Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Leopold Frobenius >

Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 61
Quellenangabe
pfad/frobeniu/afrika/afrika.xml
typefairy
authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
projectidb44bb671
Schließen

Navigation:

Serkin Rafin bei den Menschen

Felszeichnung

Serkin Rafin ist ein Alledjenu, der früher im Wasser lebte. Dieser Alledjenu wurde von einer Frau zu den Menschen gebracht. Vorher kannten die Menschen ihn nicht. Serkin Rafin lebte nämlich im Tschadi, einem sehr großen Wasser (anscheinend dem Tschadsee), und niemand wußte etwas Genaues von ihm. Niemand durfte aber damals zur Mittagszeit an dieses Wasser treten. Es pflegte niemand damals zur Mittagszeit Wasser zu schöpfen. Eines Tages war aber in einem Hause das Wasser, das am Morgen geholt war, schon in der Mittagszeit verbraucht. Die Frau des Hauses hatte aber ihre Arbeit noch nicht beendet. Also nahm sie den Wassertopf auf und ging damit an den Tschadi, um Wasser zu holen. Als die Frau an das Wasser kam, sagte jemand zu ihr: »Frau! Du kommst um die Zeit, in der die Sonne in der Mitte steht, an das Wasser? Weißt du nicht, daß um diese Zeit niemand an dies Wasser kommen darf?« Die Frau hörte die Stimme. Die Frau sagte: »Ich hatte kein Wasser im Haus. Ich hatte meine Arbeit nicht beendet. Was sollte ich tun? Ich muß doch meine Arbeit machen. Die Leute wollen zu trinken haben. Ich muß den Leuten Essen kochen. Ich mußte also herkommen, um Wasser zu holen.« Die Frau ging an das Wasser. Die Frau bückte sich im Wasser. Die Frau reinigte ihren Topf. Die Frau schöpfte Wasser und füllte ihren Topf. Den gefüllten Topf stellte sie dann auf das Ufer. Nachdem die Frau das getan hatte, legte sie ihre Kleider ab. Die Frau wollte sich baden. Als sie sich ausgezogen hatte, trat sie in das Wässer und warf sich hinein. Die Frau badete. Sie wandte sich im Wasser hierhin und wandte sich im Wasser dorthin.

Serkin Rafin war im Wasser. Serkin Rafin sah die Frau baden. Serkin Rafin fragte die Jan-rua (Leute des Wassers): »Wer nimmt um diese Zeit hier Wasser?« Die Leute im Wasser sagten: »Wir wissen es nicht.« Serkin Rafin fragte die Jan-rua: »Wer badet um diese Zeit in diesem Wasser?« Die Leute im Wasser sagten: »Wir wissen es nicht.« Serkin Rafin kam aus dem Wasser. Serkin Rafin kam an das Ufer. Am Ufer stand ein großer Stein. Serkin Rafin setzte sich auf diesen Stein und sah der Frau zu, wie sie im Wasser badete und sich hierhin warf und dahin warf.

Als die Frau sich gebadet und gewaschen hatte, kam sie heraus. Sie zog ihre Kleider an. Sie nahm den Topf mit Wasser auf. Sie ging zum Dorf zurück. Serkin Rafin ließ die Frau ein Stück weit gehen. Als die Frau ein Stück weit gegangen war, folgte er ihr. Als die Frau wieder ein Stück weit gegangen, aber immer noch nahe am Wasser war, sagte er zu ihr: »Frau, geh nicht weiter! Warte hier auf mich!« Die Frau blieb stehen. Serkin Rafin kam heran an die Frau. Serkin Rafin sagte zu der Frau: »Frau! Du bist zu schön (kjau deowa). Ich mag dich leiden. Du aber magst mich nicht leiden. Ist es nicht so?« Die Frau sagte: »So ist es. Ich habe meinen Mann zu Hause. Ich brauche keinen zweiten Mann.« Serkin Rafin sagte: »Du hast mich nicht verstanden! Ich will nichts Schlechtes von dir. Ich will nur deine Freundschaft. Das ist alles. Ich will als dein Freund bei dir sein, sonst nichts.« Die Frau sagte: »Wenn es so ist, komm mit mir. Mein Mann wird dich dann gut aufnehmen und dir nichts Schlimmes tun.« Die Frau ging voran. Serkin Rafin folgte ihr.

Die Frau kam an ihr Gehöft. Die Frau trat in das Gehöft. Der Mann der Frau saß im Gehöft. Die Frau sagte zu Serkin Rafin: »Komm herein, dies ist das Gehöft meines Mannes.« Serkin Rafin sagte: »Ich danke dir, daß du mich mitgenommen hast.« Die Frau sagte: »Dies dort ist mein Mann.« Serkin Rafin sagte: »Ich grüße deinen Mann!« Die Frau sagte: »Komm, hilf mir! Nimm mir den schweren Wasserkrug ab.« Serkin Rafin sagte: »Ich will das gern tun.« Serkin Rafin nahm der Frau den Wasserkrug ab und stellte ihn auf die Erde. Die Frau sagte: »Ich danke dir.« Der Mann hörte, wie seine Frau mit Serkin Rafin sprach. Der Mann konnte aber Serkin Rafin nicht sehen. Der Mann hörte Serkin Rafin antworten, er konnte aber Serkin Rafin nicht sehen. Der Mann stand auf und sah umher. Der Mann sah niemand anders als seine Frau. Der Mann sagte zu seiner Frau: »Frau, mit wem sprichst du? Frau, wer antwortet dir?« Die Frau sagte: »Es ist ein Fremder mit mir gekommen.« Der Mann sagte: »Kann ich ihn sehen?« Die Frau sagte: »Gewiß kannst du ihn sehen. Komm nur näher und sieh ihn an.« Der Mann trat ganz dicht heran und sah nach dem andern, mit dem seine Frau sprach. Der Mann sah überall hin. Der Mann konnte ihn aber nicht sehen.

Der Mann trat zu seiner Frau und sagte: »Ich habe den Fremden gehört. Ich habe aber den Fremden nicht gesehen. Ich suche den Fremden und kann ihn nicht finden. Kannst du mir diesen Fremden nicht zeigen?« Die Frau sagte: »Der Fremde ist da, ich will ihn dir zeigen.« Dann nahm die Frau Magani und strich mit den Magani über das Gesicht ihres Mannes. Der Mann öffnete die Augen wieder. Der Mann konnte nun den Serkin Rafin sehen.

Der Mann trat zu Serkin Rafin. Der Mann begrüßte ihn. Der Mann sagte zu Serkin Rafin: »Was willst du hier? Was willst du von meiner Frau?« Serkin Rafin sagte: »Ich mag deine Frau. Deine Frau mag mich. Ich bin der Freund deiner Frau. Etwas anderes ist es nicht. Ich will nichts anders. Deine Frau will nichts anders. Ich bin der Freund deiner Frau und mag nicht wieder von ihr gehen.« Die Frau sagte: »Ja, ich mag diesen meinen Freund nicht mehr von mir lassen. Laß ihn bei uns bleiben.« Serkin Rafin sagte zu der Frau: »Ich danke dir. Wenn mich dein Mann auch liebt, will ich bei euch bleiben. Wenn mich dein Mann aber nicht liebt, will ich wieder weggehen!« Der Mann sagte: »Wenn du sonst nichts von meiner Frau willst, dann bleib nur bei mir. Ich mag dich wohl leiden.« Serkin Rafin sagte: »So ist es mir recht, ich muß nur mein eigenes Essen haben. Ich kann nicht das gleiche Essen zu mir nehmen wie die andern.« Der Mann fragte: »Sag mir genau, was du brauchst.« Serkin Rafin sagte: »Was ich esse, ist dieses: ich brauche weiß- und schwarzgefleckten Schafbock (genannt waki-waki-rago), dann Kürbis (kubewa), dann Früchte des Baobab (kuka), dann Blätter des Ramakrautes, dann kleine Kräuter von allerhand andern Bäumen, dann Kola (gogo). Aus diesem bereitet Essen für mich. Wenn ihr mir das gebt, kann ich bei euch bleiben. Dann werde ich in eurem Hause stehen und nicht wieder fortgehen.«

Der Mann sagte: »Das, was du gesagt hast, will ich dir geben. Bleib aber bei uns.« Serkin Rafin sagte: »Es ist gut, nun kann ich bei euch bleiben. Deine Frau wird dann gute Kinder von dir haben, und ich will für diese deine Kinder sorgen. Wenn ihr mir mein Essen gebt, will ich bei euch bleiben und euch in allem raten. Merk dir aber eines: Deine Frau wird weiße Hände und weiße Füße bekommen, wie jemand, der aus dem Wasser kommt.« Der Mann sagte: »Jetzt ist es gut! Bleibe bei uns!«

Serkin Rafin kam so zu den Menschen. Serkin Rafin blieb bei den Menschen. Seitdem tritt Serkin Rafin dann und wann in den Kopf einer Frau. Dann werden ihre Hände und Füße weiß. Wenn er aber von ihr läßt, werden die Hände und Füße wieder dunkel wie zuvor.

 << Kapitel 60  Kapitel 62 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.