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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 63
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
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Die beiden Diebe

Felszeichnung

Mogunda Katsena (der Dieb aus Katsena) füllte einen Sack voll Kaurimuscheln und sagte: »Ich will hingehen und mir ein Kleid kaufen!« Mogunda Katsena betrachtete den Sack mit Kaurimuscheln. Mogunda Katsena wog den Sack mit Kaurimuscheln in der Hand. Mogunda Katsena sagte: »Weshalb soll ich alle meine Kaurimuscheln weggeben, wenn ich statt ihrer auch Steine nehmen kann?« Mogunda Katsena entleerte den Sack wieder; er brachte die Kaurimuscheln an einen andern Ort und versteckte sie. Er behielt nur zweihundert Kaurimuscheln zurück. Dann ging er hinaus, sammelte am Ufer runde kleine Steine, füllte damit den Sack und legte darauf die zweihundert Kauri. Mogunda Katsena sagte: »Dafür werde ich mein Kleid auch erhalten.« Mogunda Katsena nahm den Sack und ging fort, einen Mann zu suchen, der ein Kleid zu verkaufen hatte.

Mogunda Kano (der Dieb von Kano) nahm ein Kleid heraus. Mogunda Kano sagte: »Ich brauche Geld (Kaurimuscheln)!« Mogunda Kano betrachtete das Kleid. Mogunda Kano strich mit der Hand an dem Kleid herab. Mogunda Kano sagte: »Weshalb soll ich so dumm sein wie die andern Leute? Weshalb soll ich mein Kleid weggeben, wo ich doch sicher einen Dummen finden kann, der mir auch für Blätter das Geld gibt, was ich brauche?« Mogunda Kano legte das Kleid zusammen. Mogunda Kano legte das Kleid wieder fort. Mogunda Kano ging hinaus und sammelte große Blätter. Mogunda Kano wusch die Blätter. Er tauchte sie in Indigo. Er faltete sie zusammen. Er schlug die Blätter ein wie ein Kleid. Er betrachtete das Paket. Er sagte: »Wer dumm ist, oder wer eilig ein Kleid kaufen will, wird dies gern kaufen, wenn ich es billig abgebe.« Mogunda Kano nahm das Paket und ging fort um einen Mann zu finden, der ein Kleid kaufen wolle.

Mogunda Katsena kam von der einen Seite. Mogunda Kano kam von der andern Seite. Mogunda Katsena und Mogunda Kano trafen sich in der Mitte. Mogunda Katsena sah Mogunda Kano. Mogunda Kano sah Mogunda Katsena. Mogunda Katsena sagte (für sich): »Hm!« Mogunda Katsena sagte (für sich): »Hm!« Mogunda Katsena zog seinen Beutel heraus und sagte: »Ich suche ein Kleid.« Mogunda Kano sagte: »Ich verkaufe ein Kleid.« Mogunda Katsena sagte: »Ich kann nur 40 000 Kauri geben.« Mogunda Kano sagte: »Das ist sehr wenig.« Mogunda Katsena befühlte das Paket. Mogunda Katsena sagte: »Es ist kein weicher Stoff.« Mogunda Kano sagte: »Nein, es ist kein weicher Stoff. Gib mir den Sack mit den Kauri!« Mogunda Katsena gab Mogunda Kano den Sack mit den Kauri. Mogunda Kano gab Mogunda Katsena das Paket. Mogunda Katsena ging den Weg zurück. Mogunda Kano ging den Weg zurück.

Als Mogunda Katsena ein Stück gegangen war, blieb er stehen. Er sagte: »Der Mann hat mir das Kleid sehr schnell gegeben. Es wird ein schlechtes Kleid sein!« Mogunda Katsena band das Paket auf. Mogunda Katsena schlug das Paket auseinander. Mogunda Katsena sah, was er gekauft hatte. Mogunda Katsena sagte: »Hamdulai (Gelobt sei Gott)!« Mogunda Katsena betrachtete die Blätter. Mogunda Katsena befühlte die Blätter. Mogunda Katsena sagte: »Der andere ist ein sehr kluger Dieb. Ich werde dem Mogunda Kano sein Kleid wiedergeben!« Mogunda Katsena nahm das Kleid, schlug es wieder ein und ging zurück.

Als Mogunda Kano ein Stück gegangen war, blieb er stehen. Er sagte: »Der Mann hat mir seine Kauri sehr schnell gegeben. Es werden nicht so viele sein, wie er gesagt hat.« Mogunda Kano band den Beutel auf. Mogunda Kano öffnete den Sack. Mogunda Kano schüttete ihn aus. Mogunda Kano sagte: »Hamdulai!« Mogunda Kano betrachtete die Steine. Mogunda Kano befühlte die Steine. Mogunda Kano sagte: »Der andere ist ein sehr kluger Dieb. Ich werde dem Mogunda Katsena seine Kauri wiedergeben!« Mogunda Kano füllte die Steine wieder in den Sack. Er legte die Kauri wieder oben auf. Er band den Sack wieder zu und ging zurück.

Mogunda Katsena und Mogunda Kano trafen einander wieder. Mogunda Katsena hockte nieder. Mogunda Kano hockte nieder. Mogunda Katsena betrachtete Mogunda Kano. Mogunda Kano betrachtete Mogunda Katsena. Mogunda Katsena sagte: »Hamdulai!« Mogunda Kano sagte: »Hamdulai!« Mogunda Katsena sagte: »Nimm dein Kleid!« Mogunda Kano sagte: »Nimm deine Kauri.« Mogunda Katsena sagte: »Vier Augen sehen mehr als zwei Augen.« Mogunda Kano sagte: »Vier Ohren hören mehr als zwei Ohren.« Mogunda Katsena sagte: »Vier Hände greifen mehr als zwei Hände.« Mogunda Kano sagte: »Auf zwei Köpfen können wir mehr tragen als auf einem Kopf.« Mogunda Katsena sagte: »Gut! Gehen wir nach Katsena, das ist eine große Stadt.« Mogunda Kano sagte: »Nein, wir wollen nach Kano gehen, da lagern die reichen Madugus (Karawanenführer)« Mogunda Katsena sagte: »Gut, dann gehen wir nach Kano.«

Mogunda Katsena und Mogunda Kano gingen beide zusammen den Weg nach Kano. Als sie nahe bei Kano waren, sagte Mogunda Katsena: »Wir wollen uns gut vorbereiten.« Mogunda Kano sagte: »Du hast recht. Jedes Huhn legt seine Eier am liebsten in ein Nest.« Mogunda Katsena sagte: »Wir wollen daran denken, daß kein Mussuru (Zibetkatze) die Eier findet und uns stiehlt.« Mogunda Kano und Mogunda Katsena gruben eine tiefe Grube. Sie deckten sie mit Stangen und Blättern zu.

Mogunda Kano sagte zu Mogunda Katsena: »Was verstehst du?« Mogunda Katsena sagte: »Ich werde ein Makapho (Blinder) sein.« Mogunda Kano sagte: »Es ist gut; ich werde ein Gulugu (beinloser Krüppel) sein.« Mogunda Katsena wurde Makapho. Mogunda Kano wurde Gulugu. Makapho und Gulugu gingen nach Kano hinein.

Makapho und Gulugu gingen auf den Markt. Sie saßen auf dem Markt. Die Leute schenkten ihnen einige Kauri. Makapho sagte: »Wo werden wir schlafen?« Gulugu sagte: »Ich weiß einen guten Hühnerstall. Komm mit.« Makapho und Gulugu machten sich auf den Weg. Es war ein Madugu (im allgemeinen Karawanenführer, hier ist ein reicher Kaufmann gemeint) angekommen. Der hatte hundert Kamellasten mit Seidenstoffen aus Tarabulus gebracht. Der Madugu hatte ein großes Haus gemietet und alle seine Lasten dahineingelegt. Makapho und Gulugu gingen zu dem Madugu. Makapho sagte: »Du großer und reicher Mann!« Gulugu sagte: »Du bist der große Elefant unter den Tieren; du bist der Löwe unter den Madugus, du bist der König unter den Madugus.« Makapho sagte: »Du hast hier ein Haus wie der König von Istambul.« Gulugu sagte: »Wir haben nichts, wo wir schlafen können.« Makapho sagte: »Wir wollen zu Allah beten für dich.« Gulugu sagte: »Laß uns in deinem Haus wohnen, wie eine Laus im Haar einer Königsfrau.« Der Madugu sagte: »Es ist gut; ich habe in dem großen Hause Platz. Legt euch hier hin zum Schlafen.«

Makapho und Gulugu kamen herein. Sie legten sich auf die Ballen mit Seide. Der Madugu schlief in seinem Haus. Als es Nacht war, begannen der Makapho und Gulugu ein Loch in die Mauer zu machen. Dann nahmen sie einen Ballen nach dem andern und trugen sie hinaus aus dem Haus und aus der Stadt. Sie legten sie in ihre Grube. Die Grube war nun voll. Gulugu sagte: »Nun können wir zum letztenmal in unseren Hühnerstall kriechen und das Rattenloch zumachen.« Makapho sagte: »Ja, das Nest ist voller Eier, morgen können wir anfangen zu brüten.« Makapho und Gulugu gingen heim. Sie krochen durch das Loch in der Mauer und machten es zu.

Als es Morgen war, kamen Makapho und Gulugu zu dem Madugu. Makapho sagte: »In dieser Stadt können wir nicht leben.« Gulugu sagte: »Jeder denkt nur an sein Geschäft und keiner an Allah.« Makapho sagte: »Von den Körnern, die hier aus dem Stampfmörser springen, können nur kleine Vögel leben.« Gulugu sagte: »Unsere Haut vertrocknet« (d. h. wir hungern). Der Madugu schenkte Makapho und Gulugu 1000 Kauri. Makapho und Gulugu gingen. Makapho und Gulugu versteckten sich im Busch. Am andern Tage wollte der Madugu weiterreisen. Man brachte die Esel herbei und fing an sie zu beladen. Als die Leute die ersten Ballen weggenommen hatten, sah der Madugu, daß ein großer Teil der Ballen nicht mehr im Hause war. Der Madugu lief zum Alkali (Richter) und sagte: »Man hat mich bestohlen, man hat mir viele Ballen aus meinem Hause genommen.« Der Alkali sagte: »Was willst du? Hast du nicht fremde Leute in deinem Haus schlafen lassen?« Der Madugu sagte: »Die können nicht gestohlen haben. Es waren ein Blinder und ein Krüppel.« Der Alkali sagte: »Kanntest du diese Leute?« Der Madugu sagte: »Nein, ich kannte sie nicht.« Der Alkali sagte: »Es wird dir niemand helfen können, aber wenn du noch einige Monate hier bleiben willst, können wir die Diebe vielleicht finden.« Der Madugu sagte: »Wenn ich noch länger bleibe, wird mir in dieser schlechten Stadt alles gestohlen.« Der Alkali sagte: »Willst du uns beschimpfen?« Der Madugu ging schnell weg. Er belud seine Esel und zog seine Straße weiter.

Der Madugu ritt hinter seiner Karawane her auf der Straße durch den Busch von dannen. Mogunda Katsena und Mogunda Kano lagen im Busch. Mogunda Katsena sagte zu Mogunda Kano: »Der Vogel Strauß kommt, aber er hat nur noch wenige Federn.« Mogunda Kano sagte zu Mogunda Katsena: »Wir werden uns nun einen schönen Federhelm machen können.« Der Madugu ritt fort. Mogunda Katsena und Mogunda Kano kamen aus dem Busch. Sie gingen zu der Grube, in der sie die Ballen von Madugu versteckt hatten. Sie nahmen die Blätter und Stangen von der Grube weg. Unten lagen die Ballen.

Mogunda Katsena und Mogunda Kano blickten in die Grube hinein. Sie sahen beide auf die Ballen. Die Ballen lagen unten. Mogunda Katsena sagte: »Die Ballen liegen sehr tief unten. Ich habe sehr kurze Beine.« Mogunda Kano sagte: »Deine Beine sind so lang wie die meinen und einer muß hinabsteigen und die Ballen dem andern heraufreichen.« Mogunda Katsena und Mogunda Kano hockten am Rande der Grube nieder und blickten auf die Ballen hinab. Mogunda Kano sagte: »Es war ein guter Hühnerstall, den ich in Kano gezeigt habe.« Mogunda Katsena und Mogunda Kano saßen auf dem Rand der Grube und blickten auf die Ballen hinab. Mogunda Kano sagte: »Wir wollen die Grube wieder zudecken und wollen sehen, ob wir einen anderen Mann finden, der die Ballen uns heraufreicht.« Mogunda Katsena sah auf die Ballen in der Grube hinab. Mogunda Katsena sagte: »Ich werde hinabsteigen und dir die Ballen heraufreichen.

Mogunda Katsena sprang in die Grube. Mogunda Kano blieb oben. Mogunda Kano nahm einen Strick, hielt das eine Ende fest und warf das andere Ende hinab. Unten fing Mogunda Katsena das andere Ende des Strickes auf und knüpfte einen Ballen daran. Mogunda Kano zog nun den Ballen aus der Grube empor. Mogunda Kano knüpfte den Ballen ab und warf das leere Ende des Strickes wieder in die Grube zu Mogunda Katsena hinab. Mogunda Kano nahm dann aber den heraufgezogenen Ballen und trug ihn an eine andere Stelle des Busches, wo er ihn wieder versteckte. Dann nahm er einen großen Stein auf und nahm ihn mit zurück zu der Grube.

Mogunda Katsena hatte einen zweiten Ballen an das untere Ende des Strickes gebunden. Mogunda Kano zog den Ballen wieder empor, trug ihn in das andere Versteck im Busch und brachte einen anderen Stein. Mogunda Katsena sagte (bei sich): »Mein Bruder braucht so lange, um einen jeden Ballen wegzubringen, daß man in der gleichen Zeit eine Kalebasse voll Brei kochen kann. Ich habe aber nicht solchen Hunger, daß ich diese ganzen Speisen, die er da kocht, aufessen möchte und ich würde sicher einen kranken Magen bekommen, wenn ich es versuchen wollte! Es ist besser, wenn ich mich ein wenig vorsehe!« Mogunda Katsena knüpfte einen Ballen auf und band sich selbst hinein.

Mogunda Kano zog alle Ballen hinauf und brachte sie beiseite und jedesmal, wenn er einen Ballen wegtrug, brachte er dafür einen Stein wieder. Es war nur noch ein Ballen in der Grube. Es war Abend und schon dunkel. Mogunda Katsena band das leere Ende des Strickes an den letzten Ballen, in dem er selbst mit eingeschnürt war und rief hinauf: »Nun, mein Mogunda Kano, ist nur noch ein Ballen hier. Er ist der schwerste und wertvollste von allen. Es wird dir Mühe machen, ihn hinaufzubringen. Wenn du diesen aber hinaufgebracht hast, dann wirf den Strick noch einmal herunter, damit ich selbst hinaufklettern kann.« Mogunda Kano sagte: »Es ist gut, mein Mogunda Katsena; binde den letzten wertvollen Ballen nur recht fest an, dann will ich ihn schon heraufziehen und dann auch dir zu deiner Sache verhelfen.« Mogunda Katsena sagte: »Der Ballen ist festgebunden, sieh nur, ob du ihn in die Höhe bekommst!« Mogunda Kano begann zu ziehen. Mogunda Kano rief: »Oh, was ist er schwer! Was muß er für wertvolle Sachen enthalten!« Mogunda Kano zog den Ballen ein Stück weiter. Mogunda Kano rief: »Ich denke, er muß das Beste von allem enthalten! Was ist er schwer, was ist er schwer!« Mogunda Kano zog den Ballen wieder ein Stück in die Höhe und rief: »Was ist er schwer! Nun warte noch ein wenig, mein Mogunda Katsena. Ich tragen den Ballen fort und helfe dir dann!« Mogunda Kano nahm den Ballen, in dem Mogunda Katsena war, und trug ihn zu den andern in den Busch. Im Busch nahm Mogunda Kano einen Stein auf und ging damit zu der Grube zurück.

Als Mogunda Kano mit seinem Stein weggegangen war, kroch Mogunda Katsena aus seinem Ballen heraus. Mogunda Katsena sagte: »Mein Bruder Mogunda Kano hat hier alles mit viel Mühe versteckt, so daß sogar ich es nur schwer finden kann. Ich werde es nun noch besser verstecken.« Dann trug Mogunda Katsena alle Ballen an eine andere Stelle im Busch.

Mogunda Kano ging mit dem Stein zu der Grube zurück. Er sagte zu der Grube hinunter: »Mein Bruder Mogunda Katsena, nun werde ich dir zu dem deinen verhelfen!« Dann warf Mogunda Kano alle die großen Steine hinab, die er herangebracht hatte. Die Steine fielen auf die Hölzer und die Sanamatten, auf denen die Ballen vorher gelegen hatten. Die Hölzer und Sanamatten wurden von den Steinen Mogunda Kanos zerschlagen. Die Hölzer und Sanamatten zerbrachen und krachten. Mogunda Kano sagte: »Ich höre die Knochen meines Bruders Mogunda Katsena zerbrechen. Ich werde schnell noch einige Steine hinunterwerfen, damit er nicht noch Schmerzen hat!« Mogunda Kano warf alle Steine hinunter. Mogunda Kano warf Erde darauf. Mogunda Kano schüttete die Grube zu. Mogunda Kano ging dann dahin, wo er die Ballen im Busch versteckt hatte.

Mogunda Kano kam an die Stelle, an der er die Ballen versteckt hatte. Er sah, daß alle Ballen weggetragen waren. Er sagte: »Hamdulai!« Mogunda Kano setzte sich auf die Erde hin und sah auf die Stelle, auf der er die Ballen versteckt hatte. Mogunda Kano sah lange auf die leere Stelle. Mogunda Kano sagte: »Es ist wahr, der letzte Ballen war der schwerste und wertvollste! Mein Bruder Mogunda Katsena hatte recht. Nun werde ich hingehen und meinen Bruder Mogunda Katsena und unsere Ballen suchen.«

Mogunda Kano legte sich hin und schlief. Als Mogunda Kano einige Stunden geschlafen hatte, stand er auf und begann wie ein Esel zu schreien. Mogunda Kano schrie wie ein Esel und sprang wie ein losgerissener Esel durch den Busch. – Mogunda Katsena schlief an der Stelle im Busch, an der er die Ballen versteckt hatte. Als Mogunda Kano schrie, wachte Mogunda Katsena auf. Mogunda Katsena hörte die Schreie und Sprünge. Mogunda Katsena sagte: »Das ist ein Esel, der hat sich losgerissen. Ich werde ihn heranlocken. Der Esel kann mir helfen, diese Ballen weiterzutragen!« Mogunda Katsena begann den Esel (durch Schnalzlaute) heranzulocken. Mogunda Kano hörte die Lockrufe Mogunda Katsenas. Mogunda Kano kam ein wenig näher. Mogunda Katsena lockte wieder. Mogunda Kano schrie wieder. Mogunda Kano versteckte sich hinter einem dicken Baum und schrie wieder. Mogunda Katsena sagte: »Nun weiß ich die Richtung, in der der Esel ist. Ich werde ihn bald haben.«

Mogunda Katsena ging auf den großen Baum zu. Als Mogunda Katsena an dem großen Baum ankam, sprang Mogunda Kano hervor. Mogunda Kano packte Mogunda Matsena. Mogunda Katsena rief: »Hamdulai!« Mogunda Kano sagte: »Ich bin glücklich, daß du nicht verloren bist! Ich habe dich so gesucht, mein Mogunda Katsena. Komm, nun wollen wir zu unseren Ballen gehen.« Mogunda Kano faßte Mogunda Katsena bei der Hand. Mogunda Katsena sagte: »Was habe ich mich gefürchtet, als du gar nicht kamst, mein Mogunda Kano. Ich dachte schon, du wärst in die Grube gefallen, oder die Löwen hätten dich getötet.« Mogunda Katsena führte dann Mogunda Kano zu der Stelle, an der er die Ballen versteckt hatte. Mogunda Katsena und Mogunda Kano schliefen bei den Ballen.

Am anderen Morgen sagte Mogunda Kano: »Wir haben diese wertvollen Sachen gemeinsam gefunden (!). Nun teile du, mein Mogunda Katsena!« Mogunda Katsena sagte: »Nein, es ist deine Sache zu teilen, mein Mogunda Kano.« Mogunda Katsena sagte: »Teile du!« Mogunda Kanos sagte: »Teile du!« Mogunda Kano und Mogunda Katsena stritten lange hin und her. Mogunda Katsena sagte: »Wir können uns heute nicht einigen. Ich will in meine Stadt Katsena zurückkehren. Ich werde drei Monate in Katsena bleiben. Bewahre du solange diese Ballen in deinem Hause hier in Kano auf. Wenn ich nach drei Monaten wiederkomme, können wir teilen.« Mogunda Kano sagte: »So ist es mir recht. Ich werde die Ballen aufbewahren und wenn du wiederkommst, wollen wir, wenn Allah mir das Leben läßt, teilen.« Mogunda Katsena nahm von Mogunda Kano Abschied und kehrte nach Katsena zurück.

Mogunda Kano nahm alle Ballen und brachte sie in sein Haus in der Stadt. Mogunda Kano sagte (bei sich): »Wenn ich mit meinem Bruder Mogunda Katsena teile, erhalte ich nur die Hälfte dieser guten Ballen und kann ihm nichts mehr davon nehmen. (Das ist ein gewissermaßen heiliges Gesetz auch unter den Dieben. Wenn eine Beute geteilt und der Besitz dann gegenseitig als rechtmäßig anerkannt ist, können auch Buschkumpane dieses Gut des andern nie wieder zu gewinnen suchen. Dagegen ist es jedem Dieb unbenommen, die Beute, die er mit einem andern zusammen gemacht hat, ihm zu stehlen, solange er nicht den Besitzanteil des andern durch Teilung anerkannt hat. Solche gewissermaßen ritterlichen Ehrengesetze der Diebe und Räuber fand ich auch bei den Tuarek und bei nördlichen Mandestämmen in der Richtung auf Timbuktu zu.) Wenn mein Bruder Mogunda Katsena die Ballen aber mit sich wegnimmt, kann ich sie ihm alle wieder nehmen, und ich werde dann nicht nur die Hälfte, sondern das Ganze gewinnen. Ich werde also sagen lassen, ich sei gestorben. Ich werde mir eine Grube herrichten lassen.« Mogunda Kano ging in den Busch. Mogunda Kano machte eine Grube, aus der ein Gang herausführte. Er deckte die Grube zu. Er trug in den Gang ein Bett und alles, was er brauchte, hinein. Er rief seine erste Frau und sagte: »Ich werde mich nun begraben lassen. Du aber bringe mir täglich in diese Grube Essen und Trank. Wenn Mogunda Katsena kommt, sage ihm, er solle alle Ballen mitnehmen. Sag ihm, ich sei tot. Sag ihm, er würde der Erbe meiner Ballen sein.« Mogunda Kano stieg in die Grube. Er lebte in der Grube. Seine erste Frau brachte ihm jeden Tag Essen und Trank in die Grube.

Nach drei Monaten kam Mogunda Katsena nach Kano. Mogunda Katsena kam in das Haus Mogunda Kanos. Mogunda Katsena sagte: »Wie geht es meinem Bruder Mogunda Kano?« Die erste Frau Mogunda Kanos schrie. Die erste Frau Mogunda Kanos sagte: »Mogunda Kano ist schon vor zwei Monaten gestorben und begraben. Mogunda Kano sagte vor seinem Tode: ›Wenn mein Bruder Mogunda Katsena kommt, wird er alle Ballen mitnehmen wollen. Laßt das alles meinen Bruder Mogunda Katsena mitnehmen.‹« Mogunda Katsena sagte: »Ich bin sehr betrübt darüber, daß mein Bruder Mogunda Kano gestorben ist. Wenn er aber gestorben ist, dann sind die Ballen wohl eher das Erbe seiner Frauen. Wenn also Mogunda Kano gestorben ist, so gehören die Ballen euch. Ich werde noch einige Tage in Kano bleiben und dann nach Katsena zurückkehren.«

Mogunda Katsena ging. Mogunda Katsena versteckte sich in der Nähe des Hauses Mogunda Kanos. Als es Abend war, kam die erste Frau Mogunda Kanos heraus mit dem Essen und mit dem Trank. Mogunda Katsena folgte ihr. Die Frau ging in den Busch. Mogunda Katsena folgte ihr. Die Frau ging in den Gang, der in die Grube führte. Mogunda Katsena sah es. Mogunda Katsena ging wieder in die Stadt. Nachts machte sich Mogunda Katsena auf. Er ging in die Gegend, in der die Grube Mogunda Kanos war. Er begann zu schreien wie eine Hyäne. Als er an die Stelle kam, wo Mogunda Kano unter der Erde auf seinem Bett lag, schrie er stark. An der Stelle begann er die Erde aufzuscharren, wie eine Hyäne. Er schrie und scharrte. Mogunda Katsena schrie und scharrte. Mogunda Katsena kam immer näher an die Decke, die über dem Bett Mogunda Kanos war. Mogunda Kano hörte die Hyäne schreien. Mogunda Kano hörte die Hyäne näher kommen. Mogunda Kano hörte die Hyäne scharren. Mogunda Kano sprang von seinem Bett auf. Mogunda Kano nahm einen Stock und stieß von unten gegen die Decke. Die Hyäne schrie und scharrte weiter. Mogunda Kano schrie: »Geh weg! Geh weg! Geh weg!« Die Hyäne schrie und scharrte weiter. Mogunda Kano sprang vor Angst auf und rannte nach dem Gang, der aus der Grube herausführte. Mogunda Katsena hörte Mogunda Kano rennen. Mogunda Katsena lief zu dem Eingang der Grube. Mogunda Kano sprang heraus. Mogunda Katsena sprang ihm entgegen. Mogunda Katsena fiel Mogunda Kano um den Hals. Mogunda Katsena rief: »Wie bin ich glücklich, daß du lebst, mein Bruder Mogunda Kano!« Mogunda Kano sagte: »Hamdulai!«

Mogunda Kano und Mogunda Katsena gingen in die Stadt. Mogunda Kano sagte: »Nun wollen wir gemeinsam teilen.« Mogunda Katsena sagte: »Ja, wir wollen teilen.« Am andern Tage teilten Mogunda Katsena und Mogunda Kano die Sachen, die in den Ballen waren. Mogunda Katsena lud seine Sachen auf ein Kamel, nahm von Mogunda Kano Abschied und ritt nach Katsena zurück.

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