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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 68
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
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Das Horn mit Blut

Felszeichnung

Ein Jäger hatte stets große Erfolge. Sooft er mit Bogen und Pfeil fortging, erlegte er Wasserböcke, Kuhantilopen, Pferdeantilopen, Riedböcke, Büffel oder andere Tiere. Eines Tages waren alle Tiere überall entflohen. Sie waren alle in einen großen Wald entronnen. Der Jäger konnte hingehen, wohin er wollte, überall waren die Antilopen fortgelaufen. Der Jäger suchte. Zuletzt kam er an einen großen Wald. Da sah er viele, viele Spuren auf der Erde. Wohin er sah, waren Spuren. Er stieg auf einen Baum und sagte: »Hier oben will ich warten. Es sind hier so viele Spuren, daß sicher Antilopen kommen werden, ehe es Nacht ist.« Der Jäger wartete auf dem Baum.

Nach einiger Zeit kam aus dem Busch eine kleine Antilope. Die legte sich nieder und sagte: »Ich will hier warten, bis Teba, mein Vater, kommt.« Der Jäger sagte (für sich): »Es wird noch ein großes Tier kommen, ich will warten.« Nach einiger Zeit kam ein Riedbock aus dem Busch. Der Jäger sagte: »Das wird wohl Teba, der Vater der kleinen Antilope sein.« Der Riedbock legte sich nieder, wälzte sich auf der Erde und sagte: »Ich will warten, bis Teba, mein Vater, kommt.« Der Jäger sagte: »Das ist also noch nicht der Vater der Antilopen. Ich will warten.« Dann kamen noch andere Antilopen und legten sich unter dem Baum nieder.

Nach einiger Zeit kam eine Pferdeantilope aus dem Busch. Der Jäger sagte: »Das wird wohl Teba, der Vater der Antilopen sein.« Die Pferdeantilope legte sich nieder, wälzte sich auf der Erde und sagte: »Ich will warten, bis Teba, mein Vater, kommt.« Der Jäger sagte: »Das ist also noch nicht der Vater der Antilopen. Ich will warten.« Dann kamen noch andere Antilopen und legten sich unter dem Baum nieder.

Nach einiger Zeit kam ein Büffel aus dem Busch. Der Jäger sagte: »Das wird wohl Teba, der Vater der Antilopen sein.« Der Büffel legte sich nieder, wälzte sich auf der Erde und sagte: »Ich will warten, bis Teba, mein Vater kommt.« Der Jäger sagte: »Das ist also noch nicht der Vater der Antilopen! Ich will warten.« Dann kamen noch andere Büffel und legten sich unter dem Baum nieder.

Nach einiger Zeit kam ein Elefant aus dem Busch. Der Jäger sagte: »Dies wird wohl Teba, der Vater der Tiere sein.« Der Elefant legte sich nieder, wälzte sich auf der Erde und sagte: »Ich will warten, bis Teba, mein Vater kommt.« Der Jäger sagte: »Das ist also noch nicht der Vater der Tiere. Was muß der Vater der Tiere für ein mächtiges Geschöpf sein. Ich will warten.« Dann kamen noch andere Elefanten und legten sich unter den Baum.

Dann wurde es oben und unten rot.

Aus dem Busch kam ein ganz großer Mensch, der war von oben bis unten rot. Wenn der Jäger nach oben sah, sah er nur Rot. Wenn der Jäger nach unten sah, sah er nur Rotes. Das war Teba, der Vater der Antilopen und Tiere. Der Jäger sagte: »Das muß Teba, der Vater der Antilopen und Tiere sein!« – Teba setzte sich. Alle Antilopen und Tiere drängten sich zu ihm und schmiegten sich an ihn. Alle lagen unter dem großen Baum, auf dem der Jäger saß.

Die Ukoni (das ist eine kleine, angeblich nur einen Fuß hohe Antilope, die bei den Tieren den Namen Quellure führt. Sie soll immer an Flußläufen wohnen und eine außerordentlich zauberkräftige Antilope sein) schnupperte in der Luft und sagte: »Ich rieche einen Menschen!« Die anderen Tiere und Antilopen schlugen die Ukoni und sagten: »Du lügst! Das ist nicht wahr! Draußen hat der Jäger viele von uns geschossen. Hier gibt es aber nicht solche Menschen. Du willst doch immer alles besser wissen als wir anderen.« Die Ukoni sagte: »Ich sage die Wahrheit. Es muß ein Mensch in der Nähe sein!« Die anderen Tiere schlugen die Ukoni noch einmal und sagten: »Du lügst!« Nach einiger Zeit sagte die Ukoni nochmals: »Ich habe recht. Ich rieche einen Menschen. Ich sehe jetzt auch den Menschen. Er sitzt dort oben auf dem Baum.« Die Tiere sahen nun auf den Baum. Sie sahen den Jäger. Teba sah auf den Baum. Teba sah den Jäger.

Teba sagte zu dem Jäger: »Komm herunter, oder ich töte dich.« Der Jäger sagte: »Nein, ich komme nicht.« Teba sagte: »Ich werde dich töten, ob du kommst oder nicht kommst. Es ist besser, du kommst herab.« Der Jäger sagte: »Ich werde kommen.« Der Jäger stieg vom Baum herab und trat mitten zwischen die Tiere. Er ging zu Teba hin, der unter den Tieren saß.

Teba sagte: »Was willst du denn hier?« Der Jäger sagte: »Ich bin hier, um Antilopen und andere Tiere zu jagen.« Teba sagte: »Welche Tiere willst du denn jagen?« Der Jäger sagte: »Ich will kleine Antilopen, Riedböcke, Wasserböcke, Schirrantilopen, Kuhantilopen, Waldantilopen, Pferdeantilopen, Büffel, Elefanten jagen.« Teba sagte: »Es ist gut! Paß auf!« Teba schlug ein Horn der Ukoni ab. Er gab das dem Jäger und sagte: »Ich will dich nicht töten. Nimm dies Horn. Wenn du in Zukunft eine Antilope, oder einen Büffel oder einen Elefanten tötest, so tu von ihm immer ein wenig Blut in dieses Horn. Versäum das nie und es wird nicht dein Schaden sein.« Der Jäger nahm das Horn. Er sagte: »Es ist gut«. Er ging mit dem Horn nach Hause.

Am anderen Tag ging der Jäger mit Pfeil und Bogen auf die Jagd. Er sah eine Antilope, schoß und traf. Als er sie zerlegte, füllte er etwas von dem Blut in das Ukonihorn. Er traf nun alle Tage auf Antilopen und andere Tiere, erlegte sie und füllte von ihrem Blut in das Ukonihorn. Er erlegte viele Tiere, und von allen tat er Blut hinein.

Eines Tages ging der Jäger in seine Farm. Aus der Ferne sah er in seiner Farm einen Elefanten. Er pirschte sich ganz dicht an den Elefanten heran. Er zog einen Pfeil heraus. Er schoß. Der Elefant fiel. Sogleich eilte der Jäger hin. Er fing einiges heraustropfendes Blut in dem Ukonihorn auf. Er gab es seinem Burschen und sagte: »Nimm das Horn, lauf nach Hause und stell das Horn vorsichtig in eine Ecke, damit mir nichts von dem Blut verschüttet wird. Dann ruf andere Leute, sag ihnen, daß ich einen Elefanten erlegt habe und daß sie kommen sollten, mir beim Aufteilen zu helfen.« Der Bursche nahm das mit Blut gefüllte Horn. Er sagte: »Es ist gut.« Er lief mit dem Horn von dannen.

Im Hause des Jägers stellte der Bursche das Horn in eine Ecke. Dann lief er durch das Dorf und rief: »Der Jäger hat in der Farm einen Elefanten getötet. Kommt und helft ihm aufteilen.« Die Männer nahmen ihre Messer und folgten dem Burschen hinaus. Inzwischen wollte die Frau des Jägers das Haus reinigen. Sie fegte den Boden. Dabei stieß sie gegen das Horn. Das Horn fiel um und das Blut floß heraus. Die Frau begann zu weinen. Sie weinte in einem fort. Der Jäger kam heim. Er sah seine Frau weinen. Er sagte: »Was weinst du denn?« Die Frau sagte: »Ich habe das Horn umgestoßen, und dabei ist alles Blut herausgeflossen.« Der Jäger sagte: »Deshalb brauchst du nicht so zu weinen. Das ist nicht so schlimm. Morgen gehen wir zusammen zum Vater der Tiere und erzählen ihm die Sache.« Inzwischen kamen die Leute und luden das Elefantenfleisch ab.

Am anderen Morgen sagte der Jäger zu seiner Frau: »Mach dich bereit! Wir wollen zu Teba, dem Vater der Tiere gehen.« Die Frau machte sich bereit. Sie machten sich beide auf den Weg. Gegen Mittag kamen sie in den Wald. Der Jäger stieg mit seiner Frau auf den Baum. Als sie auf dem Baum saßen, kam die kleine Antilope, legte sich hin und sagte: »Ich warte auf Teba, meinen Vater.« Dann kamen andere Antilopen, legten sich nieder und sagten: »Ich warte auf Teba, meinen Vater.« Es kamen die Büffel und Elefanten. Jeder sagte: »Ich warte auf Teba, meinen Vater.«

Endlich wurde es unten und oben rot. Teba, der Vater der Tiere kam. Er ließ sich zwischen den Tieren nieder. Alle Tiere drängten sich an ihn. Ukoni schnupperte in der Luft und sagte: »Ich rieche einen Menschen!« Die anderen Antilopen und Tiere schlugen sie und sagten: »Du lügst! Das ist nicht wahr!« Die Ukoni sagte: »Ich sage die Wahrheit; es muß ein Mensch in der Nähe sein!« Die anderen Tiere schlugen die Ukoni wieder und sagten: »Du lügst!«

Nach einiger Zeit sagte Ukoni nochmals: »Ich habe recht. Ich rieche einen Menschen. Ich sehe jetzt auch einen Menschen. Er sitzt dort oben auf dem Baum. Es sind sogar zwei Menschen.« Die Tiere sahen auf den Baum. Sie sahen den Jäger und seine Frau. Teba sah auf den Baum. Teba sah den Jäger und seine Frau.

Teba sagte zu dem Jäger: »Ich kenne dich von früher; komm herunter!« Der Jäger stieg herab. Teba fragte den Jäger: »Hast du das Blut von allen Tieren in das Horn getan, wie ich dir sagte?« Der Jäger sagte: »Ja, ich habe das Blut von allen Tieren hineingetan.« Teba sagte: »So zeig das Horn her!« Der Jäger gab dem Teba das Horn, Teba sagte nach einiger Zeit: »Wo ist das Blut vom Elefanten?«

Der Jäger sagte: »Ich habe den Elefanten getötet und von seinem Blut, wie du wolltest, in dem Horn aufgefangen. Nachher hat aber meine Frau das Horn umgestoßen und ausgegossen.«

Teba rief die Frau und sagte zu ihr: »Was hast du mit dem Blut gemacht?« Die Frau sagte: »Ich habe im Haus gefegt und sah das Horn nicht gleich. Da stieß ich es um und das Blut floß heraus.« Als die Frau das gesagt hatte, nahm Teba das Blut aus dem Horn und warf es gegen die Beine der Frau.

Seitdem haben die Frauen die monatliche Reinigung. Teba hatte aus dem Blut dem Jäger ein Amulett herrichten wollen. Nun wurde dieses Blut zum Merkzeichen des weiblichen Körpers, der damit anzeigen will, daß er bereit ist, schwanger zu werden.

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