene nicht wieder aus wie der Ziegenbock, sondern kaute, schluckte es hinunter und sagte: »Ach, das schmeckt gut!« Der Leopard hinter der Tür gab wohl acht. Als der Schafbock sich niederbeugte, um noch einmal abzubeißen, sprang er ihm in den Nacken und biß ihn tot. Die Leopardin aber sprang auf die Frau des Schafbocks und tötete auch sie.

Seitdem ist es so geblieben. Leoparden, Hyänen und Löwen rauben Ziegen und Schafe. Was der Ziegenbock erreicht hat, hat der Schafbock wieder verdorben. Aber wenn Leopard, Hyäne oder Löwe Ziegen überfallen, so schreien die Ziegen. Überfallen sie Schafe, so gibt es kein Geräusch, denn Schafe lassen sich lautlos niederschlagen und wehren sich niemals gegen die Räuber.

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