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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 6
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
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Spinne und die Gestirne

Felszeichnung

Ein Häuptling versammelte einmal alle seine Leute. Er legte acht Hackeneisen hin und fragte: »Wer von euch kann etwas Ordentliches und das, was ich meine, daraus machen?« Alle Leute sahen sich an. Jeder dachte darüber nach. Einer nach dem anderen sagte: »Ich kann es nicht sagen.« Alle sagten: »Wir können es nicht sagen.« Endlich aber sagte Spinne: »Ich weiß es; man könnte die Sonne und den Mond daraus machen.« Der Häuptling sagte: »Es ist gut.« Spinne nahm die Hackenklingen, trug sie fort und versteckte sie auf dem Marktplatz.

Danach hüllte Spinne sich in das Kleid eines Vogels und flog auf ein hohes Dach. Die Kinder sahen ihn und schrien: »Seht den Vogel! Was ist das für ein Vogel?« Die Alten sahen den Vogel. Sie sagten: »Was ist das? Seht den Vogel! Was ist das für ein Vogel?« Der Häuptling sah den Vogel. Er sagte: »Seht! Was ist das für ein Vogel? Seht den Vogel! Was ist das für ein Vogel?« Niemand kannte den Vogel. Einige Leute sagten: »Wir kennen den Vogel alle nicht. Wenn ihn jemand kennt, so ist es Spinne. Spinne kennt alles!« Man suchte Spinne. Man fand Spinne nicht. Der Häuptling sagte: »Spinne ist nicht da; ich weiß es, denn ich habe ihn fortgesandt, die Sonne und den Mond machen zu lassen.«

Der Vogel auf dem Baum oben sagte darauf: »So will ich es euch denn sagen: Ich bin es selbst. Ich bin Spinne. Ich dachte, der Häuptling wollte mich mit seinem Auftrag nur anführen. Jetzt will ich aber machen, daß ich fortkomme und meinen Auftrag ausführe.«

Spinne flog fort. Spinne legte das Vogelkleid ab. Dann langte Spinne aus dem Versteck die acht Hackeneisen hervor und begab sich auf die Wanderung zu Unumbotte (Gott). Als Spinne mit den acht Hackeneisen zu Unumbotte kam, sagte er: »Ich habe den Auftrag, aus diesen acht Hackeneisen Sonne und Mond schmieden zu lassen. Ein anderer kann es nicht. Willst du es aber tun?« Unumbotte sagte: »Zeig die acht Hackeneisen her.« Spinne gab sie hin. Unumbotte begann die Arbeit. Unumbotte fertigte aus den acht Hackeneisen Sonne und Mond. Er gab sie dann Spinne.

Spinne nahm Sonne und Mond, um sie zur Erde zu tragen.

Sonne und Mond waren aber heiß. Spinnes Finger konnten die Hitze nicht lange aushalten. Spinne lief ein Stückchen, dann legte er Sonne und Mond ein wenig hin und wartete, bis die Finger sich ein wenig abgekühlt hatten. Sobald er es vermochte, nahm er Sonne und Mond wieder auf und lief damit ein Stück weiter, bis die Finger wieder zu schmerzen begannen. Da er also immer von Zeit zu Zeit anhalten mußte, kam er nicht schnell von der Stelle.

Endlich kam Spinne mit der Sonne und dem Mond auf der Erde an. Er warf den Mond zunächst in das Wasser. Da kühlte er ab. Die Sonne warf er auf die Erde, da ging sie unter. Der Mond aber ging auf. Nachher warf er die Sonne an den Himmel. Als es zu heiß war, lief er in das Haus. Seitdem gehen Sonne und Mond regelmäßig auf und unter. Mittags ist die Sonne heiß.

Spinne aber ist seitdem in den Häusern.

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