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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 64
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
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Dilla

Felszeichnung

Dilla (schlaues kleines Raubtier, trinkt Wasser, indem es den Schwanz in Wasser taucht und ihn dann ableckt), kam zu Kare (dem Hund). Dilla sagte zu Kare: »Sage mir doch, mein Kare, wollen wir nicht zusammen auf Wanderschaft gehen?« Kare sagte: »Es ist gut, wir beide wollen uns gemeinsam aufmachen.« Dilla und Kare machten sich zurecht; dann begaben sie sich beide auf den Weg.

Unterwegs fragte Dilla Kare: »Mein Kare, wieviel Klugheit (wajo) besitzt du? Kannst du dreierlei oder fünferlei oder wieviel?« Kare sagte: »Ich habe zwölf Eigentümlichkeiten. Erstens: Wenn ich einen sauberen Platz sehe, scheiße ich darauf. Zweitens: Wenn ich einen dicken Baum sehe, hebe ich ein Bein hoch und pinkle dagegen. Drittens: Wenn ich einen dicken Knochen sehe, esse ich ihn und wenn er noch so dick ist und wenn ich noch so viele Tage dazu brauche. Viertens: An dem Platz, wo gegessen wird, soll der Mann vor der Frau hingehen. Fünftens: Wenn mir irgend jemand mit Stöcken oder Steinen zusetzt, schreie ich laut, so daß alle meine Leute (also alle anderen Hunde) es hören und in Zukunft den Platz vermeiden. Sechstens: Wenn ich viel Essen sehe, kann ich erst soviel zu mir nehmen, daß die Speise mir bis an den Hals reicht, dann gehe ich hin, kaue ein wenig Gras, übergebe mich und beginne von vorne. Siebentens: Nachts schlafe ich nicht. Ich bin Wächter und laufe daher umher, so daß mich niemand überraschen kann. Achtens: Ich bin treu (alkauwali). Neuntens: Wenn mein Herr stirbt und begraben ist, liege ich drei Tage auf seinem Grab und laufe nicht davon. Zehntens: Niemand soll mich im Schlaf stören, denn dann kann ich beißen. Elftens: Ich kann sehr weit und lange laufen und dann wieder zurück. Zwölftens: Ich kann über einen Fluß schwimmen.«

Dilla fragte: »Sind das alle Klugheiten, die du hast?« Kare sagte: »Ja, das sind alle meine Eigentümlichkeiten.« Dilla sagte: »Nun, es genügt für unsere Wanderung. Ich habe dafür umso mehr Klugheit.« Kare fragte: »Wieviel Klugheiten (wajo) hast du?« Dilla sagte: »Ich habe nur eine: ich kann einen jeden zum Lachen bringen!« Kare sagte: »Das ist eine gute Sache; damit werden wir gut vorankommen.« Dilla und Kare gingen eine Zeitlang. Sie gingen durch den Busch. Im Busch trafen sie auf einen Baum. In dem Baum war ein Loch. Dilla sagte: »Hier ist sicher Honig darin!« Dilla ging hin. Dilla fand in dem Baumloch den Honig. Dilla hatte eine Gora (Trinkkalebasse) bei sich. Dilla füllte die Gora mit Honig. Dann schloß Dilla die Kalebasse. Kare begann von dem Honig zu essen. Dilla sagte: »Nimm dir mit, das ist besser.« Kare sagte nichts, sondern begann von dem Honig zu essen. Dilla sagte: »Nun komm nur, nun komm nur!« Kare sagte: »Mein Bauch ist noch nicht voll. Ich will aber nicht eher weggehen, als bis ich meinen Bauch gefüllt habe.« Kare fraß weiter. Kare fraß, bis sein Bauch ganz voll war. Kare sagte: »Nun ist mein Bauch voll. Nun können wir weitergehen. Nun muß ich Wasser trinken.«

Dilla kam mit Kare zum Fluß. Es war aber die Stelle am Fluß, an der alle Tiere Wasser trinken. Kare sagte: »Ich will hier trinken!« Dilla sagte: »Das ist nicht ein Platz zum Wasser trinken für dich. Ich will dir einen anderen Platz zeigen, der besser für uns ist.« Kare sagte: »Dann geh voraus.« Dilla ging voraus. Sie gingen hin. Kare sagte: »Ich muß jetzt trinken. Ich kann es nicht mehr aushalten.« Dilla sagte: »Dann trinke schnell. Beeil dich!« Kare begann zu trinken. Dilla sagte: »Trink schnell! Beeil dich!« Kare sagte: »Ich muß mich erst volltrinken! Ehe mein Bauch nicht voll ist, kann ich nicht weitergehen.« Dilla sagte: »Ich gehe voran!« Dilla ging.

Als Dilla ein Stück weit gegangen war, kam Kare ihm nachgelaufen und sagte: »Mein Dilla! Ich kann nicht weiterlaufen. Mein Dilla, ich habe vom Honig solche Bauchschmerzen; mein Bauch schmerzt mich zu sehr!« Dilla sagte: »Das habe ich dir ja vorher gesagt. Du hast zuviel Honig gegessen und hast zu viel Wasser getrunken!« Kare legte sich hin. Dilla sagte: »Komm, mein Kare! Dies ist der Platz, wo Saki (Löwe), Damissa (Leopard), Kurra (Hyäne), Kare-ndauwa (Buschhund), Bauna, Gonki (Pferdeantilope), Giwua, Maissa (Riesenschlange) und Kassa (eine dicke, aber kurze Schlange mit zwei Hörnern) trinken.« Kare sagte: »Ich kann nicht weitergehen. Mein Bauch schmerzt mich zu sehr.« Kare lag am Boden. Dilla blieb bei ihm.

Nach einiger Zeit kam Kurra (die Hyäne). Kurra sah Dilla und Kare. Kurra sah Kare am Boden. Kurra sagte zu Dilla: »Was ist das dort?« Dilla sagte: »Dieser hier ist ein Kalebassenflicker, der krank hingefallen ist. Nun warte ich auf ihn, bis es ihm besser geht.« Kurra sagte: »Was du sagst ist gut; aber ich werde den fangen, denn der hat noch nie eine Kalebasse geflickt.« Dilla sagte: »Es ist sicher wahr, du kannst es mir glauben. Dieser Mann flickt Kalebassen für die Könige. Er will auch die zerbrochenen Kalebassen deines Königs flicken.« Kurra sagte: »Gut, bleibt hier. Geht nicht eher fort, als bis ich wieder hier bin. Wenn ihr fortgeht, sehe ich das an euren Fußspuren, ich laufe euch nach und es geht euch schlecht!« Dilla sagte: »Weshalb sollen wir weglaufen?«

Kurra ging weg. Kurra ging zu Saki (dem Löwen). Kurra sagte: »Wieviel Ohren hast du?« Saki sagte: »Ich habe zwei Ohren.« Kurra sagte: »Dann nimm noch ein drittes dazu, denn ich habe dir etwas zu sagen!« Saki sagte: »Sag es mir!« Kurra sagte: »Ich habe zwei Tiere getroffen, von denen eines sagt, es könne Kalebassen flicken. Es sagt, es flicke Kalebassen für Könige.« Saki sagte: »Gut denn, wir wollen das sehen. Nimm die zerbrochenen Kalebassen, die hinter meinem Hause liegen!«

Kurra ging hinter das Haus. Kurra nahm die zerbrochenen Kalebassen. Kurra setzte sie sich (als Last) auf den Kopf und ging voran. Saki folgte ihm. Kurra und Saki kamen zu Dilla und Kare. Dilla warf sich vor dem König auf die Erde. Saki fragte: »Ist das dort der Kalebassenflicker?« Dilla sagte: »Ja, das da ist der Kalebassenflicker.« Saki sagte: »Gut denn, wenn der Mann meine Kalebassen nicht gut flickt, dann werde ich ihn und dich auffressen!« Dilla sagte: »Es ist recht so.« Kurra setzte die zerbrochenen Kalebassen auf die Erde. Kare stand auf. Kurra gab Kare die Kalebassen. Kare sagte: »Ich habe aber meine Schnur daheim gelassen!« Saki sagte: »Was für Schnur brauchst du zu deiner Arbeit?« Kare sagte: »Ich brauche die Sehnen vom Rücken der Hyäne (Kurra).« Saki sagte zu Kurra: »Zieh dir von deinem Rücken Sehnen!« Kurra zog sich einige Sehnen vom Rücken. Dilla nahm die Sehnen. Dilla öffnete die Gora, in der der Honig war und tunkte die Sehnen hinein. Dilla sagte: »Nun muß die Schnur weich gezogen werden. Saki, du hast die besten Zähne. Willst du die Schnur einmal zwischen den Zähnen durchziehen. Dann wird das andere schnell gehen.« Saki nahm die in Honig getunkte Schnur. Er führte sie an den Mund. Er wollte sie durch die Zähne ziehen. Da schmeckte er den süßen Honig. Saki verschluckte die Sehne.

Dilla sagte: »Nun, Saki, gib mir bitte die Sehnenschnur zurück, damit wir die Arbeit anfangen können!« Saki sagte: »Ich habe die Schnur verschluckt! Kurra zieh dir einige andere Sehnen vom Rücken!« Kurra schrie: »Hoho!« Kurra sprang auf. Kurra rannte weg durch den Busch. Saki sagte: »Ich muß mehr von seinen Sehnen haben. Sie sind zu süß!« Saki sprang auf und lief Kurra nach. Dilla sagte zu Kare: »Komm! Wir wollen nun gehen!« Kare stand auf. Dilla und Kare gingen weg. Kare und Dilla kamen in ein Dorf der Jäger.

Die Jäger waren im Busch gewesen. Die Jäger hatten das Gras angezündet und hatten gejagt. Alle Jäger hatten ihre gute Beute gehabt. Nur ein junger Jäger hatte nichts gewonnen. Die anderen Jäger sagten: »Wir haben genug, wir gehen nun heim!« Der junge Jäger sagte: »Ich will noch hier draußen bleiben. Ich will sehen, ob ich nicht noch etwas gewinne.« Die anderen Jäger gingen. Der junge Jäger blieb im Busch.

Der junge Jäger ging durch den Busch. Er kam an eine hohe Sandbank. Auf der hohen Sandbank lag Kadda (ein Alligator). Kadda war weit fort vom Wasser. Kadda konnte nicht an das Wasser finden. Kadda sah den Jäger und sagte: »Mein junger Jäger, bring mich an das Wasser. Ich will dir am Wasser Sinaria (Gold) geben. Ich habe viel Sinaria im Wasser, du kannst dir dann dafür Fleisch kaufen, soviel du willst!« Der junge Jäger sagte: »Wenn ich dir jetzt Tag mache, wirst du mir dann nachher auch nichts Schlechtes antun?« (Ko-nai maka rana, kata kai mani dere?) Kadda sagte: »Nein, ich werde dir nichts Schlimmes antun!« Der Jäger sagte: »So kann ich dich aber nicht tragen. Ich muß dir erst das Maul zubinden.« Kadda sagte: »Wenn es nicht anders geht, dann tu es!«

Der junge Jäger band dem Kadda erst das Maul zu. Dann wollte er Kadda aufnehmen. Kadda war sehr schwer. Der junge Jäger sagte: »Du bist sehr schwer. Ich muß dir einen Strick um den Leib binden.« Kada sagte: »Wenn es nicht anders geht, dann tue es.« Der junge Jäger band ein Tau um den Leib Kaddas. Der junge Jäger schleppte einen Teil Kaddas auf der Schulter. Er zog das Hinterteil Kaddas am Strick durch den Sand. Der junge Jäger schleppte Kadda hin, bis er ans Wasser kam.

Der junge Jäger kam mit Kadda ans flache Wasser. Der junge Jäger fragte: »Ist es gut hier?« Kadda sagte: »Nein, es ist nicht gut hier. Bring mich dahin, wo das Wasser tiefer ist.« Der junge Jäger brachte Kadda bis dahin, wo das Wasser knietief war. Der junge Jäger fragte: »Ist es gut hier?« Kadda sagte: »Nein, es ist nicht gut hier. Bring mich dahin, wo das Wasser tiefer ist. Da kann ich dir dann das Gold geben!« Der junge Jäger brachte Kadda bis dahin, wo das Wasser lendentief war. Der junge Jäger fragte: »Ist es gut hier?« Kadda sagte: »Ja, hier ist es gut. Nun binde mir noch den Strick vom Maul, daß ich das Sinaria (Gold) von unten aufheben und dir geben kann.« Der junge Jäger band den Strick vom Maul Kaddas. Als der junge Jäger den Strick vom Maul Kaddas gebunden hatte, schnappte Kadda sogleich nach dem Fuß des Jägers und packte den Jäger fest. Der junge Jäger rief: »Nun laß mich los mein Kadda und gib mir mein Gold!« Kadda sagte: »Nein, ich kann dich nicht loslassen mein Jäger!« Der junge Jäger rief: »Laß mich! Laß mich! Ich habe dir Gutes getan und du tust mir Schlechtes!« Kadda aber sagte: »Nein!«

Dilla und Kare kamen in das Dorf der Jäger. Die Jäger sagten untereinander: »Was ist es nur, daß der junge Jäger nicht wiederkommt?« Dilla hörte, was die Jäger untereinander sagten. Dilla sagte zu den Jägern: »Was gebt ihr mir, wenn wir den jungen Jäger suchen und euch wiederbringen! Wir können es nicht umsonst machen, denn wir sind Händler, die ihr Geld verdienen müssen.« Die Jäger sagten: »Wenn ihr den jungen Jäger wiederbringt, schenken wir euch viel!« Dilla sagte zu Kare: »Komm!« Beide gingen.

Dilla sagte zu Kare: »Ich habe eine Stelle im Sand gesehen, da waren Menschenfüße, und Füße und Schwanz eines Kadda abgedrückt. Da wollen wir hingehen.« Dilla und Kare gingen zu der Sandbank. Dilla und Kare folgten der Fußspur. Dilla und Kare kamen an das Wasser. Der junge Jäger stand im Wasser und schrie: »Laß mich!« Das Kadda hielt den Jäger fest und sagte: »Nein, ich kann dich nicht lassen.«

Dilla sagte: »Mein Jäger, mit wem streitest du denn da?« Der junge Jäger sagte: »Ich streite mit Kadda.« Dilla sagte: »Kommt beide heraus, ich will über den Fall urteilen!« Kadda sagte: »Nein, ich komme nicht hinaus!« Dilla sagte: »Komm nur ruhig heraus, mein Kadda! Du und ich, wir sind beides Tiere. Das hier ist aber ein Jäger, der die Tiere jagt!« Kadda sagte: »Das ist wahr.« Kadda kam heraus Kadda sagte: »Nun richte!« Dilla sagte: »Wir müssen da anfangen, wo euer Streit anfing. Wer brachte dich, mein Kadda, denn von der Sandbank zum Flusse?« Der junge Jäger sagte: »Das tat ich!« Dilla sagte zu Kadda: »Deine Sache steht gut. Denn der Mann beginnt mit einer dicken Lüge. Wie kann ein so junger Jäger ein so großes Kadda tragen. Ich will den lügnerischen Jäger erst einmal dazu verurteilen, daß er dich wieder hinaufträgt!« Der Jäger sagte: »Ich trug und zog Kadda.« Dilla sagte: »Das muß ich sehen. Rede nicht viel, sondern bringe Kadda wieder hinauf!« Der Jäger band Kadda wieder den Strick um den Bauch. Er nahm den Oberteil Kaddas wieder auf die Schulter. Er schleppte Kadda wieder zu der Sandbank hinauf. Dilla sagte: »Womit hat die Sache nun angefangen?« Kadda sagte: »Mein Dilla, dieser hinterlistige Jäger hat mir das Maul zugebunden!« Dilla sagte: »Das war schlecht von dem Jäger! Du, Kadda, leg deinen Kopf nun auf diesen Stein hier. Du, Jäger, geh auf die andere Seite. Ich stehe als Richter in der Mitte.« Kadda fragte: »War die Arbeit für den Jäger leicht oder schwer?« Der Jäger sagte: »Ich denke, sie war schwer genug!« Dilla sagte: »Dann braucht sie der Jäger nicht wieder zu beginnen!«

Das Kadda rief: »Nun bringt mich zum Wasser hinab!« Dilla sagte: »Es ist schwer, zweimal hintereinander einen Dummen zu finden. Mein junger Jäger, du kannst nun tun, was du willst!« Der junge Jäger sagte: »Auf das Gold will ich nicht wieder hoffen.« Der Jäger schoß das Kadda tot. Dilla ging mit Kare und dem jungen Jäger ins Dorf. Die Leute dankten Dilla. Die Leute holten das Fleisch des Kadda und verteilten es. Die Leute fragten: »Dilla, was willst du nun haben?« Dilla sagte: »Gebt mir Hühner!« Seitdem stiehlt Dilla Hühner in den Dörfern.

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