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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 65
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
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Der Mann, den alle Frauen liebten

Felszeichnung

Ein Mann hieß Koki. Er hatte eine Frau, von der »gebar er« zwei Kinder, das waren Mädchen. Die Mädchen wuchsen heran. Es kamen zwei junge Männer von auswärts. Der eine junge Mann sagte: »Ich bitte dich, laß mich deine Tochter ein einziges Mal beschlafen. Nachher kannst du mich dann töten!« Der andere Bursche sagte zu Koki: »Gib mir eine Ziege zu essen! Weiter will ich nichts. Mit den Weibern will ich nichts zu tun haben!«

Der Vater gab dem Burschen, der darum gebeten hatte, die Ziege.

Der Vater nahm den andern Burschen und dazu seine Tochter. Er führte beide zu einem großen einsamen Haus und sagte: »Darin kannst du meine Tochter diese Nacht beschlafen. Morgen aber werde ich dich dann töten.« Darauf schloß er den Burschen mit dem Mädchen im einsamen Haus ein und ging weg. Der Bursche beschlief das Mädchen.

Nachdem der Bursche das Mädchen beschlafen hatte, sagte das Mädchen: »Du hast zu meinem Vater gesagt, du wolltest mich nur einmal beschlafen, nachher wolltest du dich von meinem Vater töten lassen.« Darauf beschlief der Bursche das Mädchen noch einmal. Das Mädchen sagte: »Wird es gut für dich sein, wenn ich mache, daß mein Vater dich nicht tötet? Willst du mich dann heiraten?« Der Bursche sagte: »Ja, das wird gut für mich sein. Ich möchte dich sehr wohl heiraten.« Das Mädchen sagte: »Warte ein wenig.«

Nach einiger Zeit begann das Mädchen laut nach seinem Vater zu schreien. Der Vater kam und fragte durch die Tür: »Was schreist du? Was hast du?« Das Mädchen sagte: »Mein Bauch schmerzt mich so sehr. Öffne uns doch die Tür, daß wir einmal hinauskönnen.« Der Vater öffnete darauf die Tür. Das Mädchen und der Bursche kamen heraus, um sich zu entleeren. Beide nahmen draußen zwei große Holzstücke auf und trugen sie in das Haus. Sie legten sie dahin, wo sie vorher gelegen hatten. Dann liefen sie fort in den Busch. Nach einiger Zeit kam der Vater und blickte in das Haus, um zu sehen, ob der Bursche und das Mädchen wieder darin wären. Er sah die beiden Holzstücke. In der Dunkelheit hielt er die für den Burschen und das Mädchen. Er schloß die Tür also von außen zu und ging wieder in sein Haus.

Der Bursche und das Mädchen liefen im Busch so schnell sie konnten weg. Sie liefen weit, weit fort. Es war aber eine Schlange am Weg. Die Schlange biß den Burschen. Er fiel hin und sagte: »Eine Schlange hat mich gebissen; nun werde ich sterben.« Das Mädchen setzte sich zu dem Burschen und fing an zu weinen. Der Bursche weinte. Das Mädchen weinte. Nach einiger Zeit kam ein fremdes Mädchen. Das sah die beiden weinen. Das fremde Mädchen fragte: »Was ist euch? Weshalb weint ihr?« Die junge Frau sagte: »Sieh hier den Fuß meines Mannes. Eine Schlange hat ihn gebissen; nun wird er sterben.« Das fremde Mädchen sagte: »Wenn es sonst nichts ist, kommt nur mit mir. Mein Vater hat daheim Medizin gegen Schlangenbisse. Kommt nur schnell mit. Der junge Mann da muß mich nachher aber auch heiraten.« Der junge Mann sagte: »Wenn ich nicht sterbe, will ich dich auch heiraten.« Der junge Mann ging mit seiner jungen Frau und dem fremden Mädchen schnell zum Hause ihres Vaters. Der Vater des fremden Mädchens gab dem jungen Mann Medizin. Er wurde gesund. Danach heiratete der junge Mann auch das fremde Mädchen.

Der junge Mann brach mit seinen beiden jungen Frauen auf, um in ein anderes Land zu wandern. Sie gingen weit weg. Dann kamen sie an einen großen Fluß. Sie konnten über diesen großen Fluß nicht hinweg. Sie sagten: »Was tun wir? Wie kommen wir über diesen großen Fluß?« Ein fremdes Mädchen kam und fragte: »Was wollt ihr?« Der junge Mann sagte: »Wir können nicht über den großen Fluß kommen.« Das fremde Mädchen sagte: »Ich will meinem Vater sagen, daß er euch übersetzt. Der junge Mann muß mir aber versprechen, mich nachher zu heiraten.« Der junge Mann sagte: »Das will ich tun.« Das fremde Mädchen ging fort und rief ihren Vater. Der setzte alle drei und seine eigene Tochter auf das andere Ufer. Der junge Mann heiratete die Tochter des Bootsmannes.

Der junge Mann ging mit seinen drei Frauen weiter. Sie gingen sehr weit. Sie kamen in das Land des Königs Mado. An einem Platz im Busche sagte der junge Mann: »Hier wollen wir unsere Stadt bauen!« Der junge Mann schnippste mit den Fingern. Da kamen Mauern hervor, kamen Häuser hervor. Darin lebte der junge Mann mit seinen drei Frauen. Der König Mado hörte davon. Der König Mado sandte eine Botschaft an den jungen Mann und ließ ihn fragen: »Gehört das Land, in dem deine Häuser und deine Mauern stehen, etwa dir?« Dann sandte König Mado Leute zu dem jungen Mann. Die Leute kamen in den neuen Ort des jungen Mannes. Sie fingen und banden ihn. Dann schleppten sie ihn zum König Mado.

Der König Mado sagte zu dem jungen Mann: »Du hast in meinem Land eine neue Stadt gebaut. Das Land gehört mir. Ich werde dich töten, wenn du mir nicht den Namen meiner ersten Frau nennen kannst. Wenn du dagegen imstande bist, mir den Namen meiner ersten Frau zu nennen, dann magst du mich töten und an meiner Stelle König werden.« Der junge Mann sagte: »Du bist hier König und hast die Gewalt.« Der König ließ den jungen Mann fortführen. Die erste Frau König Mados hatte den jungen Mann gesehen. Sie sandte eine Botschaft an ihn und ließ ihm sagen: »Ich bin die erste Frau des Königs. Ich habe dich gern, merke dir meinen Namen. Ich heiße Jentebe.« Der König Mado rief alle Tiere des Busches zusammen. Alle Tiere des Busches kamen zu König Mado. König Mado sagte: »Ich werde den Burschen töten. Wenn ich den Burschen getötet haben werde, könnt ihr ihn essen.« Alle Tiere des Busches fragten König Mado: »Was hat dir dieser Bursche getan, daß du ihn töten willst?« König Mado sagte zu den Buschtieren: »Ich habe zu dem jungen Mann gesagt: »Du hast in meinem Land eine neue Stadt gebaut. Das Land gehört mir, ich werde dich also töten, wenn du mir nicht den Namen meiner ersten Frau nennen kannst. Wenn du dagegen imstande bist, den Namen meiner ersten Frau zu nennen, dann magst du mich töten und an meiner Stelle König werden.« Das habe ich dem jungen Mann gesagt. Wenn er nun also den Namen meiner ersten Frau nicht nennen kann, dann sollt ihr ihn töten!«

Am andern Tage kamen alle Leute zusammen. Als alle zusammengekommen waren, wurde der junge Mann in die Mitte geführt. Als nun so viele Leute ringsherum waren, vergaß der junge Mann den Namen der ersten Frau des Königs. Der König Mado fragte: »Welches ist der Name meiner ersten Frau?« Der junge Mann hatte den Namen vergessen. Als er ihn nun nicht gleich sagen konnte, bliesen die Leute auf ihrer Rigita (große Trompete) den Namen. Der junge Mann wußte ihn nun wieder. Der junge Mann sagte: »Der Name deiner ersten Frau ist Jentebe.« Der König stand auf, er ging zu seinem Pferd und bestieg es. Er wollte nach Hause reiten. Die großen Leute kamen hinter ihm her und schlugen ihm den Kopf ab. Dann setzten sie den jungen Mann auf des Königs Pferd. Der Bursche wurde nun König. Als der junge Mann nun König war, rief er die drei Frauen, die mit ihm in König Mados Land gekommen waren. Er hieß sie alle sich um ihn herum niederzusetzen. Dann nahm er den Schwanz eines Büffels und sagte: »Welche Frau will diesen Büffelschwanz?« Alle drei Frauen sagten: »Ich möchte den Schwanz des Büffels haben! Ich möchte den Schwanz des Büffels haben!« Die erste Frau sagte zu dem jungen Mann: »Gib ihn mir, denn ich habe dir aus dem eisernen Haus geholfen, in das uns mein Vater gesperrt hatte.«

Die zweite Frau sagte: »Gib ihn mir, denn ich habe dafür gesorgt, daß mein Vater dich heilte, als du von der Schlange gebissen warst.«

Die dritte Frau sagte: »Wenn ich nicht an dem großen Fluß gewesen wäre und meinen Vater herbeigerufen hätte, daß er euch über den Fluß setze, dann wären wir alle nicht hierher gekommen, und du, mein Mann, wärst hier nicht König geworden.« Der junge Mann gab darauf den Büffelschwanz der Tochter des Bootsmannes.

Es kam aber Jentebe und sagte: »Ich denke, der Büffelschwanz kommt mir zu.« Darauf nahm der junge Mann der Bootsmannstochter den Büffelschwanz wieder weg und gab ihn Jentebe. Der junge Mann aber sagte: »Du, Jentebe, sollst Nguotsi (Herrin über alle Frauen und Mädchen) sein. Du, Bootsmannstocher, sollst Aijondo (entspricht den Maidaki in Haussa), du, deren Vater mich vom Schlangenbiß heilte, sollst Akinda (zweithöchster Beamter), du, die mich aus dem eisernen Haus rettete, du sollst Aunku (= Siroma in Haussa) sein.«

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